Nahrungsprobleme in den Medien – Teil 2 khd
Stand:  15.5.2006   (30. Ed.)  –  File: Food/in_M/edia_02.html




Hier werden einige ausgewählte und besonders interessante Artikel und andere Texte zum Thema "Nahrung" (food) gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert. Manches ist auch mit [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.

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P E T - F L A S C H E N

PET-Flaschen der zweiten Generation

Immer häufiger tragen durstige Käufer PET-Flaschen nach Hause – sie sind leicht und stabil. Fraunhofer-Forscher arbeiten daran, die Qualität der Kunststoffbehälter zu verbessern und untersuchen, wie sich PET-Flaschen der zweiten Generation recyceln lassen.

Aus:
Innovations-Report, 19. Februar 2001, ??.?? Uhr MEZ (Materialwissenschaften) von Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung. [Original]

Bei Durstigen stehen PET-Flaschen hoch im Kurs: Sie sind wesentlich leichter als Glas, unzerbrechlich und Mehrweg-geeignet. Immer häufiger werden sie in Getränkemärkten und Geschäften nachgefragt und nach Hause getragen. Doch die Kunststoffbehälter aus Polyethylenterephthalat haben einen Nachteil: Ein Abbauprodukt von PET, der Acetaldehyd, kann Geschmack und Geruch des Flascheninhalts beeinträchtigen. Um dies zu vermeiden, mischen die Hersteller Zusätze bei oder beschichten den Kunststoff innen hauchdünn mit Glas. In einem BMBF-Projekt arbeiten Forscher vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) in Freising gemeinsam mit Industriepartnern daran, die Qualität der neuartigen PET-Flaschen und ihr Recycling-Verhalten zu untersuchen.

"Ideal ist ein geschlossener Kreislauf, von der Flasche zur Flasche", erläutert Dr. Frank Welle vom IVV. "Mit Hilfe des von uns verbesserten Challenge Tests, lässt sich sicher ausschließen, dass Flaschen, die als Zwischenlager für andere Stoffe, beispielsweise Putz- und Haushaltsmittel dienten, unerwünschte Stoffe in die Produktion mit einbringen." Der Schwerpunkt der Untersuchungen am IVV liegt nun bei den optimierten PET-Flaschen, die zahlreiche Hersteller auf den Markt bringen. Um zu verhindern, dass Acetaldehyd aus den Flaschen austritt und umgekehrt Sauerstoff eindringt, wird der Kunststoff mit zusätzlichen Substanzen angereichert oder mit Außen- oder Zwischenschichten versehen. Das ist besonders für die Lagerung von Bier oder Milch relevant. Denn der eintretende Sauerstoff ist dafür verantwortlich, dass die Getränke umkippen und nicht mehr schmecken. Auch farbiges Material, das als Lichtschutz dient, steht bei den Freisinger Forschern auf dem Prüfstand. "Wir bewerten die PET-Materialien unterschiedlicher Hersteller sowohl chemisch-analytisch als auch sensorisch", erklärt Dr. Welle. "Zudem dienen unsere Ergebnisse dazu, die Tauglichkeit als Lebensmittelverpackungen zu bestimmen."

Wenn es nach den PET-Herstellern geht, ist die Herrschaft der Glasflasche vor allem über den beliebten Gerstensaft bald vorbei. Einige Hersteller haben die Durchlässigkeit für Sauerstoff verringert. Sie bieten Bier bereits in PET-Flaschen der zweiten Generation an, die auch recycelt werden können. Bier-Puristen werden sich von den leichten Flaschen nur schwer überzeugen lassen. Letztlich wird der gute Geschmack zählen. [Ziele der PET-Forschung]

Ansprechpartner: Dr. Frank Welle, Telefon: 08161 / 491-724, Fax: 08161 / 491-777.



E R N Ä H R U N G

Alles in Butter?

Wer auf fettiges Essen verzichtet, lebt deshalb nicht unbedingt gesünder, behauptet das amerikanische Fachmagazin Science

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 18. April 2001, Seite xx (Wissen + Forschen) von HARTMUT WEWETZER. [Original]

Verlockend sieht er aus, der Hamburger. Und irgendwie sündhaft. Das Brötchen mit Sesamkörnern bestreut, darunter knusprig gebratener Schinken, zwei Scheiben gegrilltes Rinderhack mit geschmolzenen Käse, Zwiebelringe, Tomate, Salatblatt, dazu Pommes frites. Man ahnt nichts Gutes, wenn das amerikanische Wissenschaftsmagazin Science so einen Cholesterin-Bomber abbildet und dazu noch auf der Nachbarseite einen großen Würfel blauschimmelig-würzigen Roquefort präsentiert.

Der Eindruck täuscht. "Die meisten Ernährungswissenschaftler haben das Fett im Essen verteufelt. Aber ein halbes Jahrhundert Forschung und Hunderte von Millionen Dollar an Fördermitteln haben keinen Beleg dafür erbringen können, dass eine fettarme Diät unser Leben verlängern könnte." Mit dieser gewagten These eröffnet die neben Nature führende Wissenschaftszeitschrift einen detaillierten neunseitigen Bericht ihres Reporters Gary Taubes in der Ausgabe vom 30. März (Band 291, Seite 2536). Sein Blick hinter die Fassaden der Ernährungswissenschaft lässt uns an scheinbar unzweideutigen Empfehlungen der Fachleute mindestens zweifeln.

Noch mehr als in Deutschland gilt in Amerika fettarmes Essen als gleichbedeutend mit gesunder Ernährung. Die Geschichte dahinter ist ein halbes Jahrhundert alt. Sie beginnt im prosperierenden, vor Wohlstand und Überernährung strotzenden Nachkriegsamerika und baut auf einer einfachen Indizienkette auf. Gesättigte Fettsäuren, wie sie sich in Fleisch und Milchprodukten finden, erhöhen den Cholesteringehalt des Blutes. Cholesterin wiederum lässt das Risiko für Arterienverkalkung, Arteriosklerose, steigen. Arteriosklerose aber begünstigt Herzinfarkt und vorzeitigen Tod.

All diese Annahmen waren für sich genommen in den 70er Jahren bereits wissenschaftlich gesichert. "Aber die Richtigkeit dieser Argumentationskette als ganzer ist niemals bewiesen worden", schreibt der Science-Reporter Taubes. Ob eine Niedrigfett- Diät gesunden Amerikanern nütze, müsse mindestens bezweifelt werden. Ob sie nicht sogar mehr Schaden anrichte, weil sie das Umsteigen auf kohlehydratreiche Ernährung fördere, sei ebenfalls zu diskutieren.

Die Furcht vor Fett hat dessen Anteil an der Energieaufnahme der Amerikaner seit den frühen 70ern von mehr als 40 auf 34 % zurückgedrängt. Auch der Cholesterinpegel im Blut sank. Zwar verringerte sich in dieser Zeit auch die Zahl der Herz-Todesfälle, nicht aber die der Herzkrankheiten (wie es zu erwarten gewesen wäre). Möglicherweise wurde einfach die medizinische Versorgung der Herzkranken immer besser. Gleichzeitig jedoch stieg die Zahl der Übergewichtigen von 14 auf 22 %, und damit auch die der Diabeteskranken. Eine unerwartete Nebenwirkung der

Anti-Fett-Propaganda?

