Nahrungsprobleme in den Medien – Teil 14 khd
Stand:  15.9.2007   (33. Ed.)  –  File: Food/in_M/edia_14.html




Hier werden einige ausgewählte und besonders interessante Artikel und andere Texte zum Thema "Nahrung" (food) gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert. Manches ist auch mit [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.

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L E B E N S M I T T E L S K A N D A L E

„Der Verbraucher wurde verarscht“

Derzeit jagt beim Gammelfleischskandal eine Horrormeldung die nächste. Wie gefährlich ist Gammelfleisch wirklich? Lebensmittel-Experte Udo Pollmer im stern.de-Interview über Missstände, Mythen und die Medien.

Aus:
Stern, Hamburg, 15. September 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). Interview: JENS LUBBADEH. [Original]

Zur Person: Udo Pollmer, Jahrgang 1954, Lebensmittelchemiker. Mitbegründer des EU.L.E. e.V. und seit 1995 wissenschaftlicher Leiter. Immer samstags, 11.15 Uhr, Deutschland-Radio Berlin: "Mahlzeit! Gespräche mit Udo Pollmer". Bisher erschienene Bücher: "Esst endlich normal", "Prost Mahlzeit! Krank durch gesunde Ernährung", "Liebe geht durch die Nase", "Wohl bekomm's", "Vorsicht Geschmack. Was ist drin in Lebensmitteln", "Lexikon der populären Ernährungsirrtümer", "Lexikon der Fitness-Irrtümer", "Mythos Cholesterin".

STERN.de: Herr Pollmer, eine besonders eklige Meldung der letzten Tage war, dass Fleisch, welches das Mindesthaltbarkeitsdatum um vier Jahre überschritten hatte, in den Handel gelangt sein soll. Offenbar war das Fleisch dann aber doch nicht so gesundheitsschädlich, denn von Krankheitsfällen hat man nichts gehört. Wie gefährlich ist Gammelfleisch wirklich?

Pollmer: Was soll schon passieren, wenn es gefroren war? Das Fleisch wird ja in der Regel auch noch erhitzt, eventuell vorhandene Mikroben dabei abgetötet. Ein viel größeres Problem haben Sie beispielsweise bei Rohkost – Salat kann über seine Wurzeln krankheitserregende Keime aufnehmen. Wer vielleicht einmal nach einem Döner Bauchweh bekommen hat, glaubt ja, dass es das Fleisch war. Wahrscheinlicher ist aber das Grünzeug dafür verantwortlich.

STERN.de: Wie aussagekräftig ist das Mindesthaltbarkeitsdatum?

Pollmer: Das Mindesthaltbarkeitsdatum sagt nur etwas darüber aus, wie lange eine Ware mindestens haltbar sein muss, wenn sie korrekt gelagert wird. Wird es überschritten, variiert der zeitliche Verfall von Produkt zu Produkt sehr stark – bei Milch geht das beispielsweise ganz schnell, bei Konserven kann das Jahre dauern. Bevor's das Mindesthaltbarkeitsdatum gab, haben die Menschen an der Speise gerochen oder ein wenig davon probiert und dann entschieden, ob sie es noch essen wollten oder nicht. Mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum haben viele Menschen verlernt, auf ihre Sinne zu vertrauen. Sie werfen Produkte weg, die noch völlig in Ordnung sind, nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist.

STERN.de: Wurde der ganze Gammelfleischskandal also nur aufgebauscht?

Pollmer: Man hat dem Bürger immer vorgemacht, dass wir die strengste Lebensmittelkontrolle der Welt haben. Und jetzt kommen einige Bürger nicht mehr aus dem Staunen heraus. Aufgebauscht? Das ist immer relativ. Wenn ich vor 10, 15 Jahren den Journalisten Dinge von wirklich gravierenden Missständen über bestimmte Produkte erzählt habe, haben es die Medien abgelehnt darüber zu berichten. Begründung: Das würde den Verbraucher nur verunsichern. Heute ruft man mich an und fragt nach neuen Missständen. Das Thema Ernährung ist ideologisch stark belastet – man sucht sich gezielt die Produkte aus, über die man berichtet. Ganz früher galt Fleisch als gesund – heute steht es auf dem Index der Ernährungsberater und damit ist die Produktgruppe zum Abschuss freigegeben.

Die Missstände im Fleischbereich sind in den letzten Jahren insgesamt sogar deutlich weniger geworden. Der BSE-Skandal war da schon heilsam. Damit will ich die heutigen Missstände nicht herunterspielen, aber es wird heute einfach mehr darüber berichtet. Dabei können Sie bei anderen Produktgruppen ebenso Problemfelder ausmachen.

STERN.de: Welchen Schluss kann der Verbraucher aus dem Gammelfleischskandal ziehen?

Pollmer: Das Gammelfleisch war 4 Jahre alt – wenn solche Dinge über Jahre hinweg nicht aufgefallen sind, sind Zweifel am System der Lebensmittelüberwachung angebracht. Wie kann man zig Tonnen davon über Jahre hinweg einfach übersehen? Da liegt doch der Hase im Pfeffer. Überlegen Sie mal, wie sich die Situation für einen Insider darstellt, wenn er weiß, daß man die allermeisten krummen Dinge nicht sieht sondern nur mit komplizierter Analytik aufdecken kann.

STERN.de: Haben Sie ein Beispiel?

