Gifte im Essen – Nitrofen khd
Stand:  29.4.2005   (9. Ed.)  –  File: Food/Gifte/Nitrofen.html




Aud den Seiten „Gifte im Essen“ sind einige Informationen über Giftstoffe zusammengetragen, die bei den bisherigen „Lebensmittel- Skandalen in Europa“ eine herausragende Rolle spielten.

Links mit dem Symbol * zeigen auf weiterführende Informationen im Internet, die die Aussage belegen. xxx = Text folgt demnächst.


Nitrofen
 
Warum ist das Herbizid Nitrofen so gefährlich?
Recherchiert im Internet und zusammengestellt von
Karl-Heinz Dittberner – Berlin

25.5.2008 (khd/wikipedia). Das Pflanzenschutzmittel Nitrofen wurde in den USA für die Riesen- Weizenfelder entwickelt und dort erstmals 1964 vom Hersteller Rohm & Haas auf den Markt gebracht. Bei dem Stoff handelt es sich um ein Vorlauf- Herbizid, das als weißes bis braunes, kristallines Pulver auf die Getreide- Felder aufgebracht wurde. Nitrofen wurde vor dem Aufkeimen der Saat als Granulat verstreut und bewirkte, daß sogenannte Unkräuter vernichtet werden, sobald sie aus dem Boden hervorwuchsen. Dadurch konnte der Getreide- Ertrag eines Feldes erheblich gesteigert werden.

Nitrofen ist ein Produkt der Chlorchemie – eine Dichlor-Verbindung (C12 H7 O3 Cl2 N), die chemisch 2,4-Dichlorophenyl-p-nitrophenylether genannt wird. Es ist wasserunlöslich, aber lichtempfindlich.

Gemessene Nitrofen-Werte
Stand: 29.5.2002
BERLIN (bse-p). Nach Informationen des Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin in Berlin (BgVV) wurde bislang als höchste Nitrofen- Konzentration in Bio- Produkten 0,8 mg/kg in Putenfleisch gemessen. Das ist ein relativ hoher Wert.

Der Grenzwert für Nitrofen in Lebensmitteln liegt in der EU derzeit bei 0,01 mg/kg.

Auch in Bio- Eiern und Bio- Hühnerfleisch wurde inzwischen Nitrofen eindeutig nachgewiesen. Die in Mecklenburg- Vorpommern gemessenen Nitrofen-Werte lagen zwischen 0,029 und 0,18 mg/kg.

Im vergifteten Öko-Weizen wurden bis zu 15,9 mg/kg des Herbizids Nitrofen festgestellt. Das ist eine so hohe Konzentration, die nur dadurch zu erklären ist, daß Nitrofen dem geernteten Weizen zugesetzt worden sein muß. Das spricht für die Hypothese einer Sobotage der ökologischen Landwirtschaft.

Aufgrund alarmierender Tierversuche nahm Rohm & Haas bereits 1980 Nitrofen wieder vom Markt. In West- Deutschland war Nitrofen bis 1981 zugelassen. Die Zulassung ist danach nicht mehr verlängert worden, weil es Bedenken gegeben habe, daß direkt damit arbeitende Menschen geschädigt werden könnten. Denn es war bekannt, daß Nitrofen im Tierversuch krebserregend (karzinogen) ist (u. a. Leberkrebs). 1988 wurde Nitrofen dann in der gesamten EU verboten. Und 1990 wurde das Verbot auch auf die neuen Bundesländer (Ex-DDR) ausgedehnt. Seit dem Verbot des Herbizids wird der Stoff in den Laboren der Lebensmittelaufsicht nicht mehr routinemäßig gesucht.

Das jetzt im Futter- Weizen gefundene Herbizid (Unkrautvernichtungsmittel) Nitrofen kann besonders für ungeborene Kinder sehr gefährlich sein. Bei Tierversuchen seien schon bei Konzentrationen von 0,3 mg/kg Körpergewicht Mißbildungen bei Ungeborenen aufgetreten, erklärte der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer in einem Interview der Nachrichten- Illustrierten Stern. Es sei davon auszugehen, daß in den ersten 3 Monaten der Entwicklung das größte Risiko bestehe. Nitrofen ruft im Tierversuch Fehlbildungen an Herz, Lunge und Nieren, aber auch Gaumenspalten hervor.

