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| Welthauptstadt Germania |
Hitlers größenwahnsinnige Pläne für den Umbau Berlins zur Welthauptstadt Germania nahmen 1937 Gestalt an. Am 30. Januar ernannte er den Architekten Albert Speer zum Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt Berlin und erteilte damit den Auftrag zum Umbau der Reichshauptstadt. Im November 1937 erließ Albert Speer die Erste Anordnung über die Neugestaltung der Reichshauptstadt Berlin.
In 20 Jahren also 1957 hätte alles fertig sein sollen, aber der Krieg erzwang im Frühjahr 1943 nach der Niederlage von Stalingrad eine Einstellung des Großprojekts. Die Speerschen Pläne hätten die bestehende dezentrale Struktur von Berlin nachhaltig zerstört.
Die Germania-Pläne sahen im wesentlichen ein Kreuz aus zwei breiten Verkehrsadern vor die Ost-West-Achse und die Nord-Süd-Achse. Diese sollten jeweils bis an den Berliner Autobahnring außerhalb der Stadt geführt werden. Vier weitere Straßenringe innerhalb der Stadt sollten den Verkehr von den Achsen in die Bezirke verteilen.
Am Schnittpunkt der Achsen sollte im Spreebogen beim Reichstag die Große Halle mit riesigen Ausmaßen als zentrale Versammlungsstätte liegen. Die Nord-Süd-Achse sollte als 120 Meter breite Prachtstraße quer durch bestehendes Wohngebiet ausgebaut werden. Realisiert wurde davon bis Anfang 1939 nur die Ost-West-Achse zwischen Mitte und Charlottenburg mit dem Umzug der Siegessäule vom Königsplatz (beim Reichstag) zum Großen Stern.
| Filme im Jahr 1937 |
Auch wenn viele dieser Filme längst vergessen sind, ist es interessant, welche deutschen Filme 1937 in Berliner Lichtspiel-Theatern ihre Uraufführung erlebten:
- Weiße Sklaven (Camilla Horn, Agnes Straub, Werner Hinz, Regie: Karl Anton).
- Ritt in die Freiheit (Willy Birgel, Ursula Grabley, Hansi Knotek, Regie: Karl Hartl).
- Ball im Metropol (Heinrich George, Hilde Weissner, Regie: Frank Wisbar).
- Fridericus (Otto Gebühr, Agnes Straub, Bernhard Minetti, Regie: Johannes Meyer).
- Die Kreutzersonate (Wolfgang Kieling, Regie: Veit Harlan).
- Togger (Regie: Jürgen von Alten).
- Lumpacivagabundus (Paul Hörbiger, Heinz Rühmann, Hilde Krahl, Regie: Geza von Bolvarys).
- Frauenliebe Frauenleid (Magda Schneider, Oskar Sima, Peter Bosse, Regie: Augusto Genina).
- Premiere (Zarah Leander, Attila Hörbiger, Theo Lingen, Regie: Geza von Bolvary).
- Der Herrscher (Marianne Hoppe, Emil Jannings, Harald Paulsen, Regie: Veit Harlan).
- Die göttliche Jette (Grethe Weiser, Viktor de Kowa, Regie: Erich Waschneck).
- Der Mann, von dem man spricht (Regie: E. W. Emo).
- Gefährliches Spiel (Regie: Erich Engel).
- Das schöne Fräulein Schragg (Hansi Knoteck, Paul Klinger, Eduard von Winterstein, Regie: Hans Deppe).
- Unser Kamerun (Regie: Paul Lieberenz).
- Der Mann, der Sherlock Holmes war (Heinz Rühmann, Hans Albers, Regie: Karl Hartl).
- La Habanera (Zarah Leander, Regie: xxx).
Und dann gab es noch die Film-Operette Die Drei von der Tankstelle (Lilian Harvey, Willy Fritsch, Oskar Karlweis, Heinz Rühmann, Regie: Wilhelm Thiele), der zwar schon aus dem Jahr 1930 stammt, aber am 1.10.1937 von den Nazis verboten wurde. Er gilt als der erste Musical-Film (Comedian Harmonists, Musik: Werner Richard Heymann).
| Luftschutz-Vorbereitung |
Das Jahr 1937 ist auch ein Jahr der Kriegsvorbereitung. Dazu gehörte auch die Intensivierung des Luftschutzes. So veranstaltete die NSDAP-Ortsgruppe Marienfelde im Februar 1937 ein Fest der Volksgemeinschaft, zu dem 1.200 Mariendorfer Volksgenossen erscheinen und auf dem u. a. eine Schauvorführung Luftschutz im totalen Krieg dargeboten wird. Bis zum 26. September mußten alle Berliner Luftschutzwarte intensiv die Verdunklung der Wohnungen proben und überwachen.