Taubes zitiert die über 20 Jahre laufende "Nurses Health Study" und ihre beiden Folgeuntersuchungen. Ernährung und Gesundheitszustand von fast 300.000 Amerikanern wurden von Experten der Harvard School of Public Health unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist alles andere als eindeutig: Die Gesamtmenge des aufgenommenen Fetts steht in keinem Verhältnis zum Risiko, ein Herzleiden zu bekommen. Einfach ungesättigte Fette, wie sie im Olivenöl enthalten sind, senken das Risiko. Ein wenig schlechter sieht es für gesättigte Fette aus, aber auch für Nudeln und andere Kohlehydrate. Ungesund sind Transfettsäuren – enthalten in eben jener Margarine, die Amerikaner als Ersatz für Butter (gesättigte Fette) zu sich nehmen.

Die Studie konnte das vernichtende Urteil über das todbringende Fett im Essen nicht revidieren, beklagt Taubes. An dessen Entwicklung von der Hypothese zum Dogma hätten Politiker, Bürokraten und Medien mindestens ebenso mitgewirkt wie die Wissenschaftler. Ein Lehrstück dafür, was passiere, wenn die Bedürfnisse der Gesundheitsratgeber und der Öffentlichkeit nach einfachen Ratschlägen der verwirrenden Vieldeutigkeit der Wissenschaft zuwiderlaufe.

Unabhängig von der etablierten Wissenschaft entstand im Amerika der 60er eine Anti-Fett-Bewegung. Vergleichbar mit der Alternativmedizin war auch diese von Misstrauen gegen Wissenschaft und Establishment erfüllt, angetrieben von der puritanischen Idee, dass alles Schlimme auf der Welt seinen Grund in moralischen Fehltritten hat. Die Ursache für die Herzattacke musste folglich in Genussexzessen zu suchen sein. "In Amerika fürchten wir nicht mehr Gott oder die Kommunisten, sondern Fett", sagt der Cholesterin-Forscher David Kritchevsky.

1976 legte das von dem Senator George McGovern geleitete Komitee für Ernährung und menschliche Bedürfnisse einen Bericht zu den "Ernährungszielen der Vereinigten Staaten" vor. Seine Vorgabe: Die Amerikaner sollten den Fettanteil an der Energieaufnahme auf 30 % verringern, wovon allenfalls ein Drittel aus gesättigten Fetten bestehen sollte. Ein wissenschaftlicher Disput über diese Empfehlungen brach los, doch wurden kritische Äußerungen als antiquiert oder industrienah abgetan.

McGoverns Richtlinien mündeten schließlich in Ernährungsempfehlungen für alle Amerikaner, die von einem Komitee der Amerikanischen Gesellschaft für Klinische Ernährung verabschiedet wurden. Drei Monate später veröffentlichte ein Gremium für Essen und Ernährung der Nationalen Akademie der Wissenschaften ebenfalls Richtlinien. Tenor: Entscheidend sei, auf das Körpergewicht zu achten. Alles andere finde sich von selbst. Die Medien zerrissen die Empfehlungen, eine einzige Botschaft triumphierte fortan: Iss weniger Fett – lebe länger.

Jetzt galt es nur noch, diese These wissenschaftlich zu belegen. Aber fünf Studien führten nicht zu eindeutigen Ergebnissen. 1984 zeigte eine sechste schließlich gewisse Effekte durch ein cholesterinsenkendes Medikament namens Cholestyramin. Dessen Wirkung wurde einfach auf eine fettarme Diät übertragen, und die Presse hatte ihren Schuldigen. "Schade, es stimmt leider. Cholesterin ist wirklich ein Killer", titelte das Magazin Time. Im Dezember verkündete eine von den Nationalen Gesundheitsinstituten der USA einberufene "Konsenus-Konferenz", dass eine fettarme Ernährung ein wichtiger Schutzfaktor gegen verengte Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit) sein könnte.

Sehr gut belegt ist mittlerweile, dass cholesterinsenkende Medikamente bei Gefährdeten das Herzrisiko senken können. Ob auch Herzgesunde von der Cholesterinsenkung profitieren, bleibt dagegen ungewiss. Und noch viel schwieriger ist die Frage zu beantworten, ob weniger Fett im Essen das Leben gesünder macht oder gar verlängert.

Denn Fett ist nicht gleich Fett: Im Körper kreisen Fett und Cholesterin in Form von LDL-Klümpchen ("schlechtes" Cholesterin). LDL bringt Fett von der Leber zu jenen Organen, die gerade welches benötigen. HDL ("gutes Cholesterin") bringt Cholesterin zur Leber zurück. Dann sind da noch die aus Fettsäuren bestehenden Triglyzeride und die VLDL-Teilchen, die ihrerseits Triglyzeride enthalten. All diese im Blut kreisenden Fettkügelchen beeinflussen das Herzrisiko, während die Nahrungsbestandteile ihrerseits die Zusammensetzung der Blutfette oft auf vertrackte Weise beeinflussen (siehe Kasten).

Eine französische Untersuchung an Herzkranken, die cholesterinsenkende Mittel bekamen, deutet darauf hin, dass nicht nur die Blutfettwerte entscheidend sind. Wichtig ist auch die Form der Diät, fanden die Ärzte heraus. Sie wiesen die eine Hälfte der Herzkranken an, sich gesund nach den amerikanischen Regeln zu ernähren, die andere aber, eine mediterrane Diät (viel Brot, frisches Gemüse, Salat und Obst, Olivenöl, Fisch, weniger Fleisch) einzuhalten. Obwohl die Blutfettwerte bei den beiden Gruppen praktisch gleich waren, traten bei den mediterran Ernährten zwei Drittel weniger Herztodesfälle oder andere Herzattacken auf. Offenbar ist es nicht das Fett im Essen allein, das aufs Herz schlägt.

Natürlich hofften amerikanische Ernährungsfachleute, mit dem Abschied vom Fett würden ihre Landsleute es den Südeuropäern nachmachen und mehr frisches Obst und Gemüse essen. Stattdessen tauschten sie das Fett gegen kohlehydratreiche Ersatzprodukte ein. Ein hoher Anteil an Kohlehydraten im Essen aber kann das "Syndrom X" begünstigen, eine Krankheit, bei der der Körper gegen das blutzuckersenkende Hormon Insulin abstumpft und zugleich das Herzrisiko steigt.

Taubes Science-Beitrag dürfte heftige Reaktionen hervorrufen – auch in Deutschland verkünden Experten, man soll den Fettanteil an der Energieaufnahme auf 30 % senken. Aber vielleicht ist die Wirklichkeit unserer Ernährung zu kompliziert, um sie auf eine so einfache Formel zu bringen. [mehr]



S A L M O N E L L E N   B E I   A L D I 

Salmonellen-Schokolade

Firma war vorgewarnt

Aus:
WDR, Köln, 19. Dezember 2001, ??.?? Uhr (Gesundheit). [Original]

Der Schokoladenhersteller WIHA hat bereits Ende August von einer Verunreinigung seiner Schokoladenproduktion mit Salmonellen gewusst. Das zuständige Lebensmittelaufsichtsamt in Berlin Reinickendorf hat wdr.de mitgeteilt, dass am selben Tag, an dem die fraglichen Tafeln in der Firma WIHA hergestellt wurden, in einem anderen Schokoladenprodukt Salmonellen des Typs "Oranienburg" gefunden wurden. Die Kuvertüre, die für den ausländischen Markt bestimmt war, sei daraufhin vernichtet worden. Der Unternehmenssprecher der Firma WIHA GmbH, Bernd Rößler, bestätigte den Vorfall. Es seien daraufhin alle Produkte, also auch "Alpensahne" und "Rahm-Mandel", noch einmal kontrolliert worden. Da keine Salmonellen nachgewiesen werden konnten, seien die Chargen freigegeben worden. Rößler schloss einen Zusammenhang jedoch nicht aus. Auch das Robert-Koch-Institut hatte bereits im September vom Hersteller eine Schokoladenprobe erhalten und darin den Salmonellen-Typ "Oranienburg" nachgewiesen.