Pollmer: Nehmen Sie zum Beispiel Vanille. Fast überall ist laut Etikett nur echte Vanille drin – obwohl jeder weiß, daß die Weltproduktion an Vanilleschoten nie und nimmer den Bedarf decken kann. Synthetisches Vanillin ist chemisch identisch und kostet nur eine Bruchteil der Schoten. Der Nachweis, ob das Vanille echt oder synthetisch hergestellt ist, nutzt die unterschiedlichen Isotopenmuster der Elemente im Molekül. Inzwischen gibt's Labors, die sogar die Isotopenmuster der einzelnen Vanillenschotenherkünfte nachbauen. Da gibt's manches, was beinahe nobelpreisverdächtig ist.

STERN.de: Wovor sollten sich die Verbraucher in Zukunft in Acht nehmen?

Pollmer: Vor den vollmundigen Versprechungen der Politiker in Sachen Lebensmittelkontrolle und den Empfehlungen von Ernährungsberatern. Kaum eine Empfehlung, von der nicht ein paar Jahre später das Gegenteil behauptet wurde. Zudem raten sie meist zum Verzehr unbekömmlicher Produkte, wie Weizenvollkorn oder größere Mengen an Rohkost. Viele Menschen bekommen davon Verdauungsstörungen, die bei dauerhaften Konsum zu bleibenden Schäden führen können. Die Kalorienzählerei und die Diäten führen vor allem bei Jugendlichen zu Essstörungen. Das ist wirklich gefährlich!

STERN.de: Was muss passieren, dass es in Zukunft keine Gammelfleischskandale mehr gibt?

Pollmer: Die deutsche Lebensmittelüberwachung muss neu organisiert werden, und zwar zentral. Dazu braucht man Fachleute und keine Dorfpolizei, die womöglich noch Bedenken hat, Leute dingfest zu machen, zu denen persönliche Beziehungen bestehen. Horst Seehofer ist ein General ohne Armee, denn die Lebensmittelüberwachung ist Ländersache, teilweise liegt das in den Händen der Landkreise. Ein Unding.

Am besten wäre es, wenn die Koordinierung von Brüssel aus stattfände, das sich in der Vergangenheit durch eine hohe Kompetenz bei der Kontrolle der Lebensmittelüberwacher ausgezeichnet hat. Aber da nach landläufiger Meinung aus Brüssel nur Böses kommt, wird darüber dann auch wieder nicht berichtet.

STERN.de: Hat also die Politik versagt im Gammelfleischskandal?

Pollmer: Ja – und nicht der Verbraucher. Die Missstände sind keine Folge davon, dass der Verbraucher zu wenig Geld ausgibt. Soll er etwa Gammelfleisch verhindern, indem er mehr Geld ausgibt? Jeder weiß, dass ein hoher Preis noch lange nicht eine hohe Qualität bedeutet. Das Gammelfleisch endete ja meist auch nicht als Billigfleisch im Supermarkt. Ratschläge, die man von Verbraucherschützern immer wieder hört, er solle nur noch beim Metzger seines Vertrauens Fleisch kaufen, bringen niemanden weiter. Der Verbraucher kann doch nicht wissen, wem er vertrauen kann. Er wurde schlicht und ergreifend verarscht.



Kritik an Seehofers Plänen für Preisdumping-Verbot

Aus:
Spiegel-Pressemeldung – 16. September 2006, ??.?? Uhr MESZ zum Artikel "Billig gleich schlecht?" im SPIEGEL – 38/2006, 18. September 2006, Seite 20 (Panorama Deutschland).

HAMBURG. Die Lebensmittelindustrie wehrt sich gegen die Pläne von Verbraucherschutzminister Horst Seehofer und Wirtschaftsminister Michael Glos (beide CSU), Preisdumping bei Nahrungsmitteln zu verbieten. "Die Gleichung niedriger Preis gleich schlechte Ware ist eindeutig falsch", kritisiert Jürgen Abraham, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie.

Discountketten wie Lidl oder Aldi hätten mit die schärfsten Qualitätskontrollen, so Abraham, der Inhaber einer Rohschinken- Produktionsfirma im niedersächsischen Seevetal ist. Als Unternehmer könne er sich nicht erlauben, diesen schlechte Ware zu verkaufen. Auch die 13-Punkte- Liste, die Bundesminister Seehofer und dessen Amtskollegen aus den Ländern in der vorvergangenen Woche beschlossen haben, hält Industrievertreter Abraham für untauglich: "Das ist doch nur die übliche Papierlawine, die nach solchen Skandalen ausgelöst wird."

Nur eine Ausweitung der Kontrollen und harte Sanktionen könnten die Lebensmittel sicherer machen. Betrug mit abgelaufener oder umetikettierter Ware sei nur durch "ausreichend viele Kontrolleure zu verhindern, die ihr Handwerk verstehen".



G E N R E I S - S K A N D A L

Aus dem Labor auf den Tisch

Immer mehr verunreinigte Produkte / Nach dem Genreis-Fund sollen Hersteller und Handel ihre Produkte besser kontrollieren, fordern Verbraucherschützer.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 17. September 2006, Seite 23 (Wirtschaft). [Original]

BERLIN (Tsp). Nach dem Fund von gentechnisch verändertem Reis in deutschen Lebensmitteln fordert der Foodwatch-Chef Thilo Bode Konsequenzen und genauere Kontrollen. „Die Nahrungsmittelindustrie muss die Gesetze einhalten – gelingt ihr das nicht, müssen die Verantwortlichen strenger als bisher zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte er dem Tagesspiegel am Sonntag. Gerade die großen Handelsketten stünden in der Pflicht, ihre Lebensmittel sorgfältig auszusuchen und deren Qualität zu überprüfen. „Sie gucken aber nicht hin, weil es für Übeltäter keine abschreckenden Konsequenzen gibt.“ Nur beim Nachweis von Fahrlässigkeit könne man sie belangen. „Hier muss die Politik etwas tun“, sagte Bode.

