Archiv der Kolumne »Abgeschmackt« – Teil 1 khd
Stand:  25.12.2012   (70. Ed.)  –  File: Food/Kol/Abgeschmackt_01.html




BERLIN – 31.3.2009 (khd). Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist zu beobachten, daß Lebensmittel- Industrie und -Handel immer stärker eine Geschmacks-Diktatur aufbauen. Viele schmackhafte Produkte gibt es nicht mehr, andere schmecken widerlich. Der Trend geht zum Einheitsgeschmack. Aber wollen wir das wirklich? In der Kolumne „Abgeschmeckt | Abgeschmackt“ sollen in lockerer Folge besonders auffällige Beispiele aus dem täglichen (Koch-) Leben aufgespießt werden.

Links mit dem Symbol * zeigen auf weiterführende Informationen im Internet, die die Aussage belegen. (xxx = Text folgt demnächst).

A R C H I V - I N D E X : 

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Abgeschmackt

Eine Einführung
Vom Nivellieren des Geschmacks 0
„Darf’s auch etwas Schweinekruste sein?“ / Diktatur von Industrie und Handel

BERLIN – 31.3.2009 (khd). Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist zu beobachten, daß Lebensmittel- Industrie und -Handel immer stärker eine Geschmacks-Diktatur aufbauen. Viele schmackhafte Produkte gibt es nicht mehr, andere schmecken widerlich. Der Trend geht zum Einheitsgeschmack. Aber wollen wir das wirklich? In der Kolumne „Abgeschmeckt | Abgeschmackt“ sollen in lockerer Folge besonders auffällige Beispiele aus dem täglichen (Koch-) Leben aufgespießt werden. [Zum Archiv der Kolumne]

      Umsatz Duft- und Aromastoffe seit 1980
^   Will die Welt betrogen werden? Mit den meisten Aromastoffen sollen die Verbraucher getäuscht werden. Seit 1980 hat sich die Produktion dieser völlig überflüssigen Stoffe vervierfacht.   (Grafik: 12.10.2009 – khd nach einer SPIEGEL-Grafik)
Eine solche Kolumne kann vermutlich nur jemand schreiben, der die Entbehrungen des 2. Weltkriegs, der Nachkriegsjahre und der West-Berliner Blockade geschmacklich sehr bewußt erlebt hat und sich daran noch gut erinnern kann, wie Kunsthonig, Schlagcreme, dehydrierte Kartoffeln (Trockenkartoffeln), POM und die vielen anderen ‚Köstlichkeiten‘ damals schmeckten. In den 1950er-Jahren ging’s dann kontinuierlich auch geschmacklich wieder aufwärts. Das Wirtschaftswunder machte völlig neue Geschmackserlebnisse möglich. Es gab fast alles wieder zu kaufen – die von Tante Ruth im Krieg so oft beschworenen „Friedenszeiten“ mit ihrem tollen Warenangebot waren endlich (wieder) da.

Es war auch die Zeit, wo man beim Kauf von Schweinebraten- Aufschnitt beim Fleischer oder im KaDeWe gefragt wurde, ob man auch etwas von der Schweinekruste mitnehmen möchte – natürlich gratis. Wann wurde Ihnen in der letzten Zeit an der Supermarkt- Fleischtheke diese Frage gestellt? Sicher noch nie. Und diese Kleinigkeit macht sofort das Problem der Geschmacks- Nivellierung deutlich. Supermärkte haben heute keine Zeit mehr, Schweineschinken gut zu würzen und abzubraten und den Kunden knusprige Schwarte als Zugabe zu geben. Schweinebraten wird heute in Plastik eingeblistert von der Industrie bezogen. Da gibt es keine Knusperkruste mehr und Wohlgeschmack schon gar nicht.