Erreger in den Kakaobohnen?

Nach Aussagen des Lebensmittelaufsichtsamts und des Robert-Koch-Instituts ist es am wahrscheinlichsten, dass kontaminierte Kakaobohnen die Infektion verursacht haben. Im Gegensatz zu den anderen Zutaten, zum Beispiel Milchpulver, würden die Kakaobohnen nur kurz auf 90 bis 120 Grad erhitzt. Obwohl die Salmonellen-Bakterien gewöhnlich bei 70 Grad absterben, könnte bei der kurzen Behandlung ein Teil der Erreger überleben. Dieser Rest ist mit den üblichen Stichproben kaum nachweisbar.

In der Scholoklade können die Salmonellen dann mehrere Jahre überleben. Prof. Jochen Bockemühl vom Hamburger Hygiene-Institut betonte, in festen Stoffen wie Schokolade könnten beim Verzehr auch diese Minimengen bei Kindern, älteren oder empfindlichen Menschen eine Erkrankung auslösen. Die Salmonellen seien in festen Massen "unter Stress" und wirkten besonders aggressiv.

Weitere Testergebnisse negativ

Im Berliner Institut für Lebensmittel, Arzneimittel und Tierseuchen sind inzwischen weitere Schokoladentafeln untersucht worden. Die so genannten Rückstellproben kommen direkt vom Hersteller. Sie umfassen die fragliche Charge "45", sowie benachbarte Chargen. In den bisher überprüften Produkten konnten jedoch keine Salmonellen gefunden werden.

Krank durch Schokolade

In den vergangenen 10 Wochen sind in Deutschland mehr als 270 Menschen in Deutschland an Salmonellen des Typs "Oranienburg" erkrankt. Allein in Nordrhein-Westfalen sind mehr als 60 Personen betroffen. Außerdem wurden 15 Fälle in Dänemark bekannt. Als möglicher Auslöser war Schokolade in Verdacht geraten. Eine Untersuchung der Krankheitsfälle hatte ergeben, dass viele Patienten in der Woche vor der Erkrankung Aldi-Schokolade gegessen hatten. Diese Vermutung hatte sich bestätigt, nachdem vergangene Woche ein Kind im nordrhein-westfälischen Herne nach Schokoladenverzehr ebenfalls erkrankt war. Die angebrochene Tafel der Sorte "Chateau Alpensahne" wurde daraufhin untersucht und es wurden Salmonellen-Bakterien nachgewiesen.

Der Hersteller WIHA, der zur Storck-Gruppe gehört, hat daraufhin alle betroffenen Produkte zurückgerufen. Es handelt sich um die 200-Gramm-Tafeln der Marken "Chateau Alpensahne" und "Chateau Rahm-Mandel" die über Aldi Nord vertrieben werden, sowie "Choceur Rahm-Mandel" die bei Aldi Süd verkauft werden. Sie sind mit dem Haltbarkeitsdatum 04/2002 ausgezeichnet und tragen die Chargenbezeichnung "45". Nach Herstellerangaben sind sie überwiegend in der Zeit von Mitte September bis Mitte Oktober verkauft worden. Die Firma Aldi hat inzwischen bekannt gegeben, dass sie noch vorhandene Restbestände aus den Regalen genommen hat.

Rückgabe betroffener Tafeln

Wer noch Schokoladentafeln mit den angegeben Daten zu Hause hat, sollte diese unter keinen Umständen verzehren, sondern kann sie entweder in der Filiale zurückgeben oder an die Firma WIHA GmbH schicken (Postfach 1565, 33780 Halle/Westf.). Auf jeden Fall bekommt er den Kaufpreis sowie die Versandkosten erstattet.



D E R  N I T R O F E N - S K A N D A L

Wer war der Giftmischer?

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 31. Mai 2002, Seite 1 (Leitartikel) von DAGMAR DEHMER. [Original]

Die Agrarwende wird schwieriger als der Atomausstieg. Das hat Verbraucherschutzministerin Renate Künast vor einem Jahr gesagt. Da wusste sie noch nicht, wie Recht sie hatte. Offenbar hat sie das Beharrungsvermögen, nicht nur des Bauernverbands, sondern auch der Beamten in den unzähligen Landwirtschaftsbehörden des Bundes und der Länder unterschätzt. Dass die Bundesanstalt für Fleischforschung ein seit 20 Jahren verbotenes Unkrautvernichtungsmittel in Geflügelfleisch findet, und es nicht für nötig hält, seine oberste Chefin zu alarmieren, spricht Bände. Und das, obwohl die BSE- Krise vor gerade mal ein einhalb Jahren begonnen hat.

Weil Behörden dazu neigen, auf ihren Informationen zu sitzen, als seien sie Privatbesitz, sind Verbraucher von Öko- Produkten einem Gift ausgesetzt worden, das Krebs erregend ist und zu Missbildungen führen kann. Wäre das Verbraucher- Informationsgesetz, das die unionsgeführten Länder heute im Bundesrat scheitern lassen wollen, bereits in Kraft, könnte zumindest dem Schweigen der Behörden ein Ende gemacht werden. Nicht nur, dass sie auf Nachfragen von Verbrauchern antworten müssten. Sie hätten die Öffentlichkeit auch selbst zu informieren, wenn sie für die Gesundheit bedenkliche Produkte finden.

Umso unverantwortlicher, dass eben dieses Gesetz ein Opfer des Wahlkampfs werden soll. Die unionsgeführten Länder haben keinen vernünftigen Ablehnungsgrund benannt. Offenbar hat die CDU/CSU die Methode Lafontaine für sich entdeckt. In der Endphase der Regierung Kohl blockierten die SPD-dominierten Landesregierungen auf Weisung des damaligen Partei- Vorsitzenden alle Gesetze der schwarz-gelben Regierung. Nun nimmt die Union späte Rache. Seit der Sachsen-Anhalt- Wahl verfügt sie im Bundesrat über eine Mehrheit. Es geht am Freitag [31.5.2002] also nicht um den Verbraucherschutz. Rot-Grün soll vor der Wahl kein Gesetz mehr durchbringen – basta.

Der Nitrofen-Skandal zeigt aber auch, dass der Förderalismus bei der Lebensmittelsicherheit an seine Grenzen stößt. Es hilft nicht, dass 16 Landesbehörden für den Verbraucherschutz zuständig sind und – wie im Falle Brandenburgs – ebenfalls keine Notwendigkeit sehen, brisante Informationen an die Bundesministerin weiterzugeben. Bei der Lebensmittelsicherheit führen die zersplitterten Zuständigkeiten leider nicht zu einer Konkurrenz der Länder um den besten Schutz der Verbraucher. Deshalb muss der Wirrwarr der Länderverantwortlichkeiten beendet und diese Zuständigkeit an den Bund abgegeben werden. Das würde zwar einen Skandal wie den um Nitrofen im Öko-Weizen nicht verhindern. Aber zumindest könnte ein Bundesministerium schneller reagieren und die Verbraucher früher warnen.