Für Erwachsene seien hingegen die Nitrofen- Rückstände nach Erkenntnissen aus Tierversuchen vergleichsweise harmlos. Wer mal ein Huhn gegessen habe, das belastetes Futter gefressen habe, müsse sich jedoch keine Sorgen machen. Aber natürlich kommt es auch hier auf die Menge an. So kann sich Nitrofen in (Bio-) Eiern und Fetten anreichern.

Ein häufiger oder andauernder Haut- Kontakt mit der stark giftigen Substanz Nitrofen kann Neurodermitis und Schuppenflechte hervorrufen. Außerdem reizt die stark giftige Substanz Augen und die Atemwege.

Kein Mensch – auch kein Wissenschaftler (!) – weiß derzeit etwas über die Langzeitwirkung von mit der Nahrung gegessenen Pestiziden – auch dem Herbizid Nitrofen. Vom Nitrofen ist immerhin bekannt, daß es sich im Fettgewebe ablagern und kummulieren kann. Auch über Interferenzen von Pestiziden mit anderen vom Menschen aufgenommenen Stoffen – auch Arzneimitteln – weiß man ebenfalls wenig bis nichts.

In den letzten Jahren häufen sich aber Daten über schädliche Umweltchemikalien, die mit Hormonsystemen interagieren und so zur Unfruchtbarkeit beim Menschen beitragen. Dazu zählt nach Forschungsergebnissen der Universität Zürich eindeutig auch das Herbizid Nitrofen.

Falls Nitrofen die Erbsubstanz schädigen sollte (Genotoxizität) – was noch nicht sicher ist, dann würde sehr wenig Herbizid in der Nahrung ausreichen, um ein Tumorwachstum auszulösen.

Und nach dem Vorsorgeprinzip muß deshalb der Staat – ohne Wenn und Aber – dafür sorgen, daß die Nahrung der Bürger frei von allen Umweltgiften bleibt.

Übrigens: Auch in den früheren Ostblock- Staaten wie Polen, Tschechien und Ungarn ist Nitrofen verboten. Nur noch in Serbien (Rest- Jugoslawien) ist das Nitrofen erlaubt. Von dort wird aber kein Öko- Getreide nach Deutschland importiert – hoffentlich.

Der Nachweis von Pestiziden und Herbiziden wie Nitrofen in Lebensmitteln oder Getreide ist eine aufwendige Untersuchung, die bis zu 24 Stunden in Anspruch nehmen kann. Zunächst wird die Probe (Weizen oder ein Stück Fleisch) sehr fein zerkleinert und mit einem organischen Lösungsmittel gelöst. Dieser Extrakt wird in einem Gas- Chromatografen auf eine Temperatur von bis zu 400 Grad Celsius erhitzt. Die dabei entstehenden Gase werden von einem Detektor registriert. Sie geben Aufschluß über Art und Menge der enthaltenen Stoffe. Allein dieser Schritt der Analyse kann mehrere Stunden dauern. Wichtig ist zudem, daß die Chemiker sehr exakt arbeiten. So darf der Extrakt, der im Gas- Chromatografen untersucht wird, keine Eiweiße oder Fette mehr enthalten. Das würde die Ergebnisse beeinflussen. Um beim Befund sicher zu gehen, werden alle Proben doppelt untersucht.

[Amtliche Infos zum Nitrofen aus den USA]
[Brennpunkt Lebensmittel-Sicherheit Nr. 1: Der Nitrofen-Skandal]  (Juni 2002, Behr's Verlag, Hamburg)



Im Rahmen der Berichterstattung der „bse-page“ entstand ab 2002 auch eine Nitrofen-FAQ:
 
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