Nahrungsprobleme in den Medien – Teil 19 khd
Stand:  22.6.2011   (27. Ed.)  –  File: Food/in_M/edia_19.html




Hier werden einige ausgewählte und besonders interessante Artikel und andere Texte zum Thema "Nahrung" (food) gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert. Manches ist auch mit [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.

Auf dieser Doku-Seite ist auch Copyright- geschütztes Material anderer wegen der permanenten Link- und eigenen HTML-Anker- Möglichkeit dokumentiert. Bitte beachten Sie bei kommerzieller Nutzung das Copyright, das bei den jeweiligen (Zeitungs-) Verlagen liegt. Die meisten Links sind redaktionell hinzugefügt worden. Hier sind dokumentiert:

I n h a l t :  [01. Teil]   [02. Teil]   [03. Teil]   [04. Teil]   [05. Teil]   [06. Teil]   [07. Teil]   [08. Teil]   [09. Teil]   [10. Teil]  
[11. Teil]   [12. Teil]   [13. Teil]   [14. Teil]   [15. Teil]   [16. Teil]   [17. Teil]   [18. Teil]   [19. Teil]   [20. Teil]  
[Translation-Service]  
Zur Leitseite khd-Page


D I E   I N D U S T R I E   I S T   T O T A L   G A G A

Etikettenschwindel beim Essen

Analogkäse, Garnelen aus gepresstem Fischeiweiß, falscher Kochschinken: Die Skandale um Lebensmittelimitate häufen sich. Doch vieles bleibt unentdeckt, weil die Kontrolleure fehlen. Union und Grüne fordern jetzt einen besseren Schutz.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 11. Juli 2009, Seite 1 (Hauptartikel). [Original]

BERLIN (Tsp). Nach den sich häufenden Skandalen um imitierte Lebensmittel will die Union die Verbraucher mit schärferen Gesetzen schützen. Nötig sei eine bessere Kennzeichnungspflicht, die verhindere, dass Verbraucher durch das Beschönigen oder Weglassen von Informationen getäuscht werden, sagte die Verbraucherbeauftragte der Unionsfraktion, Julia Klöckner, dem Tagesspiegel. Sie forderte zudem "eine große Aufklärungskampagne".

Die Verbraucherzentrale Hamburg veröffentlichte am Freitag [10.7.2009] eine Liste von 11 Produkten, die lediglich billige Ersatzstoffe enthalten – darunter gepresstes Fischeiweiß in Garnelenform, "Schokokekse" ohne Schokolade und ein "Meeresfrüchtecocktail" aus Krebsfleischimitat. Diese Produkte stünden stellvertretend für viele andere Tricksereien im Lebensmittelsektor. Zudem legten die Verbraucherschützer eine zweite Liste mit Fällen vor, in denen Analogkäse verwendet wird. Statt aus Milch besteht dieser aus Pflanzenfett und Eiweiß. Die Käseimitate sind billiger und werden daher gern von Bäckereien und Pizzerien verwendet. Auch in Berlin sind Lebensmitttelkontrolleure in den vergangenen Monaten verstärkt auf solche Käseimitate gestoßen.

Die Skandale scheinen sich zu häufen. Zum Wochenbeginn hatten Kontrolleure in Hessen festgestellt, dass bei rund 68 Prozent aller in der Gastronomie entnommenen Proben kein echter Kochschinken verwendet wurde. Doch viele Fälle bleiben unentdeckt. "In Deutschland fehlen 1200 Lebensmittelkontrolleure", sagte Martin Müller, Vorsitzender des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure, dem Tagesspiegel.

Solange die Hersteller die Zutaten korrekt angeben, halten sie sich an die geltenden Gesetze. Dennoch handle es sich um "totale Verbraucherveräppelung", sagte Klöckner. Bei Imitaten müsse "auch draufstehen, dass es sich um Imitate handelt".

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn warf der Union vor, sie habe "nichts unternommen, um die Verbraucherrechte gegenüber der Ernährungswirtschaft zu stärken". Billige Imitate würden "teilweise bewusst durch appetitliche Bilder und fehlende Kennzeichnung als hochwertige Lebensmittel verkauft", sagte sie dem Tagesspiegel. Um solche Verbrauchertäuschung zu verhindern, seien bessere Kontrollen und eine bessere Kennzeichnungspflicht nötig. Außerdem brauche man ein Verbraucherinformationsgesetz, "das die Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen für alle öffentlich zugänglich macht".

Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) wollte sich zu der neuen Liste nicht äußern. Eine Sprecherin verwies nur darauf, dass die Politikerin die Gastronomie zu der Selbstverpflichtung aufgefordert habe, keine Imitate mehr anzubieten [Ed: das ist schon wieder Dummquatsch!].

[Zur Liste der Imitat-Produkte]



N E U E S   V O N   D E R   G A G A - I N D U S T R I E

Imitat-Essen – Wie Politik und Industrie vom Betrug ablenken

Statement der unabhängigen Verbraucherorganisation Foodwatch

Aus: foodwatch-Newsletter, Berlin, 17. Juli 2009, 03.16 Uhr MESZ (Aktuelles). [Original]

BERLIN. Wussten Sie schon, dass sich bei Lebensmittelproben die Hälfte der Beanstandungen auf Etikettenschwindel und Mogelpackungen bezieht? Das Jahr für Jahr. Die Behörden und Ministerien wissen also, was los ist. Aber werden Kunden über die Verstöße informiert? Werden Hersteller, Händler und Produkte genannt? Nein. Stattdessen tut Verbraucherministerin Ilse Aigner auch noch so, als seien sie und ihr Ministerium von Imitaten, versteckten Zusatzstoffen und tricksenden Anbietern überrascht und fordert eine schärfere Kennzeichnungspflicht, die das Problem nicht löst. So hagelt es wieder Lippenbekenntnisse von Politikern und verhöhnende Phrasen von Lobbyisten.

Die politische Sommerpause hat begonnen. Deshalb schaffen es jetzt nicht nur Nachrichten über imitierte Lebensmittel auf die Titelseiten, sondern auch Lobbyisten und ihre ewig gleichen Ausreden und Appelle. Etwa der Chef-Lobbyist der deutschen Ernährungsbranche, Matthias Horst vom deutschen Spitzenverband. In einem aktuellen Spiegel-Interview gibt Horst zu verstehen, wer an der Misere eine Mitschuld trägt: "Wenn man immer billiger essen will, dann kann man nicht erwarten, immer etwas ganz Besonderes zu bekommen."

Aha, echter Käse ist also mittlerweile etwas "ganz Besonderes". Der Kunde ist demnach auch noch selbst schuld, wenn der Pizza-Bäcker das Imitat auf den Teig packt. Horst weiß auch ganz genau, was gegen den Betrug hilft: "Gucken Sie genauer und häufiger hin", rät er dem Verbraucher. Der Kunde ist also selbst der Depp, wenn er auf den Bluff reinfällt.

Wohl in keiner anderen Branche wird bei Betrug so schnell von den Betrügern auf die Betrogenen abgelenkt. Außerdem würden die meisten Vergehen, so Horst, aus Unwissenheit geschehen. Kann es denn sein, dass sich eine ansonsten unbescholtene Branche von einigen Tricksern, Lügnern und Betrügern in Misskredit bringens läßt?

