Diese Seite ist Teil eines Berlin-Reports, in dem die Rahmen- Story zu der folgenden Liste zu finden ist. Ein 2. Teil existiert derzeit nicht. [Zum Index]
| Demontage West-Berlins Die Fakten |
Nach dem Herstellen der deutschen Einheit war im Herbst 1990 klar, daß viele in Berlin doppelt vorhandenen Institutionen zusammengeführt und wirklich Überflüssiges aufgelöst werden mußte sie wurden ‚abgewickelt‘, wie man das in Orwellscher Sprachverdrehung nannte. Und so mußten in den 1990er-Jahren im wiedervereinigten Berlin vor allem die Ost-Berliner bluten. Viele der Volkseigenen Betriebe (VEB) rechneten sich in der Marktwirtschaft nicht mehr und wurden deshalb von der Treuhand ‚abgewickelt‘. Die Arbeitslosigkeit im Osten Berlins ist deshalb noch immer besonders hoch.Ab etwa 2000 trat dann im früheren West-Berlin verstärkt eine Entwicklung ein, die verblüffte: Immer häufiger wurde die Aufgabe von bewährten Einrichtungen bekannt, die plötzlich nicht mehr gebraucht wurden. Sie seien alle überaltert und sie kosteten zu viel Geld, heißt es regelmäßig. Schnell machte das Wort von der Liquidation West-Berlins die Runde. Im folgenden soll kurz und knapp von diesen oftmals negativen Fakten der Metropole- Werdung am Beginn des 21. Jahrhunderts berichtet werden.
Mit dem Symbol
sind weiterführende Infos verlinkt. Manche der Fotos sind anklickbar, wobei diese Links zum aktuellen Artikel in Wikipedia, der freien Enzyklopädie, führen. (xxx = das folgt demnächst):
I n d e x : (alphabetisch sortiert)
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- Die M-Bahn: Diese hochgelobte Magnetschwebebahn der AEG fuhr im Experimentierbetrieb von 1987 bis August 1991 auf einer Versuchsstrecke von U-Bahnhof Gleisdreieck (unterer Bahnsteig) bis zur Philharmonie am Kemper Platz. Nach der Wiedervereinigung Berlins mußte sie wegen der Revitalisierung der U-Bahnstrecke U 2 (verbindet die West-City mit der Ost-City um den Alexanderplatz) und der Neubebauung am Potsdamer Platz verschwinden. Für den Abriß mußte Berlins Senat 5,6 Mio. Euro bezahlen. Übrigens: Die in Berlin von Rathenau gegründete AEG ist 1996 ebenfalls verschwunden der große deutsche Elektro- Konzern wurde durch eklatantes Mißmanagement ins Aus gesteuert.
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- Die Freie Universität Berlin (FUB): Die Freie Universität wurde im eisigen Blockade- Winter 1948/49 am 4. Dezember 1948 in West-Berlin von Studenten und Professoren als Antwort auf massive Behinderungen an der Ost-Berliner Humboldt- Universität mit amerikanischer Hilfe gegründet. An dieser modernen Universität sollten die Studenten mitbestimmen und Freiheit von Forschung und Lehre den absoluten Vorrang haben. Deshalb wurden hier auch von vornherein keine ‚Gestrigen‘ (schlagende Verbindungen, Burschenschaften) zugelassen, die Deutschland in der Vergangenheit so sehr geschadet haben. Diese Errungenschaft geriet in späteren Jahren in Vergessenheit.
Seit etwa 1993 wird die FUB von der Berliner Politik systematisch demontiert. Denn Berlins Steuereinnahmen reichen jetzt noch nicht mal zur Finanzierung von nur einer Uni aus. Bereits 1991 beschließt der Senat, die Zahl der ‚ausfinanzierten‘ Studienplätze von 115.000 auf zunächst 100.000 abzusenken. In späteren Jahren wird diese Richtzahl weiter reduziert. Um 1995 fordert der schlaue Senat sogar die Schließung der Informatik, weil sie keine Zukunft habe. Und bis 2003 mußte die FUB fast die Hälfte ihrer Professuren abbauen (42 %). Aber Berlins Senat wollte noch viel mehr. So mußte die FUB die komplette Medizin abgeben und ist damit seit dem Sommersemester 2003 de facto keine Volluniversität mehr. Und es wird gemunkelt, daß als Nächstes die teure Physik ‚abgewickelt‘ werden wird.
Ob aber all diese wissenschaftsfeindlichen Sparmaßnahmen vom Bundesverfassungsgericht im Rahmen der geplanten Klage Berlins auf zusätzliche Bundesmittel honoriert werden, muß abgewartet werden. Andererseits wäre es fair und ehrlich gewesen, wenn Berlins Senat 1993 klar und deutlich gesagt hätte: Tut uns leid, wir haben kein Geld mehr für die FUB. Wir müssen Berlins Zweituni spätestens 2013 dicht machen und werden sie bis dahin personell und wissenschaftlich auf Null zurückfahren es sei denn, wir finden noch einen privaten Investor, der die FUB komplett übernimmt. Aber das ist nicht passiert, denn Berlins Senat liebt Salami-Taktiken...
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- Die Technische Universität Berlin (TUB): Nach 1945 zogen hier die ‚Humanities‘ ein. Eine Humanistische Fakultät wurde neu eingerichtet. Jeder Student mußte zusätzlich zum Fachstudium 4 verschiedene Nichttechnik-Fächer wie Biologie, Literatur, Recht und eine Fremdsprache studieren und später auch darin ein gesondertes Examen ablegen, bevor er sein Fachdiplom machen konnte.
Deshalb stieg damals die Technischen Hochschule zu Berlin- Charlottenburg (TH) zur Universität (TUB) auf. Wegen der unrühmlichen Rolle der TH in der Nazi-Zeit (es gab sogar eine Fakultät für Wehrtechnik), sollten an der TUB nie wieder manipulierbare ‚Fachidioten‘ ausgebildet werden. Jeder Ingenieur- Absolvent sollte in der Lage sein, kritisch auf gesellschaftliche Herausforderungen adäquat reagieren zu können, was der TUB zumindest auch in den 50er- Jahren bis in die späten 70er- Jahre hervorragend gelang. Mit dem enormen Spardruck des Senats von Berlin ist von der Vielfalt der ‚Humanities‘ am Beginn des 21. Jahrhunderts nicht mehr viel übriggeblieben. Die Universität ist de facto wieder zur TH degradiert worden, deren Aufgabe es ist, der Wirtschaft schnellausgebildete Fach-Ingenieure zur Verfügung zu stellen.
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- Die Dahlemer Museen: In Dahlem war die staatliche Gemälde- Sammlung im Bruno-Paul-Bau an der Arnimallee untergebracht. Das Völkerkunde- Museum präsentiert sich in einem modernen Anbau an der Lansstraße. Jahrelang strömten vor allem Touristen nach Dahlem in die berühmten Museen. Aber damit war in den 90er- Jahren Schluß. Die Gemälde wanderten ins Museum im Kulturforum an der Philharmonie.
In Dahlem verblieben sind die völkerkundlichen Sammlungen des Ethnologischen Museums vorerst. Denn das wird noch nicht der Endzustand sein. Es gibt visionäre Pläne, u. a. auch diese Sammlungen in einem wiederaufgebauten Stadtschloß in Mitte dem Humboldt- Forum zentral unterzubringen. Was dann die leeren Häuser der Dahlemer Museen füllen wird, weiß noch keiner. Auch die Gemäldegalerie soll endgültig ganz nach Mitte. In den Museen auf der Spree- Insel am Berliner Dom (Museums-Insel) wird schon kräftig umgebaut. Und ab 2011 soll dann das Humboldt-Forum auf dem Schloßplatz nach dem Entwurf von Architekt Stella gebaut werden.
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- Die Telefunken GmbH: Die in Berlin 1903 von der AEG und Siemens & Halske gegründete Telefunken GmbH war mit mehr als 20.000 Patenten Deutschlands innovativstes Unternehmen der Nachrichtentechnik und Elektronik. In den Telefunken- Labors entstanden u. a. Hochleistungssenderöhren, die magnetische Tonaufzeichnung, UKW-Sender, das farbstabile PAL- Fernsehverfahren.