Was das Ministerium nicht kann, ist das Räsel zu lösen, wer eigentlich vom Nitrofen-Skandal etwas hat. Nitrofen ist kein billiges, aber ein wirksames Herbizid, das problemlos auf dem schwarzen Markt zu kaufen wäre. Es gibt bessere und weniger schädliche Pflanzengifte, die allerdings in der Öko- Produktion ebenfalls nichts zu suchen haben. Mit dem Ruf der Ökobauern leidet auch der der konventionell wirtschaftenden Kollegen. Alle zusammen haben nichts davon, dass die Landwirte wieder als Giftmischer am Pranger stehen.

Wenn es also Sabotage war, war es ein Schuss ins Knie und ein Fall für den Staatsanwalt. War es ein Unfall, müssen die Bauern ihre Produktion noch einmal überdenken. Denn wenn auf einem Hof so großes Chaos herrscht, dass jemand versehentlich zu einem seit Jahrzehnten verbotenen Gift greifen kann, schließt man den Betrieb am besten gleich. [mehr]

[Grüne und Öko-Landbau: Angst vor der Nische]
[Niedersachsen: GS Agri hat Gesetz verletzt]
[Künast: Wir fühlen uns wie in einem Krimi]
[Mit dem Rucksack zum Pröbchen-Sammeln]
[Kein Nitrofen in Berliner Lebensmitteln entdeckt]

Verantwortungslos — Eigentor der Union

31.5.2002 (khd). In der Tat haben heute im Bundesrat die unionsgeführten Bundesländer (B-Länder) das Verbraucher- Informationsgesetz der Bundesregierung gekippt. Sogar eine Vermittlung lehnte die Union ab. Und das wird nun Folgen haben. Denn aufgeklärte Verbraucher, die gerade – aus ganz anderen Gründen – auf dem Sprung des Wahlwechsels zur Union hin waren, werden sich nun im September anders entscheiden. Schließlich wissen Verbraucher auch, daß Schwarz-Gelb in 16 Jahren unter Kohl keinen Deut für einen besseren Verbraucherschutz geleistet hat.

Im Gegenteil: Die Landwirtschaftsminister Ignatz Kiechle (CSU, Amtszeit 1983–1993) und Jochen Borchert (CDU, Amtszeit 1993–1998) sowie der Gesundheitsminister Horst Seehofer (CSU, Amtszeit 1992–1998) waren nie für einen stringenten Verbraucherschutz. Sie agierten eigentlich immer nur als verlängerter Arm der mächtigen Agrar- Lobby, wie insbesondere der BSE-Skandal zeigte. Und unvergessen bleibt die Rede des bayerischen Ministerpräsidenten – Edmund Stoiber (CSU) – zum „Tag der Landwirtschaft“ am 19. April 1998. Er brüstete sich damals damit, das von der EU-Kommission seit 1996 empfohlene Verbot von BSE- Risikomaterial verhindert zu haben.

[31.05.2002: Union lässt Künast abblitzen]



Wahrheit und Irrtum über den Zucker

Eine kritische Studie von Dr. med. Karl Windstosser

Hinweis auf: (Sorry, Original-URL verlegt)
, 20. Juli 2002, 23 Seiten. [Die gespiegelte Studie]



Tatort Nahrung

Verstöße gegen das Lebensmittelrecht müssen härter bestraft werden

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 26. Juli 2002, Seite 8 (Meinung) von HANS-LUDWIG ZACHERT. Der Autor war von 1987 bis 1996 Präsident des Bundeskriminalamtes. Dokumentiert ist hier die Print-Fassung des Artikels. [Original]

Die Umweltministerin von Nordrhein-Westfalen, Bärbel Höhn, ist eine mutige Frau, wenn sie beim Tierfutterskandal von mafiosen Strukturen spricht. Wer dies so qualifiziert, muss genau wissen, was damit gemeint ist: Es ist das kriminelle, arbeitsteilige und geplante professionelle Handeln im Wirtschaftsleben, um zur größtmöglichen, illegalen Gewinnmaximierung zu gelangen. Dies alles sind ganz kennzeichnende Indikatoren für das Organisierte Verbrechen.

Verstöße gegen das Lebensmittelrecht wurden bisher als nicht so hoch kriminell eingestuft, so dass die „Nähe“ zur schweren Körperverletzung oder fahrlässigen Tötung nicht in den Sinn kamen. Wie sich aber zeigte, gibt es kaum ein Delikt, die sich solchermaßen sozial- schädlich und massenhaft gesundheitsschädigend auswirkt, wie kriminelle Machenschaften im Lebensmittelbereich zum Beispiel durch die Beimischung von Pharmamüll und dergleichen.

Bekanntlich ist die Mehrzahl der wirtschaftsstrafrechtlichen Normen nicht im Strafgesetzbuch, sondern in strafrechtlichen Nebengesetzen enthalten. So ist fast verständlich, dass die irrige Meinung aufkommt, die Verstöße gegen das Lebensmittelrecht seien Unrecht der minderen Art, gleichsam „Ordnungswidrigkeiten“ ohne verbrecherische Wertigkeit.

Diese Einschätzung ist vielleicht eine Erklärung dafür, dass trotz der verheerenden Folgen nach den BSE-Skandalen jetzt schon wieder ein unappetitlicher Hormon- Skandal auf uns zugerollt ist mit der Verseuchung von Tierfutter und Glukosesirup für die Limonadenherstellung. Zwar soll man die generalpräventive Abschreckungswirkung des Strafrechts nicht überschätzen, aber wir müssen dennoch alle Anstrengungen in Betracht ziehen, um den Verbraucher vor weiteren Lebensmittelverseuchungen zu schützen!

Dazu zählt auch die Überlegung, das „Rechtsgut“ Lebensmittel dadurch zu schützen, dass ein neuer Tatbestand der vorsätzlichen Lebensmittelverseuchung geschaffen wird. Dieser sollte in die Reihe der Körperverletzungsdelikte aufgenommen werden, damit die strafrechtliche Verankerung dieser Deliktsform im Strafgesetzbuch mit entsprechend hoher Strafandrohung virulent zum Ausdruck kommt. Präsident Bush fordert schärfere Sanktionen bei Bilanzfälschungen oder Börsenmanipulationen. Von 10 Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe bis zu 1 Million Dollar ist die Rede! Solch hohe Strafandrohungen werden ihre abschreckende Wirkung sicher nicht verfehlen.

Bei diesen Straftaten ist das zu schützende Rechtsgut „nur“ ein Vermögenswert. Umso lauter muss doch beim Schutz von Leben und Gesundheit von Bürgern der Ruf nach schärferen Gesetzen zur generalpräventiven Abschreckung werden. Denn es handelt sich bei der Lebensmittelverseuchung um eine extreme Form des sozialschädlichen und gesundheitschädigenden Handelns gegenüber der Allgemeinheit.

