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G A M M E L F L E I S C HBayern informierte Berlin erst nach Tagen
Im Gammelfleisch-Skandal gibt es Ärger zwischen Berlin und Bayern. Aus der Bundesregierung heißt es, der Freistaat habe das neue Bund-Länder-Schnellwarnsystem nicht genutzt. Der Bezirk Oberbayern hat inzwischen ein Versagen seiner Kontrollen eingeräumt.
Aus: Spiegel Online 5. September 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). Zwischentitel zugefügt. [Original]BERLIN. Bayern hat das Bundesverbraucherministerium nach Angaben aus Berlin erst nach mehreren Tagen über den Gammelfleischskandal informiert. "Die erste Information haben wir am 25.8. über öffentliche Medien bekommen", monierte Verbraucherstaatssekretär Gert Lindemann heute in Berlin. Nach der Bitte um Angaben, die zur Weiterleitung an die EU nötig seien, habe Bayern am 1. September Informationen geliefert. Der Freistaat habe zunächst nicht das neue Bund-Länder-Schnellwarnsystem genutzt.
Der Mettener Gammelfleisch-Fall
Einer der beiden aktuellen Fälle von Handel mit Gammelfleisch wurde überhaupt nur durch einen kuriosen Zufall entdeckt: Ein Pilzsammler habe in Niederbayern an einem Waldweg einen Aktenkoffer mit belastenden Unterlagen gefunden und der Polizei übergeben, sagte der Leitende Deggendorfer Oberstaatsanwalt Alfons Obermeier heute. Nachdem die Polizei die Hinweise überprüft hatte, sei es zur Razzia bei dem Unternehmen in Metten gekommen. Dabei wurden mehr als 40 Tonnen Fleisch sichergestellt.Der Verdacht gegen den 53-jährigen Inhaber der Mettener Fleischzentrale hat sich der Staatsanwaltschaft zufolge erhärtet. Ein Drittel der bislang untersuchten 33 Proben aus dem Unternehmen habe ergeben, dass das Fleisch nicht zum Verzehr geeignet sei. Bislang seien mehr als 6 Tonnen Waren, die teils schon 3 Jahre alt waren, untersucht worden. Das Fleisch, darunter Wild und Spanferkel, wurde beim Privathaus des 53-Jährigen und in einem Lager im Landkreis Passau entdeckt.
Die Behörden prüfen, ob dem Unternehmen die Zulassung entzogen werden muss. Chefermittler Obermeier geht davon aus, dass es auch früher schon bei der Fleischzentrale zu Verstößen gegen die Vorschriften kam. "Wir haben den Verdacht, dass es schon seit Jahren so geht."
Die zuständige Regierung von Oberbayern hat in diesem Fall mittlerweile ein Versagen ihrer Kontrollen eingeräumt. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk sagte eine Sprecherin, dass noch im Juni bei einer Kontrolle in den Lagerhallen nichts Auffälliges festgestellt worden sei. In dem betroffenen Betrieb wurde das längst abgelaufene Fleisch hinter frischem Fleisch gelagert. Nur bei genauem Hinsehen konnte das Gammelfleisch entdeckt werden. Warum die Kontrolleure diesen genauen Blick unterließen, wird nun geprüft.
Seehofer fordert einheitliches Lebensmittel-Kontrollsystem
Kritiker bemängeln eine zu große Nähe zwischen den Beamten vor Ort und den Unternehmen. Häufig seien beide Seiten miteinander bekannt dies verhindere einen kritischen Blick.Bundesverbraucherminister Horst Seehofer will deshalb für eine größere Effizienz das Kontrollsystem vereinheitlichen. Zudem fordert er, die Namen von Gammelfleisch-Händlern künftig zu veröffentlichen. Er plant ein entsprechendes Gesetz. Außerdem forderte der CSU-Politiker, bei Verstößen gegen das Lebensmittelrecht höhere Strafen zu verhängen.
"Wer schlechtes Fleisch in Umlauf bringt, soll öffentlich genannt werden", sagte Seehofer der "Bild"-Zeitung. Eine entsprechende Gesetzeslücke solle mit dem neuen Verbraucherinformationsgesetz geschlossen werden.
Der Minister rief die Gerichte auf, den Strafrahmen bei Verstößen gegen das Lebensmittelrecht voll auszuschöpfen. Es seien Gefängnisstrafen bis zu 5 Jahren möglich. "Ich denke, dass die Gerichte hier im Sinne der Verbraucher sicherlich härter vorgehen könnten", sagte Seehofer. Die Länder sollten zudem häufiger von der Möglichkeit Gebrauch machen, gegen Gammelfleisch- Händler Berufsverbote auszusprechen.
Der Minister kritisierte seine Länderkollegen, beim Kampf gegen Fleischskandale nicht genug mit dem Bund an einem Strang zu ziehen: "Die Länder haben nicht alle unsere Angebote aufgegriffen." Ähnlich äußerte sich Seehofer auch in der Süddeutschen Zeitung. Die Zuständigkeit der Länder für das Lebensmittelrecht wirke sich verbraucherfeindlich aus. Er forderte eine Mitwirkung des Bundes bei der Überprüfung von Lebensmittelkontrollen.
Er wolle ein einheitliches Lebensmittel-Kontrollsystem der Länder durchsetzen. Der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) hingegen lehnt länderübergreifende Qualitätskontrollen mit Verweis auf den finanziellen und bürokratischen Aufwand ab. Seine Position würde auch von den zuständigen Ministern anderer Bundesländer geteilt, ließ Schnappauf mitteilen.
Die Verbraucherminister von Bund und Ländern wollen heute in Berlin zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Die Vorsitzende der Konferenz, die rheinland-pfälzische Verbraucherschutzministerin Margit Conrad (SPD), sagte, dabei werde es auch um die Umsetzung des bestehenden Maßnahmenprogramms gehen. Auch Seehofer werde dazu erwartet.
Die Verbraucherschutzbeauftragte der Union, Julia Klöckner, unterstützte die Nennung von schwarzen Schafen. Auch seien Gastronomen in die Pflicht zu nehmen, "wenn sie zu Billigpreisen schlechte Ware angeboten bekommen. Wer die Lizenz zum Zubereiten von Speisen hat, kann mir nicht erzählen, dass er jahrelang überlagertes, unappetitlich aussehendes und übel riechendes Fleisch nicht als mangelhaft erkennt", so die CDU-Bundestagsabgeordnete weiter. Schließlich müssten sich auch die Verbraucher fragen, ob man es einfach nicht wahr haben wolle, dass gute Produkte einfach Geld kosteten. "Immer billiger werdende Lebensmittel können nicht von höchster Güte sein. Was ist uns also wichtiger: Das dritte Handy oder hochwertige Nahrungsmittel?", so Klöckner weiter. [mehr]
G A M M E L F L E I S C HAlle fordern mehr Kontrollen
Gammelfleischskandal: Bundesregierung für allgemeine Standards / Händler und Gaststätten im Visier
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 7. September 2006, Seite 4 (Innen-Politik) von ANTJE SIRLESCHTOV. [Original]BERLIN (Tsp). Unmittelbar vor der Konferenz der Verbraucherschutzminister von Bund und Ländern an diesem Donnerstag [7.9.2006] in Berlin deuten sich schärfere Kontrollen und Pflichten bei Lebensmittelhändlern, aber auch Gaststätten an. So fordert der baden-württembergische Verbraucherschutzminister Peter Hauk (CDU) Meldepflichten bei Gaststätten und Verlässlichkeitsprüfungen für Händler. Dem Tagesspiegel sagte Hauk, trotz funktionierender Kontrollsysteme bei Lebensmittelbetrieben würden noch immer Einzelhändler und Gaststätten mit Gammelfleisch beliefert. Niemand zwinge sie dazu, solche Vorfälle den Behörden zu melden, sodass die Herkunft des schlechten Fleisches festgestellt und eine Weiterverbreitung verhindert werden kann. Das muss sich ändern, sagte er. Überdies will Hauk bei der Bund-Länder-Konferenz anregen, Lebensmittelhändler in Zukunft einer gezielteren Überprüfung zu unterziehen, bevor die Unternehmen handelsrechtliche Zulassungen erhalten.