Bereits nach 1945 wanderten viele Firmenteile nach Westdeutschland (Ulm und Hannover) ab. Das Verderben Telefunkens war dann aber, daß sie 1967 mit dem Mutter- Konzern AEG fusionierten. Und so ging auch Telefunken 1996 im Strudel der AEG mit unter
. Geblieben ist nur die Verwaltung des Markennamens. In Berlin erinnert in Charlottenburg am Ernst-Reuter-Platz das Telefunken- Hochhaus sowie das große von den Amerikanern bis 1994 als McNair-Kaserne genutzte Telefunken- Werk an der Goerzallee in Zehlendorf an bessere Zeiten.
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- Die Borsig-Werke: Die Firma Borsig war ein deutsches Großunternehmen des Schwermaschinenbaus mit Sitz in Berlin. Sie wurde bereits 1836 von August Borsig mit einer Eisengießerei in Berlin-Tempelhof gegründet, zog 1898 mit seinem Hauptwerk nach Tegel bei Berlin. Borsig war vor allem Hersteller von Dampflokomotiven. Später wurden auch Schiffsantriebe (Dampfmaschinen und Dieselmotore) hergestellt. Auch nach dem 2. Weltkrieg wurde ab 1950 unter dem neu gegründeten Dach der Borsig AG in Berlin-Tegel (das Foto zeigt das markante Fabriktor) im großen Stil Siemens-Martin-Stahl produziert, Maschinenteile gegossen, geschmiedet und Antriebsmaschinen produziert.
1970 wurde das Unternehmen von der Deutsche Babcock AG geschluckt und hieß dann Babcock-Borsig AG. Aber die Zeiten des Schwerstmaschinenbaus waren vorbei, und so ging das Unternehmen 2002 pleite. Vom einstigen Großunternehmen mit Tausenden von Mitarbeitern blieb in Berlin lediglich ein ‚Klein-Borsig‘ mit nur noch rund 250 Mitarbeitern, das heute einer ‚Heuschrecke‘ (Capiton) gehört. Borsig gilt als Musterbeispiel für den industriellen Niedergang (West-)Berlins.
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- Das Café Kranzler am Kurfürstendamm: Das sehr beliebte Straßencafé am Kurfürstendamm Ecke Joachimsthaler Straße fiel einer Neubebauung geldgeiler Investoren ohne jeglichen architektonischen Sachverstand zum Opfer. Und die Baugenehmigungsbehörde spielte dabei mit, statt Nein zu sagen. So mußte im Jahr 2000 das historische Kaffeehaus schließen. Es bestand an dieser Stelle seit 1932. Statt Kranzler residiert nun im vom Architekten Helmut Jahn gebauten Neuen Kranzler-Eck der Bekleidungskonzern Gerry Weber. Etwas Kranzler gibt es heute nur noch oben auf dem Dach in der Rotunde.
Ende 2006 steht das Neue Kranzler-Eck zum Verkauf an. Offensichtlich wollen die Investoren nun Kasse machen. Im Frühjahr 2007 gibt es dann Gerüchte, wonach das Traditionscafé Kranzler wieder ins Erdgeschoß ziehen könnte. Denn inzwischen ist aufgefallen, daß in der Zoogegend (West-City) Angebote zum Verweilen am Abend fehlen, die es noch bis Anfang der 1990er-Jahre reichlich gab.
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- Das Café Möhring am Kurfürstendamm: Im September 1898 eröffnete der 24-jährige Konditormeister Oscar Möhring am Kurfürstendamm 213 sein Kaffeehaus. Das Café Möhring entwickelte sich bereits in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zu einer der feinsten Adressen in Berlin. Für dieses Traditionscafé an der Ecke Uhlandstraße gegenüber dem Maison de France soll dann in den 1990er-Jahren die Miete am unteren Kurfürstendamm so hoch geworden sein, so daß es 2001 aufgeben mußte. Aus dem Möhring wurde eine Filiale der Schweizer Großbank Credit Suisse.
Auch andere Cafés in der Zoo-Gegend wie das Café Huthmacher (im Hochhaus am Bahnhof Zoo) und das Café Schilling (im Marmorhaus) mußten in den 1990er-Jahren Platz machen für lukrativere Mieter. Das Kaffeehaus Berlin in der Nähe des Olivaer Platzes mußte Anfang 2008 aufgeben.
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- Die AVUS: Die gefährliche Steilkurve der Auto- Rennstrecke durch den Grunewald wurde bereits 1967 abgetragen. Die ursprünglich in Nikolassee geplante große Südkurve wurde nie gebaut. Und seit April 1998 finden auf der AVUS der 1. deutschen Automobil Versuchs- und Übungsstrecke wg. der Lärmbelastung und Unfallgefahr keine Auto- und Motorradrennen mehr statt. Stattdessen wurde in der brandenburgischen Lausitz mit Hilfe der BankGesellschaft Berlin (BGB) eine neue moderne Rennstrecke gebaut, die aber nicht reüssierte die Formel 1 kam nicht. [Geschichte der AVUS]
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- Der RIAS-Berlin: Der 1946 nach reichlich Ärger (wg. des von den Sowjets im britischen Sektor okkupierten Berliner Rundfunks) von den Amerikanern in West- Berlin eingerichtete Sender Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS) wurde vom ‚Osten‘ als Feindsender gehaßt und verfolgt, aber von den West- Berliner wg. seiner klaren und deutlichen Sprache und den vielen guten Rundfunksendungen geliebt. Mit dem Erreichen der Einheit Deutschlands war aber der eigentliche Sendeauftrag dieses außerordentlichen Radiosenders erledigt. Berlin war wieder ’n schönes Festland geworden. Auch der RIAS mußte wie die Sender der DDR ‚abgewickelt‘ werden. Und an Silvester 1993 ging dann das letzte Mal die freie Stimme der freien Welt in den Äther.
[Mit freier Stimme Die Geschichte des RIAS]
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- Das Rathaus Schöneberg: Dieses Bezirksrathaus war auch der Sitz des West- Berliner Parlaments (Abgeordnetenhaus von Berlin) und der West- Berliner Regierung (Regierender Bürgermeister). Hier hielt der amerikanische Präsident John F. Kennedy am 26. Juni 1963 seine berühmte Rede an die versammelten Berliner. Nach der Wiedervereinigung der Stadt zog der ‚Regierende‘ wieder ins Rote Rathaus nach Mitte und das Parlament ins sanierte Haus des Preußischen Landtags an der Niederkirchner Straße.
Das Rathaus Schöneberg wurde aber nicht ganz geleert: Die von Amerikanern 1950 gestiftete Freiheitsglocke (‚freedom bell‘) eine in England gegossene Replik der Liberty Bell aus Philadelphia
verblieb dort im Rathaus- Turm zusammen mit dem von 17 Millionen amerikanischer Bürger unterzeichneten Freiheitsschwur, und sie erinnert manchmal mit ihrem Läuten an aufregende westberliner Zeiten.
Der Freiheitsschwur von 1949/50:
(1 MByte)
Ich glaube an die Unantastbarkeit und an die Würde jedes einzelnen Menschen. Ich glaube, daß allen Menschen von Gott das gleiche Recht auf Freiheit gegeben wurde. Ich verspreche, jedem Angriff auf die Freiheit und der Tyrannei Widerstand zu leisten, wo auch immer sie auftreten mögen.
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- Der Prälat in Schöneberg: Das in den 1950er- und 1960er-Jahren beliebte Veranstaltungs- und Ball-Haus (Presseball, Wolkenball, Filmball) an der Hauptstraße 122124 im zentralen Schöneberg ist vielleicht das Musterbeispiel dafür, wie private Investoren mit Eigentum umgehen. Der denkmalgeschützte Prälat steht seit 1987 leer und ist zum Sinnbild für Stillstand und Verfall geworden. Das Grundstück befindet sich inzwischen in der Hand der reichen Schwarz- Gruppe (Lidl & Co), die hier an der Schöneberger Dorfaue einen Supermarkt vom Discounter-Typ bauen wollte. Sie läßt nun aber das Areal schlichtweg vergammeln und der Staat schaut tatenlos zu.
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- Die Medizin an der FUB: Die Freie Universität Berlin (FUB) wurde vom Berliner Senat gezwungen zum 1. Juni 2003 ihre humanmedizinischen Fachbereiche in eine Art Medizinische Hochschule, die Charité Universitätsmedizin Berlin genannt wird, einzubringen, wie es auch die Humboldt Universät Berlin (HUB) tun mußte. Obwohl diese neue Charité in der Art eines Wirtschaftsunternehmen mit eigenem Vorstand, Aufsichtsrat und eigenem Budget-Recht angelegt ist, wird diese de facto als HUB- zugehörig angesehen schon wg. der Hauptstandorte in Berlin- Mitte und der höheren Medizin- Stundentenzahl. Damit ist der FUB ein wesentliches Fach abhanden gekommen, womit sich die bereits seit etwa 1993 laufende Demontage der FUB fortsetzt.