Eine solche Verdunklung sollte bei nächtlichen Fliegerangriffen eine genaue Ortung von Zielen verhindern. Im 2. Weltkrieg (19391945) stellte sich dann heraus, daß die Verdunklung durch den Abwurf von Zielmarkierungsbomben (sogenannte Weihnachtsbäume) allzuoft unwirksam gemacht wurde.
Auch die Rüstung wurde 1937 forciert. So wurde das seit 1935 von den Junkerswerken entwickelte Sturzkampf-Flugzeug Ju 87 (Stuka) 1937 in den Dienst gestellt und die Serienfabrikation aufgenommen. Es wurde auch in Berlin-Tempelhof produziert.
| Ausbürgerungen |
In Berliner Zeitungen wurde am 12. April 1937 bereits die 11. Ausbürgerungsliste veröffentlicht. Darin tauchen auch die Namen der Kommunisten Walter Ulbricht und Ludwig Renn sowie Hugo Sinzheimer (ein Rechtswissenschaftler) sowie von Otto Klepper (ein ehemaliger Politiker der Zentrums-Partei) auf.
| Die Zirkus-Schau |
Am 17. April 1937 fand in der Deutschlandhalle am Funkturm erstmalig die große Zirkus-Show Menschen Tiere Sensationen statt. Das Publikum war begeistert, und es gab danach immer wieder Neuauflagen dieser beliebten und einmaligen Veranstaltung, die Artisten und Dompteure der Weltspitzenklasse nach Berlin brachte. Das setzte sich auch nach dem Krieg fort, nachdem die am 15. Januar 1943 ausgebrannte Halle 1957 restauriert worden war. In neuerer Zeit (ab 2000) soll nach dem Willen des Berliner Senats die Deutschlandhalle abgerissen werden.
| Alles auf NS getrimmt |
Im April 1937 wurde an der Berliner Universität eine Stamm-Mannschaft des NS-Studentenbundes gebildet. Im Berliner Sportpalast fand am 23. April aus Anlaß des Zusammenschlusses aller technisch-wissenschaftlichen Verbände und Vereine zu einem einzigen, die gesamte Technik umfassenden Nationalsozialistischen Bund Deutsche Technik eine Großkundgebung statt. Dieser NS-Bund hatte seine Büros in Berlin W 9, Linkstraße 7+8 in der Nähe des Potsdamer Platzes.
Die Nationalsozialisten veranstalteten ab 30. April 1937 eine große Propaganda-Ausstellung Gebt mir vier Jahre Zeit, die von Adolf Hitler eröffnet wurde. Bei der Schau kam aber nicht vor, daß Deutschland 4 Jahre später im Juni 1941 gegen Rußland in den Krieg ziehen wird.
| AVUS-Rennen |
Der Bau der neuen Nord-Kurve der AVUS wird 1937 fertig. Diese überhöhte, 43,6° steile und aus Backsteinen gemauerte Steilkurve erlaubte noch höhere Geschwindigkeiten bei den Autorennen, war aber auch gefährlicher vor allem bei Regenwetter. Beim Rennen am 30. Mai 1937 dominierten die Silberpfeile von Mercedes. Der Sieger Hermann Lang auf Mercedes-Benz erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von knapp 400 km/h, Bernd Rosemeyer fuhr mit seinem Auto-Union-Rennwagen die schnellste Rennrunde mit einem Schnitt von 276,39 km/h ein Rekord, der lange hielt.
| Entartete Kunst |
In ihrem unerbittlichen Feldzug gegen alles, was sie nicht verstanden nicht in ihr Weltbild paßte, ordneten die Nazis am 30. Juni 1937 an, daß alle Museen von nicht genehmen Exponaten zu ‚säubern‘ seien. Damit begann die landesweite Beschlagnahme- und Vernichtungs-Aktion Entartete Kunst. Insgesamt wurden rund 16.000 Werke von den Nazis beschlagnahmt. Allein die Nationalgalerie verlor dabei 164 Gemälde, 326 Zeichnungen und 27 Plastiken.