Wohl kaum. Denn der Etikettenschwindel ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Das ist der ganz normale Wahnsinn im Supermarkt. Etiketten lügen wie gedruckt, heißt es auf abgespeist.de. Hersteller täuschen durch Bilder, Begriffe und Werbebotschaften. Neben Mogel-Schinken und Analog-Käse gibt es eine Palette von Produkten, bei denen die Lücke zwischen Schein und Sein weit auseinander klafft. Permanent werden Mehrwerte versprochen, Qualität vorgegaukelt und dem Verbraucher dabei das Geld aus der Tasche gezogen.

Solange Ämter lieber anonyme Statistiken führen, als Betrüger beim Namen zu nennen, nutzen auch schärfere Kennzeichnungsregeln nichts. Foodwatch fordert daher die Veröffentlichung aller Lebensmittelkontrollen nach dänischem Vorbild. Damit der Kunde selbst entscheiden kann, ob er sich betrügen lässt oder einem ehrlichen Anbieter sein Geld gibt. Unterstützen Sie die Smiley-Mitmach-Aktion mit Ihrer Unterschrift.

[Zur Liste der Imitat-Produkte]



E R N Ä H R U N G S I N D U S T R I E

Die Geschmacksillusion

Die jüngsten Skandale um Analogkäse und Glibberschinken zeigen: Der Verbraucher wird systematisch getäuscht. Viele Produkte haben mit ursprünglichen Nahrungsmitteln kaum noch etwas zu tun. Das beweist auch die gerade eröffnete weltgrößte Branchenmesse Anuga in Köln..

Hinweis auf: Der Spiegel – 42/2009, 12. Oktober 2009, Seite 72–77 (Wirtschaft) von NILS KLAWITTER. [Original suchen]

[ Zur Grafik des Anwachsens des Aromastoff-Umsatzes ]



W I E   A N B I E T E R   T R I C K S E N

Verbrauchertäuschung à la carte

Käse ohne Milch, Zitronenkuchen ohne Zitronen – wie Kunden abgespeist werden.

Hinweis auf:
Der Tagesspiegel, Berlin, 11. Januar 2010, Seite 16 (Wirtschaft). [Zum Artikel]



S C H I N K E N - S K A N D A L

„Klebe-Fleisch“ in der Lebensmittelbranche

vzbv fordert Reinheitsgebot für Rohschinken.

Aus:
Verbraucherzentrale Bundesverband, Berlin, 13. April 2010, xx.xx Uhr MESZ (Presse-Mitteilung). [Original]

BERLIN (vzbv). Ein Reinheitsgebot für Rohschinken fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) nach Bekanntwerden von Fleischmanipulationen in der Lebensmittelbranche. Das NDR-Verbrauchermagazin Markt hatte gestern über "Klebefleisch" berichtet, wonach es bereits heute Rohschinkenprodukte gibt, die mit Hilfe eines Enzyms aus mehreren Fleischteilen zu einem Stück zusammengekleistert werden. "Ein roher Schinken ist doch kein Puzzle-Spiel", so die Reaktion von vzbv-Vorstand Gerd Billen. "Wer rohen Schinken kauft, erwartet keine zusammengesetzten Teilstücke, sondern ein Stück gewachsenes Muskelfleisch."

Es könne nicht sein, dass nun zum wiederholten Male stillschweigend ein Grundnahrungsmittel mit neuen Techniken verändert, hergestellt und ohne Kenntlichmachung vermarktet werde. "Nach Analogkäse, ESL-Milch, Schinken- oder Krebsfleisch-Imitaten bringt dieser neue Fall von Verbrauchertäuschung bei Lebensmitteln das Fass zum Überlaufen", meint vzbv-Vorstand Gerd Billen. Das Beispiel Analogkäse habe gezeigt, dass Imitate gerade in der Gastronomie zum Einsatz kommen. Er fordert ein generelles Herstellungs- und Vertriebsverbot von auf auf diese Art und Weise produzierten Fleischprodukten.

Änderung des Lebensmittelrechts

Dazu muss das Lebensmittelrecht so angepasst werden, dass ein Verkleben von Fleischstücken unter Einsatz von Enzymen bei kaltem rohem Fleisch und Fleischerzeugnissen wie Rohschinken unzulässig wird. Darüber hinaus appelliert der vzbv an Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner, sich auf europäischer Ebene für ein Zulassungsverbot von "Klebe-Enzymen" für die Herstellung von rohem Fleisch stark zu machen. "Heute ist es der Rohschinken, morgen das zusammengeklebte Grillsteak", meint Billen [Ed: und dann kommt etwa noch das komplett ‚laser-gedruckte‘ Schweinekotelett].

Fleischindustrie muss sich äußern

Solange dies noch nicht geschehen ist, muss die Fleischindustrie nun öffentlich darlegen, bei welchen Produkten das Verfahren aktuell zum Einsatz kommt. Es kann nicht sein, dass die Lebensmittelüberwachung im Nachhinein mit der Lupe überprüfen muss, welche Verfahren zum Einsatz gekommen sind. [mehr]



S C H I N K E N - S K A N D A L

Bauern sind wütend auf Klebefleisch-Produzenten

Aus:
Die Welt, Berlin, 15. April 2010, 14.37 Uhr MESZ (Wirtschaft). [Original]

BERLIN (welt.de). Rohschinken, der aus Fleischstücken zusammengeklebt wurde: Das ist für Deutschlands Bauern ein Grund zur Aufregung. Sie sehen das Image der Lebensmittel-Qualität gefährdet. Mehrere Hersteller stehen unter Verdacht: Sie sollen Schinken zusammengefügt haben – ohne das als Imitat zu kennzeichnen.

Der von Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) kritisierte Schinken aus Klebefleisch kommt bei den Bauern nicht gut an. Sie befürchten einen Imageschaden. „Die deutschen Bauern stehen für Klarheit und Wahrheit bei der Lebensmittelerzeugung“, erklärte der Deutsche Bauernverband in Berlin.

Deshalb hätten sie kein Verständnis, wenn es durch Imitate, Fälschungen oder fehlende Kennzeichnung zu einem Imageschaden für die Lebensmittelqualität komme. Bei „Klebeschinken“ geht es um den Verdacht, dass Hersteller Teile von rohem Schinken mit Hilfe von Enzymen zusammensetzen, dies aber nicht kennzeichnen.

Die ARD hatte über Fälle von Klebeschinken berichtet. Aigner warnte daraufhin die Lebensmittelindustrie vor einer Täuschung durch Klebe-Schinken. Mehrere Hersteller stehen im Verdacht, Schinkenteile zusammenzukleben, ohne dies zu kennzeichnen. Schärfere Gesetze stehen bei Aigner allerdings nicht zur Debatte [Ed: und mit dieser Methode hat sie innerhalb eines Jahres noch immer nicht das Problem mit dem Analog-Käse in den Griff bekommen].

