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Die Berliner haben am Brandenburger Tor am Tag nach dem 9. November Besitz von der Mauer ergriffen. An
dieser Stelle war die Mauer besonders breit, so daß man auf ihr tanzen konnte. Noch weht über
dem Brandenburger Tor die Fahne der DDR. Nur ein Jahr später wird es die (bundes-)deutsche Fahne
sein. Deutschland ist nicht mehr geteilt.
(Foto: 10.11.1989 mopo?) |
In der
DDR
(Deutsche Demokratische Republik) rumorte es schon lange. Schon während des Berliner
Stadtjubiläums waren Pfingsten 1987 in Ost-Berlin Rufe wie
Die Mauer muß weg! laut geworden. Die Bürger forderten 1989 endlich
Reisefreiheit. Dennoch kam es dann überraschend. Am frühen Abend des 9. November
1989 erwähnte der damalige DDR-Regierungssprecher Günter Schabowski am Schluß einer vom
DDR-Fernsehen übertragenen Pressekonferenz in Ost-Berlin, daß eine neue Reiseverordnung die
ständige Ausreise für DDR-Bürger regeln würde.
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Eine denkwürdige Pressekonferenz |
Schabowski las vor: Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen
beantragt werden. Genehmigungen werden kurzfristig erteilt. Auf die Nachfrage eines Journalisten,
ab wann denn die neue Reiseregelung gelte, antwortete Schabowski: Ab sofort,
unverzüglich. Ja, auch für Berlin-West gelte die neue Regelung.
Und als Schabowskis Verkündung dann in den westlichen Medien und vor allem im West-Fernsehen als
Öffnung der DDR-Grenze gedeutet worden war, strömten immer mehr Ost-Berliner noch
am Abend zu den
Grenzübergangsstellen an der
Berliner Sektorengrenze (Mauer) und verlangten den sofortigen Durchgang nach West-Berlin. Die Mauer war
de facto gefallen, als die DDR-Grenzer die Schlagbäume öffneten.
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Chronik des 9. November 1989
Basis:
Der Tagesspiegel, 9.11.2005, Seite 15, ergänzt durch eigenen Recherchen. |
0 Uhr: Der Tag der ungeplanten Mauer-Öffnung beginnt.
9 Uhr: Im DDR-Innenministerium an der Mauerstraße kommt eine Arbeitsgruppe zusammen,
die angesichts der Flüchtlingswelle über die Tschechoslowakei eine neue Ausreise-Regelung
vorbereiten soll. Man hält eine Regelung nur für Republikflüchtlinge für widersinnig
und fügt deshalb auch einen Absatz zur Neuregelung von Besuchsreisen hinzu:
Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen beantragt werden.
Genehmigungen werden kurzfristig erteilt.
12 Uhr: Das Politbüro der SED beschließt die neue Verordnung, die
am Tag darauf verkündet werden soll.
15 Uhr: Im DDR-Innenministerium und im Ministerium für Staatssicherheit wird der
Entwurf überarbeitet.
15.30 Uhr: Das Zentralkomitee der SED (ZK) berät die neue Regelung ohne die
Tragweite zu erkennen, wie Teilnehmer später berichteten.
17.30 Uhr: Egon Krenz, nun Generalsekretär des ZK und Vorsitzender des Staatsrates der
DDR, bespricht die Reise-Verordnung mit Günter Schabowski, dem für die Medien zuständigen
Sekretär des ZK der SED. Den Text der Mitteilung liest Schabowski aber erst später.
17.45 Uhr: Das DDR-Justizministerium legt erfolglos Widerspruch gegen die neue
Reise-Regelung ein.
18 Uhr: Schabowski gibt eine Pressekonferenz, in der er am Schluß (18.53 Uhr) auf die
Frage eines Journalisten hin die vage formulierte Reise- Regelung verkündet, die eigentlich erst am
nächsten Tag bekanntgegeben werden sollte. Auf Nachfrage sagt dann Schabowski, die Regelung trete
sofort, unverzüglich in Kraft.
19.05 Uhr: Westliche Nachrichtenagenturen interpretieren die neue DDR-Regelung als sofortige
Grenzöffnung. In einer Eilmeldung verbreitet Reuters: Ausreisewillige DDR-Bürger
können ab sofort über alle Grenzübergänge der DDR in die Bundesrepublik
ausreisen.
19.30 Uhr: Die Aktuelle Kamera des DDR-Fernsehens berichtet über die neue
Reiseregelung. Bald danach stehen an Bahnhöfen und Grenzübergängen nach West-Berlin die
ersten DDR-Bürger, die ausreisen wollen.
20 Uhr: Die ARD-Tagesschau beginnt mit der Meldung DDR öffnet
Grenze.
Zwischen 21 und 22 Uhr: An der Bornholmerstraße lassen Grenzkontrolleure einige Ost-
Berliner in den Westen der Stadt.
24 Uhr: Alle Grenzübergänge Berlins sind für den unkontrollierten Reiseverkehr
geöffnet. Die Mauer war tatsächlich gefallen das Ende der DDR rückte näher.