Offen zeigte sich Hauk gegenüber Forderungen von Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) nach bundeseinheitlichen Standards. Wir brauchen deutschlandweit geltende Qualitäts- und Prüfungsmaßstäbe, sagte Hauk. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stellte sich im Gammelfleischskandal hinter Seehofer. Merkel forderte im Verbraucherschutz allgemeine Standards für alle Länder. Sie unterstützte ausdrücklich die Bemühungen Seehofers um mehr Mitsprache des Bundes bei Lebensmittelkontrollen. Zugleich appellierte die Kanzlerin an die Länder, das vom Bundeskabinett auf den Weg gebrachte Verbraucherinformationsgesetz zu verabschieden.
Seehofer selbst verteidigte seine Forderungen. Sein Vorschlag stieß aber auch in der eigenen Partei auf Ablehnung. In Nordrhein-Westfalen lehnten Verbraucherschutzminister Eckhard Uhlenberg (CDU) und der Landkreistag die Forderungen Seehofers ab. Auch Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) sprach sich gegen eine Zentralisierung der Fleischkontrollen auf Bundesebene aus.
Die Verbraucherpolitikerin der Grünen, Bärbel Höhn, machte Seehofer dafür verantwortlich, dass es noch immer keine bundeseinheitlichen Qualitätsstandards bei der Lebensmittelkontrolle gibt. Dem Bund die notwendigen Kompetenzen zu verschaffen, hat Herr Seehofer in diesem Frühjahr verschlafen, sagte Höhn dem Tagesspiegel. Seehofer hätte die Föderalismusreform nutzen müssen, die Steuerungsmöglichkeiten des Bundes gegenüber den Ländern durchzusetzen. Was jetzt kommt, ist nur noch Symbolpolitik, sagte Höhn mit Blick auf die Bund-Länder-Konferenz der Fachminister am Donnerstag [7.9.2006] in Berlin.
Höhns Fraktionschefin Renate Künast forderte derweil eine Eingreiftruppe, die künftig den Fleischhandel in Deutschland kontrollieren soll. Jeder, der mit Fleisch handle, müsse das Gefühl haben, er könnte schon morgen kontrolliert werden, sagte die ehemalige Verbraucherschutzministerin.
Unterdessen stellte sich heraus, dass Gammelfleisch [Ed: aus dem Münchner Kühlhaus Johanneskirchen (EK 113) der Georg Brunner KG] aus Bayern auch in andere EU-Staaten geliefert wurde. Das bestätigte ein EU-Sprecher. Betroffen seien Tschechien, Italien, Dänemark, Frankreich und die 3 Benelux-Staaten. Zum Wochenbeginn war bekannt geworden, dass der bayerische Fleischskandal den Behörden bereits seit Ende 2005 bekannt war [Ed: sowie die Tatsache, daß bei 8 Kontrollen dieses Betriebs durch die Lebensmittel- Aufsicht nie etwas Auffälliges gefunden wurde, hingegen die jetzt ermittelnde Polizei sofort fündig wurde...]. [mehr]
G A M M E L F L E I S C H13-Punkte-Programm gegen Betrug mit Lebensmitteln
Nach einem langwierigen Kompetenzgerangel steht nun fest, dass Bund und Länder gemeinsam Standards für den Kampf gegen verdorbene Lebensmittel festlegen. Eine unabhängige Prüfungsinstanz soll die Qualität der Kontrollen sichern.
Aus: Berliner Morgenpost, 7. September 2006, 19.00 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]BERLIN (BM). Sichtlich erleichtert trat die rheinland-pfälzische Verbraucherschutzministerin Margit Conrad (SPD) nach dem Treffen mit ihren Amtskollegen vor die Mikrofone. Schließlich hatte sie eine "gute Botschaft" zu verkünden. Als Reaktion auf den jüngsten Gammelfleisch-Skandal wollen Bund und Länder ihre Zusammenarbeit bei den Lebensmittelkontrollen intensivieren. "Es werden alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um mehr Sicherheit zu garantieren", sagte Conrad und schränkte gleich ein, dass es eine hundertprozentige Sicherheit niemals geben kann. "Es gehört zur Ehrlichkeit, das zu sagen."
Die Verbraucherschutzminister von Bund und Ländern hatten sich auf ihrer Sondersitzung in Berlin auf ein 13-Punkte-Programm verständigt. So sollen für die Lebensmittelkontrolle bundesweite Qualitätsstandards festgelegt und die Kontrollbehörden der Länder regelmäßig kontrolliert werden. Die Länder signalisierten grünes Licht, das umstrittene Verbraucherinformationsgesetz (VIG), das am 22. September im Bundesrat zu Abstimmung steht. Das Gesetz eröffnet die Möglichkeit, die Namen von Unternehmen zu nennen, die mit Gammelfleisch handeln oder gegen andere gesetzliche Bestimmungen im Umgang mit Lebensmitteln verstoßen.
"Der Strafrahmen soll bei Verstößen künftig konsequent ausgeschöpft werden", sagt Conrad. Eine mögliche Verschärfung der Strafen soll "nicht im Schnellschuss erfolgen" sondern sorgfältig überprüft werden. Einig waren sich die Verbraucherschutzminister auch über die Einrichtung von Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften. Sie sollen künftig die Strafverfolgung bei Verstößen gegen das Lebensmittelrecht erleichtern. Die Zusammenarbeit zwischen den Lebensmittelüberwachungs- und den Strafverfolgungsbehörden soll künftig verbessert werden. Und auch beim Informationsfluss zwischen Bund und Ländern gibt es noch Verbesserungsbedarf. Die Eigenkotrollen der Wirtschaft sollen gestärkt und die Einführung von Sachkundenachweise im Umgang mit Lebensmitteln geprüft werden. Lebensmittelunternehmer sollen ihre Zuverlässigkeit künftig regelmäßig nachweisen müssen.
Es werde alles Menschenmögliche getan, um solche Vorkommnisse wie jetzt in München möglichst zu minimieren oder auszuschließen, sagte Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU). "Ich will mitwirken in der Koordination." Seehofer sieht in der öffentlichen Nennung der Namen von Gammelflesich-Betrieben die "größte Präventionswirkung". Seehofer kündigte an, er werde Fragen der Lebensmittelsicherheit gerade auch mit Blick auf die internationalen Warenströme während seiner EU-Ratpräsidentschaft im ersten Halbjahr 2007 thematisieren.
"Die Ansichten der Politik sind das Eine", sagte Seehofer und mahnte die rasche Umsetzung der jetzt beschlossenen Maßnahmen an. Sie sollen verhindern, dass kriminelle Händler mit schlechter Ware zu hohen Preisen das schnelle Geld machen, wie Bayerns Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) erklärte. [mehr]
M E E R E S F R Ü C H T EBehörden bestrafen Fleischkontrolleure
Bayerische Behörden haben erste personelle Konsequenzen aus dem Gammelfleischskandal gezogen: Zwei Veterinäre wurden vom Dienst suspendiert. Indes entdeckten die Ermittler einen weiteren verdächtigen Betrieb den vierten in Bayern in kurzer Zeit.
Aus: Spiegel Online 8. September 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]MÜNCHEN. Die zuständige Regierung von Oberbayern hat heute einen Amtsleiter und einen verantwortlichen Lebenskontrolleur mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben entbunden. Gegen den Leiter des Staatlichen Veterinäramtes für München sowie den für Fleischhygiene-Kontrollen zuständigen Amtstierarzt seien disziplinarrechtliche Vorermittlungen eingeleitet worden, sagte ein Sprecher der Bezirksregierung.