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- Der Sender Freies Berlin (SFB): Auch 15 Jahre nach dem Erreichen der Einheit sind die kleinen Bundesländer Berlin und das umgebende Brandenburg noch immer nicht vereinigt. Die dringende Notwendigkeit hatten 1990 die Macher des Einheitsvertrages übersehen. Dennoch wurde der finanzielle Druck im Rahmen der ARD auf die landeseigenen Rundfunkanstalten Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg (ORB) und den Sender Freies Berlin (SFB) so groß, daß man sich schon mal vorab zur gemeinsamen Rundfunkanstalt Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) vereinigte. Und so endete am 30. April 2003 auch der Sendebetrieb des seit 1992 gesamtberliner SFBs. Er wurde fast 50 Jahre alt. [mehr]
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- Die Grundlagenmedizin an der FUB (Vorklinik): Der noch in Dahlem ansässige Teil der medizinischen Grundlagenfächer (Anatomie, Physiologie, Neurophysiologie, Biochemie, Molekularbiologie) muß nach dem Willen des Berliner Senats von 2006 aus Wirtschaftslichkeitsgründen demnächst aufgegeben werden.
Finanz-Senator Sarrazin erwartet dadurch eine jährliche Einsparung von 3040 Mio. Euro. Damit wird dann an der FUB in diesen mehr naturwissenschaftlich orientierten medizinischen Fächern auch keine Forschung mehr stattfinden. Das ist für eine moderne Universität fatal. Es wird deshalb vermutet, daß diese Sparmaßnahme trotz aller Lippenbekenntnisse von Politikern der Anfang vom Ende der Freien Universiät sein könnte, zumal der Protest der FUB bislang eher bescheiden ausfällt. Und immerhin war 1948 die Physiologie einmal eine der Keimzellen der Freien Universität.
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- Der Botanische Garten: Um 2003 soll es beim Finanzsenator Überlegungen gegeben haben, den Botanischen Garten in Lichterfelde aufzugeben, da er sich betriebswirtschaftlich nicht rechne. Der traditionsreiche Garten und das Botanische Museum gehören zur (bei agierenden Senatspolitikern wenig beliebten) Freien Universität. Vermutlich hatten aber die Finanz- Technokraten eher ihr Augenmerk auf die sich daraus ergebende Möglichkeit geworfen, das große Grundstück an der Straße Unter den Eichen für viel Geld parzelliert verkaufen zu können. Auch mag es schon Investoren aus Heuschrecken- Kreisen gegeben haben, die sich mit entsprechenden Anfragen an den Senat gewandt hatten. im Jahr 2003 wurden über 75.000 Bürger-Unterschriften für den Erhalt des Botanischen Gartens gesammelt.
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- Das Studentendorf in Schlachtensee: Nach der Gründung der Freien Universität sollten die Studenten nicht nur frei lernen, sondern auch unbeschwert in der Nähe des Dahlemer Campus leben können. Und so wurde ab 1950 mit amrikanischer Hilfe in Schlachtensee ein großes Studentendorf der ganz anderen Art gebaut. Das Dorf wurde mit seinen Einrichtungen eine ziemlich Erfolgsstory. Als sich aber in den 90er-Jahren Senats- Betriebswirtschaftler kümmerten, kamen sie zum Ergebnis, daß sich das Dorf nicht rechnet und schleunigst abgerissen werden müsse. Letztendlich wurde im Dezember 2003 der 5,3 Hektar große Komplex an der Wasgenstraße vom Liegenschaftsfonds an eine Studenten- Genossenschaft für 10 Mio. Euro verkauft. Um das neue Projekt zu finanzieren, mußten aber Teilflächen geopfert werden. Hier wollen andere Investoren Discount- Märkte bauen.
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- Das ICC: Noch steht das Internationale Congress Centrum (ICC) von 1979 unterm Funkturm. Es gibt aber sehr starke Betrebungen es aufzugeben und dann abzureißen. Vor allem dem PDS-Senator Harald Wolf (Wirtschaftssenator) sagt man nach, er favorisiere eine Kompensation für den 2006 gestarteten Abriß des Palasts der Republik im ‚Ostsektor‘ auf der Schloßinsel. Ob dann auf dem derzeitigen ICC-Standort wieder der (zentrale) Festplatz mit guten Verkehrsanschlüssen entstehen wird, ist unklar aber sehr wahrscheinlich. [mehr] [Das ICC soll verschwinden]
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- Die Deutschlandhalle: Diese Berliner Traditionshalle für Sport- und andere Groß- Veranstaltungen wurde 1935 anläßlich der Olympischen Sommerspiele 1936 in nur 9 Monaten gebaut und am 29.11.1935 eingeweiht. Im Januar 1943 wurde die Halle bei einem Bombenangriff bis auf die Außenmauern zerstört, aber Berlins Senat baute die Halle in den 1950er- Jahren wieder auf. Von 1957 an war sie Veranstaltungsort von großen Shows wie Holiday on Ice, Menschen-Tiere-Sensationen, Jazz-Konzerten (u. a. Duke Ellington, Chris Barber) sowie von Reit-Turnieren und vielen Sport- und Musik- Events.
Die stadteigene Messe Berlin betreibt seit etwa 1997 mit immer subtileren Mitteln den Abriß dieser in die Jahre gekommenen Veranstaltungshalle. Sie möchte an dieser Stelle ein neues Congress-Center bauen, um das von ihr ungeliebte ICC aufgeben zu können. Daraus wurde so nichts. Berlins Senat beschloß Ende Mai 2008 den Weiterbetrieb des ICC sowie den Abriß der bereits seit dem Neubau der Velodrom-Halle (Friedrichshain) und der Max-Schmeling-Halle (Prenzlauer Berg) zum Verfall preisgegebenen Deutschlandhalle. Auch wenn die Halle denkmalgeschützt sei, brauche man sie nicht mehr, heißt es 2008 beim Senat.
Allerdings wurde die bei Konzertveranstaltern sehr beliebte Deutschlandhalle nach dem Bau von Velodrom und Max-Schmeling-Halle von Berlins Senat stillgelegt. Denn dieser schloß doch um 1995/96 mit der Firma Velomax einen Betreibervertrag für die beiden neuen Hallen ab, in dem zugesichert wurde, daß keine Popkonzerte mehr in der Deutschlandhalle stattfinden dürfen. Obwohl dieses eine stattliche Subventionierung darstellt, hat sich über diesen staatlichen ‚Betriebskostenzuschuß‘ nie jemand aufgeregt.
Anfang November 2011 ist es klar, die Deutschlandhalle wird abgerissen und dort von der Messe Berlin bis Ende 2013 eine neue Halle für Messe- und Kongreßbedürfnisse gebaut (Kosten etwa 65 Mio. Euro). Berliuns rot-roter Senat hat jetzt die Abrißgenehmigung erteilt, die der Bezirk Charlottenburg- Wilmersdorf wg. des Denkmalschutzes verweigert hatte. In der benachbarten Eichkamp-Siedlung befürchtet man nun, daß demnächst die Messe Berlin auch die Wohnsiedlung schleifen könnte, um noch mehr Ausstellungsfläche zu gewinnen [mehr]. Am 3. Dezember 2011 wurde die Deutschlandhalle gesprengt.
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- Die Kinos in der Zoo-Gegend: Es hat wohl eher mit dem großen Kinosterben allerorten zu tun. Dennoch sind seit den 90er-Jahren in der Berliner West-City besonders viele Kinos für immer dichtgemacht worden. Dazu gehören: Das Astor (1934 bis Dezember 2002), das Europa-Studio (19882002), die berühmte Filmbühne am Steinplatz (bis 3.12.2003), die Filmbühne Wien (1913 bis April 2000), der Gloria- Palast (19261998), das Hollywood (19542003), die Lupe am Olivaer Platz (19191998), das Marmorhaus (19132001), das Olympia am Zoo, der Royal- Palast im Europa-Center (1965 bis 28.4.2004) und das Studio im Europa-Center
.