Für die Unionsfraktion ist das Maß dagegen voll. „Die immer länger werdende Liste der Skandale zeigt, dass Aufforderungen und Ermahnungen alleine bei der Lebensmittelindustrie nicht mehr fruchten“, sagte der Verbraucherschutzexperte der CDU/CSU im Bundestag, Peter Bleser (CDU). „Wir brauchen strengere gesetzliche Regelungen.“

Das Verbraucherministerium fordert zunächst Aufklärung. „Alle Lebensmittel in Deutschland müssen so gekennzeichnet sein, dass eine Irreführung der Verbraucher ausgeschlossen ist“, sagte ein Ministeriumssprecher. Der immer schärfere Preiskampf zwischen den großen Discountern drohe langfristig zu Lasten der Qualität zu gehen [Ed: hm, was heißt hier „langfristig“? Das ist doch schon längst eingetreten, sonst gäbe es doch keinen Bedarf für „foodwatch“ mit seinen intelligenten Aktionen wie „Abgespeist“ oder hier die Kolumne „Abgeschmackt“].

Das NDR-Magazin „Markt“ und die ARD-Sendung „Plusminus“ hatten berichtet, dass in 6 von 13 untersuchten Rohschinken- Produkten Schinkenscheiben waren, die mit Hilfe von Enzymen aus Teilen zusammengeklebt wurden. Die Produkte seien nicht als Formschinken gekennzeichnet, sondern zum Beispiel als Nuss- oder Lachsschinken.

Der NDR beruft sich auf Untersuchungen der Freien Universität Berlin. Der Hersteller Gutfried hatte erklärt, sein Schinken sei frei vom Enzym Transglutaminase und einwandfrei deklariert. Der NDR berichtete allerdings, das Enzym werde erst seit April 2010 nicht mehr eingesetzt.

Nach Angaben der Verbraucherorganisation Foodwatch ist es in Deutschland möglich, herausgelöste Muskelfleischstücke ohne besonderen Hinweis zu größeren Schinken zusammenzufügen. Dagegen müssen Erzeugnisse, die ganz oder teilweise aus kleineren Teilen hergestellt sind, ausreichend gekennzeichnet werden. Das geht aus dem Lebensmittelbuch hervor, einer Sammlung von Expertenempfehlungen.

Der Chef des Bundestags-Verbraucherausschusses, Hans-Michael Goldmann (FDP), warf einigen Herstellern vor, „immer noch nicht ansatzweise mit offenen und vor allem fairen Karten gegenüber den Konsumenten“ zu spielen [Ed: naja, die verhalten sich eben echt neo-liberal – alles, was nicht ausdrücklich verboten ist, kann gemacht werden, wie wir das ja auch schon in der Finanzkrise bei den Banken beobachten durften]. [mehr]



F O O D W A T C H

Wenn Schinken drauf steht, muss auch Schinken drin sein!

Unterstützen Sie unsere Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland.

Aus:
foodwatch-Newsletter, Berlin, 28. April 2010, 17.02 Uhr MESZ (News) von THILO BODE. [Original]

foodwatch BERLIN. Im Supermarkt lächelt Sie ein großer, rosaroter Schinken an. Was Sie nicht wissen: Das muss gar kein Schinken sein. Vor Ihnen darf auch ein aus kleinen Muskelstücken mittels eines Enzyms zusammengeklebtes Stück Fleisch liegen. Sie wollen nicht glauben, dass "Klebeschinken" als Schinken verkauft werden darf? Doch das ist leider so. Und es ist ganz legal! Beispiele dreister Verbrauchertäuschung gibt es viele: Ein Schinkenbrot muss keinen Schinken enthalten. Ein Brot muss nicht gebacken sein. Ein Heringssalat kann bis zu 80 Prozent Rindfleisch enthalten.

Jetzt fragen Sie sich zu Recht: Wie kann es eigentlich sein, dass wir so plump angelogen werden? Die Erklärung: Über die so genannten "Verkehrsbezeichnungen" von Lebensmitteln entscheidet die "Lebensmittelbuchkommission", die so etwas wie ein Geheimbund ist. Die vom Verbraucherministerium ernannten Mitglieder legen diese absurden Bezeichnungen für Lebensmittel fest, die uns dann tagtäglich im Supermarkt in die Irre führen. Doch: Öffentlich sind die Sitzungen der Kommission nicht. Auch bleiben die Protokolle geheim und die Mitglieder sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Das ist ein Skandal. "Verkehrsbezeichnungen" haben Gesetzescharakter. Wie sie zustande kommen, das muss öffentlich sein. Genauso wie in einem Parlament Debatten über Gesetze öffentlich sein müssen. Schließlich ist dies ein unveräußerliches Grundprinzip der Demokratie. foodwatch hat deshalb 2007 Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland eingereicht und die Veröffentlichung der Protokolle gefordert. Doch die foodwatch-Klage wurde kürzlich vom Verwaltungsgericht Köln mit der Begründung abgelehnt, "dass ohne die gebotene Vertraulichkeit die offene Meinungsbildung und neutrale Entscheidungsfindung beeinträchtigt würden."

Wir finden, dass bei den Geheimdiskussionen der Lebensmittelbuchkommission von neutraler Entscheidungsfindung nicht die Rede sein kann. Wir Bürger müssen feststellen können, wer was fordert und warum. Und daher ist Öffentlichkeit geboten. Im Bundestag kann schließlich auch öffentlich und "ohne die gebotene Vertraulichkeit" diskutiert werden!

Wir haben uns entschlossen, dieses Gerichtsurteil nicht hinzunehmen und in Berufung zu gehen. Dieser Prozess ist für uns, für alle Verbraucher und für die Entwicklung des Lebensmittelrechts entscheidend. Aber er ist nicht umsonst zu haben: Anwalts- und Gerichtskosten und Gutachten von renommierten Professoren. Bitte unterstützen Sie uns und werden Sie jetzt Förderer/Förderin von foodwatch!

Täglich werden wir getäuscht und in die Irre geführt, wenn wir unsere Lebensmittel kaufen. Erste Voraussetzung, damit sich etwas ändert, ist Transparenz. Deshalb helfen Sie uns, diesen Prozess erfolgreich gegen die Bundesregierung zu Ende zu führen!



G E N T E C H N I K

Verbotener Genmais auf deutschen Feldern gesät

Trotz des Anbauverbots ist in 7 Bundesländern mit Genmais vermischtes Saatgut gepflanzt worden. Greenpeace spricht vom "bisher größten Skandal" dieser Art in Deutschland.

Aus:
DIE ZEIT, 6. Juni 2010, 18.47 Uhr MESZ (Wissen). [Original]

HAMBURG (zeit.de). Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium bestätigte Recherchen der Umweltschutzorganisation Greenpeace, nach der in 7 Bundesländern genmanipulierter Mais ausgesät wurde. Betroffen sind laut niedersächsischem Umweltministerium Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg- Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig- Holstein. "Es handelt sich hier um den bisher größten Gentechnik-Saatgut-Skandal in Deutschland", sagte Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Alexander Hissting.

Im April 2009 hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) den Anbau der genmanipulierten Maissorte MON 810 verboten. Diese war bis zu diesem Zeitpunkt die einzige genmanipulierte Pflanze, die in Europa zum Anbau zugelassen ist.