In der Marktwirtschaft sollte die Nachfrage das Angebot bestimmen. Bei Supermärkten oder Discountern stimmt das schon lange nicht mehr. Hier gilt die ‚Diktatur der Liste‘. Nur was bei den Handelsunternhmen an Waren auf ihrer generellen Einkaufsliste steht, wird von denen gehandelt. Da kann der Kunde noch so viel nachfragen. Jeder Tante-Emma-Laden, jeder Fleischer, jeder Bäcker, jeder Fischhändler bemühte sich selbstverständlich, einen Kundenwunsch zu erfüllen, wenn immer das möglich war. Nur, diese kundenfreundlichen Läden sind durch die Supermärkte und Discounter heute weitgehend verdrängt worden. Und die Listen dieser ‚Super-Läden‘, die angeblich alles haben, wurden inzwischen weitgehend angeglichen, so daß ein Ladenwechsel kaum noch etwas bringt.

Dieser Prozess der Gleichschaltung begann bereits schleichend Ende der 1980er-Jahre und verstärkte sich in den 90-ern. Davor bemühten sich in Berlin noch Ketten wie „Bolle“, „Butter-Beck“, „Carisch“, „Hefter“ oder „Meyer“ (alle bereits gestorben) um die Wünsche der Kunden. Aber mit der Zunahme der Konzentration im Handel und dem Aufblühen der Ernährungs- Industrie (immer mehr Fertigprodukte) begann auch die Nivellierung. Und ein Ende oder Umkehr dieser negativen Entwicklung ist nicht absehbar. Es sei denn, mündige Kunden wachen endlich auf und lassen sich nicht mehr alles gefallen.

Nach dem Ende des Kalten Kriegs zwischen Ost und West begann Anfang der 1990er-Jahre zudem der ‚Krieg‘ der Marktradikalen (Neo-Liberalisten) um immer höhere Profite. Davon blieb auch die Lebensmittel-Industrie und der Handel mit Lebensmitteln und deren Qualität nicht verschont. Es hatte zur Folge, daß sich neben der ‚Diktatur der Liste‘ auch noch das ‚Diktat des Markts‘ breitmachte.

Allzuoft zählte nun nur noch das Angebot, was am meisten Gewinn abwarf – egal, ob die Qualität zu wünschen übrig ließ. Originalton von der Fleischtheke eines Berliner Supermarkts: „Nein, Gulasch haben wir heute nicht, das gibt’s erst zum nächsten Wochenende wieder. Aber nehmen Sie doch von unserem zarten ‚Krustenbraten‘ (zähe Schweineschulter!) – der ist im Angebot zu 1,99 pro Kilo!“ Was nachgefragt wird, spielt kaum noch eine Rolle. Dieses Prinzip des ‚Friß-Vogel-oder-stirb‘ zeitigt inzwischen solche Auswüchse wie den
Kunst-Käse oder das zusammengeklebte ‚Formfleisch‘, um vom lukrativen Gammelfleisch gar nicht zu reden.

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Abgeschmackt

Kunst-Käse
Vom Nivellieren des Geschmacks 1
Verbraucher-Betrug mit Pseudo-Käse / Keine Kennzeichnung vorgeschrieben

BERLIN – 8.4.2009 (khd). Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist zu beobachten, daß Lebensmittel- Industrie und -Handel immer stärker eine Geschmacks-Diktatur aufbauen. Viele schmackhafte Produkte gibt es nicht mehr, andere schmecken widerlich. Der Trend geht zum Einheitsgeschmack. Aber wollen wir das wirklich? In der Kolumne „Abgeschmeckt | Abgeschmackt“ sollen in lockerer Folge besonders auffällige Beispiele aus dem täglichen (Koch-) Leben aufgespießt werden. [Zum Archiv der Kolumne]

Manche werden sich noch an die Kriegs- und Nachkriegszeit erinnern, wo es reichlich Kunsthonig, Kunstbutter (Margarine), Kunstkaffee (Malzkaffee) usw. gab. Diese Zeiten, die der Not gehorchten, sollten lange überwunden sein, meint man. Aber die Lebensmittel-Industrie hat inzwischen schmelzfähigen Kunst-Käse erfunden, der auch „Analog-Käse“ genannt wird.