Das Bundesministerium für Verbraucherschutz sieht aber keinen Handlungsbedarf. Seit Ende August gebe es strengere Auflagen für den Reisimport aus den USA, sagte eine Sprecherin. Händler müssten anhand von Proben nachweisen, das Produkte keine genveränderten Substanzen enthielten. Da die verbotene Genreissorte LL601 jetzt in den Handel gelangt ist, solle auch geprüft werden, wie gut die Bundesländer kontrollieren.

Ausgelöst wurde der Skandal durch die Umweltorganisation Greenpeace – sie hatte bei Aldi-Nord den genveränderten Reis gefunden. Die Lieferung stammt aus den USA – weder dort noch in Europa darf er aber in den Handel gelangen. Die Behörden hatten den Verdacht bestätigt. Auch bei Edeka und Kaufland fanden sich in mehreren Produkten Spuren des Reises. Edeka kündigte daraufhin an, keinen Reis aus den USA mehr verarbeiten zu wollen.

Der Einzelhandel seinerseits forderte die Industrie auf, mehr Sorgfalt walten zu lassen. „Händler müssen sich auf die Angaben der Hersteller verlassen können“, sagte Christian Mieles vom Bundesverband der Lebensmittelhändler. Die Lebensmittelhändler hätten darauf vertraut, dass sich die Branche an das Verbot von Genreis halte.

Verbraucherschützern zufolge wird es für die Konsumenten aber immer schwieriger, sich vor Gentechnik-Lebensmitteln zu schützen. „Wir beobachten im weltweiten Warenhandel eine neue Unübersichtlichkeit, die stärkerer Kontrollen bedarf“, sagte eine Greenpeace-Sprecherin. Gentechnik bei Lebensmitteln sei nicht in dem Maße beherrschbar, wie die Befürworter es behaupteten, erklärte auch Jutta Jaksche vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV). In Ländern wie den USA, Argentinien oder Brasilien gebe es einen weniger strengen Umgang mit Gentechnik bei der Lebensmittelproduktion. In der EU gibt es dagegen für Gen-Nahrung strenge Auflagen. „Deutsche Verbraucher lehnen gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. Der Handel steht hier in der Pflicht, Produkte zu prüfen und gegebenenfalls zu kennzeichnen“, verlangte Jaksche.

Der Nachweis gentechnisch veränderter Ware ist aber schwierig. „Wir suchen nach etwas, von dem wir gar nicht wussten, dass es überhaupt im Umlauf ist“, erklärte der Lebensmittelchemiker Heinz-Volker Buchholz vom Berliner Institut für Lebensmittel, Arzneimittel und Tierseuchen (Ilat). Derzeit sucht sein Haus fieberhaft nach weiteren Spuren des Genreises LL601 in Produkten, etwa in Reisnudeln. Ergebnisse gibt es aber womöglich erst in einigen Wochen. Buchholz hat aber einen Verdacht. „Das wird weite Kreise ziehen.“ [mehr]



G E N R E I S - S K A N D A L

„Es wäre besser nicht passiert“

Steven Linscombe, Direktor der Reisforschungsstation der Louisiana State University, über die Herkunft des in Deutschland aus Verkaufsregalen genommenen GenTech-Reises.

Aus:
Der Spiegel – 38/2006, 18. September 2006, Seite 159 (Wissenschaft + Technik). [Original suchen]

SPIEGEL: Die Spur des GenTech-Reises LL601 führt in ihr Institut. Wie konnten sich genmanipulierter und normal gezüchteter Reis vermengen?

Linscombe: Wir unsere Nachforschungen ergeben haben, ist LL601 im Jahr 2003 in das Basissaatgut der Sorte Cheniere hineingekommen, das wir hier an unserem Institut neu entwickelt haben. Aus dem Basissaatgut wiederum züchten kommerzielle Firmen dann das Saatgut für die Bauern – und darunter haben sich demnach auch Pflanzen der Sorte LL601 befunden. Der Weg vom Saatkorn bis in die Läden dauert 3 Jahre.

SPIEGEL: Was genau ist da bei Ihnen schiefgelaufen?

Linscombe: Wenig wahrscheinlich ist, dass sich LL601 auf dem Feld ausgekreuzt hat. Das ist bei den Sicherheitsvorkehrungen eigentlich nicht vorstellbar. Wir untersuchen, ob Ackerwerkzeug kontaminiert war.

SPIEGEL: Experten tippen auf schlecht gereinigte Erntegeräte.

Linscombe: Das kann nicht sein, weil wir LL601 mit der Hand geerntet haben. Es ist wirklich kompliziert, 5 Jahre später den genauen Übertragungsweg zu rekonstruieren. Wir haben hier über 100.000 Aussaatreihen angelegt.

SPIEGEL: Genau das werfen GenTech-Kritiker Ihrer Wissenschaft vor. Sie sei nicht beherrschbar.

Linscombe: Es wäre sicher besser gewesen, wenn die Vermischung mit LL601 nicht passiert wäre.

SPIEGEL: Ist Ihr Ruf als Reispapst nun dahin?

Linscombe: Das müssen andere entscheiden.

SPIEGEL: Sehen Sie ein Gesundheitsrisiko durch den Gen-Reis?

Linscombe: Nein! Die gentechnische Veränderung ist auch in anderen Reissorten enthalten, und diese sind zugelassen worden.