Die Existenz des Zoo-Palastes einst der prächtige Berlinale-Palast ist 2006 arg bedroht. Und so mochte man 2007 angesichts der Umbaupläne schon nicht einmal mehr das 50-jährige Jubiläum begehen. Von einst 24 Kinos in der West-City Berlins sind 2011 nur noch 2 Stück übriggeblieben. Zuletzt schloß das Broadway am 23. Juni 2011. In den meisten Fällen konnten die Kino-Betreiber die von den Vermietern in die Höhe getriebenen Mieten nicht mehr bezahlen.
Schon früher verschwanden: Das Aki am Zoo, die Bonbonniere, das Capitol und das Studio am Lehniner Platz, das Filmtheater Berlin im Haus Cumberland, das Gnom, das Kino im Kindl, die Kammer Lichtspiele, das Kuli, die Kurbel, das Metropol, das MGM und der Ufa- Pavillon. Und der riesige Royal- Palast im Europa-Center mit der größten Leinwand Europas wurde 2006 abgerissen, um einem lukrativeren Einkaufszentrum Platz zu machen. Aber auch am neuen Potsdamer Platz macht bereits 2006 das erste Kinos wieder dicht.
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- Der Bahnhof Zoo: Mit der am 28. Mai 2006 erfolgten Eröffnung des neuen Hauptbahnhofes am Ort des früheren Lehrter Bahnhofs am Rande des Regierungsviertels wurde der Bahnhof Zoo vom Fern- zum reinen Regional- Bahnhof degradiert. Hier halten keine IC- und ICE-Züge mehr sie fahren durch. Das hatte Bahnchef Mehdorn höchst persönlich angeordnet. Dagegen regte sich mächtiger Protest, der aber nichts bewirken konnte.
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- Die Yorck-Brücken in Kreuzberg: Viele verrostete Stahlbrücken für die Eisenbahn überqueren 2006 noch die Yorck- Straße am westlichen Eingang zu Kreuzberg. Die meisten werden nicht mehr gebraucht. Denn sie stammen aus der Hochzeit der Berliner Eisenbahn mit Anhalter Bahn, Dresdner Bahn und der Potsdamer Stammbahn sowie den zugehörigen S-Bahnstrecken. Deshalb will die Bahn alle überflüssigen Brücken abbauen, um so Unterhaltskosten zu sparen. Aber auch dagegen regte sich sofort Protest, da das Brücken-Ensemble seit 1993 unter Denkmalschutz steht.
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- Das Amerika-Haus: Mit der Eröffnung der amerikanischen Botschaft am Pariser Platz wird das Amerika-Haus am Bahnhof Zoo nicht mehr gebraucht. Investoren, die das Haus abreissen und hier ein Hochhaus bauen wollen, sollen bereits beim Senat Schlange stehen. Es gibt aber Bestrebungen, das Amerika-Haus wie es ist zu erhalten, um dort ein Museum der 45-jährigen Geschichte West-Berlins einzurichten. Schließlich sei diese Geschichte ganz eng mit dem Wirken der USA als Schutzmacht für die damals geteilte Stadt verbunden, sagen Befürworter. Noch fehlt aber das Geld, um diese Idee zu realisieren. [mehr]
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- Der Steglitzer Kreisel: Es ist keine Frage, dieses skandalumwitterte Steglitzer Wahrzeichen mit Bezirksverwaltung ist hochgradig mit krebsauslösendem Asbest belastet und muß saniert werden. Allerdings ist das schon seit 20 Jahren bekannt. 2006 droht nun der Abriß, zumal der Bezirk über reichlich Ausweichquartiere zur Unterbringung der Verwaltungsabteilungen verfügt, in die dann im November 2007 umgezogen wurde. Seitdem steht der Kreisel leer und kostet die Stadt jährlich gut 1 Mio. Euro an Betriebskosten. [mehr]
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- Das Schiller-Theater: Bei diesem 1905/06 gebauten Theater begann 1993 unter einem von der CDU-geführten Berliner Senat die Demontage West-Berlins sie wurde öffentlich erkennbar. Der Betrieb der städtischen Bühnen wurde unter massivem Bürgerprotest mangels Masse eingestellt und alle Schauspieler vom damaligen Kulursenator Ulrich Roloff Momin (FDP-naher Schiller-Killer) entlassen. Im erst 1951 wiedereröffneten Schiller-Theater in Charlottenburg findet nun kein Qualitäts-Theater mehr statt. Es ist Spielstätte für durchziehende Musical- Produktionen geworden.
Um die Staatsoper Unter den Linden von Grund auf sanieren zu können, wird das Schiller-Theater seit 2009 zu einer Ersatz-Oper umgebaut. Für voraussichtlich 3 Jahre wird dann in diesem Ausweichquartier die Staatsoper gastieren, womit ab 3. Oktober 2010 wieder hochwertiges Bühnenleben dort einzieht. Was aber danach aus dem Schiller-Theater wird, ist unklar. Immerhin ist es dann mit einem breiten Orchestergraben ausgestattet. Eröffnet wird die Opern-Saison im Schiller-Theater mit der Uraufführung der Oper Metanoia von Jens Joneleit (Regie: Christoph Schlingensief, Dirigent: Daniel Barenboim).
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- Freie Volksbühne (Theater): Im Zuge der deutschen Arbeiterbewegung wurde 1890 die Freie Volksbühne Berlin (FVB) als Besucherorganisation gegründet, um der ärmeren Bevölkerung eine preiswerte Teilnahme am kulturellen Leben der Stadt zu ermöglichen. Bereits 1914 konnte die Organisation ein eigenes Theater am Bülowplatz (heute: Rosa-Luxemburg-Platz) eröffnen. Nach der Teilung der Stadt lebte die Freie Volksbühne in West-Berlin fort. Sie nutzte für den eigenen Spielbetrieb von 1949 bis 1962 zunächst das Theater am Kurfürstendamm.
Im Mai 1963 konnte dann das an der Schaperstraße in Wilmersdorf neugebaute Theater Volksbühne eröffnet werden. Übrigens, an diesem Standort sollte zunächst die neue Berliner Philharmonie entstehen, die dann aber ‚zentraler‘ am Tiergarten gebaut (West-Berlin plante für ein Gesamt-Berlin!) und auch 1963 eingeweiht wurde. Im neuen FVB-Theater wurde mit Inszenierungen von Piscator, Zadek, Peymann und Utzerath seit 1963 deutsche Theatergeschichte geschrieben. Nachdem Berlins Senat 1992/93 alle Zuschüsse gestrichen hatte, begann für die Freie Volksbühne eine schwierige Phase. Schließlich sah man sich 1999 gezwungen, das Theater zu verkaufen und sich nur noch als Besucherorganisation zu betätigen.
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- Das Schloßpark-Theater in Steglitz: Bereits am 3. November 1945 startete Boleslaw Barlog in diesem kleinen Theater in Steglitz einen Neuanfang des Berliner Theaterlebens nach dem Krieg. Gespielt wurde Curt Götz’ Komödie Hokuspokus. Unter Barlogs Leitung entwickelte sich das städtische Theater zu einer Erfolgsstory. Unvergessen sind die Aufführungen von Vier in einem Jeep, Die gelehrten Frauen (1951) und Wie es euch gefällt (1953). Mit der Schließung des Schiller-Theaters kam 1993 auch das Aus für das Schloßpark- Theater.
Es stand dann jahrelang leer. Aber auch privat betrieben kam das Theater unterm Kreisel bislang nicht mehr auf die Beine
. Ab September 2009 will nun Dieter Didi Hallervorden das kleine Theater neben dem Wrangel-Schlößchen übernehmen, denn zunächst muß das Theater erst noch umfangreich renoviert werden. Intendant Hallervorden will dort wieder anspruchsvolles Sprechtheater etablieren.
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- Das Opernhaus: Im vereinten Berlin gibt es 1990 plötzlich 3 Opernhäuser: Die Deutsche Oper an der Bismarckstraße in West-Berlin sowie die Staatsoper (Unter den Linden) und die Komische Oper in Ost-Berlin. Angesichts leerer Kassen hätte es nahegelegen, alle Häuser umgehend zu privatisieren, so daß sich diese am Markt entsprechend ihren Möglichkeiten hätten entwickeln können. Aber Berlins Senat setzte auch hier auf die Salami-Taktik des Schrumpfens, ‚Abwicklens‘ und Umfinanzierens. Man gründete dazu als Holding sogar eine Opernstiftung. Dennoch ist es wenig wahrscheinlich, das alle Opernhäuser auf Dauer überleben werden. Und da der Bund die Staatsoper besonders fördert, wird wohl zumindest für die ‚nachgeborene‘ Deutsche Oper an der Bismarckstraße demnächst Schluß sein.