Im Münchener Vorort Johanneskirchen waren vor kurzem mehr als 40 Tonnen verdorbenes Fleisch gefunden worden. Die zuständige Behörde hatte im Februar dieses Jahres konkrete Hinweise der Stadt Mannheim darauf ignoriert, sie war lediglich im Dezember fehlenden Etikettauszeichnungen nachgegangen. Die Münchener Kontrolleure gaben sich damals mit einer Erklärung zufrieden, wonach die falsche Etikettierung von einem italienischen Zulieferer gestammt haben soll. Der Betrieb flog erst Ende August nach einem anonymen Hinweis an die Polizei auf.
Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) hatte heute in einer Sondersitzung des Agrarausschusses in Berlin die bayerischen Kontrolleure scharf kritisiert. Der bayerische Verbraucherminister Werner Schnappauf verteidigte seine Behörden. "Wir haben eine funktionierende Kontrolle in den Ländern, auch in Bayern", betonte der CSU-Politiker. Das Fehlverhalten eines Kontrolleurs müsse Konsequenzen haben, doch dürfe deshalb nicht das Kontrollsystem als ganzes in Frage gestellt werden.
Die Bezirksregierung wolle jetzt den Sachverhalt klären, so ein Sprecher. Der bisherige Leiter des Staatlichen Veterinäramtes sei nur übergangsweise von seinen Aufgaben entbunden worden. Der ebenfalls abgelöste Amtstierarzt werde mit anderen Aufgaben im Amt betraut.
G A M M E L F L E I S C HMysteriöse Todesfälle nach Austerngenuss
Trotz Verzehrverbots wollten zwei französische Rentner nicht auf die Delikatesse verzichten. Jetzt geht die Angst vor einer unbekannten Giftalge um.
Aus: Berliner Morgenpost, 8. September 2006, 22.56 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]BORDEAUX (morgenpost.de). Nach zwei mysteriösen Todesfällen geht bei den Austernzüchtern von Arcachon die Angst vor einer neuen Giftalge um. Ein 61-jähriger Mann und eine 77 Jahre alte Frau waren zu Beginn der Woche gestorben, nachdem sie die weltberühmten Austern aus dem Binnenmeer an der französischen Atlantikküste verzehrt hatten. Noch wisse man nicht, was die Todesursache sei, sagte der Generaldirektor der Gesundheitsbehörde, Didier Houssin, am Freitag [8.9.2006].
Auf Grund von Tests an Mäusen, die eine Belastung des Austernfleisches ergaben, war der Austernverkauf in Arcachon seit Donnerstag [31.8.2006] vergangener Woche verboten. Bislang wurde bei den Analysen jedoch kein Gift identifiziert. Wir sind beunruhigt, sagte Houssin der Zeitung Le Parisien. Möglicherweise hat eine unbekannte Mikroalge die Austern befallen.
Für die Austernzüchter sind die Todesfälle und das Verkaufsverbot, das am Donnerstag [7.9.2006] auf unbestimmte Zeit verlängert wurde, eine Katastrophe. Der Konsum in ganz Frankreich sei schon zurückgegangen, erklärte der Generalsekretär des Branchenverbandes, Martial Monnier.
Etliche der 350 Unternehmen in Arcachon bei Bordeaux fürchten um ihre Existenz. Makabere Koinzidenz: Am Mittwochabend trugen die Austerzüchter 4 Särge durch Arcachon, um vor dem Niedergang ihrer Zunft zu warnen. Erst nach dem Protestmarsch wurden die Todesfälle bekannt.
L E B E N S M I T T E LDöner im Hygiene-TÜV
Deutschlands Döner-Verkäufer sind sauer. Der Münchner Gammelfleischkandal schädigt ihren Ruf, sagen sie. Der Verband türkischer Dönerhersteller in Europa will nun Regeln aufstellen für eine einheitliche Qualität.
Aus: Spiegel Online 9. September 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]BERLIN. Im Fenster von Serkan Nuhet hängen 2 Zettel. Weiß, DIN A4 groß, direkt neben der Öffnung, durch die er seine Kunden bedient. Während Nuhet für sie Fladenbrot erwärmt, Cola holt oder Würstchen zerkleinert, fallen ihnen die beiden Zettel sofort ins Auge. Nuhet hat sie extra so angebracht. Zu übersehen ist auch nicht die fette Überschrift: Untersuchungsbericht. Dann folgt eine Liste, von der sich Nuhet viel verspricht sie soll ihm seine Döner-Esser zurückbringen.
Vor 3 Wochen entdeckten diese eine neue Fast-Food-Leidenschaft: Currywurst mit Pommes. Neuerdings der Renner bei den 200 Kunden, die täglich zu Nuhets Imbissbude "Lale" an der Marienfelder Chaussee kommen. Ihnen ist der Appetit vergangen, als in München Gammelfleisch gefunden wurde, das auch in die Dönerproduktion ging. Seitdem erleben viele Verkäufer eine Flaute.
"Ein schwarzes Schaf kostet uns das Brot"
Auch Nuhet wird das Fleisch im Fladenbrot nicht mehr los. Eigentlich macht er mit Döner den größten Umsatz. Täglich orderte er einen frischen 20-Kilo-Spieß. Jetzt sind es 5 Kilo weniger. Ali Usta Okur, Chef der BOS-Dönerproduktion, ist deshalb sauer. Nicht auf Nuhet, sondern auf den Gammelfleischhändler. "Dieses schwarze Schaf kostet uns das Brot", sagt Ali Kemal Usta Okur. Seit einer Woche schmerzt ihm schon der Kopf, so sehr ärgert er sich über den Skandal. Der 64-Jährige lebt von der Döner-Produktion. Auf dem Gelände des Berliner Großmarkts an der Beusselstraße produziert er täglich etwa 100 Spieße aus einer Tonne Fleisch. Aber weil seine 60 Kunden nun kleinere Spieße bestellen, verdient er fast 15 Prozent weniger.Okur geht deshalb in die Offensive: "Alle Leute sollen sehen, dass unser Fleisch sehr gut ist." Er lässt jetzt jede Woche seine Ware überprüfen. Von Bilacon, einer Gesellschaft für Laboranalytik, Lebensmittelhygiene und Prozessmanagement sowie dem Tierarzt Hans-Georg Basikow. Wenn die Probe ausgewertet ist, schickt ihm das Labor die Ergebnisse zu. Okur verteilt sie anschließend an seine Abnehmer. Als Beweismittel dafür, dass sie keinen Gammel ins Fladenbrot stecken.
Hygienekontrolle per Thermometer
Amtlich wird die Qualität allerdings nur von Lebensmittelkontrolleuren wie Christiane Walter bestätigt. Sie ist Fachtierärztin für Fleischhygiene und Schlachthofwesen und arbeitet beim Bezirksamt Mitte. Auf dem Berliner Großmarkt kontrolliert sie das Fleisch, das hier täglich in mehreren hundert LKW-Ladungen ankommt Teilweise wird es an Einzelhändler weiterverkauft, teilweise an Ort und Stelle verarbeitet. Den Hygiene-TÜV von Walter müssen alle Produkte bestehen. "Völlig steril kann Fleisch allerdings nie sein", sagt Walter. Die 45-Jährige selbst sieht in ihre Kleidung keimfrei aus: Kittel, Hose, Gummischuhe und ein Helm auf dem Kopf alles ganz in weiß. Wenn Walter zwischen den grauen Hallen zur Dönerproduktion von Okur geht, leuchtet noch mehr.Täglich werden die Fleischproduktionen auf dem Großmarkt von Walter und ihren beiden Kollegen kontrolliert. Erst inspiziert Walter die einzelnen Räume, dann schaut sie den zehn Mitarbeitern über die Schulter. Alle 5 Minuten stecken sie einen neuen Spieß aus Fleischlappen und Hackfleisch zusammen. Zwischendurch müssen sie kurz stoppen. Dann holt Walter ihr langes Thermometer aus der Tasche, und steckt es den Hackfleischberg. Minus zwei Grad sollte der kalt sein, damit sich keine Bakterien vermehren. Mit der Qualität von BOS ist sie bisher zufrieden.