V E R B R A U C H E R S C H U T Z

Lebensmittelsünder kommen an den Pranger

Der Bundesrat hat grünes Licht für das Verbraucherinformationsgesetz gegeben. Dieses soll Behörden dazu verpflichten, Produkt- und Herstellername zu nennen, wenn Gammelfleisch verkauft wird oder Verbraucher erheblich getäuscht werden.

Aus:
Berliner Morgenpost, 22. September 2006, 22.09 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

BERLIN (morgenpost.de). Nach 5 Jahren Diskussion und 2 gescheiterten Anläufen kann das Verbraucherinformationsgesetz jetzt in Kraft treten. Als letztes billigte der Bundesrat das Gesetz, das noch die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder (SPD) auf den Weg gebracht hatte. Behörden werden erstmals grundsätzlich verpflichtet, Produkt- und Herstellername zu nennen, wenn beispielsweise Gammelfleisch verkauft wird oder Käufer erheblich getäuscht werden. Bisher lag das im Ermessen der Ämter.

Neu ist auch, dass Herstellernamen auch dann genannt werden dürfen, wenn die Erzeugnisse nicht mehr auf dem Markt oder bei den Verbrauchern vorhanden sind. Das war bisher nicht möglich. Die alte Regelung hatte besonders umtriebige Betrüger geschützt. Denn sie durften öffentlich nicht genannt werden, wenn die Ware bereits verkauft war.

Darüber hinaus bekommen Verbraucher erstmals das Recht, auf Informationen über Lebensmittel und Bedarfsgegenstände zuzugreifen, die bei Behörden des Bundes und der Länder vorliegen. Beispielsweise können sie bei den zuständigen Ämtern nachfragen, wie die Pestizidbelastung von bestimmten Gemüsesorten oder die Abfüllpraxis bestimmter Unternehmen bei Fertigverpackungen ist. Die Informationspflichten gelten für Lebensmittel, Futtermittel, Wein, Kosmetika und Bedarfsgegenstände wie zum Beispiel Bekleidung, Lebensmittelverpackungen und Reinigungsmittel.

Die Verbraucherschützer von Foodwatch hatten vor der Bundesratssitzung 10.000 Bürgerpetitionen übergeben und die Länder aufgefordert, das Gesetz nachzubessern. Geschäftsführer Thilo Bode kritisierte: "Statt lückenloser Transparenz zu schaffen, strotzt das Gesetz vor Ausnahmeregeln und Hintertürchen." Praktisch jede Information könne damit von Behörden und der Lebensmittelwirtschaft verweigert oder verzögert werden.

Bayerns Verbraucherminister Werner Schnappauf (CSU) forderte: "Wer ekeliges Zeug verkauft oder serviert, muss an den öffentlichen Pranger gestellt werden." Seine Kollegen aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg begrüßten, dass das Gesetz 2008 überprüft und gegebenenfalls verbessert werden soll.

Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) erklärte, der Gammelfleisch-Skandal zeige, wie nötig das Gesetz sei. Es sei ein "Meilenstein zu einem mündigen Verbraucher in einer modernen Wissensgesellschaft". Die Bundesregierung sei bereit, den Verbraucherschutz auch über das Gesetz hinaus noch auszuweiten.

Der CSU-Politiker verteidigte, dass die Behörden die Verbraucher informieren sollen, aber nicht müssen. Damit werde verhindert, dass ein Metzgerladen wegen einer gesprungenen Kachel öffentlich angeprangert werde. Die Drohung, den Namen zu nennen, wirke vorbeugend, sagte der Minister. Namensnennung sei effektiver als 150 Euro Geldstrafe.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Einzelhandels, Holger Wenzel, erklärte, das Gesetz schaffe Transparenz, sei aber keine Versicherung gegen Lebensmittelskandale. "Hierzu muss vor allem die amtliche Überwachung verbessert werden."



N E U E   E U - V E R P A C K U N G S O R D N U N G

100-Gramm-Schokoladentafel kein Muss mehr

Schokolade in 95-Gramm-Packungen, 730-Gramm-Butterpakete – all das soll theoretisch möglich werden, so haben es die EU-Wirtschaftsminister beschlossen. Sie einigten sich auf eine Neufassung der Verpackungsordnung. Doch Verbraucherschützer warnen: Das könnte zu höheren Preisen führen.

Aus:
Spiegel Online – 25. September 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

BRÜSSEL. Die Wirtschaftsminister der EU-Länder haben sich im Grundsatz auf eine Neufassung der Verpackungsverordnung geeinigt. Danach soll es in der EU künftig keine Vorschriften mehr dafür geben, in welchen Einheiten beispielsweise Mehl, Kakao, Reis, Wasser oder Nähgarn verkauft werden darf.

Damit werden nach den Worten von Wirtschaftsstaatssekretär Joachim Wuermeling in Deutschland sämtliche entsprechenden Vorgaben ersatzlos gestrichen. In einigen Staaten werde es für bestimmte Produkte Übergangsfristen geben. Die EU habe damit erstmals gezeigt, dass sie in der Lage sei, auf überflüssige Vorschriften zu verzichten.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen warnte allerdings vor Preissteigerungen. Die Packungen würden zwar kleiner, aber der Preis bliebe möglicherweise der gleiche, wurde befürchtet. Zum Beispiel wären 95-Gramm-Tafeln Schokolade statt der üblichen 100-Gramm-Tafeln zulässig.

Das Europäische Parlament stimmte dem Vorschlag der Kommission, die bisher festen Verpackungsgrößen für Nahrungsmittel und Kosmetika abzuschaffen, in erster Lesung prinzipiell zu. Für eine Reihe von Produkten wie Milch, Butter, Röstkaffee, Reis oder Trockenteigwaren wollen die Abgeordneten aber weiter verbindliche Vorgaben. Diese Waren bilden ihrer Auffassung nach die Grundlage der täglichen Ernährung und sollten daher nur in einer überschaubaren und festgelegten Anzahl von Verpackungsgrößen verkauft werden können.