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- Die Kurfürstendamm-Theater: Die Komödie und das Theater am Kurfürstendamm existieren bereits seit 1921 am unteren Kurfürstendamm (‚Ku’damm‘). Im Januar 2006 werden sie plötzlich durch den neuen Eigentümer des Ku’damm-Karrees mit Abriß bedroht. Denn die Deutsche Bank Real Estate wollte hier Lukrativeres bauen. Zum 31.12.2006 ist beiden Theatern gekündigt worden, was einen großen Sturm der Entrüstung hervorrief
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Offensichtlich wurde der Deutschen Bank das Boulevardbühnen- Problem wg. des massiven Bürgerprotests dann zu heiß, weshalb sie das Objekt von ihrer Estate-Tochter kurzerhand verkaufen ließ. Neuer Eigentümer ist nun die Heuschrecke Fortress, die auch nichts von Theaterkultur versteht. Bekannt wurde diese US-Investorengruppe durch den Aufkauf der WOBA, der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Dresdens. Zwar erhielten die Ku’damm- Bühnen bei der Räumungsfrist einen Aufschub. Aber 2008 sollen sie nun endgültig ausziehen es sei denn, Berlins Behörden stellen die beliebten Theater in der West-City doch noch unter Denkmalschutz.
Im Sommer 2007 wird dann aber bekannt, daß es Senatspolitiker der früheren CDU/SPD-Regierung waren, die 1998 die ursprünglich beim Verkauf des Ku’damm-Karrees 1990 vereinbarten Nutzungsverpflichtungen (im Grundbuch eingetragener Bestandsschutz für die Bühnen) für umgerechnet 1 Mio. Euro auch noch verkauften. Verantworlich dafür sind die Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing (SPD) sowie der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU). Damit gab Berlins Senat bereits 1998 jegliche politische Einflußmöglichkeit auf die weitere Entwicklung der Kurfürstendamm- Bühnen auf und signalisierte zudem dem Grundstückseigner (damals noch der Bauunternehmer Roth), daß dieser nunmehr mit dem Karree machen könne, was er wolle. Er verkaufte bereits 2002 das Karree für 194 Mio. Euro an die Deutsche Bank Real Estate. Ein prima Deal, denn er hatte fürs Karree insgesamt nur rund 34 Mio. Euro (30 Mio. Kaufpreis + 1 Mio. Nutzungsverpflichtungs- Ablöse + 3 Mio. fällige Frühverkaufsstrafe) ans Land Berlin gezahlt.
Im September 2007 verkauft die Heuschrecke Fortress das Ku’damm-Karree mit den beiden Theatern weiter an die irische Firma Ballymore Properties. In den Zeitungen steht, daß dafür nur noch 155 Mio. Euro gezahlt worden sein sollen. Der Projektentwickler Ballymore ist bereits seit 1990 der 5. Besitzer des Gebäudekomplexes am Kurfürstendamm. Berlins Senat hat 2007 die beiden Traditions-Bühnen noch immer nicht unter Denkmalschutz gestellt, obwohl das noch immer möglich wäre. Und das rächt sich, denn Anfang Dezember 2008 wird bekannt, daß auch Ballymore die beiden Traditionstheater abreißen will. Stattdessen soll aber ein Neubau mit 650 Plätzen im Rahmen des Umbaus des Ku’damm-Karree zu einem Shopping-Center erfolgen. Ob das alles angesichts der globalen Finanzkrise klappen wird, steht in den Sternen. Sind die alten Theater erst einmal abgerissen, ist durchaus noch anderes möglich.
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Anfang April 2009 stellt Ballymore ein Ulimatum. Sollte bis Oktober 2009 keine Baugenehmigung für ihre Planungen vorliegen, so werde man sich umorientieren, heißt es also alles weiterverkaufen. Damit können wohl die Ballymore- Bauwünsche zu den Akten gelegt werden. Denn dafür ist ein neuer Bebauungsplan notwendig, der aber niemals in einem halben Jahr rechtsverbindlich aufgestellt werden kann. Und so sind die beiden Bühnen erst einmal wieder gerettet. Was für ein Theater. Vermutlich ist die Karree-Immobilie nun nur noch 100 Mio. Euro oder weniger wert.
Nachdem Anfang 2010 neue Architekten-Pläne bekannt wurden, die den Abriß beider Bühnen und den Bau eines kleinen Ersatz-Theaters hinten an der Uhlandstraße vorsehen, startet der Verein Rettet die Ku’damm-Bühnen im April 2010 ein bezirkliches Bürgerbegehren. Damit soll der moralische Druck auf die Ämter steigen, um so doch noch den Bestand der beiden Bühnen zu sichern. Ballymore will die Theater nur deshalb abreissen, weil diese nicht die standortübliche Miete von rund 200 Euro pro Quadratmeter einspielen können.
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- Die Bewag: Die Bewag die Berliner Elektrizitäts-Werke AG (an der Börse hießen sie BEKULA) gibt es noch. Sie heißt nun seit dem 1. Januar 2006 Vattenfall (Wasserfall) und gehört schon längst nicht mehr der Stadt Berlin. Denn diese hatte ihren Anteil am Berliner Traditions-Unternehmen, das 1884 als erster deutscher Stromversorger gegründet worden war, bereits 1997 an amerikanische Investoren verkauft. Diese machten 2001 Kasse und verkauften die Bewag an den schwedischen Vattenfall-Konzern, die gerade in Deutschland auf Einkaufstour waren (HEW, Laubag, usw.).
Der Bewag-Verkauf war wegen der kritischen Haushaltslage des Landes Berlin notwendig geworden. Nun kassiert der schwedische Staat, dem der Energiekonzern Vattenfall zu 100 % gehört, die Rekordgewinne aus Deutschland (2005 waren es 1,9 Mrd Euro). Der Berliner Haushalt ist aber noch immer notleidend. Schon 1997 unkte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): Ob die Verkäufe dauerhaft zu einer Haushaltsentlastung führen, ist fraglich. Schließlich kann man ein lukratives Unternehmen ja nur einmal verkaufen.
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- Die Gasag: Die Berliner Gaswerke Gasag wurden zwischen 1994 und 1998 vom Berliner Senat für insgesamt 1,28 Mrd. Euro an private Investoren verkauft. Eigentümer sind heute Vattenfall Europe, Gaz de France und die Thüga AG (gehört zu Eon). Seitdem ist es immer wieder zu enormen Gas-Preissteigerungen für die 650.000 versorgten Berliner Haushalte gekommen. Die Gewinne der Eigentümer explodierten.
Deshalb gibt es im Herbst 2008 Bestrebungen, den Monopolisten wieder unter Kontrolle zu bekommen. Teile der privatisierten Gasag sollen wieder ins Landeseigentum übernommen werden. Angestrebt werde eine Sperrminorität von 25,1 % am Gasverteilnetz, um das entstandene Monopol aufzubrechen, heißt es. Der Verkauf der Berliner Gaswerke sei ein Fehler gewesen.
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- Die Berliner Wasserwerke: Am Berliner Wasser wurde schon früher intenational gut verdient. Denn die Berliner Wasserwerke wurden 1853 als Berlin Waterworks Company in London gegründet. Erst 1873 kaufte die Stadt Berlin diese Company. Und 1923 bildete sich daraus die Berliner Städtischen Wasserwerke AG, die 1937 in einen Eigenbetrieb der Stadt umgewandelt wurde. Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) wurden dann 1994 in eine Anstalt des öffentlichen Rechts umgewandelt. 1999 wurden vom Senat 49,9 % dieser Anstalt an ein privates Wasserversorger-Konsortium aus der französischen Veolia Water (früher Vivendi) und der deutschen RWE zu einem lächerlichen Preis verkauft. Kenner aus Senatskreisen sagen, daß ein miserabler Kaufvertrag abgeschlossen worden sei. Das hat inzwischen zu erheblichen Preissteigerungen des Berliner Wassers geführt.
Berlins Senat war nie in der Lage, den Bürgern der Stadt zu erklären, was die Privatisierung des Wasserbetriebes außer einem einmaligen Strohfeuer in der Landeskasse überhaupt bringen soll(te). Ein Wettbewerb zwischen verschiedenen Anbietern sei doch beim (Über-)Lebensmittel Wasser in einer Region überhaupt nicht möglich, sagen Berliner mit Köpfchen.