Greenpeace hatte zunächst nur von 5 Bundesländern berichtet. Das Umweltministerium gab an, die Daten am Freitag [4.6.2010] an die anderen Länder weitergegeben zu haben. Die jeweiligen Behörden müssen nun ihrerseits die örtlichen Händler und deren Abnehmer, also die Landwirte, informieren.

Das Saatgut stammt von einer Firma aus Buxtehude. Das Landwirtschaftsministerium habe bereits Anfang März von der Verunreinigung erfahren, hieß es bei Greenpeace. Die Ergebnisse seien aber erst Ende April an das Umweltministerium weitergegeben worden, das für die Information der Landwirte zuständig ist.

Die Bundesländer hatten sich darauf geeinigt, bis Ende März alle Daten zu melden, um eine Aussaat von mit Genmais-Sorten vermischtem Saatgut zu verhindern. Diese Frist wurde von Niedersachsen nicht eingehalten. "Entweder wurde hier bewusst geschlampt oder aus politischer Überzeugung bewusst in Kauf genommen, dass mit der Aussaat von Gen-Mais Fakten geschaffen werden", kritisierte Hissting.

Es handele sich um freiwillige Kontrollen, sagte der Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, Gert Hahne: "Nicht wir sind für die Saatgut-Kontrollen zuständig, sondern die Hersteller." Die Verzögerung habe lediglich 2 bis 3 Wochen betragen und sei keinesfalls absichtlich geschehen.

Eine weitere Verzögerung von einem Monat kam laut Umweltministerium dadurch zustande, dass der Hersteller sich zunächst weigerte, seine Kundendaten herauszugeben. Erst am Freitag [4.6.2010] teilte die Firma mit, an welche Händler das verunreinigte Saatgut geliefert wurde. Zuvor hatte das Verwaltungsgericht Stade entschieden, dass der Hersteller dazu verpflichtet ist.

Der betroffene Mais wurde nach Greenpeace-Recherchen auf einer Fläche von 300 Hektar [Ed: andere Quellen sprechen von 3000 Hektar] ausgesät. Der Genmais-Anteil betrage bis zu 0,1 Prozent. Dies bedeute, dass auf einem Hektar etwa 100 gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen.

Der bereits gepflanzte Mais muss nun vernichtet werden. Selbst wenn er weiter angebaut und geerntet worden wäre, wäre dies laut Hahne unbedenklich gewesen: "Eine Gefährdung der Verbraucher steht nicht zur Diskussion." In den USA etwa werde die Genmais-Sorte angebaut und es gebe keine Studien, die Gesundheitsgefahren belegten [Ed: tja, wer hat denn diese Studien bezahlt...]. Das sieht Hissting anders: Tierversuche hätten [in anderen Studien] eine signifikante Veränderung der Blutwerte von Leber und Niere gezeigt.

Als Genmais wird Mais bezeichnet, dessen Erbgut im Labor verändert wurde. Dabei werden etwa bestimmte Gene aus anderen Organismen eingeschleust, die zum Beispiel die Abwehr von Schädlingen erleichtern sollen [Ed: also den Verkauf eines Schädlingsbekämpfungsmittels einer ganz bestimmten Firma fördern soll].



E U - S K A N D A L B E H Ö R D E   E F S A

Interessenkonflikte bei Chemie-Kontrolleuren?

Aus:
Greenpeace, 17. November 2010, xx.xx Uhr MEZ (Nachrichten). [Original]

DRESDEN (st). Bisphenol A ist Gift für Spermien und kann zahlreiche Krankheiten auslösen. Der Plastikzusatz steckt in ganz gewöhnlichen Gebrauchsgegenständen wie Tupperware, Kassenbelegen oder Schnullern. In einem Radio-Feature hat der MDR aufgedeckt, welche Kräfte aus Industrie und Politik verhindern, dass Bisphenol A aus unserem Leben verschwindet.

Bisphenol A (BPA) wirkt wie ein weibliches Hormon und reduziert die männlichen Spermien. Außerdem steht BPA im Verdacht, die Gehirnentwicklung zu schädigen und Brustkrebs auszulösen. Es wird vor allem über Lebensmittel aufgenommen, die in Kontakt mit BPA-haltigen Materialien stehen. Das sind zum Beispiel beschichtete Dosen aus Kunststoff oder Metall, Konserven oder auch Babyfläschchen und Schnuller. Sogar das Papier, auf dem die meisten Kassenbelege gedruckt werden, kann belastet sein – dies erklärt die hohe BPA-Belastung von Supermarkt-Kassiererinnen. 1,15 Millionen Tonnen der Chemikalie werden jährlich in der EU produziert.

Inzwischen lässt sich BPA im Blut praktisch aller Menschen in den Industrieländern nachweisen. In einzelnen europäischen Ländern wie Frankreich und Dänemark wurden bereits einzelne BPA-haltige Produkte verboten. Auch Österreich hat jüngst ein Verbot angekündigt. Ansonsten gilt für die ganze EU: Der Grenzwert für das Alltagsgift wird nicht gesenkt. Das hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) am 30. September 2010 entschieden. Warum entscheidet eine Sicherheitsbehörde gegen die Interessen von rund 500 Millionen Europäern?

Eine mögliche Antwort könnten personeller Filz und Industrieinteressen sein. Für die Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen wurden bereits 2008 engmaschige Netzwerke zwischen der Gentechnik-Industrie, Lobbyorganisationen und EFSA beschrieben.

Wie der MDR berichtete, berät zum Beispiel die Ungarin Diána Bánáti, Vorsitzende des Verwaltungsrates der EFSA (der die Mitglieder der wissenschaftlichen Gremien bestimmt), gleichzeitig das International Life Sciences Institut ILSI. Offiziell organisiert das Institut unabhängige Studien im Interesse der öffentlichen Gesundheit.

Gleichzeitig umfasst die Mitgliederliste nahezu alle Global Player der Chemie-, Pharma-, Lebensmittel- und Gentechnikbranche. Eine ganze Reihe von BPA-verarbeitenden Firmen wie Coca Cola, Nestlé, Danone, Syngenta und BASF werden vom ILSI vertreten. Das Recherche-Dossier des MDR führt zahlreiche weitere personelle Verquickungen mit Industrieinteressen auf.

Greenpeace und weitere Umweltverbände wie BUND, WWF und Global 2000 fordern seit geraumer Zeit ein Verbot von BPA in verbrauchernahen Produkten. Auch das deutsche Umweltbundesamt empfiehlt, auf BPA-haltige Produkte, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen können, zu verzichten und insbesondere bei Babyfläschchen auf BPA-freie Deklaration zu achten.

"Hormonell wirksame Substanzen wie BPA stellen speziell während der Schwangerschaft eine besondere Gefahr dar, weil das Hormonsystem eine entscheidende Rolle bei vielen Entwicklungsprozessen spielt", sagt Chemieexperte Manfred Santen von Greenpeace. "Vor allem Lebensmittelbehältnisse aus Polycarbonat, die BPA enthalten, sollten gemieden werden."

Gegenstände aus Polycarbonat sind mit der Prägung "PC" gekennzeichnet. Aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes sollten PC-Gegenstände für Babys und Kleinkinder sowie in der Schwangerschaft gemieden werden. In der Regel kann man sie gegen Glasgegenstände tauschen. Inzwischen gibt es auch Kunststoff-Babyfläschchen, die explizit als BPA-frei gekennzeichnet sind.