Später wird es heißen, das sei der glücklichste Tag in der deutschen
und europäischen Geschichte gewesen.
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Die Berliner Mauer wurde am 13. August 1961 von der DDR gebaut. Bis zum 12. August 1961
waren täglich Tausende DDR-Bürger über die offene Sektorengrenze von Ost-Berlin
nach West-Berlin geflüchtet. In den frühen Morgenstunden des 13. August riegelte
die Nationale Volksarmee zunächst mit Betonpfählen, Stacheldrahtverhauen und
Spanischen Reitern unter dem Schutz schwerer Panzer die gesamte Grenze nach West-Berlin ab.
Danach begann der Bau der Mauer aus Steinen und Betonplatten, die 28 Jahre Bestand hatte.
[
mehr]
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Fotos der Mauer]
Erst die russische Politik der neuen Offenheit und des Umbaus (Glasnost und Perestrojka) eines
Michael Gorbatschow hat den Mauerfall möglich gemacht. Und diesmal kamen die russischen
Panzer dem ohnmächtigen DDR-Regime nicht mehr zu Hilfe, wie es noch 1953 bei der
Niederschlagung des
DDR-Volksaufstands am 17. Juni geschah.
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Where is the wall? Wo ist die Mauer? |
Ab 1990 konnte es gar nicht schnell genug gehen, um die 156 km Mauer, 186 Wachtürme und
Grenzsicherungsanlagen um West-Berlin abzureißen. Das Ergebnis ist nun 16 Jahre später,
daß kaum noch etwas von der Mauer im Stadtbild zu erkennen ist. Zwar hat man an der Bernauer
Straße einen amtlichen Ort des Mauergedenkens geschaffen, aber der liegt abseits aller
Touristenströme. Bei den Berlin-Besuchern beliebt sind daher noch immer der Checkpoint Charlie an
der Friedrichstraße und die lange
East-Side-Gallery in der Nähe des Ostbahnhofes, obwohl hier die Bilder bereits
verblassen.
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Erneut eine Chance vertan |
Entdeckt hat man inzwischen, daß westlich des Berliner Abgeordnetenhauses an
der Niederkirchnerstraße also ganz in der Nähe des Potsdamer Platzes noch
Mauerreste versteckt unter Gebüschen existieren. Ob nun der Berliner Senat die Chance erkennt, hier
den so wichtigen zentralen Ort des Mauergedenkens zu schaffen, muß abgewartet werden.
Die Behörden erkannten nicht die einmalige Chance. Am 21. Dzember 2005 schickten sie vielmehr den
Gerichtsvollzieher, um das Grundstück Stresemannstraße 128130 vom
Mauermüll (15 Mauersegmente und ein Wachturm) zu räumen. Denn hier soll in den
nächsten Jahren ein 48 Millionen Euro teurer Neubau des Bundesumweltministeriums hochgezogen werden.
Ex-Umweltminister Trittin (Grüne) hatte noch im August 2005 zugesichert, daß die Mauerreste in
den Neubau nach dem Vorbild des Londoner Stadtmuseums integriert werden sollen.

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Am Brandenburger Tor wurde am Abend des 9.11.2009 der Mauerfall mit riesigen Dominosteinen
symbolisch nachgestellt. Die Steine aus Styropor waren von jungen Menschen in aller Welt, darunter viele
Schüler, mit Mauerfall-Motiven bunt bemalt worden.
(Foto: 11.2009 mopo) |
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Das 20-jährige Jubiläum des Mauerfalls wurde 2009 dann in Berlin am Brandenburger Tor mit einem
Fest der Freiheit groß gefeiert. Viele Staatsgäste, Touristen und Journalisten
waren in die Stadt gekommen, um am Abend des 9. November 2009 das Fallen eines symbolischen Nachbaus der
Mauer aus 1000 großen Dominosteinen zu beobachten. Den ersten Stein stieß historisch
korrekt Polens Ex-Präsident Lech Walesa um. Schließlich war es die von ihm
mitgegründete Gewerkschaft
Solidarnosc, die ab 1980 die Befreiung Polens und des gesamten Ostblocks
überhaupt erst ins Rollen brachte (Es begann in Polen).
Wir wissen 2009, daß damals der Fall der Mauer von der SED-Führung nicht geplant war. Erst die
Macht des Faktischen aufgrund einer eher nebulösen Schabowski- Ankündigung und den daraus durch
westliche Nachrichten- Agenturen gezogenen falschen Schlußfolgerungen, bewirkte
verbreitet in West-Radio und -Fernsehen in
Berlin am späten Abend des 9. November den großen Ansturm der Bürger auf die
Grenzübergangsstellen, was dann durch Öffnen der Schlagbäume zum Mauerfall geriet. Zwar
wollte in den Tagen darauf die DDR-Führung unter Egon Krenz das Rad noch einmal zurückdrehen,
aber das war unmöglich geworden. Es ist ein Wunder, daß damals kein Schuß fiel.