G E N R E I S - S K A N D A L

EU will alle Reis-Importe aus USA kontrollieren

Alle Reis-Importe aus den USA sollen verpflichtend kontrolliert werden. Das fordert die EU-Kommission nach den jüngsten Genreis-Funden. Man wolle mit den US-Behörden eine einvernehmliche Lösung – notfalls würden die Kontrollen aber auch alleine durchgesetzt.

Aus:
Spiegel Online – 4. Oktober 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

BRÜSSEL. Der Wirbel um die Genreis-Funde in Langkornreis aus den USA ist abgeflaut. Nun will die EU-Kommission verpflichtende Kontrollen aller Reis-Importe aus den USA einführen. Die Brüsseler Behörde bemühe sich um die Vereinbarung gemeinsamer Teststandards mit den US-Landwirtschaftsbehörden, teilte Kommissionssprecher Philip Tod am Mittwoch [4.10.2006] mit.

Über einen entsprechenden Vorschlag werde in den kommenden 2 Wochen mit den US-Behörden diskutiert, man wolle eine einvernehmliche Lösung finden. Sollte es keine Einigung geben, würden die Kontrollen einseitig eingeführt, hieß es weiter.

In Deutschland und mindestens 8 weiteren EU-Ländern sind in den vergangenen Wochen Spuren von nicht zugelassenem genmanipuliertem Reis aus den USA aufgetaucht. Dabei ist in der EU keine Genreis-Sorte zum Import oder zum Verkauf zugelassen.

Hierzulande haben bisher Baden- Württemberg, Niedersachsen, Rheinland- Pfalz und Hessen den Fund von verbotenem Genreis gemeldet. Konkret geht es um Gen-Langkornreis der Sorte "LL Rice 601", die der EU-Kommission zufolge in den USA produziert und von der Bayer-Tochter Crop Science erprobt wurde. Diese Sorte war Ende Juli in den USA in Reiscontainern entdeckt worden, die für den Lebensmittelmarkt bestimmt waren.

Die EU-Kommission hatte daraufhin beschlossen, US-Langkornreis nur noch zum Import zuzulassen, wenn er nachweislich keine Anteile der Sorte enthält. Europa hat im vergangenen Jahr 300.000 Tonnen Reis aus den USA importiert. 85 Prozent davon waren Langkornreis. Die EU-Kommission hatte sich bereits bei der US-Regierung über deren Informationspolitik beschwert und bemängelt, dass es mehrere Wochen gedauert habe, bis sie über den Fund von Genreis-Spuren benachrichtigt worden sei. [mehr]



G A M M E L F L E I S C H

Scanner soll Fleischfrische erkennen

In weniger als einer Minute soll Gammelfleisch zukünftig identifizierbar sein: So schnell könnten Steaks, Würste und Co. untersucht werden – mit Laserlicht und intelligenten Etiketten. Die Entwickler haben auch einen passenden Namen für ihr Projekt: "FreshScan".

Aus:
Spiegel Online – 11. Oktober 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

HAMBURG. "FreshScan" – dieser Name ist ebenso bezeichnend wie verpflichtend: Das Projekt mit eben jenem Namen soll einen Gammelfleisch-Scanner entwickeln. Und so arbeitet eine Expertengruppe aus 5 deutschen Forschungsinstituten an einem Verfahren, mit dem sich erkennen lässt, wie frisch das Fleisch im Lagerhaus oder an der Ladentheke ist.

Damit alte Steaks, Würste und Co. nicht erst nach langwierigen Laboruntersuchungen also solche erkannt werden, soll zukünftig ein Scanner Gammelfleisch sofort entdecken. Je nach Frische des Fleisches werde Licht unterschiedlich reflektiert, erläuterte Volker Großer vom federführenden Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM). Mit einem Laserscanner sollen diese Unterschiede erfasst werden. "So kann jeweils der aktuelle Zustand des Fleischs gemessen werden. Unser Ziel ist es, dass dies weniger als 1 Minute dauert", sagte der Wissenschaftler.

Das Messverfahren sei schon auf seine Funktionsfähigkeit hin erprobt, müsse aber noch vereinfacht werden. Laut Großer soll es "im besten Fall einmal so sein, dass sowohl die staatlichen Lebensmittelkontrolleure als auch der Mitarbeiter der Fleischtheke im Supermarkt mit dem Scanner problemlos die Frische und Herkunft des Fleisches ermitteln kann". Womöglich ließe sich das Verfahren später auch auf andere Lebensmittel übertragen.

Das "FreshScan"-System enthält neben dem Scanner noch eine zweite Komponente: ein "intelligentes" Etikett. Dieser Mikrochip werde sämtliche Herkunfts- und Aufbewahrungsdaten des Fleisches speichern, auch die aus den Messungen des Scanners. "So soll die Produktionskette vom Erzeuger über die Verarbeitung, den Transport, den Groß- und Einzelhandel bis zum Endverbraucher lückenlos dokumentiert werden", begründet Großer.

Das Projekt, an dem auch Forscher der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel im bayerischen Kulmbach beteiligt sind, ist auf 3 Jahre angelegt. Das Bundesforschungsministerium unterstützt die Entwicklung des Systems mit rund 3 Millionen Euro.