E U - S K A N D A L B E H Ö R D E   E F S A

Das Alltagsgift Bisphenol A

Bisphenol A ist allgegenwärtig. Die Chemikalie steckt in Kunststoffgeschirr, Lebensmittelverpackungen, CDs, Kassenquittungen, Babyflaschen, Zahnfüllungen. Das Gesundheitsrisiko ist ungeklärt. Nun gibt es Kritik an der Verquickung einer EU-Behörde mit Industrieinteressen.

Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 18. November 2010, Seite 17 (Wirtschaft). [Original]

BERLIN (Tsp). Bisphenol A, kurz BPA, ist der Grundstoff für Polycarbonat, einem der meist verwendeten Kunststoffe. Mehr als 1 Million Tonnen der Chemikalie produzieren Europas Chemieunternehmen im Jahr. Aber trotz der weiten Verbreitung sind die gesundheitlichen Risiken, die mit der Verwendung von BPA einhergehen, bis heute nicht geklärt. Zahlreiche Wissenschaftler warnen, der Stoff könne auch in kleinster Dosierung bei Babys und Kleinkindern die Hirnentwicklung beeinträchtigen und bei Erwachsenen Diabetes fördern oder die männliche Fruchtbarkeit schädigen. Die Industrie und die zuständige Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) halten dagegen die im Alltag aufgenommen Mengen für so gering, dass sie keine Gefahr sehen.

Dieser schon seit Jahren geführte Streit erhält nun neue Nahrung. Recherchen des MDR ergaben, dass Mitarbeiter der in Parma in Italien angesiedelte EFSA eng mit der interessierten Industrie verbunden sind und sogar direkt für deren Verbände arbeiten. Die EFSA, meint darum Sarah Häuser, Chemieexpertin der Umweltorganisation BUND, sei „regelrecht unterwandert“. Die im September noch einmal bestätigte Entscheidung der Behörde zur Unbedenklichkeit von BPA zeige „deutlich, dass die interessierte Industrie dort mehr Gehör findet als unabhängige Forscher.“ Diesen Eindruck bestätigt auch Andreas Gies, Fachmann für Umweltchemikalien beim Umweltbundesamt (UBA). Die EFSA stütze sich fast ausschließlich auf Studien, die von der Industrie bezahlt seien und „die Finanzierung bestimmt das Ergebnis“, klagt Gies.

Für fragwürdig halten die Kritiker insbesondere die Verbindung der EFSA mit dem International Life Sciences Institute (ILSI), das weltweit Studien über Umwelt und Gesundheit erstellen lässt. Die Organisation finanziert sich überwiegend aus Beiträgen von Unternehmen der Chemie- und Lebensmittelbranche, darunter auch die Hersteller von BPA wie Bayer oder der US-Konzern Dow Chemical. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schloss darum schon 2006 das ILSI bei der Festlegung von Normen für die Belastung von Wasser und Nahrung aus.

Das sehen die Verantwortlichen bei der EFSA nicht so eng. Umstritten ist etwa der Fall der ungarischen Wissenschaftlerin Diána Bánáti, die dem Verwaltungsrat der Behörde vorsteht. Dessen Hauptaufgabe ist die Besetzung der Expertengremien, deren Mitglieder die Empfehlungen für die Gesetzgebung ausarbeiten. Bánáti hat damit durchaus Einfluss auf deren Zusammensetzung. Das hinderte sie jedoch nicht, auch als Vorstandsmitglied beim Industrieinstitut ILSI zu arbeiten. Erst als der grüne EU-Abgeordnete José Bouvé jüngst diese Verquickung als unvereinbar mit der nötigen Unabhängigkeit der Behörde kritisierte, reichte Bánáti ihren Rücktritt ein – allerdings nicht bei der Behörde, sondern nur bei dem Lobbyverband. Daneben ist aber mit dem slowakischen Forscher Milan Kovac noch ein weiterer ILSI-Vorstand im Verwaltungsrat der EU-Behörde tätig.

Auch in den Expertengremien wirken Wissenschaftler mit, die parallel der Industrie zuarbeiten. So ist der britische Biochemiker Alan Raymon Boobis in führender Stellung bei ILSI tätig und bestimmt bei der EFSA mit über die Beurteilung von Pestizidrückständen. Und auch das Gremium, das über die Gefahren von BPA befindet, hat mit dem britischen Behördenexperten Laurence Castle ein Mitglied, das parallel für das Industrieinstitut tätig ist.

Ob derlei Verbindungen auch die Beurteilung von BPA beeinflusst haben, ist nicht zu belegen. Die EFSA und ihre Verwaltungsratschefin wollten dazu in dieser Woche keine Auskunft geben. Unabhängige Wissenschaftler wie der Toxikologe Gilbert Schönfelder von der Berliner Charité werfen ihren Kollegen bei der EFSA allerdings gravierende wissenschaftliche Fehler vor.

BPA sei deshalb so problematisch, weil es ähnlich wirke wie das weibliche Hormon Östrogen und deshalb auch in winzigen Dosen Schaden anrichten könne, sagt Schönfelder. Insbesondere Babys und Kleinkinder seien gefährdet. Im Tierversuch sei nachgewiesen, dass BPA die Fruchtbarkeit mindern und das Erbgut verändern könne.

Darum sei es „nicht akzeptabel“, dass die EFSA-Experten mehr als 80 Studien über BPA-Funde im menschlichen Blut aus der Bewertung ausschließen und so die tatsächliche Belastung im Alltag unterschätzen, klagt er. Zur Begründung heißt es in den EFSA-Gutachten, die Messungen seien ungenau und mit den bekannten Aufnahmepfaden nicht erklärbar – nach Meinung von Schönfelder eine unhaltbare Argumentation. „Wenn die Daten der Hypothese widersprechen, dann muss die Hypothese zurückgewiesen werden, nicht die Daten“, forderten er und vier weitere Toxikologen.

Angesichts solcher Widersprüche hat die dänische Aufsichtsbehörde darum jüngst die Notbremse gezogen. Seit Juli sind in Dänemark BPA-haltige Materialien für Produkte verboten, die Kontakt mit der Nahrung für Kinder bis 3 Jahren haben. Auch Schweden und Österreich haben Verbote angekündigt. Darum kündigte jetzt auch der zuständige EU-Kommissar John Dalli eine Verordnung an, die zumindest für Babyflaschen die Verwendung von BPA-haltigem Kunststoff europaweit verbieten soll.

Nach Meinung der Kritiker ist das jedoch nicht genug. Es sei nicht mehr auszuschließen, dass die Substanz auch in niedriger Dosierung Gesundheitsrisiken berge, mahnt UBA-Fachmann Gies. Darum gebiete es „das rechtlich vorgeschriebene Vorsorgeprinzip die Belastung insgesamt zu minimieren“. Aufgabe der EFSA wie auch der Bundesregierung sei es, dafür eine Strategie zu entwickeln. Dazu sei aber „der Meinungsbildungsprozess noch nicht abgeschlossen“, erklärte der Sprecher von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU).