Belegtes Brötchen für 2,70 Euro, Döner für 99 Cent
"Ohnehin ist die Branche viel besser als ihr Ruf", sagt Walter. Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) sieht das anders. Sie testete kürzlich Spieße und stellte fest, dass oft billigere Fleischarten als Kalb-, Rind- oder Lammfleisch ausgegeben werden. Oder der Ware stärkehaltige Bindemittel zugesetzt sind. Eine Folge des harten Wettbewerbs, den es unter den Herstellern gibt. An manchen Buden in Berlin kostet der Döner 99 Cent, selten mehr als 1,50 Euro.Osman Etoglu findet das verrückt. Er betreibt am Kottbusser Damm einen Imbiss und ein Restaurant. Den Döner Kebab verkauft er für 2,50 Euro. Im Bäckerladen nebenan gibt es das belegte Brötchen für 20 Cent mehr. "Ist doch logisch, dass Qualität ihren Preis hat", sagt Etoglu. Er bietet nur Döner Kebab an, der zu 100 Prozent aus Kalbsfleisch bestehen muss. Sonst darf er den Namen nicht tragen. Seine Stammkunden schätzen das und zahlen gerne den Preis. Andere gehen lieber 100 Meter weiter nach rechts. Zum Imbiss "Türkiyem". Hier kostet der Döner 1,50 Euro. Hergestellt ist der allerdings "nach Kebab Art". Ein Drehspieß, der bis zu 60 Prozent aus Hackfleisch und nur zu 40 Prozent aus Fleischscheiben besteht. Er ist billiger zu produzieren. Und viele Döner-Esser schauen zuerst aufs Geld. Tierärztin Walter findet das typisch deutsch. "Viel und billig, das sind bei uns die beliebtesten Geschmacksrichtungen", sagt sie. Die Kontrolleurin will verhindern, dass sich diese Neigung negativ auf die Qualität auswirkt. "Aber letztendlich bin ich dafür nicht verantwortlich. Die Branche selbst muss darauf achten", sagt sie.
BOS-Chef Okur will deshalb einheitliche Regeln schaffen. Zurzeit arbeitet er mit Mitgliedern des Verbandes türkischer Dönerhersteller in Europa einen Plan aus, wie sie den Deutschen wieder Appetit auf Döner machen können. "Eine Liste mit Qualitätswerten sollte in jedem Laden hängen", sagt er. Imbiss-Besitzer Nuhet ist froh, dass diese Liste jetzt in seinem Fenster hängt. "Manche Leute wollen witzig sein und bestellen einen Gammeldöner", sagt Nuhet. Er grinst dann nur und zeigt auf die guten Werte der Fleischprobe. Neulich hat er damit sogar einen seiner Stammkunden umgestimmt von Currywurst auf Döner. [2007: Nun gibt's sogar Döner aus Ekel-Fleisch]
G E N - F O O DPfusch und Betrug
Vergammeltes Fleisch, stinkende Döner, gefälschte Ettiketten der jüngste Lebensmittelskandal zeigt, wie miserabel deutsche Kontrolleure arbeiten. Aus Angst vor Export-Einbußen schlägt nun sogar die Industrie Alarm, doch Bund und Länder wollen sich nicht auf ein effizientes System einigen.
Auszug aus: Der Spiegel 37/2006, 11. September 2006, Seite 3843 (Deutschland) von ULRIKE DEMMER, MICHAEL FRÖHLINGSDORF, UDO LUDWIG, RALF NEUKIRCH und STEFFEN WINTER. [Original suchen]Das Rind mit der Nummer 505 war ganz offensichtlich krank gewesen. Abzess an der Keule und hochgradige sinnfällige Veränderung, schrieb Tierarzt Wilhelm Drewes bei der Fleischbeschau in das Schlachttagebuch des Betriebes in Brandenburg. Damit war das Fleisch von Nummer 505 für den Verzehr nicht mehr zu gebrauchen. Drewes drückte allen 4 Teilen des geschlachteten Tieres seinen blauen Stempel auf.
Als der Tierarzt eine Woche später aber erneut das Kühlhaus kontrollierte, stellte er fest, dass dort noch immer eines der Rinderviertel baumelte, das nun schon unangenehm roch. Sein dreieckiger Warn-Stempel freilich fehlte, der war weggeschnitten ebenso wie die Eiterbeulen. Drewes fürchtete, der Schlachter könne die anderen Stücke des kranken Tieres schon verkauft haben.
Der Arzt ging zu seinem Auto, um ungestört mit dem Veterinäramt des Landkreises telefonieren zu können: Ich habe geglaubt, der Amtsleiter kommt sofort, um Beweise zu sichern. Aber da wurde der Kontrolleur enttäuscht. Geben Sie mir das erst mal schriftlich, lautete die Anweisung. Das tat Drewes passiert ist seither aber nichts. Es gab keine Anzeige, keine Ermittlungen, keine Strafe. Nur das letzte Viertel des kranken Rindes verschwand auch noch wohin, das weiß außer dem Schlachter niemand.
Drewes regt sich oft auf über die Behörden, für die er als Kontrolleur arbeitet. Es ist frustrierend, wenn man so viel schlimmen Mist sieht, ihn aber nicht abstellen kann, klagt der Tierarzt. Vergangenen Monat hat er Anzeige erstattet nicht gegen den Schlachter, sondern gegen den Behördenleiter. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder), wegen Strafvereitelung im Amt. (...)
G A M M E L F L E I S C HGen-Reis bei Aldi entdeckt
Nach Angaben von Greenpeace ist die Langkornreismarke "Bon-Ri" betroffen. Der Reis stammt aus den USA. Die Umweltschützer erheben wegen der Verunreinigungen herkömmlicher Sorten schwere Vorwürfe gegen die Bayer AG.
Aus: Berliner Morgenpost, 11. September 2006, 16.15 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]BRÜSSEL/HAMBURG (BM). In Aldi-Supermärkten in Deutschland ist nach Informationen der Umweltschutzorganisation Greenpeace nicht zugelassener Gen-Reis in den Verkaufsregalen aufgetaucht. Bei dem bei Aldi Nord gefundenen Reis handele es sich wahrscheinlich um die Sorte LL Rice 601 von Bayer, teilte Greenpeace mit. Bislang ist keine Genreis-Sorte zum Import oder Verkauf in der EU zugelassen.
Greenpeace zufolge ist die aus den USA stammende Langkornreismarke "Bon-Ri", die bei Aldi Nord erhältlich ist, mit dem Genreis verunreinigt. Hersteller sei die Reiskontor Handels GmbH, eine Tochter der Euryza GmbH, die die Marken "Oryza" und "Reis-Fit" vertreibe.
"Dieser Skandal zeigt, dass Konzerne wie die Bayer AG ihre Gen-Pflanzen nicht kontrollieren können oder kontrollieren wollen", erklärte Ulrike Brendel, Gentechnikexpertin von Greenpeace. Bei Euryza und Aldi war zunächst niemand für eine Stellungnahme erreichbar.