G E N - R E I S

EU ordnet Gen-Tests für Reis aus den USA an

Nach dem Skandal um die Einfuhr von gentechnisch verändertem Reis aus den USA will die Europäische Union künftig alle Langkornreis-Lieferungen aus den Vereinigten Staaten kontrollieren. Die EU schreibt nun Gen-Tests vor.

Aus:
Spiegel Online – 23. Oktober 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

BRÜSSEL. Mit dieser Entscheidung reagierte der zuständige Expertenausschuss der 25 EU-Staaten heute auf die Weigerung der USA, mit den Europäern gemeinsame Kontrollvorschriften zu erlassen. Die verbindlich vorgeschriebenen Tests sollen nach Angaben der EU-Kommission verhindern, dass US-Firmen weiterhin gentechnisch veränderten Reis vom Typ LL601 nach Europa bringen.

Die Reissorte ist in der EU nicht zugelassen. Die EU-Kommission hatte aber im September bestätigt, dass in mehreren Mitgliedstaaten gentechnisch veränderter Reis aus den USA entdeckt wurde. Auch in Deutschland wurde die für den Verzehr nicht zugelassene Sorte LL601 nachgewiesen.

Die bloße Versicherung, dass der importierte US-Reis keine Spuren von LL601 enthält, soll künftig nicht mehr ausreichend sein. Das Expertengremium schreibt mit seiner Entscheidung vielmehr vor, dass die Mitgliedstaaten sämtliche Lieferungen am europäischen Einfuhrort nach genauen Vorgaben testen. Die Kosten dafür sollen die Unternehmen tragen. Die Tests sollen auch der Tatsache Rechnung tragen, dass die französischen Behörden in einer Lieferung aus den USA jüngst einen weiteren verbotenen Gen-Reis, LL62, entdeckt haben.



W E I N P A N S C H E R E I

Deutschlands Winzer mischen munter

Ob Glyzerin, Zucker, Aroma oder Farbstoff – viele deutsche Winzer mischen ihrem Rebensaft laut einem TV-Bericht etliche unzulässige Stoffe unter. Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer denke schon an ein Reinheitsgebot für Wein.

Aus:
Spiegel Online – 7. November 2006, ??.?? Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

MAINZ. Wie der Südwestrundfunk heute vorab berichtete, wurden in Rheinland-Pfalz bei der Kontrolle von 5.533 Weinen im vergangenen Jahr insgesamt 1.050 Produkte beanstandet. Die häufigsten Verstöße gegen das Weingesetz seien die Beimischung von Glyzerin oder Zucker, der Einsatz von Aromastoffen, Farbstoffen sowie Wasser gewesen.

Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) will dem Bericht zufolge analog zum Bier ein Reinheitsgebot für Wein einführen. Für dieses Ziel habe Seehofer inzwischen auch die Weinbauverbände gewonnen.

Deutsche Winzer dürfen laut der SWR-Reportage wie ihre US-Kollegen in Kürze auch die umstrittenen Eichenholzchips sowie Eichenholzpulver bei der Weinherstellung einsetzen. Mit diesen Mitteln kann bei Rotweinen ein Geschmack erzeugt werden, der normalerweise nur entsteht, wenn der Wein lange Zeit in frischen Eichenholzfässern gelagert wurde. Die Eichenchips sollen zunächst aber nur bei einfacheren Weinen erlaubt sein.

Die vollständige ARD-Reportage "Die Tricks der Weinmacher" wird am Mittwochabend [8.11.2006] um 21.45 Uhr im Ersten Programm ausgestrahlt.



Nach Gammelfleisch jetzt Gammelfisch

Aus: Yahoo-News, 22. November 2006, 18.27 Uhr MEZ (News). [
Original]

ROSTOCK. In einem Rostocker Kühllager sind 2 Tonnen Gammelfisch entdeckt worden. Dabei handele es sich um Räucherware sowie Fischkonserven, deren Haltbarkeitsdatum zum Teil vor 7 Jahren abgelaufen sei, teilte die Staatsanwaltschaft Rostock am Mittwoch [22.11.2006] mit. Die Lagerhalle des 55 Jahre alten Fischhändlers sei bereits am Dienstag durchsucht worden. Nach Aussagen von Verbraucher- und Agrarminister Till Backhaus (SPD) wurde keine Ware an Kunden außerhalb Mecklenburg-Vorpommerns geliefert.

Das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt der Stadt war einem Hinweis nachgegangen, dass angeblich verdorbene Ware in den Verkehr gebracht wurde. Es sei auch nicht auszuschließen, dass der Fisch weiter verarbeitet wurde. Jetzt untersuchen Experten, inwieweit derart überlagerte Ware gesundheitsgefährdend ist.

Der Vorfall sei rechtzeitig entdeckt worden, lobte Backhaus am Mittwoch. Zumindest eine Ladung Dorschfilet sei sichergestellt worden und nicht den Verkehr geraten. Das bestätige, dass Kontrollsysteme wirksam funktionierten. Ob andere Waren bereits verkauft wurden, prüfe die Staatsanwaltschaft. "Nach dem jetzigen Kenntnisstand sind andere Bundesländer nicht beliefert worden", sagte Backhaus.

Völlig unklar ist noch, warum ein Händler leicht verderblicher Lebensmittel so lange Zeit durch die Maschen der amtlichen Kontrolleure rutschen konnte. Nach Angaben anderer Rostocker Fischhandelsunternehmen finden Überprüfungen mitunter im Wochenrhythmus statt. Unbestätigten Meldungen zufolge soll der Betrieb des 55-Jährigen bereits seit langem unter Verdacht des Amtes gestanden, einen Teil seiner Ware aber der Kontrolle immer wieder entzogen haben.