D I O X I N - S K A N D A L   2 0 1 0 / 1 1

Wenn Fehlverhalten Folgen hat

Was wir aus dem Dioxin-Skandal lernen müssen: Nur durch ein effektives Überwachungssystem können Betrüger rechtzeitig entlarvt werden.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 19. Januar 2011, Seite 6 (Meinung) von ALEXANDER S. KEKULÉ. Der Autor ist Professor der Mikrobiologie und Direktor des Instituts für Biologische Sicherheits-Forschung in Halle. [Original]

D ass Tiere nur Dreck zu fressen bekommen, weiß bereits jedes Kind: „Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen!“, befiehlt Aschenputtel ihren Tauben – die sauberen Linsen bekommt der Mensch, die mit Asche verschmutzten frisst das Tier. Kollektiver Unmut entzündet sich darüber nur, wenn erstens der Dreck in die menschliche Nahrung gelangt und zweitens es jemand merkt.

Dioxin ist eine besonders dreckige Sorte Dreck. Es gehört zum „dreckigen Dutzend“ – jenen 12 gefährlichsten Chemikalien der Welt, deren Herstellung und Verwendung mit dem „Stockholmer Abkommen“ von 2004 international verboten wurden. Es gibt strenge Grenzwerte und – vergleichsweise – gründliche Kontrollen.

Deshalb wird Dioxin in Lebensmitteln schnell bemerkt – jedenfalls im Vergleich zu anderen Schweinereien, die weniger bekannt oder schwieriger nachzuweisen sind. So gibt es alle paar Jahre einen neuen Dioxinskandal.

Im aktuellen Fall produzierte ein schleswig-holsteinischer Kleinbetrieb aus dioxinbelasteten „Spaltfetten“, die aus der Biodieselproduktion und dem Recycling von Frittieröl stammten, 2.256 Tonnen Futterfett. Zwei Dutzend Fabriken pressten daraus rund 35.000 Tonnen Mischfutter-Pellets, die an einige hunderttausend Hühner und Schweine verfüttert wurden. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner reagierte jetzt mit einem Zehnpunkteplan [Ed: inzwischen sind es 14 Punkte]. Sie will eine Zulassungspflicht für Futtermittelbetriebe einführen, die Produktionsströme von Futter und technischen Fetten trennen und mit einer verbindlichen Positivliste vorschreiben, welche Rohstoffe zu Tiernahrung verarbeitet werden dürfen.

Die Maßnahmen sind zwar grundsätzlich sinnvoll – den aktuellen Dioxinskandal hätten sie jedoch nicht verhindert. Der Betrieb in Schleswig-Holstein hat nämlich keineswegs vollkommen abwegige Chemikalien ins Futter gemischt, „Motoröl für den Salat verwendet“, wie es Politiker und Agrarlobbyisten darstellen. Biodiesel wird meist aus Rapsöl hergestellt, einem biologischen Energieträger, der eigentlich als Treibstoff viel zu schade ist. Hierbei werden zähflüssige Bestandteile des Pflanzenöls abgetrennt, weil sie die Dieselmotoren verstopfen würden. Die daraus gewonnenen Spaltfette (Raffinationsfettsäuren) werden zu Tierfutter verarbeitet.

Mit dem Verfahren, nach dem im Prinzip auch Margarine hergestellt wird, können wertvolle Pflanzenöle als Futter verwertet werden. Das ist keineswegs verboten, sondern weltweit gang und gäbe. Auf der vom Zentralausschuss der Deutschen Landwirtschaft herausgegebenen „Positivliste für Einzelfuttermittel“, die Frau Aigner künftig verbindlich machen will, sind „Raffinationsfettsäuren“ ausdrücklich aufgeführt. Seit Oktober 2009 ist zusätzlich sogar die Verwendung von tierischen Spaltfetten erlaubt – etwa aus recyceltem Frittieröl. Überdies war der schleswig-holsteinische Fetthersteller zertifiziert vom „QS-System“ der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft und wurde regelmäßig überwacht [Ed: sagt man...] – die Anforderungen für die von Aigner geplante Zulassung hätte er auf jeden Fall erfüllt.

Das Dioxin kam offensichtlich ins Futter, weil eine nicht für die Futterherstellung deklarierte Charge Spaltfett verwendet wurde. Derartige „technische Spaltfette“ werden nicht auf Schadstoffe kontrolliert und sind häufig mit Mineralöl verunreinigt. Wenn nicht zufällig der Dioxinwert zu hoch ist, können diese billigen Industriefette unbemerkt in die Tiernahrung gemischt werden – es gibt keinen Grund anzunehmen, dass der jetzt aufgeflogene Betrieb in Schleswig-Holstein der einzige Übeltäter der Branche ist. Die wichtigste Maßnahme von Aigners Plan sind deshalb verschärfte Kontrollen – doch ausgerechnet dafür sind die Länder zuständig. Im Zeitalter globaler Warenströme wäre es sinnvoll, zumindest diejenigen Hersteller unter Aufsicht des Bundes zu stellen, bei denen Fehlverhalten in der Regel landesübergreifende Folgen hat. Dazu gehören die rund 30 großen Futterwerke, welche die Hälfte des in Deutschland verbrauchten Mischfutters produzieren, sowie deren Zulieferer.

Nur durch ein effektives Überwachungssystem können Betrüger rechtzeitig entlarvt werden. „Ruckedigu, Blut ist im Schuh!“ Auch diese Wahrheit kennt jedes Kind.



F O L G E N   D E S   A K W - G A U S   I N   J A P A N

Strahlenschutz-Chef dringt auf neue EU-Grenzwerte

Die Verwirrung ist perfekt: Nach dem Fukushima-Desaster hat die EU jetzt neue Strahlungsgrenzwerte für Lebensmittel aus Japan in Kraft gesetzt. Doch die sind höher als die Werte, die für Nahrungsmittel aus den durch Tschernobyl kontaminierten Ländern gelten. Die Bundesregierung fordert jetzt Klarheit.

Aus:
Spiegel Online – 1. April 2011, xx.xx Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

BERLIN (spon). Der Sturm der Entrüstung bei Verbrauchern und Verbraucherschützern ist groß: Vergangene Woche war eine EU-Eilverordnung in Kraft getreten, die höhere Obergrenzen für die radioaktive Belastung bestimmter Produkte aus Japan festlegt. Sofort kam herbe Kritik von der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch. Es sei nicht zu rechtfertigen, dass die Sicherheitsstandards für japanische Lebensmittel nach der Katastrophe von Fukushima gesenkt würden.

Folge der Ankündigung der EU: Verwirrung unter den Verbrauchern. Sie wurde komplett, als die EU-Kommission auch noch behauptete, man habe die Sicherheitsmaßnahmen für japanische Importe gar nicht gelockert, sondern im Gegenteil verschärft. Es sei lediglich eine Verordnung in Kraft gesetzt worden, die bereits seit 1987 in den Schubladen schlummert.

Dieser Debatte würde der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, gerne ein Ende setzen. Deshalb hat er jetzt eine Harmonisierung der EU-Strahlengrenzwerte für Lebensmittel vorgeschlagen.