Bayer zweifelt Greenpeace-Tests an
Bayer nehme diese Nachricht zur Kenntnis, sagte eine Sprecherin von Bayer CropScience, der Pflanzenschutztochter von Bayer. Der Konzern und die Reisbranche würden sie bewerten, wenn mehr Informationen zugänglich gemacht würden. "Wir wissen nicht, ob Greenpeace die Funde mit von der EU zertifizierten Testmethoden in dafür designierten Labors entdeckt hat", ergänzte sie. [mehr]
Importeure waren schneller
12.9.2006 (bse-p). In den USA wurden bis 2001 mit dem Gen-Reis LL Rice 601 Feldversuche von der Vorgängerfirma Aventis Crop-Sciences vorgenommen. Ende Juli wurde die Gen-Reis-Sorte bereits in den USA in Containern entdeckt, die für den Lebensmittelmarkt bestimmt waren. Der Gen-Reis enthält ein Protein, das ihn gegen bestimmte Unkrautvernichtungsmittel der Aventis resistent machen soll, aber vermutlich beim Menschen Allergien auslösen kann. Die EU-Kommission hatte daraufhin im August beschlossen, US-Langkornreis nur zum Import zuzulassen, wenn er keine Anteile der Aventis-Sorte enthält. Aber offensichtlich waren die Importeure schneller. Und es bedurfte erst der Initiative von Greenpeace, hierzulande verdächtigen Reis zu testen.Der verbotene Gen-Reis wurde inzwischen auch in Schweden und Frankreich in Proben aus dem Einzelhandel nachgewiesen. Der Fall macht zudem deutlich, daß bei Feldversuchen ein Vermischen von Gen-Food mit herkömmlichen, nicht gentechnisch veränderten Sorten nicht zu verhindern ist. Die Aussage der Wissenschaft, daß das nicht passieren werde, hat sich als falsch herausgestellt. Die Aventis Crop-Sciences wurde bereits 2002 von der Bayer AG aufgekauft, die nun für den Schaden einzustehen hat. [mehr]
Kontrolleure entdecken neues Gammelfleisch
Die Serie von Gammelfleischfunden in ganz Deutschland hält an. Bei einer Routinekontrolle in Frankfurt am Main wurden 25 Tonnen hochgradig verdorbenes Rind- und Schweinefleisch gefunden. Auch das Ende voriger Woche im Saarland beschlagnahmte Wildfleisch war verdorben.
Aus: Spiegel Online 11. September 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]FRANKFURT/SAARBRÜCKEN. Das Rindfleisch habe gestunken und sei teilweise schon seit Juli 2005 abgelaufen, sagte Wulfila Walter, Sprecher des Frankfurter Gesundheitsdezernats. Bei Teilen der Ware sei zudem das Haltbarkeitsdatum entfernt worden.
Die 1,9 Tonnen Rind- und 23 Tonnen Schweinefleisch stammen laut Walter offenbar nicht aus Bayern sondern aus Litauen. Wie lange die verdorbene Ware bereits in dem Kühlhaus lagerte, ist derzeit unklar. Nach bisherigen Erkenntnissen sei kein verdorbenes Fleisch in den Handel gelangt, von einer Gefahr für den Verbraucher sei deshalb nicht auszugehen, betonte der Sprecher.
Der gesamte Bestand des Kühlhauses solle nun aufgetaut und untersucht werden. Es könne mehrere Tage dauern, bis die Mitarbeiter des Veterinäramtes die Ware mit Gabelstaplern aus der Halle geholt hätten, sagte der Leiter des Veterinäramtes, Fritz Merl. "Morgen und übermorgen werden sie wahrscheinlich auch noch dran sein", so Merl. Bislang wurde nach Angaben des Gesundheitsdezernats etwa ein Viertel des Kühlhauses geräumt. Die Kühlhalle sei erst vor wenigen Tagen kontrolliert worden, zu diesem Zeitpunkt sei die jetzt entdeckte Ware noch nicht dort gewesen.
Ein Behördensprecher sagte, das Kühlhaus sei regelmäßig von amtlichen Tierärzten untersucht worden. Bisher habe es dort keine nennenswerten Verstöße gegen die Bestimmungen zur Lebensmittelsicherheit gegeben. Es könne jedoch nicht immer vom gesamten Warenbestand eine Probe genommen werden. Nach den Gammelfleischfunden in München waren die Kontrollen von Kühlhäusern nach Angaben der Behörde verstärkt worden.
G A M M E L F L E I S C HDöner stark mit Keimen belastet
Beunruhigende Ergebnisse bei Test des ZDF-Wirtschaftsmagazins "Wiso".
Aus: Berliner Morgenpost, 12. September 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]MAINZ (BM). Der Verzehr von Döner Kebab kann die Gesundheit gefährden. Das hat eine Stichprobe des ZDF-Wirtschaftsmagazins "Wiso" ergeben, das gestern um 19.40 Uhr gesendet wurde. In 12 von 22 [Ed: also bei 55 %] der Döner-Proben war die Gesamtkeimzahl extrem hoch. In 4 Fällen wurden Krankheitserreger nachgewiesen, die in Nahrungsmitteln grundsätzlich nicht zulässig sind.
Ein Döner enthielt Salmonellen, die schwere Durchfälle und Erbrechen auslösen können. In einem weiteren Kebab-Sandwich wurde das Bakterium Arcobacter festgestellt, das Magen-Darm-Beschwerden verursachen kann und von Experten als besonders aggressiv eingestuft wird. Eine Probe war stark mit Pseudomonas aeruginosa belastet. Dieser Krankheitserreger kann unter anderem schwere Lungenentzündungen auslösen. Eine Probe enthielt das Wund- und Eiterbakterium Staphylococcus aureus. Der Verzehr wäre in diesen 4 Fällen gesundheitsgefährdend gewesen, die Döner hätten nicht verkauft werden dürfen.
"Ich bin über dieses Ergebnis sehr beunruhigt, das hatte ich so nicht erwartet", sagt der veterinärmedizinische Mikrobiologe Dr. Gero Beckmann, der die Untersuchungen für das Magazin durchführte. Er kaufte die Döner in den verschiedenen Läden und legte die Proben direkt nach dem Kauf in sterile Behältnisse, die bis zur mikrobiologischen Begutachtung gekühlt wurden. Bei 12 Proben war die Gesamtkeimzahl mit mehr als 1 Milliarde Kolonie bildender Einheiten pro Gramm extrem hoch. Das ist das Zehnfache dessen, was Experten für gerade noch für vertretbar halten.
Insgesamt wurden 22 Proben aus 17 Berliner Döner-Imbissen mikrobiologisch untersucht. 6 der getesteten Döner-Imbisse fielen außerdem durch mangelhafte Hygiene auf. Kritisiert wurden vor allem Schmutz und Speisereste an Besteck und im Verkaufsraum sowie die unsachgemäße Lagerung von verderblichen Lebensmitteln oder auch fehlerhafte Abdeckungen. Getestet wurden Döner mit einem Preis von 1,20 bis 2,50 Euro. Ein höherer Preis, so ergab die Stichprobe, war allerdings kein Garant für bessere Qualität: Die teureren Döner schnitten genauso schlecht ab, wie die preiswerteren.
Ein erschütterndes Urteil für die "Döner-Hauptstadt" Berlin. Woran erkennt der Laie gutes Döner Kebab? Rein lebensmittelrechtlich fällt Döner, das auch größere Mengen Hackfleisch enthalten kann, unter die Hackfleischbestimmungen. Döner gehört schnell auf den Grill. Während jedoch die äußere Schicht gut erhitzt wird, betragen die Temperaturen weiter innen lediglich 30 bis 40 Grad. Ideal für das Wachstum von Keimen. Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft empfiehlt, dass ein 150-Kilogramm-Spieß binnen eines Tages verbraucht sein sollte.
Nach der "Festschreibung der Berliner Verkehrsauffassung für das Fleischerzeugnis Döner-Kebab" darf lediglich Fleisch vom Kalb, Rind oder Schaf verwendet werden; Mischungen dieser Fleischarten sind zulässig. Der Anteil von Hackfleisch darf höchstes 60 Prozent betragen.
Die "Mode" des Chicken-Kebab infolge der BSE-Hysterie hat deutliche Nachteile: Hühnchen- und Putenfleisch ist anfälliger für Salmonellen, als Kalbfleisch, meinen Spezialisten.
Zu diesem Thema:
[06.11.2005: Das meiste ist in Berlin schon gegessen] (DER TAGESSPIEGEL)
[07.11.2005: Gammelfleisch-Proben belasten Geflügelfirma] (BERLINER MORGENPOST)
[10.11.2005: Von der Imbissbude in die Fabrik] (BERLINER ZEITUNG)
[28.11.2005: Abfall in die Wurst] (DER SPIEGEL)
[11.09.2006: Pfusch und Betrug] (DER SPIEGEL)
[14.09.2006: Türken wittern Döner-Verschwörung] (SPIEGEL ONLINE)
[15.09.2006: Dönerbuden im Visier] (BERLINER ZEITUNG)
G E N - F O O DGeflügelhändler verhaftet
Ein Geflügelfleischhändler aus Niedersachsen ist wegen Wiederholungsgefahr verhaftet worden. Bereits nach dem letzten Fleisch-Skandal war dem 46-Jährigen jeglicher Umgang mit Fleisch verboten worden. Nun soll der Händler erneut mehrere Tonnen abgelaufener Ware verkauft haben.