Die 10 besten Überlebensmittel

Brokkoli, Olivenöl & Co. sind wichtig für die feine Küche. Sie halten aber auch fit, bremsen das Altern und schützen vor Krebs.

Aus:
Berliner Morgenpost, 26. November 2006, Seite ?? (Wissen). [Original=867973.html]

Kurkuma

Das intensiv gelbe Kurkuma steigert die Gallensaftsekretion, schützt vor Arteriosklerose und wirkt sich positiv auf die Psyche aus. Deshalb gilt es in Indien auch als Zaubermittel und wird Babys als Punkt auf die Stirn gemalt. Das verheißt Glück. Das Pulver wird aus dem Rhizom von mehrjährigen krautigen Pflanzen gewonnen, die mit etwa 80 Arten vom tropischen Asien bis Nordaustralien verbreitet sind. Der Curry-Inhaltsstoff Kurkuma kann Gelenkentzündungen verhindern. Forscher der Universität Arizona stellten fest, dass solche Gelbwurzextrakte im Gelenk die Aktivierung entzündungsfördernder Proteine hemmen. Für ayurvedischen Erkältungstee wird bis zu sechs Mal am Tag ein Glas heißes Wasser mit einem halben Teelöffel Kurkuma- und einem viertel Teelöffel Ingwerpulver gekocht.

Nüsse

Nüsse galten lange Zeit als Kalorienbomben, denn sie enthalten zwischen 35 und 70 Prozent Fett. Doch die Zusammensetzung der Fettsäuren hat Studien zufolge eine gesundheitsfördernde Wirkung. Wer regelmäßig Nüsse isst, reduziert sein Risiko für Herzerkrankungen, weil sie den Cholesterinspiegel senken. Wer mehr als vier Mal pro Woche Nüsse konsumiere, könne sein Herzinfarktrisiko so um 40 Prozent verringern, heißt es in einer Studie. Botanikern gelten übrigens nur Haselnüsse und Maronen als "echte Nüsse". Alle anderen zählen entweder zu den Hülsenfrüchten (Erdnüsse), den Kapselfrüchten (Macadamia- und Paranüsse) oder zu den Steinfrüchten (Walnüsse, Cashews, Pistazien, Mandeln, Pekannüsse). Gesund sind sie aber allesamt: Neben vielen ungesättigten Fettsäuren enthalten sie reichlich Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe. Sie lassen sich hervorragend dem Weihnachtsgebäck beimischen – dadurch kann Backfett in Form von Butter oder Margarine reduziert werden.

Rotwein

Was den gekelterten roten Rebensaft gesundheitlich so wertvoll macht, ist vor allem eine Substanz, deren Name nicht so leicht über die Lippen geht wie der Trank: Resveratrol. Dieser Stoff ist ein sogenanntes Antioxidans, es eliminiert zellschädigende Stoffwechselprodukte. Resveratrol regulierte in Tierversuchen auch den Insulinspiegel, Mäuse hatten so gesündere Blutzuckerspiegel. Die Substanz dämpft zudem den Gehalt des schädlichen LDL-Cholesterins im Blut und führt so zu weniger Fettablagerungen in Blutgefäßen, Herz und Leber. Im glutvollen Rebensaft stecken zudem die Pflanzenstoffe Quercetin und Epikatechin. Ihnen schreibt man eine krebshemmende Wirkung zu. US-Biochemiker meinen: Mit 3 bis 4 Gläsern pro Woche lasse sich möglicherweise Krebs aushungern. Doch Vorsicht: Zu viel des Guten kehrt den Effekt um – dann drohen Krebs und Leberschäden durch Alkohol.

Ingwer

Die Wurzel, die aus Asien stammt, senkt Cholesterin, wirkt außerdem entgiftend und entzündungshemmend. Die ätherischen Öle im Ingwer helfen gegen Übelkeit und sogar gegen Bronchitis: einfach einen Teelöffel geraffelten Ingwer mit Sirup mischen und mit heißem Wasser aufgießen. Ingwerstäbchen sollte man übrigens besser mit Bitter- als mit Vollmilchschokolade kaufen, sie enthalten weniger Zucker. Ingwer ist außerdem gut fürs Immunsystem und tötet Bakterien.

Olive

Die Olive stellt sämtliche Fett-Leitlinien auf den Kopf. Ist es denn wirklich Öl und Fett, was fett macht? Nein, sagt der Starnberger Publizist Nicolai Worm. Er rationiert uns Getreide und Kartoffeln, die laut den alten Hausregeln das Fundament jedes gesunden Lebens ausmachen. Stattdessen gestattet uns Worm reichlich hochwertige Öle: An erster Stelle steht da das Olivenöl. Es hat den höchsten Anteil einfach ungesättigter Ölsäure, die die Blutfettwerte senkt. Außerdem enthält es reichlich sogenannte Phenole und Lignane. Sie schützen nicht nur pflanzliche Zellen vor dem Angriff reaktiver Moleküle und vor Stress. Wie die Forscher in Reagenzglasversuchen und in Stoffwechseluntersuchungen an Tieren herausfanden, hemmen die Stoffe das Zellwachstum von Tumoren der Haut, der Brust sowie bei Darm- und Lungenkrebs. Dazu kommen "Squalene" - eine Vorstufe des Cholesterins. Der Stoff entschärft freie Radikale, die durch UV-Strahlung gebildet werden.