Es ist nicht trivial, sich in diesem Behördendschungel auszukennen. Ausgangslage ist das Desaster von Tschernobyl. Nachdem die radioaktive Wolke sich über Europa ausbreitete, waren im Mai 1986 Grenzwerte für die radioaktive Kontamination von Lebensmitteln mit Cäsium-134 und -137 eingeführt worden. Sie sollten vor den Importen aus Ländern schützen, die von dem Tschernobyl-Unglück betroffen waren, also etwa aus Russland oder der Ukraine.

Diese Grenzwerte gelten bis heute und sind für alle Lebensmittel aus EU-Staaten verbindlich, die durch den Tschernobyl-GAU radioaktiv belastet waren. Deshalb werden hierzulande Pilze oder Wildschweinfleisch teilweise immer noch aus dem Handel gezogen.

Verordnung aus der Schublade

Das Problem: Diese Grenzwerte gelten nur für die Kontaminationen durch den Tschernobyl-Unfall. Nicht berücksichtigt sind damit Importe aus Japan nach dem Atomdesaster von Fukushima. Mit anderen Worten: Bisher gab es keinerlei verbindliche Grundlage, in der die Kontrolle von Importen aus Japan geregelt ist. Deshalb ließ die EU kurzfristig die Eilverordnung in Kraft treten. Erstellt wurde sie bereits 1987, nach der Katastrophe von Tschernobyl. Im Falle einer nuklearen Katastrophe sollte sie aus der Schublade gezogen werden und in Kraft treten.

Vorteil dieser Verordnung: Sie regelt erstmals auch noch die Grenzwerte für Jod-131, die es bisher nicht gegeben hatte. Das große Dilemma aber ist, dass die Grenzwerte für Cäsium-134 und -137 gegenüber der Tschernobyl-Regelung erhöht sind.

Während die EU-Kommission also behauptet, sie habe im Sinne des Verbrauchers gehandelt und Regelungen in Kraft gesetzt, hält die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch dagegen und spricht von einem Formulierungstrick.

Schwer zu vermitteln

Auch BfS-Chef Wolfram König räumt ein: "Höhere Grenzwerte als für die Produkte, die durch Tschernobyl belastet wurden, sind den Bürgerinnen und Bürgern nicht zu vermitteln", sagte er am Freitag [1.4.2011] in Berlin.

Deshalb dringt die Bundesregierung darauf, den Grenzwert für die Strahlenbelastung von Lebensmitteln aus Japan EU-weit auf das Niveau der Tschernobyl-Regelung zu senken. "Der vorbeugende Verbraucherschutz muss Priorität haben", sagte ein Sprecher von Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) am Freitag in Berlin.

Bei dieser Vereinheitlichung soll aus Gründen "des vorsorgenden Gesundheitsschutzes der "jeweils niedrigste, also sicherste Grenzwert" angewendet werden", so das Ministerium – also die Tschernobyl-Werte.

Selbst wenn BfS und Foodwatch einhellig der Meinung sind, die neu in Kraft getretenen Werte bedeuteten "grundsätzlich kein erhöhtes gesundheitliches Risiko": Den Verbrauchern wird die neue Regelung nur schwer begreiflich sein. Die EU-Verordnung soll bis Ende Juni 2011 gelten und nach Angaben des BfS anhand der Messergebnisse an importierten Lebensmitteln monatlich überprüft werden.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die neuen Strahlengrenzwerte als "rechtswidrig". "Dem Verbraucher wird nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima ein Mehrfaches an radioaktivem Cäsium zugemutet", erklärte Greenpeace-Chemiker Manfred Santen am Freitag in Berlin. Das entspreche nicht dem vorbeugenden Gesundheitsschutz.

Bei japanischem Importfisch haben sich nach der neuen EU-Verordnung die erlaubten Cäsium-Werte von 600 Becquerel pro Kilo Fleisch auf 1250 Becquerel mehr als verdoppelt. Bei Milcherzeugnissen ist der Grenzwert von 370 auf 1000 Becquerel gestiegen.

Eine Änderung bestehender Grenzwerte ist nach Auffassung von Greenpeace jedoch nur rechtens, wenn sie eine Verbesserung des Verbraucherschutzes bedeutet. Das sei bei der jüngsten Entscheidung der EU-Kommission nicht der Fall.

Auch die Grünen-Parteichefin Claudia Roth kritisierte im "Hamburger Abendblatt" die Strahlenkontrollen der EU. Es sei ein absoluter Skandal, dass man hinter dem Rücken der Verbraucher eine alte Strahlenverordnung aus Zeiten nach Tschernobyl aus der Schublade hole und danach die zulässigen Belastungsgrenzwerte für Lebensmittel erhöhe. Eine Kontamination durch Plutonium werde zudem überhaupt nicht gemessen, dabei sei Plutonium das gefährlichste Gift für Mensch und Umwelt. Roth forderte Aigner auf, die Verbraucher in Deutschland besser zu schützen.



F O L G E N   D E S   A K W - G A U S   I N   J A P A N

EU verschweigt laxere Strahlen-Grenzwerte

Statement der unabhängigen Verbraucherorganisation Foodwatch

Aus: foodwatch-Newsletter, Berlin, 5. April 2011, 11.47 Uhr MESZ (News). [Original]

foodwatch BERLIN. Absurd – dieser Ausdruck wurde arg strapaziert in den letzten Tagen. Doch wie sonst sollte man die Reaktion der Europäischen Kommission und der Bundesregierung auf den Atomunfall in Japan bezeichnen? Per Eilverordnung hatte die EU einerseits schärfere Kontrollen eingeführt, andererseits aber auch die Grenzwerte für die radioaktive Belastung von Lebensmitteln aus Japan gelockert: Für die meisten Produkte aus Japan sind die zulässigen Höchstwerte für die Cäsium-Aktivität mit 1.250 Becquerel/Kilogramm nun doppelt so hoch wie das bisher angewandte Limit von 600 Becquerel/Kilogramm.

Den Menschen in Japan hat die Katastrophe von Fukushima unvorstellbares Leid bereitet. Die Folgen werden langfristig auch die Nahrungsmittel-Produktion beeinträchtigen. In Europa besteht dagegen derzeit überhaupt kein Anlass zur Sorge über radioaktiv belastete Produkte aus Japan. Deshalb war die Lockerung der Grenzwerte nicht nur überflüssig. Sie ist auch gleich dreifach absurd: Erstens gelten für Importe aus Japan jetzt niedrigere Sicherheitsstandards als vor der Fukushima-Katastrophe. Zweitens sind die Grenzwerte weniger streng als für Importe aus anderen Ländern. Und schließlich sind sie auch höher als in Japan selbst – theoretisch könnte Japan also Lebensmittel nach Europa ausführen, die dort aufgrund der Strahlenwerte nicht verkauft werden dürften.

Die Öffentlichkeit wurde darüber gar nicht erst informiert. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner betonte nur, dass durch die Eilverordnung strengere Kontrollregelungen für Produkte aus Japan griffen. Dass gleichzeitig auch dieneuen – höheren – Grenzwerte in Kraft traten, verschwieg sie.

Foodwatch und das Umweltinstitut München machten dies öffentlich: http://mailings.foodwatch.de/c/2450285/bJmmqJ8%3D .