Vom kriminellen Unrechtsgehalt und der länderübergreifenden Schadensverursachung her gesehen, wäre eine zentrale Ermittlungsführung durch die Polizei des hauptbetroffenen Landes angeraten, und zwar mit einer unterstützenden Mitwirkung von Europol.

Durch die Zuständigkeitszersplitterungen, die fehlende europäische Zusammenarbeit der Staatsanwaltschaften im EU-Rahmen bei dem BSE-Skandal sowie der unterlassenen zentralen Ermittlungsführung ist die internationale Dimension dieses Komplexes nie richtig aufgeklärt worden. Vieles ist im Dunklen geblieben. Wenn Ministerin Künast jetzt vehement fordert, dass im EU-Rahmen diese Lebensmittel- Kriminalität durch schärfere Kontrollen bekämpft werden müsse, so hat sie vollkommen Recht. Doch diese Einsicht kommt zu spät! Sie hätte dies schon so energisch zu Beginn ihrer Amtszeit, als die BSE- Krise ihren Höhepunkt hatte, einfordern müssen und zugleich höhere Strafandrohungen durch entsprechende Gesetzesnovellierungen vorschlagen sollen.

Denn der Bürger hat einen Anspruch darauf, dass der Staat unverzüglich alles unternimmt, dass Essen und Trinken nicht zu einem Lebensrisiko wird!



L E B E N S M I T T E L S K A N D A L E

XY ungesühnt

Aus:
Der Spiegel – 31/2002, 29. Juli 2002, Seite 20 (Panorama Deutschland). [Original]

Ungeachtet der Aufregung um Lebensmittelskandale enden staatsanwaltliche Ermittlungen in diesem Bereich fast immer ergebnislos. Gerade 3 Panscher kamen im Jahr 2000 ins Gefängnis, 26 erhielten Bewährungsstrafen.

Auch in der Nitrofen-Affäre kommen die Verantwortlichen der Firma GS Agri, von der das verseuchte Tierfutter stammen soll, wohl nie vor Gericht: Eine vorsätzliche Verunreinigung lasse sich kaum nachweisen, so der Oldenburger Oberstaatsanwalt Gerhard Kayser – den Ermittlern fehlen Experten, die duch die Laboranalysen hindurchfinden. Als Höchststrafe drohen so Bußgelder der Lebensmittelaufsicht [Ed: die aus der Porto- Kasse bezahlt werden].

Auch viele Verfahren nach der BSE- Krise endeten als Aktenzeichen XY ungesühnt: Die Staatsanwaltschaft Kempten stellte ein Verfahren gegen „unbekannte Futtermittel- Hersteller“ mangels Tatverdacht ein. Rewe- Mitarbeiter, die aufgetautes Fleisch als Frischware deklariert hatten, kamen jüngst mit je 5.000 Euro davon. 15 Hersteller, die trotz Verbots Tiermehl verarbeitet haben sollen, konnten aufatmen: Nach damaligem Recht hätte das Futter bereits im Handel sein müssen, bevor die Kontrolleure hätten zuschlagen können. [Härtere Strafen bei Lebensmittelrecht-Verstößen gefordert]



L A N D W I R T S C H A F T

Giftige Schlamperei

Aus:
Der Spiegel – 31/2002, 29. Juli 2002, Seite 20 (Panorama Deutschland). [Original]

Der Deutsche Bauernverband (DBV) möchte die Ergebnisse einer Umfrage unter Verschluss halten, die zeigt, wie nachlässig seine Mitglieder noch immer mit Pestiziden umgehen. Rund 1000 Landwirte waren in den vergangenen Monaten im Auftrag des DBV und des Industrieverbandes Agrar (IVA) zu ihrem Umgang mit Pflanzenschutzmitteln befragt worden.

Mehr als ein Drittel bekannte dabei freimütig, dass die Spritzbrühe beim Einfüllen in die Transportbehälter auf dem Hof regelmäßig überschwappe. Die Ackergifte gelangen so auf direktem Weg in die Umgebung. Das Berliner Umweltbundesamt hatte diese so genannten Hofabläufe schon vor Jahren als vermeidbar gegeißelt; sie tragen nicht unerheblich zur Belastung des Grundwassers bei.

Die aktuelle Umfrage entzweit nun ihre Initiatoren: Die IVA, ein Zusammenschluss deutscher Pestizid- und Düngemittel- Hersteller, stört sich an den Negativschlagzeilen über Funde ihrer Giftprodukte in der Umwelt und möchte die Umfrage- Ergebnisse veröffentlichen. Dies, so hofft die IVA, würde den Druck auf die Landwirte erhöhen, umweltbewusster zu arbeiten. Der DBV dagegen fürchtet weiteren Imageschaden fürs Landvolk [Ed: die normale Landwirtschaft – hm, und was wird erst, wenn Carstensen kommt].



Regierung darf Verbraucher vor Risikoprodukten warnen

Aus:
Yahoo-News, 30. Juli 2002, 14.58 Uhr (Schlagzeilen). [Original]

KARLSRUHE. Das Bundesverfassungsgericht hat das Recht der Bundesregierung bestätigt, die Verbraucher bei besonders schweren Lebensmittel- Affären auch durch die Nennung einzelner Risikoprodukte zu warnen.

Das Gericht wertete in einem heute veröffentlichten Beschluss das Vorgehen der Bundesregierung im Glykol- Skandal von 1985 als verfassungsgemäß, als diese zum Schutz der Verbraucher eine Liste Glykol haltiger Weine veröffentlicht hatte. In solchen Krisen sei die sachliche und rechtzeitige Information der Bevölkerung Aufgabe der Regierung, entschied das Gericht. Zur Begründung hieß es unter anderem, gerade die aktuellen Skandale im Lebensmittel- und Agrarbereich zeigten beispielhaft, wie wichtig öffentlich zugängliche Informationen für den Verbraucher seien. Das Verbraucherschutzministerium begrüßte die Entscheidung als Bestätigung seiner Auffassung. (Az: 1 BvR 558 und 1428/91)

In seinem Grundsatzbeschluss sprach der erste Senat der Regierung ausdrücklich das Recht zu, die Verbraucher in Krisen wie dem BSE- oder Nitrofen- Skandal zu informieren. Diese müssten in der Lage sein, sich zu orientieren und selbstverantwortliche Entscheidungen zu treffen. Die Richter stellten zugleich klar, dass das verbreitete Material sachlich richtig sein müsse. Dazu gehöre, dass die Regierung über etwa verbliebene Unsicherheiten informiere. Nur inhaltliche Richtigkeit fördere die Transparenz des Marktes und damit letztendlich seine Funktionsfähigkeit in Krisenzeiten. Das Grundrecht der Berufsfreiheit schütze die Firmen nicht vor der Verbreitung marktbezogener Information.

Ministerium sieht geplantes Informationsgesetz bestätigt

Verbraucherschutz-Staatssekretär Alexander Müller erklärte, das Gericht habe die Rechtsauffassung des Ressorts bestätigt, "wonach es Aufgabe des Staates ist, durch umfassende Information das Recht der Verbraucher auf Wahlfreiheit zu sichern sowie mit größtmöglicher Transparenz auf Krisen schnell und sachgerecht zu reagieren". Zugleich kritisierte er erneut, die unionsgeführten Länder hätten im Bundesrat aus wahltaktischen Gründen das Verbraucherinformationsgesetz der Koalition blockiert.