Knoblauch

Den einen ist er unerlässliche Zutat beim Kochen, den anderen ein Graus: Knoblauch aus der Familie der Zwiebelgewächse (Allium sativum). Was die Zehen so gesund macht, sind ihre schwefelhaltigen Verbindungen, darunter vor allem das Alliin. Erst nach Kontakt mit der Luft entfalten Enzyme daraus das Bouquet der gesundheitsfördernden Stoffe. Deshalb sollte man den geschnittenen oder gepressten Knoblauch vor dem Einrühren etwas an der Luft stehen lassen. Die Folgeprodukte, darunter Thiosulfinate und Allicin, wirken antimikrobiell und senken die Blutfettwerte. So hemmen sie Ablagerungen in den Blutgefäßen (Arteriosklerose). Außerdem lösen sie zusammengeballte Blutplättchen auf, verhindern Blutgerinnsel und verbessern den Blutfluss. Vermutet wird auch, dass die Zehen Bluthochdruck senken.

Schokolade

Schokolade in ihrer edelsten Form, der Bitterschokolade, ist nicht nur ein Genuss, sondern auch gesund. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen kann sie den Spiegel an Antioxidantien im Blut einige Stunden lang stark anheben. Durch die gleichzeitige Aufnahme von Milch wird dieser Effekt jedoch zunichte gemacht. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass der Kakao in der Schokolade Karies verhindert. Wegen seines hohen Anteils an Fett und Zucker ist das Naschwerk in jedem Fall ein hervorragender Energielieferant und sollte auf keiner Wanderung fehlen. Nur als Hustenmittel kann Schokolade nicht dienen: Zwar lindert der Inhaltsstoff Theobromin Hustenanfälle, doch seine Konzentration in Schokolade ist eindeutig zu gering. Stattdessen enthält sie Anadamid und Phenylethylamin – Stoffe, die unser Glücksempfinden beeinflussen und auch in Haschisch oder Morphium zu finden sind. Für eine berauschende Wirkung müsste man allerdings etwa 20 Kilo Vollmilchschokolade verzehren – Suchtgefahr besteht in dieser Hinsicht also nicht.

Brokkoli

Das Kohlgemüse ist reich an Vitamin C. Damit stärkt es das Immunsystem und schützt gerade jetzt gegen Erkältungen. Es ist zudem reich an Kalium. Das reguliert den Blutdruck und entwässert, sodass es den Kreislauf entlastet. Auch weitere Mineralien enthält es: Kalzium stärkt Knochen; Phosphor wird gebraucht beim Aufbau der Erbsubstanz DNA und des Energieträgers ATP im Körper; Eisen ist Blutbilder und Zink Bestandteil vieler Enzyme. Der Gehalt an Vitaminen der B-Gruppe (B1, B2, B6) macht Brokkoli wertvoll für die Verwertung von Kohlehydraten, Fetten und Eiweiß. Das Gemüse enthält aber auch andere wichtige sekundäre Pflanzenstoffe. Sie beseitigen unter anderem aggressive Stoffwechselendprodukte. Für einen von ihnen, das Sulforaphan, haben Forscher in Zellkultur und Tierversuchen nachgewiesen, dass diese Substanz Krebs hemmt. Andere Forscher haben belegt, dass Wirkstoffe im Brokkoli vor Arteriosklerose schützen.

Fisch

Die Formel für ein hohes Alter steckt in fettreichen Fischen wie Hering, Makrele oder Lachs, aber auch in pflanzlichen Alternativen wie in Lein-, Walnuss- und Rapsöl. Sie enthalten Omega-3-Fettsäuren, die dem Herzinfarkt vorbeugen und die Blutbahnen geschmeidig halten. Regelmäßiger Fischverzehr hält das Gehirn länger jung. Das belegten Mediziner des Rush University Medical Center in Chicago. Eine mehrjährige Studie unter Senioren ergab, dass sich der geistige Abbau um 10 bis 13 Prozent pro Jahr verzögert, wenn mindestens einmal pro Woche Fisch auf dem Speisezettel stand.

Außerdem schützen Omega-3-Fettsäuren vor Entzündungen im Körper und scheinen das Krebsrisiko zu vermindern. Studien zeigen, dass sie Rheuma, Allergien und andere chronische Krankheiten positiv beeinflussen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt ein bis zwei Mal pro Woche frischen Fisch. Auch mit Milchprodukten aus biologischer Erzeugung kann rund die Hälfte des täglichen Omega-3-Bedarfs gedeckt werden.

Sanddorn

Sanddorn ist der Vitamin-C-Lieferant schlechthin. Zitrone und Orange liegen da weit abgeschlagen zurück. Sanddornbeeren sind allerdings sehr sauer. Man kann sie jedoch mit Honig oder Zucker essen und beispielsweise unter Joghurt oder Müsli mischen. Das hat den Vorteil, dass der Vitaminlieferant nicht, wie zumeist bei Gemüse, erhitzt wird. Denn Ascorbinsäure ist hitzeempfindlich. Aber auch gesüßter Saft oder Nektar ist ein Schatz an Vitamin C. Die Beere des Ölweidengewächses hat jedoch noch mehr zu bieten: Das Fruchtfleisch enthält ein Öl mit viel mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Auch sie gehören, da vom Körper nicht herstellbar, zu den Vitaminen. Sie sind unter anderem beteiligt am Aufbau der Zellmembran und beim Vermitteln von Hormonwirkungen. Außerdem wirken sie entzündungshemmend. Die Sanddornfrucht ist zudem reich an Karotinen. Beta-Karotin ist die Vorstufe zu Vitamin A, das unerlässlich ist für den Sehvorgang und die Gesundheit von Haut und Schleimhäuten. Die Gruppe der Karotine als Ganzes wirkt antioxidativ. Das beugt dem Altern vor und schützt vor Krebs.



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