Die erste Reaktion von EU-Kommission und Verbraucherministerium: Abwiegeln und Abstreiten. Erst Ende vergangener Woche, nach Tagen des öffentlichen Drucks, wurde zurückgerudert: EU-Kommissar Günther Oettinger will ein Zurück zu den alten, strengeren Grenzwerten prüfen. Dafür setzt sich auch das deutsche Bundesverbraucherministerium ein, denn: "Der vorbeugende Verbraucherschutz muss Priorität haben." Merkwürdig – hatte doch die Bundesregierung erst vor wenigen Tagen für die Eilverordnung mitsamt den gelockerten Grenzwerten gestimmt.

Mit dieser Grenzwert-Politik haben EU und Bundesregierung die Verbraucher nur unnötig verunsichert. Denn nach wie vor gilt: Die EU importiert nur sehr wenige Nahrungsmittel aus Japan, und seit der Katastrophe von Fukushima ist der Handel nahezu zum Erliegen gekommen. Zurzeit besteht für die Verbraucher in Europa schon allein deshalb kein Grund zur Sorge. Umso unverständlicher sind die lückenhafte Informationspolitik und die Heraufsetzung der Grenzwerte. Um Vorsorge zu leisten, wäre ein Importstopp, wie ihn auch Länder wie Südkorea und China kürzlich wegen des Dioxinsskandals für potentiell belastete Produkte aus Deutschland ausgesprochen hatten, die effektivere Maßnahme gewesen.

Foodwatch wird die weitere Entwicklung genau beobachten – und die Öffentlichkeit darüber informieren, per Newsletter und auf http://mailings.foodwatch.de/c/2450001/bJmmqJ8%3D .



E U - P O L I T I K

Schau, schau, die Fleischbeschau

Stall- sollen Schlachthofkontrollen ersetzen.

Aus:
DeutschlandRadio Kultur, Berlin, 17. April 2011, 11.54 Uhr MESZ (Wissenschaft) von UDO POLLMER. [Original] [MP3-Audio]

D ie EU plant Änderungen des Fleischrechts. Die Fleischbeschau steht auf dem Prüfstand. Während die Fleischwirtschaft auf Kosteneinsparungen hofft, protestieren Veterinäre, deren Job überflüssig werden könnte.

Das Konzept der Fleischbeschau soll nach dem Willen der EU geändert werden. Die bisher übliche Schlachttier- und Fleischuntersuchung von Schweinen am Schlachthof soll allmählich durch eine Kontrolle im Stall ersetzt werden. Und genau das bringt viele Veterinäre auf die Barrikaden.

Dabei ist die Idee der EU gar nicht so schlecht. Die Beanstandungen in den Schlachthöfen – beispielsweise wegen Tuberkulose – sind heute bedeutungslos. Deshalb will man lieber häufigen Erregern wie beispielsweise Salmonellen auf die Spur kommen. Und dazu sollen schon die Mastbetriebe genauer unter die Lupe genommen werden. Da kann man auch Untersuchungen durchführen, die ein paar Tage brauchen, bis das Ergebnis vorliegt. Im Gegenzug soll die Kontrolle am Schlachthof vereinfacht werden. Das klingt doch ganz vernünftig.

Der Protest der Fleischkontrolleure richtet sich auch weniger gegen dieses Vorhaben, sondern gegen ein strukturelles Problem: Die Kontrolle obliegt der Eigenverantwortung der Fleischwirtschaft. Auch das ist noch nicht brisant, wenn das neutral überwacht wird. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: Denn einige Firmen vergleichen, welcher Veterinär oder Fleischbeschauer wie viele Schlachtkörper beanstandet – und dann sieht man zu, wie man die Störenfriede los wird. In der Branche wird von schwarzen Listen gesprochen – da stehen dann häufig jene Veterinäre darauf, die ihren Job besonders ernst nehmen.

In manchen Betrieben laufen die Bänder inzwischen so schnell, dass für die Beschau eines Schweineschlachtkörpers keine zehn Sekunden zur Verfügung stehen. Außerdem ist die Kontrolle natürlich nicht wie von der EU gewünscht "risikoorientiert". Denn da müsste man ja gezielt nach Risiken, auch nach neuen Risiken suchen. Eine ganze Reihe von Erregern, beispielhaft seien Toxoplasma oder Hepatitis-E genannt, werden erst gar nicht untersucht. Das aber wäre der Sinn der Regelung gewesen. Gerade in Deutschland ist eine rigorose Fleischbeschau von großer Bedeutung – denn bei uns wird ein erheblicher Teil der Ware roh gegessen, man denke nur an Mett. Da ist das Infektionsrisiko natürlich höher als beim Grillhähnchen.

Auch wenn jetzt vegetarische Zeitgenossen frohlocken mögen – ganz unter uns: Sie sind genauso von diesem Problem betroffen. Denn der Kot infizierter Tiere wird als Naturdünger fürs Gemüse verwendet und damit werden die Erreger auf die Möhrchen übertragen. Wer Gemüse als Rohkost verzehrt, geht das gleiche Risiko ein wie mit ’ner Stulle mit frischem Mett. Sein Risiko ist eher noch größer – denn bis heute gibt’s keine Gemüsebeschau. Deshalb schützt eine funktionierende Fleischbeschau auch den Vegetarier.

Ich habe durchaus Verständnis, wenn Kosten gesenkt werden müssen, und auch dafür, dass die Fleischbeschau keine gerichtsmedizinische Obduktion ist. Aber die Haltung einiger Unternehmen, bei der Fleischbeschau auf Teufel komm raus Geld sparen zu wollen, ist inakzeptabel. Da mischen sie fleißig Omegafettsäuren oder Vitamine in die Wurst, um das Gesundheits-Image zu verbessern, und dafür sparen sie dann bei der Gesundheit.

Es ist nun mal die Pflicht der Fleischwirtschaft, den Kunden vor bekannten und vermeidbaren gesundheitlichen Risiken zu schützen. Dabei ist es – um es in aller Deutlichkeit zu sagen – schietegal, ob dies vom Gesetzgeber erzwungen wird oder nicht. Die Fleischwirtschaft trägt die Verantwortung für ihre Produkte und nicht irgendeine Behörde in Brüssel.

Manchmal, meine Damen und Herren, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, der Rinderwahnsinn habe eine neue Heimat gefunden: In den Chefetagen unserer Fleischwirtschaft. Eine Branche, die auf des Messers Schneide steht, sollte sich diesen Wahnsinn nicht leisten. Mahlzeit!

Literatur dazu:



Rubriken dieser ersten deutschen Internet-Seiten, die sich kritisch mit Lebensmitteln befassen (1993 gestartet)
  • Nahrung (Food-Leitseite)
  • Kulinarisches (Rezepte)
  • Fine Food (Spezialitäten)
  • Übersicht der Skandale
  • Skandale pt.1 pt.2 pt.3
  • Skandale pt.4 pt.5
  • Acrylamid
  • Dioxine
  • Nitrofen
  • BSE-Page (u. a. Gifte)
  • Forderungen von 1989
  • Food in den Medien (Start)
  • Zur Site-map des »khd-research.net«


    Zur Leitseite
      Zum Teil 20

    © 2009-2011  –  Karl-Heinz Dittberner (khd) – Berlin   —   Last Update: 27.07.2011 19.05 Uhr