Der vom Bundestag bereits verabschiedete Gesetzentwurf zielt auf stärkere Informations- und Melderechte von Behörden und Verbrauchern etwa bei Lebensmitteln. So sollen die Behörden das Recht erhalten, bei begründetem Verdacht auf gesundheitsgefährdende Funde in Lebensmitteln an die Öffentlichkeit zu gehen und auch die Namen betroffener Unternehmen und Produkte zu nennen. Die Union hatte das Gesetz im Juni im Bundesrat als wirkungslosen Etikettenschwindel abgelehnt, der die Verbraucher durch mehr Bürokratie und Gebühren sogar belaste.

Verfassungsbeschwerde von Weinkellereien abgewiesen

Das Gericht wies mit seiner Entscheidung die Verfassungsbeschwerde zweier Weinkellereien als unbegründet ab. Sie hatten sich gegen die damalige Veröffentlichung der Warnliste gewehrt, auf der die Bundesregierung Glykol haltige Weine unter Nennung der Produktnamen veröffentlicht hatte. Die Liste Glykol haltiger Weine von 1985 hält sich danach im Rahmen des Verfassungsmäßigen, urteilten die Richter im konkreten Fall. Sie sei sachlich richtig gewesen und habe das Vertrauen der Verbraucher in den überregionalen Weinmarkt herstellen sollen. Die Informationen über versetzte Weine habe die notwendige Markttransparenz geschaffen.

Der so genannte Glykolskandal war 1985 der bis dahin größte Weinskandal in Österreich und Deutschland. Im Sommer 1985 war die Beimengung von Frostschutzmitteln zur Versüßung zuerst bei österreichischen und dann bei deutschen Weinen entdeckt worden. Der Skandal kostete die deutsche Weinwirtschaft nach eigenen Angaben mindestens 1 Milliarde Mark.

Die Richter stellten weiter klar, dass die Regierung die Kompetenzen der Länder beachten müsse. Der Bund sei daher bei überregionalen Skandalen zur Reaktion berechtigt, wenn bundesweite Informationsarbeit die Bewältigung der Situation fördere, hieß es.



Z U   H E I S S   U N D   F E T T I G

Wie der Krebserreger in Pommes und Chips gelangt

Unabhängig voneinander haben zwei Forscher-Teams herausgefunden, wie der krebserregende Stoff Acrylamid in Lebensmitteln wie Pommes Frites, Kartoffelchips, Keksen und Brot entstehen kann.

Aus:
Spiegel Online – 2. Oktober 2002, 24.31 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

LAUSANNE/READING. Demnach bildet sich Acrylamid beim starken Erhitzen von Nahrungsmitteln wie Kartoffeln und Mehl, die bestimmte Sorten Zucker und die Aminosäure Asparagin, ein natürlicher Bestandteil von Eiweiß, enthalten. Letzteres kommt in relativ hohen Mengen in Kartoffeln und einigen Getreidesorten ungebunden vor.

Die Studie des Teams um Richard Stadler vom Nestlé Forschungscenter im Schweizerischen Lausanne und Donald Mottram von der britischen Univeristy of Reading wird im Fachmagazin Nature am Donnerstag erscheinen. Vor der Acrylamid- Gefahr hatten erstmals schwedische Forscher im Frühjahr gewarnt.

Die so genannte Maillard-Reaktion, bei der Aminosäuren mit Zucker reagieren, führt auch zu den typischen aromatischen Gerüchen gebratener, gebackener oder gerösteter Lebensmittel wie Brot, Braten, Kaffee oder Karamell. Acrylamid entstand im Labor jedoch vor allem wenn speziell die Aminosäure Asparagin und Zucker bei hohen Temperaturen miteinander reagierten. Kartoffelsorten, die zum Herstellen von Chips verwendet werden, haben den Forschern zufolge hohe Anteile an ungebundenem Asparagin.

Das kanadische Gesundheitsministerium Health Canada hatte bereits am Montag alle Lebensmittelhersteller im Land angewiesen, die Kombination von Asparagin und dem Zucker Glukose bei hohen Temperaturen zu vermeiden und nach alternativen Herstellungsprozessen zu suchen. Auch die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA diskutierte das Ergebnis am Montag mit der Lebensmittelindustrie und Verbraucherorganisationen.

Acrylamid wird industriell zur Herstellung von Plastik und Farben sowie zum Filtern von Trinkwasser produziert. Es ist aus Tierversuchen als Krebserreger bekannt.

[03.10.2002: DONALD S. MOTTRAM et al.: Acrylamide is formed in the Maillard reaction]  (NATURE 419, 448–449)
[03.10.2002: RICHARD H. STADLER et al.: Acrylamide from Maillard reaction products]  (NATURE 419, 449–450)



Keine Entwarnung für Schadstoffbelastung bei Lebensmitteln

Aus:
Yahoo-News, 4. November 2003, 8.34 Uhr (Vermischtes). Quelle: Für Sie. [Original]

HAMBURG (ots). Obwohl BSE-Kühe und Acrylamid-belastete Fritten nicht mehr in den Schlagzeilen stehen – birgt der Lebensmitteleinkauf nach wie vor Risiken. Denn Konsumenten laufen weiterhin Gefahr, unwissentlich schadstoffbelastete Produkte zu verzehren, wie die FÜR SIE berichtet. Sie gibt in ihrer aktuellen Ausgabe (24/2003, EVT 4. November 2003) einen Überblick.

Demnach sind in Deutschland bislang 277 BSE-Fälle bekannt – darunter kein Rind aus ökologischer Haltung. Zudem ist seit 2000 das Verfüttern von Tiermehl an Nutztiere verboten. „Die BSE-Krise ist damit aber nicht ausgestanden“, warnt Thilo Bode von der Verbraucherschutzorganisation "Foodwatch". Für Futtermittel müssten die gleichen Bestimmungen gelten wie für Lebensmittel. Zwar sei im Frühjahr 2002 in Öko- Putenfleisch das Unkrautvernichtungsmittel Nitrofen gefunden worden, Fleisch aus artgerechter Haltung aber trotzdem generell gesünder als solches von konventionellen Betrieben, so Bode.

Teilweise Entwarnung gibt es in Sachen Acrylamid bei Pommes frites, Knäckebrot und Chips. Seit Ende vergangenen Jahres haben viele Firmen ihre Produktionsverfahren umgestellt. Von "Foodwatch" in Auftrag gegebene Stichproben bei Kartoffelchips ergaben, dass 12 von 20 Produkten heute weniger als 600 Mikrogramm Acrylamid pro Kilogramm enthalten. Werte über 1.000 Mikrogramm gelten nach Angaben der Bundesregierung als kritisch.

Bei Obst und Gemüse aus Holland und Deutschland liegen die Pestizid- Belastungen nach einer Greenpeace- Untersuchung vom Sommer meist unter den Grenzwerten. Teilweise hoch belastet waren hingegen Produkte aus Mittelmeerländern wie Trauben, Paprika, Erdbeeren, Zucchini und Tomaten.



Gen-Food erobert die Regale

Bundesregierung einigt sich auf Gentechnik-Gesetzentwurf: Koexistenz von konventionellem und gentechnisch verändertem Anbau geregelt. Bauern erhalten Klagerecht bei Verunreinigung.