Aus: Spiegel Online 12. September 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]OLDENBURG. Die Polizei verhaftete heute den Händler aus Lastrup im Kreis Cloppenburg, dem bereits vor knapp einem Jahr die Zulassung für seinen Zerlegebetrieb entzogen worden war. Wie die Staatsanwaltschaft in Oldenburg mitteilte, soll der Händler mindestens 8 Tonnen nicht verkehrsfähiges Putenfleisch aus einem Hamburger Kühlhaus geholt haben. Er habe es in Brandenburg gelagert und dann an 4 deutsche Betriebe veräußert. Es sei zu befürchten, dass die Ware des Verdächtigen komplett verkauft wurde, sagte ein Sprecher der Behörde.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden gegen den Fleischhändler bereits 3 Anklagen wegen Betruges und Verstoßes gegen das Lebensmittelrecht erhoben. Aktuell stehe der Mann auch im Verdacht, 14 weitere Tonnen Putenfleisch unbekannter Qualität an 5 andere Betriebe verkauft zu haben, ohne die Zulassung als Händler noch zu besitzen.
Es sei dreist, dass der Verdächtige trotz Ermittlungen und ohne Zulassung Fleisch in den Handel gebracht habe, fügte der Sprecher hinzu. Gegen den Mann werde nun erneut wegen gewerbsmäßigen Betruges in 10 Fällen und Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz ermittelt. Er gehe davon aus, dass der Mann zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt werde.
In Betrieben des Verhafteten waren bereits im November vergangenen Jahres über 20 Tonnen Gammelfleisch sichergestellt worden. Damals beschlagnahmten die Behörden auch in anderen Bundesländern verdorbenes Geflügelfleisch aus seinen Betrieben, das zu Döner-Spießen verarbeitet wurde. Daraufhin entzog das niedersächsische Landwirtschaftsministerium dem Händler die Zulassung. [mehr]
G A M M E L F L E I S C HGen-Reis: Nicht ungesund aber bedenklich
Wie gefährlich ist der Genreis, der jetzt angeblich in Deutschland gefunden wurde? Die manipulierte Sorte LL601 wurde nie auf Verträglichkeit getestet. Experten bleiben nur Vermutungen. Ihnen zufolge ist der Genreis wohl nicht ungesund aber ein Zeichen, dass es reines Essen bald kaum noch gibt.
Aus: Spiegel Online 12. September 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]HAMBURG. Pasta und Spätzle, Polenta und Kartoffeln: Mancher Verbraucher ist dieser Tage heilfroh, dass Reis nicht die einzige Beilagen-Option für sein Mahl ist. Das Schlagwort Genreis verdirbt den Appetit. Genmanipulierter Reis, der sich gegen Insektenvernichtungsmittel zu wehren vermag das ist nicht jedermanns Sache. Zumal, wenn von interessierter Seite Zweifel gesät werden: Was richtet der Reis im Magen von Allergikern, Hypersensiblen, von dir und mir wohl an?
"Wahrscheinlich gibt es kein erhöhtes Gesundheitsrisiko", sagt Jochen Heimberg vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zu SPIEGEL ONLINE. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) geht nicht davon aus, dass die Gesundheit der Verbraucher bedroht ist. "Nach dem, was die Amerikaner abgeschätzt haben, ist nicht damit zu rechnen", sagt ein BfR-Sprecher. Auf eigene Daten stützen kann sich die Behörde allerdings nicht sie muss die Einschätzung der US-Kollegen übernehmen.
Die Entwarnung hat zwei Bestandteile. Der erste ist: Die Verbraucher werden vertröstet, weil es bisher schlicht keine gesicherten Erkenntnisse gibt. Die Behörden können noch nichts sagen über eventuelle Folgen des Genreises für die Gesundheit und ebensowenig können sie die Angaben über die Genreis-Funde auch nur bestätigen.
Genreis in deutschen Regalen Ämter wissen von nichts
Ende August hat die EU verfügt, dass nur noch US-Langkornreis eingeführt werden darf, der erwiesenermaßen frei von genetisch veränderten Organismen (GVO) ist. Denn in amerikanischem Reis waren Spuren der nicht zugelassenen Variante LL601 aufgetaucht. In der vergangenen Woche machten die Umweltschützer von Greenpeace und Friends of the Earth dann mit der Nachricht Schlagzeilen, in Frankreich, Großbritannien und Deutschland habe man China- Nudeln mit Spuren sogenannten Bt- Reises gefunden. Der ist in Europa ebenso wenig für den Essenstisch des Menschen zugelassen.Am Montag dieser Woche [11.9.2006] legte Greenpeace noch einen drauf: In einer Reissorte des Discounters Aldi- Nord habe man LL601 festgestellt. Am gleichen Tag meldete der europäische Verband der Reismühlen, in rund einem Fünftel von 162 Proben hätten seine Mitgliedsfirmen ebenfalls GVO aus den USA entdeckt. "Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass der Reis in Deutschland im Handel ist", sagt Bundesamts-Sprecher Heimberg. Doch er betont: "Abschließend kann man noch nichts bewerten."
Die Gentechnik-Expertin von Greenpeace Deutschland, Ulrike Brendel, spricht von einem "Flächenbrand". Reis- Importeure und -Lieferanten fürchten um ihren Absatz. Aldi-Nord nahm die inkriminierte Marke am Montag nach Ladenschluss aus dem Regal vorsichtshalber, obwohl man selbst keine GVO-Spuren gefunden habe.
Nur nach Plausibilität kann entwarnt werden
Die weitere Dramaturgie ist vorhersehbar: Umwelt- und Verbraucherschützer werden laxe Kontrollen bemängeln. Die Kontrolleure werden mehr Zeit fordern. Das BVL hat gestern die Länder Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen angewiesen, sich den Aldi-Reis genauer anzusehen. Doch generell ist so etwas in Deutschland Sache der Bundesländer. Industrie und Handel werden Reis vernichten, der in Form unverkäuflicher Retouren zurück in die Lager kommt.Nur der Konsument steht ratlos da, gleich ob Feinschmecker oder eiliger Aufwärmer tütenfertiger Reisschnellgerichte. Was bedeutet die Genreis-Aufregung? Gebietet die Sorge um die eigene Gesundheit wirklich den Umstieg auf Pasta, Spätzle, Polenta und Kartoffeln?
Der zweite Teil der vorläufigen Entwarnung für den Verbraucher ist eine schlichte Plausibilitätsannahme denn LL601 wurde in den USA nie kommerziell verwendet, deshalb hat der Hersteller nie seine gesundheitliche Unbedenklichkeit nachweisen müssen. Immerhin wissen die Experten: In den USA wurde eine Mais-Variante mit derselben gentechnischen Veränderung genehmigt. Sie heißt T25. Ihr verleiht ein zusätzliches Protein Widerstandsfähigkeit gegen das Pflanzenschutzmittel mit dem schönen Namen "Basta". Die nötige Gensequenz mit der Bauanleitung für dieses Protein würde T25 künstlich eingefügt. Das macht ihn in der Umgangssprache zum Genmais.
Auch ein Genreis mit "Basta"-Resistenz existiert, die Variante LL62. Sie ist in den USA auch für den menschlichen Verzehr zugelassen und für unbedenklich erklärt worden. Die Maissorte T25 erhielt sogar in der EU die Zulassung. Sie wird hier eingeführt, angebaut, verfüttert und verspeist nach Ansicht der Kontrollbehörden ohne eine Gefahr darzustellen.