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- Die Schering AG: Diese Berliner Pharmafirma gehört seit 1851 zu den deutsche Unternehmen, das Berlin immer auch in den schlechten Zeiten die Treue gehalten hat. Andere wie Siemens und die Deutsche Bank liefen davon. Der Weltkonzern Schering war zudem so erfolgreich, daß es das einzige Berliner Unternehmen war, dessen Aktien im DAX-Index gelistet wurden. Aber im März 2006 wurde Schering durch ein feindliches Übernahmeangebot des Merck- Konzerns (Darmstadt) aufgeschreckt. Rund 15 Mrd. Euro wollte dieser dafür zahlen, daß aus Schering die Berliner Merck- Dependance werden sollte.
Das ging nicht nur den Schering-Managern gegen den Strich. Aber es kam dann die Bayer AG (Leverkusen) als ‚weißer Ritter‘ zu Hilfe. Nach einigem Übernahmepoker, an dem sich auch Merck beteiligte, stand fest, daß Bayer und Schering zur Bayer-Schering Pharma AG fusionieren werden. Die Zentrale des fusionierten Unternehmens mit Produktion, Forschung, Entwicklung und operativer Führung wird in Berlin angesiedelt [Ed: so ein Turm am Alex wäre doch für die Zentrale nicht schlecht...]. Allerdings ist damit Scherings (und wohl auch Berlins) Traum, alleine bestehen zu können, endgültig geplatzt. Und Berlin wird noch sehr viel Hilfe benötigen, um auch wirtschaftlich wieder aufzublühen um wieder Hauptstadt der Wirtschaft zu werden.
Nur 4 Jahre später ist klar, daß es keine Fusion war, sondern auch nur eine eine Übernahme von Schering durch Bayer für 17 Mrd. Euro. Auch ist die Zentrale des 2006 geschmiedeten Pharma-Riesens wie damals versprochen nie aus der rheinischen Provinz in der Hauptstadt angekommen. Im November 2010 steht dann fest, daß der Name Schering verschwinden wird. Die Bayer-Schering Pharma AG will sich in Bayer HealthCare AG umbenennen. Befürchtet wird nun, daß nicht nur der Schriftzug Schering in der Müllerstraße (Wedding) getilgt wird, sondern auch noch die gesamten Scheringwerke mit derzeit rund 5000 Arbeitsplätzen aus Berlin verschwinden. Der Berliner Tagesspiegel titelt bereits: Schering stirbt (9.11.2010).
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- Der Flughafen Tegel: Dieser Flughafen im französischen Sektor wurde 1948 während der Blockade West-Berlins in nur gut 2 Monaten quasi aus dem Boden des früheren Raketenschießplatzes gestampft, damit die Luftbrücke zur Versorgung der West- Berliner leistungsfähiger werden konnte. Am 2. Januar 1960 wurde von Tegel-Nord aus auch der zivile Flugbetrieb aufgenommen, denn Düsenflugzeuge wie die Caravelle der Air France konnten nur hier starten und landen.
Ende der 1960er-Jahre wurde der Flughafen ausgebaut und erhielt im stadtnäheren Tegel- Süd ein modernes Abfertigungsgebäude mit Tower und Autobahn-Anschluß. Ausgelegt wurde der Flughafen für ein Aufkommen von rund 6 Millionen Passagier pro Jahr. Die Eröffnung war im November 1974. Nun konnten hier auch alle Düsenflugzeuge starten und landen, was damals in Tempelhof nicht möglich war. Der Flughafen mußte seitdem mehrfach provisorisch erweitert werden. Zum Bau des ursprünglich geplanten 2. Terminal- Sechsecks und einer Anbindung per U- oder S-Bahn kam es nicht, obwohl dort 2006 bereits rund 12 Millionen Passagiere abgefertigt wurden. Tegel-Nord ist seit 1994 Regierungsflughafen.
Sobald der in Berlin- Schönefeld geplante neue Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) in Betrieb gegangen ist (man rechnet mit November 2011), soll der Flughafen Tegel total geschlossen werden und die Fläche einer anderen Nutzung zugeführt werden. Aber konkrete Senats- Pläne für eine künftige Nutzung existieren 2006 noch nicht. Vielleicht könne man hier ja mal eine richtige Weltausstellung organisieren, hört man. Ein Protest wird hier eigentlich nicht erwartet oder doch?
Zwei Vorfälle von Ende Dezember 2009 (spontanes Blitzeis) und der Bombenfund im April 2010 zeigten, wie gut es ist, mit zwei Flughäfen wenigstens eine alternative Landemöglichkeit in der Stadt zu haben. In beiden Fällen mußte der Flughafen Tegel für Stunden geschlossen und Flüge nach Schönefeld umgeleitet werden. Aber ab 2012 wird es eine stadtnahe Notfall-Ausweichmöglichkeit nach der Inbetriebnahme des BBI nicht mehr geben Tegel wird dann für immer geschlossen. Flüge müßten dann nach Leipzig umgeleitet werden. Berlins Senat wünschte sich ja nur einen Single-Airport für die aufstrebende Metropole...
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- Der City-Flughafen Tempelhof: Berlin besitzt damit einen City- Flughafen in einmaliger Lage, um den uns viele Städte in aller Welt beneiden. Auf diesem können alle Flugzeuge vom kleinen Geschäfts- Yet bis zur Klasse der Boing 727 sowie Helikopter, Luftschiffe und Heißluftballon gewartet und abgefertigt werden. Nur für vollbeladene Großflugzeuge sind die beiden Rollbahnen zu kurz. Ein solch leistungsfähiger City- Airport ist ein enormer Standortsvorteil für nachhaltige Wirtschaftsansiedlungen (beispielsweise am Alexanderplatz), die in Berlin so dringend gebraucht werden. Dennoch verfügte im Juni 2004 der aus SPD + PDS gebildete Berliner Senat die Schließung des Airports, um den Prozeß um den BBI (geplanter Großflughafen in Berlin- Schönefeld) nicht zu verlieren, wie sie sagten.
In Tempelhof (THF) boomt 2006 noch einmal der Flugverkehr und auch Tegel (TXL) platzt erneut aus allen Nähten. Aber spätestens nach der BBI- Eröffnung im Herbst 2011 sollen hier keine Flieger mehr in die Luft gehen. Um wenigstens den Flughafen Tempelhof zu retten, greift im Sommer 2006 sogar die Berliner CDU zum Mittel des Unterschriftensammelns. Hätten aber die Christdemokraten in den 1990er- Jahren selbst dafür gesorgt, daß im Land Berlin solche Fragen durch die Bürger endgültig mit einfacher Mehrheit entschieden hätten werden können, dann wäre jetzt der THF überhaupt nicht in Gefahr. Es ist keine Frage: Eine Mehrheit aller Berliner (etwa 60 % laut Demoskopie) ist für den Erhalt des City-Airports. Denn den Riesenbau immerhin das drittgrößte Gebäude der Welt könne man schließlich nicht vergammeln lassen, und das koste sowieso Geld, wissen sie ganz genau.
Aber Berlins Senat setzt auf einen reinen ‚Single-Airport‘ (ohne jegliche Ausweichmöglichkeit) und will den Flughafen Tempelhof nun Ende Oktober 2008 vorzeitig schließen für immer. Daran konnte auch am 27. April 2008 Berlins erster Volksentscheid nichts mehr ändern. Zwar stimmte eine Mehrheit der Berliner für den Erhalt, aber angesichts einer geringen Beteiligung wurde das erforderliche Quorum von 25 % der Abstimmungsberechtigten nicht erreicht. Und so sind die Tage des Flughafens Tempelhof gezählt auch wenn der Flughafen Tegel im April 2008 nun total aus allen Nähten platzt und schon wieder nach einer Erweiterung giert.
Am 30. Oktober 2008 war es dann soweit. Berlins vor 85 Jahren eröffneter Zentralflughafen Tempelhof wurde um Mitternacht für immer geschlossen die Betriebserlaubnis erlosch. Und der Himmel weinte den ganzen Tag. Die letzten abfliegenden Flugzeuge waren eine Ju-52 und ein Rosinenbomber aus der Zeit der Luftbrücke. Was nun aus dem Riesengelände und dem Riesengebäude des ältesten Flughafen der Welt der Mutter aller Flughäfen, wie ihn Architekt Norman Foster nannte werden wird, das weiß noch keiner. [Flächennutzungsplanung 2008]
Aus dem Tempelhofer Feld wird nun zunächst ein großer Volkspark. Am 8. Mai 2010 wird das 380 Hektar große ehemalige Flugfeld mit einem großen Fest für die öffentliche Nutzung freigegeben. Der Park kann durch 3 Zugänge am Columbiadamm, Tempelhofer Damm und der Oderstraße in Neukölln betreten werden und ist von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang geöffnet.