Aus:
TAZ, Berlin, 13. Januar 2004, Seite 1 von NICK REIMER. [Original]

Das Gentechnik-Gesetz
Aus: TAZ, 13.1.2004, Seite 3.
BERLIN (wlf). Eigentlich ist das neue Gentechnikgesetz lange überfällig. Bis Oktober 2002 hatte die Bundesregierung Zeit, neue EU- Richtlinien zur Freisetzung und in Verkehrbringung gentechnisch veränderter Organsimen (GVO) in nationales Recht umzusetzen. Unter anderem wurde darin vorgeschrieben, dass Genehmigungen für das Inverkehrbringen künftig nur noch zeitlich begrenzt ausgesprochen werden und dass eine Begleitforschung die gesundheitlichen und ökologischen Folgen untersuchen muss.

Bei der Frage, wie das Nebeneinander von Gentech- Landwirten und gentechfrei produzierenden Bauern zu organisieren sei, drückte sich die EU-Kommission. Dies zu regeln überließ sie den Mitgliedsstaaten. Auch zur Klärung der Haftungsfrage war von der Kommission nichts zu hören. Der jetzt von Künast vorgelegte Entwurf ist der erste Versuch eines EU-Mitgliedsstaates, diese heftig umstrittenen Fragen in einem Gesetzeswerk zu regeln

BERLIN (taz). Statt "Krieg in den Dörfern" nun "Koexistenz und Wahlfreiheit" – nach monatelangem Streit zwischen SPD und Grünen hat Verbraucherministerin Renate Künast gestern den Gesetzentwurf zur Gentechnik in der Landwirtschaft vorgestellt. Der Entwurf regelt Schadenersatzfragen für Bauern, auf deren Feldern sich ungewollt gentechnisch veränderte Organismen angesiedelt haben.

Danach sollen Landwirte sich künftig flurstückgenau erkundigen können, welche Nachbarn Gentech- Pflanzen angebaut haben. Diese Nachbarn müssen möglichen Schäden vorbeugen. Das Kabinett will die Vorlage im Februar verabschieden; wenn Bundestag und Bundesrat zustimmen, soll das Gesetz vor der Sommerpause in Kraft treten.

Der Bundesverband der Verbraucherzentrale kritisierte den Entwurf als "Stückwerk". Von einer Wahlfreiheit der Verbraucher könne keine Rede sein, sagte Vorstand Edda Müller. Die EU-weit geplante Kennzeichnung gentechnisch veränderter Nahrungsmittel erfasse weder Futtermittel noch Lebensmittel in der Gastronomie oder in Schulen, Krankenhäusern und Kantinen. "Das heißt: Bei 60 bis 70 % der Lebensmittel wird es keine Kennzeichnung geben."

Bereits morgen soll im Kabinett ein diese Kennzeichnungspflicht flankierendes Gesetz verabschiedet werden. Nach einer EU-Verordnung müssen ab April alle Produkte, die mehr als 0,9 % gentechnisch veränderte Substanz enthalten, eine entsprechende Kennzeichnung tragen. "Das gilt auch für geringere Inhalte, die bewusst vom Hersteller eingesetzt wurden", erklärte Künast. Das morgen behandelte Gesetz sei eine flankierende Maßnahme, die vor allem Bußgelder im Fall der Zuwiderhandlung festlegt. Künast verwies darauf, dass diese Kennzeichnungspflicht für alle in der EU vertriebenen Produkte gilt – auch für amerikanische. Die USA und Argentinien haben dagegen vor der WTO geklagt.

Künast bezeichnete beide Gesetze als Durchbruch "sowohl für die Landwirte als auch für die Verbraucher". Die Ministerin: "Wie viele gentechnisch veränderte Lebensmittel auf den Tisch kommen, ist nun Sache der Verbraucher."



„Bio-Produkte haben die Kunden nicht überzeugt“

Foodwatch-Chef Thilo Bode: Die Agrarwende ist gescheitert

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 17. Januar 2004, Seite 21 (Verbraucher + Märkte). THILO BODE war früher Chef von Greenpeace und ist heute Geschäftsführer der Verbraucherschutzorganisation „Foodwatch“. Das Gespräch führte HEIKE JAHBERG. [Original]

Der Tagesspiegel: Herr Bode, die deutschen Verbraucher kaufen ihre Lebensmittel am liebsten beim Discounter. Ist ihnen Qualität nichts wert?

Thilo Bode: Nicht nur die deutschen Verbraucher schauen auf den Preis, das tun Konsumenten in aller Welt. Und zwar vor allem dann, wenn sie keine Qualitätsunterschiede zwischen billigen und teuren Lebensmitteln ausmachen können.

Tagesspiegel: Schmecken Bio-Lebensmittel nicht besser?

Bode: Bio bringt vor allem etwas für die Umwelt und die Tiere. Die Belastungen mit Rückständen sind geringer. Bio heißt aber nicht automatisch besserer Geschmack. Die Bio-Branche muss sich deutlicher von konventionellen Erzeugern absetzen. Statt auf leckere, seltene Sorten zu setzen, bauen sie häufig dieselben an wie die herkömmlichen Erzeuger. Diese bringen reichhaltige Erträge und sind leicht zu transportieren. Aber dann dürfen sich die Bio-Bauern auch nicht wundern, wenn ihr Obst und Gemüse nicht besser schmeckt als die Massenware. Eine Öko-Tomate kostet drei Mal so viel wie eine Industrie-Tomate, im Aroma ist sie oft genauso fad. Kein Wunder, dass die Verbraucher diese Produkte nicht kaufen.

Tagesspiegel: Erstaunlich, dass Sie als Verbraucherschützer die Massenware empfehlen.

Bode: Das tue ich doch gar nicht. Im Gegenteil: Ich finde, die Politik müsste die konventionelle Landwirtschaft viel stärker in die Pflicht nehmen. Warum sind denn die Produkte so billig? Weil die Kosten der Nitratbelastung des Grundwassers und anderer Umweltschäden nicht enthalten sind. Die Lebensmittel-Industrie produziert billig auf Kosten der Allgemeinheit. Das muss ein Ende haben. Wer Schäden anrichtet, muss dafür haften.

Tagesspiegel: Ist die von Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast propagierte Agrarwende gescheitert?

Bode: Ja, klar. Frau Künast möchte, dass bis zum Jahr 2010 20 % aller deutschen Lebensmittel aus ökologischem Anbau kommen. Heute haben wir einen Anteil von unter 3 %, bis 2010 dann vielleicht 6 %. Aber das liegt nicht an den unmündigen Verbrauchern, wie die Ministerin meint, sondern daran, dass die Bio-Lebensmittel die Kunden bislang nicht überzeugen konnten.

Tagesspiegel: Die Lebensmittel-Skandale reißen nicht ab. Letztes Jahr hatten wir Nitrofen, durch die Testpannen ist auch BSE wieder ein Thema ...

Bode: Fast alle Lebensmittel-Skandale der letzten Jahre waren Futtermittel-Skandale. Ob BSE, Nitrofen oder unzulässige Hormone – immer war das Futter Schuld. Leider ist bis heute keiner der Verantwortlichen wirklich belangt worden. Die Ermittlungen in Sachen Nitrofen werden nach unseren Informationen demnächst eingestellt.

Tagesspiegel: Warum?