Weltweit Felder voller Gen-Saatgut
"Unsere Experten haben gesagt: Weil das ein gleiches Protein ist, ist nicht davon auszugehen, dass von LL601 ein anderes Risiko ausgeht", sagt Heimberg zu SPIEGEL ONLINE. Dürfen sich die Konsumenten also zumindest vorläufig beruhigt fühlen? Die Verunsicherung über den vermeintlichen Genreis lenkt den Blick auf ein anderes, viel gravierenderes Problem.Im Jahr 2003 wurden weltweit schon auf 55 Prozent der Anbaufläche für Soja GVO angebaut, auf 21 Prozent der Fläche für Baumwolle, auf 15 Prozent der Fläche für Raps und auf 11 Prozent aller Maisfelder. Für die EU mit ihrer recht restriktiven Gen-Politik ist es extrem schwer, den eigenen Markt frei von unerlaubten Genmanipulationen zu halten. Gar nicht, weil kriminelle GVO-Schieber auf Gedeih und Verderb Genfood in die Union schmuggeln wollen. Verunreinigungen sind das Problem.
So ist 2001 offenbar LL601 aus einer Universität im US-Bundesstaat Louisiana entwischt. Die Quelle der angeblichen Verunreinigung mit Bt- Reis aus China ist ebenfalls eine universitätseigene Firma, an der Forscher illegaler Weise Handel mit Gen- Saatgut getrieben haben. Jahre später finden wir nun womöglich Spuren dieses Tuns in Europa. Ist Europa vielleicht übermäßig zimperlich? Zumal wenn doch für den Rest des Planeten GVO in Ordnung scheint?
Forscher fürchten unvorhergesehene Folgen
Für das vorsichtige Vorgehen bei Genfood spricht unter anderem der Befund des australischen Forschers Thomas Higgins von der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation in Canberra. Er berichtete im Februar von einem beunruhigenden Tierversuch: Er übertrug ein Protein von Bohnen auf Erbsen, damit diese sich gegen einen Fraßfeind, die Larve des Gemeinen Erbsenkäfers, wehren können. Das funktionierte zunächst ganz gut. Doch bei Feldmäusen, die sich an den Generbsen labten, trat eine schwere Lungenkrankheit auf. Irritierenderweise blieben jene Mäuse gesund, die Bohnen und damit dieselben Larvenkiller-Proteine gefressen hatten. Die Erklärung: In den Erbsen hatte das Bohnenprotein eine neue Form angenommen und so allergische Reaktionen bei den Mäusen ausgelöst.Forschungsergebnisse wie diese dienen Genfood-Skeptikern als Argument und stützten eine zurückhaltende Politik der EU. Viele Kritiker sagen sogar, dass gar ein generelles Nein zur sogenannten grünen Gentechnik daraus folgen muss.
Allerdings sind beide Positionen wenig wert, solange Verschmutzungen aus anderen Weltgegenden sich auf europäische Essgewohnheiten auswirken. Auch die vorläufige Entwarnung beruhigt dann nur bedingt: Die Wahlfreiheit des Verbrauchers, bewusst und aus welchen Gründen auch immer auf Genfood zu verzichten, ist bedrohter denn je. [mehr]
G E N - F O O D8 Tonnen Gammelfleisch in Großküchen verarbeitet
Vom Gammelfleisch-Skandal sind erstmals auch Großküchen betroffen: Ein bereits mit Berufsverbot belegter niedersächsischer Fleischhändler hat 8 Tonnen schon beschlagnahmtes Gammelfleisch an 4 Großküchen verkauft. Jetzt sitzt er in Haft.
Aus: Berliner Morgenpost, 13. September 2006, 16.48 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]OLDENBURG/MÜNCHEN (BM). Das verdorbene, mit Salzwasser aufgespritzte Putenfleisch sei bereits verzehrt worden, berichtete die Staatsanwaltschaft in Oldenburg. Der 46-jährige Fleischhändler aus Lastrup im Kreis Cloppenburg sitzt seit Dienstag [12.9.2006] wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft.
Die Namen der 4 Großküchen wollte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Rainer du Mesnil de Rochemont, aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen. In Frage kämen etwa Universitätsmensen, Firmenkantinen oder Küchen von Krankenhäusern oder Altenheimen. Gegen den Fleischhändler Alfons Bünnemeyer erließ das Amtsgericht Cloppenburg Haftbefehl. Gegen ihn wird wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz in 10 Fällen ermittelt.
Der 46-Jährige war 1987 erstmals verurteilt worden, weil er trotz eines befristeten Berufsverbotes mit Fleisch gehandelt hatte. Insgesamt wurden im November 2005 mehr als 20 Tonnen Fleisch beschlagnahmt, darunter auch die 8 Tonnen Putenfleisch. Diese wurden jedoch zu einem Kühlhaus in Brandenburg gebracht und an Großküchen verkauft.
Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) betonte vor dem Landtag in Hannover, die Inhaftierung des Fleischhändlers beweise, die Oldenburger Schwerpunktstaatsanwaltschaft konsequent handele. Die Lebensmittelkontrolle arbeite systematisch, intelligent und effizient [Ed: hm, aber wie konnte es geschehen, daß das bereits beschlagnahmte Gammelfleisch von diesem Fleischhändler verkauft werden konnte...].
G A M M E L A L L E R O R T E NBehörden finden Gen-Reis in Baden-Württemberg
Vor wenigen Tagen erst war Aldi wegen gentechnisch veränderter Lebensmittel in die Kritik geraten. Nun haben Kontrolleure in Baden-Württemberg erstmals genmanipulierten Reis gefunden. Um welche Handelskette es sich handelt, wollten die Behörden nicht verraten.
Aus: Spiegel Online 13. September 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]STUTTGART. Das Landwirtschaftsministerium in Stuttgart teilte mit, in insgesamt sieben Proben von Reis-Erzeugnissen sei genmanipulierter Reis der Sorte "LL 601" [Ed: LL steht für das Aventis-Unkrautvernichtungsmittel Liberty Link] festgestellt worden. Die gefundenen Verunreinigungen seien sehr gering, jedoch dürfen diese Sorte in Europa überhaupt nicht in Verkehr gebracht werden. Die Produkte seien deshalb umgehend aus dem Handel genommen worden. Um welche Reismarken es sich handelt und welche Handelsunternehmen den belasteten Reis anboten, teilte die Behörde nicht mit.
"Wir haben die betroffenen Betriebe aufgefordert, an die Öffentlichkeit zu gehen", sagte eine Sprecherin gegenüber SPIEGEL ONLINE. Es sei zwar "keine Gefahr im Verzug", doch es sei "eine Verbrauchertäuschung". Morgen werde das Ministerium entscheiden, ob die Namen der Handelsketten veröffentlicht werden, wenn die Firmen nicht selbst ihre Kunden informieren.
Bei 4 der 7 belasteten Proben habe es sich um Reis einer bestimmten Sorte aus den USA gehandelt, bei 3 weiteren Proben sei die Herkunft noch unbekannt, erklärte das Ministerium. Bei 39 weiteren untersuchten Reisprodukten seien keine Veränderungen nachgewiesen worden. Der Anteil der veränderten Reiskörner liege bei weniger als 0,05 Prozent, das seien rund 6 von 10.000 Körnern. Der Reis wurde vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg (CVUA) untersucht.
Weil der Reis nicht zugelassen sei, gebe es auch keine Risikoabschätzung dazu. "Nach derzeitigem Kenntnisstand ist jedoch von keiner gesundheitlichen Gefährdung auszugehen, da auch die nachgewiesenen Anteile an gentechnisch verändertem Reis sehr gering sind", hieß es weiter. Die gesundheitliche Bewertung werde derzeit von der europäischen Lebensmittelaufsicht (EFSA) überprüft.
Zum Wochenbeginn hatte bereits der Lebensmitteldiscounter Aldi Nord eine Reissorte aus seinen Regalen genommen, die im Verdacht steht, teilweise gentechnisch verändert zu sein. Allerdings hatte Aldi Nord erklärt, dies sei rein vorsorglich geschehen, Tests hätten bislang keine Verunreinigungen gezeigt.