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- Der Tränenpalast: Eigentlich ist das eine Einrichtung Ost-Berlins, aber bis 1990 hatte er für West-Berliner eine besondere Bedeutung. Denn nach einem per Passierschein genehmigten Besuch von Ost-Berlin erfolgte über dieses Gebäude am Bahnhof Friedrichstraße die ‚Ausreise aus der DDR‘ mit peinlicher Gepäck- und Gesichts- Kontrolle durch die VOPOs: Mach’n ’se mal das rechte Ohr frei.
Nach der Wende wurde das Gebäude beliebter Kulturort in der vereinten Stadt und erhielt den Namen Tränenpalast wg. der vielen Tränen, die hier einst vor seinen Toren bis zum Fall der Mauer beim Abschied von lieben Menschen flossen. Ende Juli 2006 muß der Tränenpalast für immer schließen, denn ein mächtiger Baulöwe braucht Baufreiheit für seinen Glasturm auf dem Spreedreieck und die Stadt Berlin hat dabei kräftig mitgeholfen.
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- Das Theater Tribüne: Nach fast 90-jähriger Theater-Geschichte schloß das kleine Theater am Ernst-Reuter-Platz (früher am Knie) zum Jahresende 2008 für immer seine Pforten. Denn Berlins Senat stellte ab 2009 die staatliche Förderung ein. Zuletzt erhielt das Theater rund 600.000 Euro im Jahr. Man sagt, Berlins Regierendem Bürgermeister und Kultursenator Wowereit (SPD) soll das Programm der Tribüne nicht gefallen haben.
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- Das Tempodrom: Zwar gibt es den Veranstaltungsort Tempodrom noch, aber durch (west-)berliner Größenwahn vom Typ Olympia 2000, BankGesellschaft oder internationales Luftverkehrskreuz wäre das so erfolgreiche Projekt fast wieder gestorben. Einen Traum von einem alternativen Zirkus erfüllte sich die Krankenschwester Irene Moessinger mit ererbten Geld. Sie stellte 1980 dicht an der Mauer am Potsdamerplatz ein Veranstaltungszelt auf. Das erfolgreiche Unternehmen mußte 1984 in den Spreebogen in die Nähe des heutigen Kanzleramts umziehen. Aber hier war es nach der Wende wegen seines alternativen Images vom Ex-Kanzler Kohl nicht gelitten. Es mußte dort verschwinden.
Und damit begann der Größenwahn: Ein fester Bau, vom Stararchitekten entworfen, für 32 Mio. Euro mußte her. Die Stadt gab irgendwie reichlich Geld dazu. Und so entstand bis 2001 das Neue Tempodrom mit esoterischem Schwimmbad (alles aus Beton) am Anhalter Bahnhof. Der nunmehr wenig alternative Betrieb rechnete sich nicht mehr, und so kam auch bald die Pleite. Das Tempodrom steht heute unter Insolvenzverwaltung. Beim Kanzleramt (In den Zelten) steht aber heute wieder ein richtiges Zelt das Tipi das Zelt . . .
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- Die Entlastungsstraße durch den Tiergarten: Diese Straße war ein typisches Relikt der geteilten Stadt. Sie mußte 1961 nach dem Mauerbau aus dem Tiergartenboden gestampft werden, damit der Verkehr zwischen Nord- und Süd fließen konnte. Denn die bis dahin befahrene Ost-Berliner Ebertstraße stand dafür nicht mehr zur Verfügung. Die Entlastungsstraße verband die Potsdamer Straße über den Kemper Platz mit Moabit. Sie wurde bereits am 8.1.1962 in Betrieb genommen. Mit der Eröffnung des Tiergarten- Tunnels am 26.3.2006 war sie völlig überflüssig geworden. Deshalb wird sie im Juli 2006 zwischen Kemper Platz und der Straße des 17. Juni abgerissen. Dort entsteht dann wieder ein Stück Tiergarten- Park.
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- Zoo-Terrassen (Bhf. Zoo): Ende November 2006 machten die Terassen am Zoo dicht. Diese Restaurant- Schließung ist eine Folge der Entscheidung der Deutschen Bahn, seit Ende Mai 2006 am Bhf. Zoo keine Fernzüge mehr halten zu lassen. Damit blieben die Gäste aus. Das zum Teil auf Stützen gelagerte Restaurant war 1957 zur IBA an den Bahnhof angefügt worden. In dem mehr als 100 Meter langen Lokal gab es 5 Arten von Speiseräumen mit insgesamt rund 600 Plätzen: Das Schnell-Restaurant Zoo-Pick, eine Imbißstube, ein Café, ein Kindl-Restaurant und eine Gute Stube. Das ist nun Geschichte. [mehr]
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- Die Wohnungsbaugesellschaft (Cerberus-)GSW: Die stadteigene Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft (GSW) konnte gerade noch ihren 80. Geburtstag feiern. Dann wurden die GmbH 2004, die den Mietern immer ein gutes und sicheres Wohnen in ihren rund 70.000 Wohnungen bot, vom Berliner Senat (SPD + PDS) meistbietend an geldgierige Finanz-Investoren ein Konsortium aus besonders unseriösen ‚Heuschrecken‘ (Cerberus + Goldman Sachs) für nur 404 Mio. Euro notverkauft. Davon sind immerhin rund 10 % der Berliner Bevölkerung in ihrem täglichen Leben betroffen. Für sehr viele Mieter fing mit der eigennützigen Cerberus-GSW der Ärger an, denn mit dem ‚sicheren‘ Wohnen war es nun irgendwie vorbei.
[Zu den Folgen des GSW-Verkaufs für die Mieter]
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- Die Zeitung Der Tagesspiegel: Regelmäßige Leser einer Zeitung merken sehr wohl, ob der Verleger dieser Zeitung mit seinem Herzen beim Zeitungsmachen dabei ist, oder ob das Geldmachen im Vordergrund steht. Seitdem die Holtzbrinck-Gruppe die Zeitung von der früheren Stiftung übernommen hat, haben langjährige Leser den Eindruck gewonnen, daß die Zeitung zwar professionell, aber nicht mehr mit so viel Herzblut gemacht wird wie noch zu Zeiten eines Lokalchefs Günter Matthes.
Denn vor allem im Berlin-Teil kommen neben wenigen Highlights immer wieder viele Lücken bei der Berichterstattung aus Berlins Kiezen vor. Offensichtlich liegt das daran, daß der neue Verlag den Tagesspiegel auf Hauptstadtzeitung mit überregionaler Bedeutung zu trimmen wünscht(e). Wer aber das Kiez-Element in gelegentliche, mehr als Werbeprospekt gestaltete Sonderbeilagen auslagert, versteht nicht mehr viel vom Zeitungsmachen und den Problemen der Bürger in der Großstadt Berlin.
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- Das Universitätsklinikum Benjamin Franklin (UKBF): Wäre es nach dem Regierenden Bürgermeister Wowereit (SPD) gegangen, dann wäre aus dem Kostenfaktor Klinikum Steglitz der Freien Universität alias UKBF längst ein für die Stadt billigeres städtisches Krankenhaus unter dem Dach der Vivantes-Krankenhausgesellschaft geworden. Das verhinderten aber massive Proteste. Und so wurde 1998 das UKBF als Teil Campus Benjamin Franklin der neuen Charité (Universitätsmedizin Berlin) zugeschlagen. Außerdem wurden der neuen Charité die Mittel gekürzt, so daß diese selbst die beabsichtigte Schrumpfung (zu Lasten des UKBFs) organisieren mußte. Die Freie Universität hat damit aber die eigenständige klinische Forschung verloren. [Chronik des UKBF]
Im Sommer 2009 muß dann die Freie Universität (FU) diesen Zustand doch noch als so schmerzvoll empfunden haben, daß sie ganz laut die Herauslösung ihres UKBF aus dem Charité-Komplex fordert. Im Herbst 2009 will der FU-Präsident dazu konkrete Vorschläge unterbreiten. Beim (bislang wenig erfolgreichen) Management der Charité stießen diese Überlegungen auf massive Kritik, und man verpaßte als Dienstherr am 4.8.2009 den aufmüpfigen UKBF-Professoren einen Maulkorb. Nun dürfen diese Klinik-Direktoren in der Öffentlichkeit nicht mehr ihre Meinung zur Situation und Entwicklung des UKBFs sagen. Das hat es in Berlin so noch nie gegeben. Damit dürfte aber auch bereits klar sein: Das große Senats- Projekt Universitätsmedizin Berlin mit exzellenter Forschung darf wohl als gescheitert angesehen werden.