Bode: Die Staatsanwaltschaft muss nachweisen, dass die Nitrofen-Kontamination die Gesundheit der Verbraucher beeinträchtigt hat. Und obwohl der zulässige Grenzwert beim Putenfleisch um das 600-fache überschritten war, gibt es keinen entsprechenden Straftatbestand. Die Abschreckung fehlt, und an den skandalösen Zuständen ändert sich nichts. Die Politik muss schärfer durchgreifen.

[06.06.2002: Die große Bio-Illusion]  (DIE ZEIT)
[09.06.2002: Der Öko-Landbau ist der richtige Weg]  (FöL)
[17.01.2004: Wie gut sind die deutschen Lebensmittel wirklich?]  (DER TAGESSPIEGEL)



Lebensmittel-Kontrolle praktisch zusammengebrochen

Aus:
Yahoo-News, 7. März 2004, 16.25 Uhr (Kurzberichte). [Original]

HAMBURG. In Deutschland werden wegen Personalmangels bei den Lebensmittel- Kontrolleuren immer weniger Betriebe auf Hygiene- Standards überprüft. Laut einer internen Statistik des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, die der Bild am Sonntag vorliegt, werden pro Jahr bundesweit nur 59 % aller Betriebe kontrolliert. Jeder Fünfte von ihnen verstoße gegen die Vorschriften.

2500 Inspekteure suchen dem Bericht zufolge bundesweit in mehr als einer Million Supermärkten, Speiselokalen und Imbissbuden nach verdorbenen oder vergifteten Lebensmitteln. "Die Lebensmittel- Kontrolle ist praktisch zusammengebrochen, die Sicherheit der Verbraucher ist nicht mehr gewährleistet", sagte der Vorsitzende des Bundesverbands der Lebensmittel- Kontrolleure, Hans-Henning Viedt.

"Wir bräuchten mehr als doppelt so viele Kontrolleure, um auch nur annähernd die Vorschriften durchsetzen zu können", sagt Viedt. Rheinland-Pfalz ist dem Bericht zufolge seit Jahren Schlusslicht bei den Kontrollen. Dort nähmen die Lebensmittelwächter nur 30 Prozent der Betriebe unter die Lupe. Verantwortlich für die Kontrollen sind die Bundesländer und Landkreise.

Nach Einschätzung des Staatsekretärs für Verbrauchererschutz, Matthias Berninger (Grüne), müssten die Bundesländer und Landkreise etwa 100 Millionen Euro investieren, um die Lage in den Griff zu bekommen. "Die Situation ist dramatisch." Auch die nordrhein- westfälische Verbraucherschutzministerin Bärbel Höhn (Grüne) sieht Handlungsbedarf: "Bei der Lebensmittelsicherheit gibt es klare Defizite. Wir müssen dringend investieren, weil wir künftig immer mehr überprüfen müssen, zum Beispiel wegen der Gentechnik."



Gentechnische Rückstände in Milch

Aus:
Yahoo-News, 21. Juni 2004, 17.18 Uhr MESZ (Wissenschaft). [Original]

MÜNCHEN/HAMBURG. Forscher aus Weihenstephan bei München haben Rückstände von gentechnisch veränderten Pflanzen in Kuhmilch gefunden. Unklar ist, wie die Genstücke in die Milch gelangt sind.

Es seien Bruchstücke der in Pflanzen eingesetzten Gene in Milchproben einer Kuh gefunden worden, die mit Gen-Soja und Gen-Mais gefüttert worden war, bestätigte Prof. Heinrich Meyer vom Wissenschaftszentrum Weihenstephan heute. „Es ist kein Ergebnis, das einen zweifelsfreien Rückschluss erlaubt“, unterstrich er jedoch. In einer Untersuchung unter festgelegten Rahmenbedingungen mit eigenen Kühen hätten sich die Ergebnisse der ersten Studie von vor 3 Jahren nicht bestätigt.

Die Umweltorganisation Greenpeace hat die Ergebnisse heute öffentlich gemacht. In den analysierten Milchproben des Landwirtes konnte demnach die Erbsubstanz von gentechnisch verändertem „Roundup Ready Soja“ und „Bt176 Mais“ nachgewiesen werden.

Nach Greenpeace-Angaben könnten die Gen-Fragmente entweder über die Kuh oder über die Luft in die Milch gelangt sein. Möglicherweise seien die Gen-Rückstände aus Futterstaub im Stall direkt in die frisch gemolkene Milch geraten, erläuterte Greenpeace- Gentechnikexperte Henning Strodthoff. Es sei aber auch denkbar, dass nicht vollständig aufgespaltene Gen- Rückstände im Körper der Kuh die Darmwand passierten und so über das Blut in die Milch gerieten. „Das wäre eine Möglichkeit, wie es passiert sein kann – aber letztlich ist es nicht geklärt.“

In Weihenstephan hieß es hingegen, die Proben des Bauern seien Anlass gewesen für eine „echte“ Studie mit eigenen Kühen. Dabei seien die Kühe 4 Wochen lang an streng getrennten Orten gemolken und gefüttert worden. Bei dieser Studie seien keine Gen- Anteile in der Milch gefunden worden. „Die ersten Ergebnisse sind gegenstandslos, weil wir eine ordentliche Kontrollstudie durchgeführt haben“, sagte Meyer. Die Ergebnisse aus den Proben des Bauern seien vor 3 Jahren nicht veröffentlicht worden, weil die Rahmenbedingungen auf dem Hof nicht bekannt gewesen seien. „Es ist immer ein Problem, mit Proben von Dritten zu arbeiten – so was kann man nicht nach außen weitergeben.“

Greenpeace forderte weitere Untersuchungen. Bisher sei angenommen worden, dass Gene der Pflanzen bei der Verdauung abgebaut würden und nicht in Fleisch oder Milch gelangten.



Hochresistenter Salmonellen-Keim in deutschem Putenfleisch entdeckt

Aus:
Spiegel-Pressemeldung – 24. Juli 2004, ??.?? Uhr zum Artikel "Tötliches Putenfleisch" im SPIEGEL – 31/2004, 26. Jul 2004, Seite 20 (Panorama Deutschland).

HAMBURG. In importierten Puten aus Deutschland haben dänische Experten einen extrem resistenten Salmonellen- Keim gefunden. Der neu entdeckte Subtyp zeigte sich unempfindlich gegenüber 16 von 17 heute verfügbaren Antibiotika- Klassen. Das einzige Mittel, das noch anschlug ("Florphenicol"), ist in der Humanmedizin nicht zugelassen.

"Wenn diese Salmonellen eine schwere Darminfektion beim Menschen auslösen, gibt es keine Behandlungsmöglichkeit", warnt Frank Aarestrup vom Dänischen Institut für Lebensmittel- und Veterinärforschung in Kopenhagen. Dies sei "ein ganz reales Risiko für den Verbraucher". Hochresistente Salmonellen hätten bereits Todesopfer gefordert, betont auch Andreas Schroeter vom Nationalen Referenzlabor für Salmonellen in Wernigerode.

Gefährdet seien Kleinkinder, Senioren und Kranke. Experten des Labors haben erst kürzlich in einem Sachstandsbericht angemahnt, Antibiotika in der Tierzucht restriktiver einzusetzen, um eine weitere Resistenz-Ausbreitung zu vermeiden. Aus welchem Schlachthof die mit dem Superkeim verseuchten Puten stammten, will das dänische Institut nicht preisgeben.



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      Zum Teil 3

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