Im Herbst 2010 geschah bei den Vorbereitungen zum Bau der U-Bahn zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor (Linie U5) ein kleines Wunder. In Berlins Untergrund wurden nahe dem Roten Rathaus 11 dieser von den Nazis als entartet inkriminierten und beschlagnahmten Skulpturen im Schutt entdeckt. Es ist noch unklar, wie diese Plastiken der Klassischen Moderne darunter die Tänzerin von Marg Moll dort hinkamen. Die überhaupt nicht Entarteten (total entartet waren nur die Nazis) sind nun im Neuen Museum auf der Museums- Insel zu sehen.
| 700 Jahre Berlin |
Das Hauptereignis im Jahr 1937 war natürlich die 700-Jahr- Jubiläumsfeier im August. Im Dom-Museum zu Brandenburg/Havel gibt es eine Urkunde vom 28. Oktober 1237, in der Berlins kleinere Schwesterstadt Cölln auf der Spree-Insel erstmals genannt ist. Dieses Datum gilt auch als Geburtstag Berlins, obwohl Berlin vermutlich schon im 12. Jahrhundert existiert hat. Auch wissen wir heute, daß die in Berlins Altstadt stehende Nikolai-Kirche ab etwa 1220 gebaut wurde.
Die Feierlichkeiten begannen am 14. August 1937 und dauerten eine Woche bis zum 22. August. Zu Beginn der 700-Jahr-Feier Berlins wurde auf dem Messegelände unterm Funkturm die Ausstellung 700 Jahre Berlin eröffnet. Den Höhepunkt bildete der große Festzug durch die mit Hakenkreuzen geschmückten Straßen am 15. August. An dem Umzug, der am Berliner Rathaus startete, wirkten 4.500 Menschen in 1.700 historischen Kostümen mit.
| Terror gegen Juden |
Sofort nach der Machtergreifung Hitlers Ende Januar 1933 begannen die Nazis mit dem Terror gegen die jüdische Bevölkerung. Bereits im April 1933 wurde vom Propaganda-Minister Goebbels zum Juden-Boykott aufgerufen. Im September 1935 wurden von der NSDAP die Nürnberger (Rassen-)Gesetze erlassen. Zum 31.12.1935 wurden alle jüdischen Beamten aus dem Staatsdienst entfernt.
Auch 1937 setzte sich der Terror gegen die Juden fort, was dann im November 1938 in den deutschlandweiten Progromen (Reichskristallnacht) gipfelte, bevor es im 2. Weltkrieg (19391945) zum Holocaust der systematischen Vernichtung jüdischen Lebens kam.
Im August 1937 berichtet die Berliner Nordost-Zeitung, daß das Gartenbauamt des Bezirks Prenzlauer Berg von den in seinen Grünanlagen befindlichen 100 Sitzbänken jetzt 92 Bänke mit der Aufschrift versehen hat Für Juden verboten. Während der Olympischen Spiele 1936 waren zur Täuschung des internationalen Publikums alle solche Verbotsschilder entfernt worden.
| Besuch Mussolinis |
Die Deutschen mochten damals offensichtlich Diktatoren. Am 27. September 1937 wurde der italienische Ministerpräsident Benito Mussolini bei seinem Besuch in Berlin enthusiastisch von der Berliner Bevölkerung und extra aus der Provinz Angereisten empfangen. Die NSDAP hatte mit über mehrere Tage sich erstreckenden Massenkundgebungen, Aufmärschen, Paraden und Empfängen für genügend Aufmerksamkeit gesorgt.
| Hochschulen |
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| Berliner Weihnachtsmarkt |
Im Dezember fand der Berliner Weihnachtsmarkt erstmals wieder unterm Dom auf dem Lustgarten statt. Selbst hier war die Herrschaft der kriegslüsternen Nazis deutlich zu spüren. Der Markt wurde nicht nur mit Weihnachtssymbolen geschmückt, es waren auch viele Hakenkreuz- Fahnen zu sehen. An den Ständen wurde zudem reichlich Kriegsspielzeug verkauft. Da gab es neben Holzgewehren auch kleine Aufzieh-Panzer aus Blech, die mit einem Zündstein versehen richtig feuern konnten. Auch wurden kleine Modelle von Stukas (Sturzkampfflieger) angeboten, in die Knallplätzchen eingelegt werden konnten. Immerhin hießen Weihnachtsengel für den Christbaum damals noch so und nicht Jahresendfiguren, wie später in der sozialistischen DDR.
| Ein Fazit |
Rückblickend auf das Jahr 1937 wird klar: Äußerlich mag das Leben in der Hauptstadt mit der Jubiläumsfeier, Theater, Kino und Unterhaltung auch im 5. Jahr der Nazi-Diktatur für die meisten Berliner noch relativ normal verlaufen sein. 1937 war aber ein Jahr der intensiven Vorbereitungen der Nazis der Vorbereitung auf den großen Krieg und die Vernichtung der Juden und anderer den Nazis mißliebigen Menschen. Das Ausland schaute 1937 zu Recht mit großer Sorge auf Deutschland.