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- Amerika-Gedenkbibliothek (AGB): Nein, von einem Abriß dieser am 17. September 1954 eröffneten und beliebten Bibliothek am Blücherplatz in Kreuzberg ist derzeit nichts bekannt. Aber beim Namen hat sich offensichtlich etwas getan. Die Bibliothek ist seit 1995 Teil der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB). Und es gibt Anzeichen, daß die Amerika- Gedenkbibliothek nur noch Gedenkbibliothek heißt. Denn bereits in den 1990er-Jahren wurde das Amerika in ihrer Leuchtschrift jahrelang nicht mehr eingeschaltet. Die Bürger vermuteten einen Defekt. Aber inzwischen soll die Schrift Amerika sogar abgebaut worden sein.
Das erinnert sehr an den unsinnigen Streit ums leuchtende Logo RIAS auf dem Dach des Gebäudes am Hans-Rosenthal-Platz in Schöneberg, aus dem heute das DeutschlandRadio sendet. Das leuchtet auch nicht mehr, obwohl dort noch immer viel RIAS (-Archiv) drin ist. Und angeblich sollen lediglich Denkmalschutzauflagen den geplanten Abriß bislang verhindert haben.
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- Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM): Es war der preußische König Friedrich der Große, der 1763 die kleine Porzellan- Manufaktur des Unternehmers Gotzkowsky übernahm und damit die Königliche Porzellan- Manufaktur zu Berlin gründete. Damit begann für die KPM eine Erfolgsgeschichte mit der Herstellung von weißem Gold. Denn man verstand bei der KPM sowohl hochwertiges Porzellan- Geschirr als auch Figuren aus Porzellan in exzellenter Qualität zu produzieren und stets alles per Hand.
Das Unternehmen verblieb über 240 Jahre immer in Staatsbesitz. Zuletzt war es als KPM GmbH ein Eigenbetrieb des Landes Berlin. Angesichts der Berliner Finanznöte verkaufte Berlins Senat im Februar 2006 die Manufaktur an einen Privatbankier. Ob für die wertvolle Marke K.P.M. mit Weltruf genügend Geld geflossen ist, blieb eigentlich unklar.
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- Das Schimmelpfeng-Haus: Als die Neugestaltung des Breitscheidplatzes in den 1950er-Jahren geplant wurde, beschloß man am westlichen Rand eine klare Begrenzung des zentralen Platzes. Von 1957 bis 1960 entstand damals dann die Überbauung der Kantstraße mit dem 9-geschossigen Schimmelpfeng- Haus, wie es später nach dem Hauptmieter genannt wurde.
Um 1999 entstand beim Berliner Senat die Auffassung, daß zwar die Randbebauung den Platz in der West-City prägt, es aber wichtiger sei, verschiedene Sichtverbindungen wiederherzustellen. Und so ist der Abriß des Schimmelpfeng-Hauses im Rahmen der Neubebauung des Areals zwischen Joachimsthaler Straße, Hardenbergstraße und Kantstraße durch Hochhausbebauungen (Zoofenster und Atlas-Tower) beschlossene Sache. Im Frühjahr 2010 ist dann das Schimmelpfeng-Haus Geschichte, und man kann wieder vom Savigny-Platz die Gedächtniskirche sehen.
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- Karstadt-Kaufhäuser: West-Berlin hatte mit Bilka, DeFaKa, Held, Hertie, KaDeWe, Karstadt, Kepa, Neckermann, Quelle, Wertheim und Woolworth eine gewachsene, sehr reichhaltige Kaufhaus- Landschaft mit einem vielfältigen Warenangebot. Irgendwann begann aber der Essener Karstadt- Konzern ein eigenes Wachstum durch Aufkauf der meisten anderer Warenhaus- Ketten.
Das führte beispielsweise zu dem Kuriosum, daß in einer Einkaufsmeile wie der Steglitzer Schloßstraße gleich 3 Kaufhäuser plötzlich zu Karstadt gehörten. Und weil das den Karstadt- Leuten noch nicht reichte, mieteten sie sich hier zusätzlich noch im Forum Steglitz ein. In den nunmehr ‚gleichgeschalteten‘ Kaufhäusern wurde das Warenangebot uniform unattraktiv für viele Kunden. Das konnte nicht gutgehen, und so mußte sich Karstadt ab 2004 von vielen Kaufhäusern in der Stadt trennen. Dennoch entstand die ursprüngliche Vielfalt bislang nicht mehr. Daran änderte auch ein Schloß, ein SSC oder ein Alexa nichts. Warum aber der Karstadt-Konzern auch noch den für Qualität stehenden Traditionsnamen WERTHEIM tilgen will, ist völlig unverständlich.
[Zum Fall Karstadts Sanierungsfall mit volkswirtschaftlicher Bedeutung]
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- Kaiser-Wilhelm-Turm: Dieser prächtige Aussichtsturm steht auf dem Karlsberg an der Havel im Ortsteil Grunewald. Er wurde 18971899 zu Ehren des preußischen Königs Wilhelm I gebaut. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der alte Name 1948 vorsichtshalber getilgt. Seitdem heißt er nun schlicht Grunewaldturm. Er hatte den Krieg fast unbeschadet überlebt und wurde 1953 umfassend saniert. Zu west-berliner Zeiten war er ein sehr beliebtes Ausflugsziel für viele Schulklassen und die Berliner.
Dennoch wurde die Treppe zur Aussichtsplattform in weiteren 50 Jahren baufällig, so daß der Grunewaldturm im Oktober 2007 wegen erheblicher Baumängel vom Berliner Senat gesperrt werden mußte. Bislang konnte aber das arme Berlin keine Mittel aufbringen, um dieses beliebte Ausflugsziel mit dem herrlichen Blick über die einmalige Havel-Landschaft wieder herzurichten. Erst am Karfreitag 2011 (22. April) konnte der Grunewaldturm nach aufwendiger Reparatur wieder eröffnet werden.
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- To-be done:
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Eine Blick auf diese Liste zeigt, daß sie inzwischen recht umfangreich geworden ist. Bei vielen Auflösungserscheinungen spielt ganz sicher die enorme Finanznot, in der die deutsche Hauptstadt steckt, die entscheidende Rolle. Klar ist auch, daß West-Berlin Geschichte ist und manches tatsächlich überflüssig geworden ist. Und eine Großstadt lebt nun einmal von Veränderungen. Das war schon immer so.
Aber bei manchen Fakten fragen sich die Bürger: Muß sich denn im 21. Jahrhundert alles rechnen? Und das führt zur Frage: Ist denn die reine Betriebswirtschaftslehre (BWL), die so wenig von den Bedürfnissen der Menschen in einem sozialen Gefüge weiß, wirklich die Heilslehre für die Metropolen- Zukunft?
Das Paradebeispiel dafür ist die Schließung des Bahnhofs Zoo für den Fernverkehr durch einen starrsinnigen Bahnchef Mehdorn. Hätten aber Mehdorn und Berlin-Chef Wowereit tatsächlich die Menschen im Auge für die sie ja eigentlich Dienste leisten sollten und nicht das Geld, dann würden natürlich noch heute manche ICEs im Bahnhof Zoo halten. Aber es ist ja nicht ewig Mehdorn-Zeit . . .
Quellen und ergänzende Links: Erinnerungen + Internet + mein Archiv. (Last Update: 6.12.2011)
- 00.00.2004: Von KARL-HEINZ METZGER:
Der Kurfürstendamm Boulevard und Symbol.
- 22.07.2005: Abrißgefährdet, funktionslos, ausrangiert Vom Ende geschichtsträchtiger Einrichtungen:
Institutionen des alten West-Berlin verschwinden. (DER TAGESSPIEGEL)
- 04.12.2005: Die alten Symbole West-Berlins verblassen:
Eine Frage der Zeit Erst langsam wächst Neues. (DER TAGESSPIEGEL)
- 30.08.2009: Ein lesenswerter Essay von Wilfried Rott:
West-Berlin Das dritte Deutschland. (DER TAGESSPIEGEL)
- 25.10.2009: Eine lesenswerte Analyse der Befindlichkeit der West-City von Christoph Stollowsky:
Von wegen abgehängt: Der Westen holt wieder auf. (DER TAGESSPIEGEL)
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