Ein EU-Diplomat hatte gestern erklärt, veränderter Reis sei bislang zwar in Frankreich und Schweden aufgetaucht, nicht aber in Deutschland. In der Schweiz nahm auch die Handelskette Migros US-Langkornreis vorsorglich aus dem Sortiment. Zuvor hatte dies bereits die schweizerische Coop-Kette einen sofortigen Verkaufsstopp für US-Langkornreis verfügt. [mehr]
G A M M E L F L E I S C HPapst-Caterer unter Gammelfleisch-Verdacht
Lebensmittelkontrolleure haben neue Ekelware entdeckt: Diesmal ist nicht nur Fleisch betroffen, sondern auch Fisch, Backwaren und Gemüse. Auch ein Catering-Unternehmen, das den Papst bewirtete, steht unter Gammelfleisch-Verdacht die Firma bestreitet die Vorwürfe.
Aus: Spiegel Online 14. September 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]FRANKFURT AM MAIN/WÜRZBURG. Heute wurde bekannt, dass ein unter Gammelfleisch-Verdacht geratenes Catering-Unternehmen aus Bad Windsheim während des Papstbesuchs hohe kirchliche Würdenträger und Pilger bewirtete. Hinweise, ob dem Papst sowie den Bischöfen, Kardinälen, Priestern, Prominenten, Journalisten und Kirchenmusikern bei der Regensburger Papstmesse auch verdorbenes Fleisch serviert wurde, gebe es bislang aber nicht, teilte die Staatsanwaltschaft Regensburg heute mit. Allerdings soll Benedikt XVI. sein Frühstück von der Firma erhalten haben.
Die Firma bestreitet alle Vorwürfe und warf Polizei und Staatsanwaltschaft Falschinformation der Öffentlichkeit vor. Demnach sei das von der Polizei beanstandete Fahrzeug ordnungsgemäß gekühlt gewesen, die Ware hätte in Bad Windsheim entsorgt werden sollen. Anders lautende Angaben des Fahrers gegenüber der Polizei seien falsch, heißt es.
Die Polizei hatte am Montag einen überladenen Transporter des Unternehmens gestoppt, der mehr als eine halbe Tonne verdorbene Fleisch- und Fischerzeugnisse geladen hatte. Bei der Papstmesse versorgte das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 7.000 Menschen.
Auf Veranlassung der Ermittlungsbehörde sei das Festzelt der Firma auf der Papstwiese gestern noch einmal von einem Veterinär untersucht worden. Dabei seien keine ungenießbaren Lebensmittel entdeckt worden, sagte der Leitende Regensburger Oberstaatsanwalt Johann Plöd.
Dagegen hätten Lebensmittelkontrolleure bei einer Untersuchung der Bad Windsheimer Firmenräume Indizien gefunden, "die zu einer Einschaltung der Staatsanwaltschaft geführt haben", sagte ein Ministeriumssprecher. Es seien dort Lebensmittel gefunden worden, "bei denen man nicht sicher sein konnte, ob man sie in den Verkehr bringen kann", deutete der Sprecher an.
Auch in anderen Teilen Deutschlands wurde am Donnerstag [14.9.2006] neues Gammelfleisch entdeckt. In einer Lagerhalle in Baden-Württemberg tauchten mindestens 10 Tonnen Fleisch auf, das teilweise schon seit 1999 abgelaufen ist. Insgesamt wurden dort 40 Tonnen Wildfleisch kontrolliert, wie das Landratsamt in Offenburg mitteilte. Größere Mengen verdorbenen Fleisches wurden in einem Tiefkühllager in Gotha entdeckt. Nach ersten Ermittlungen war das frisch nicht verkäufliche Fleisch erst kurz vor dem endgültigen Verderben eingefroren worden, teilte das Thüringer Gesundheitsministerium mit. Das Lager wurde gesperrt, die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Türken wittern Döner-Verschwörung
Türkische Medien ranken eine Verschwörungstheorie um den Gammelfleisch-Skandal: Westliche Fastfood-Unternehmer wollen demnach den Döner kaputtmachen weil man dem Schnellimbiss vom Spieß den Erfolg nicht gönnt. Was in der Branche schiefläuft, ist weniger von Interesse.
Aus: Spiegel Online 14. September 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]DÜSSELDORF. Die Türken als größte Minderheit haben in Deutschland ihre eigenen Medien: Fernseh- und Radiosender, aber auch Zeitungen, die mindestens eine halbe Million Menschen erreichen. In diesen Tagen klafft zwischen den Berichten in der deutschen und der türkischsprachigen Presse eine besonders große Lücke. Anlass ist der Gammelfleisch-Skandal, über den in türkischen Medien mit einer interessanten These berichtet wird: Schnellimbiss-Betreiber wittern eine hinterhältige Attacke der westlichen Fastfood-Industrie auf ihr bestes Produkt den Döner Kebap.
Der Grund sei der schwindelerregende Erfolg des Döner, den ihm die Burger- und Würstchenverkäufer missgönnen, steht da zu lesen. Die hässlichen Enthüllungen im Gammelfleisch-Skandal würden nur dazu dienen, den Döner "durch den Schmutz zu ziehen".
Die Zeitung "Milliyet" zitiert den Döner-Händler Arif Arslan aus Berlin: "Jedes Jahr versuchen sie uns mit neuen Anschuldigungen zu diffamieren." Es seien "die gleichen Leute, die letztes Jahr mit der Vogelgrippe ankamen", die jetzt in Sachen Gammelfleisch dem Döner Übles nachsagen.
Das Massenblatt "Sabah" wittert eine "Schmutzkampagne" gegen das erfolgreiche Schnellgericht vom Spieß und bezeichnet sie gar als "Schande der Menschheit". Der Vorsitzende des Vereins Türkischer Döner-Hersteller in Europa, Atasever Sir, beklagt in der Zeitung die "große Ungerechtigkeit", den Gammelfleisch-Skandal "unmittelbar mit dem Döner-Sektor in Verbindung zu bringen" [Ed: zu recht, wie wir 2007 dann erfahren mußten].
Die türkischen Zeitungen titeln zwischen Panik und Döner-Pathos. "Hürriyet" verkündet: "Den Döner wirft niemand von seinem Thron". Dazu wird Ömer Tütüncübasi zitiert, Vorstand der "Karmez"-Döner-Produktion in Frankfurt am Main: "Döner ist zu einem gemeinsamen Wort in der Europäischen Union geworden und hat es in die Wörterbücher der Mitgliedsländer geschafft." Der europäische Döner habe das gerade wegen seiner hohen Qualitätsstandards erreicht.
Wer den Kebap beleidigt, ist der Gegner
Die Döner-Debatte in den türkischen Zeitungen spart die Frage größtenteils aus, was in der Branche schiefgelaufen ist angesichts des Gammelfleisch-Skandals es gilt das Motto: Wer den Kebap beleidigt, ist der Gegner.Die Berichte in den türkischen Medien lassen auch offen, wer denn die Verschwörung gegen den Döner organisiert. Dafür sind sich die Döner-Veteranen einig: Es muss gegengesteuert werden. Am Wochenende lud der Verein Türkischer Döner-Hersteller in Europa zu einer Pressekonferenz, bei der sich die Produzenten einmal mehr beschwerten über negative Berichte zum Döner und seiner Qualität. Man war sich einig: Dem Imbiss widerfährt Ungerechtigkeit.
Deutsche Politiker sekundieren den Protestierenden. Über den Besuch von Grünen-Chefin Claudia Roth bei einem türkischen Fleischspieß-Produzenten am 6. September wurde gleich in mehreren Zeitungen so berichtet: "Unterstützung für den türkischen Döner". Und eine Erklärung des SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs, wonach Dönerhersteller kein Gammelfleisch verwenden, wurde von der türkischen Presse dankbar aufgenommen.
Auch Claudia Roth übte sich in freundlicher Annäherung. Für sie seien "Qualitätsmangel" und "Döner" zwei Worte, die sich ausschließen. Als sie allerdings vorschlug: "Versuchen Sie es doch mal mit Bio-Döner!", erntete sie ein herzhaftes Lachen. [Aber 2007 dann: Die Döner-Mafia]
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