Dieses Käse-Imitat kann billig aus Wasser, Pflanzenöl, Milcheiweiß, Stärke, Salz, Geschmacksverstärkern und synthetischen Aromen hergestellt werden. Das Surrogat soll angeblich gesundheitlich unbedenklich sein. Aber wer weiß schon so genau, was Aromen und Geschmacksverstärker anrichten können. Solch Pseudo-Käse ist immer häufiger auf vermeintlich käsehaltigen Fertig-Lebensmitteln wie Pizza, Lasagne oder Cheeseburger anzutreffen – auch in den Fast-Food-Läden.

Darauf wies jetzt das ZDF-Magazin Frontal-21 hin. Da dieser minderwertige Pseudo-Käse billiger als das Original ist, wird er den Verbrauchern untergeschoben. Es besteht keine explizite Kennzeichnungs-Pflicht. Liest man aber in einer Zutatenliste „Pflanzenfett“, „Geschmacksverstärker“ oder „Milcheiweiß“ und nichts von „Käse“ sollte man den Murks nicht kaufen. Die Verbraucherzentrale Hamburg will eine ‚Schwarze Liste‘ der Nepper auflegen. Der deutsche Markt für Käse-Imitate wird bereits auf 80.000 bis 100.000 Tonnen pro Jahr geschätzt. Da hilft nur noch der Pranger im Internet. [mehr]

[Deutsche Käse-Verordnung] [EU-Verordnung]

Nachgetragen:

CDU-Minister spricht von Innovation

BERLIN – 22.4.2009 (khd). Inzwischen ist sogar unseren Volksvertretern der Murks der Lebensmittel-Industrie aufgefallen. Heute will sich der Bundestagsausschuß für Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit dem Thema „Analog-Käse“ befassen. Ob dabei etwas rauskommt, ist ungewiß, zumal der Einfluß der Lobbyisten sehr groß ist. Und wenn Landesverbraucherschutzminister Peter Hauk (CDU) in diesem Zusammenhang von „Innovationen“ (Die Welt) der Industrie spricht, dann spricht das Bände.

Als Konsequenz aus diesem ‚innovativen‘ Schwachsinn, den die EU-Kommission nicht zu verhindern wußte, wollen sich viele Verbraucher – ansonsten bekennende Europäer – bei der für den 7. Juni 2009 anstehenden Europawahl der wachsenden „Ich-wähle-diesmal-ganz-bewußt- UNGÜLTIG!“- Bewegung anschließen, damit die Parteien endlich aufwachen und sich der Angelegenheiten der Bürger annehmen. „Wir brauchen ein Europa der Bürger – kein Europa, das durch neo-liberale Ideolog(i)en und Lobbyisten gesteuert wird“, ist immer deutlicher zu vernehmen.


Eine deutliche Kennzeichnung muß her

BERLIN – 18.5.2009 (khd/tsp/d-radio). Inzwischen informierten die meisten Zeitungen – so auch der Berliner Tagesspiegel („Alles Analogkäse“) – über die Täuschung der Verbraucher mit dem Pseudo-Käse durch die Lebensmittel-Industrie, Imbißketten und manche (Pizza-) Bäckereien, die damit den schnellen Euro machen. Denn dieser „Analog-Käse“ kostet im Großhandel nur etwa 2 Euro/kg, deutlich weniger als echter Käse aus Kuhmilch, von der es derzeit überreichlich gibt.

Diese Falsch-Käseproduktion paßt zwar prima zum Zeitgeist, unter dem in den letzten Jahren alle Banken unbehelligt reichlich ‚Falsch-Geld‘ in der Form wertloser Wertpapiere (‚toxic papers‘) produzieren und ans Publikum verkaufen durften, was neuerdings allerorten heftig kritisiert wird. In den Medien vermißt wird nun aber auch eine deutliche Kommentierung dieses weiteren Großstilbetrugs am Kunden, der Kunst-Käse kaum erkennen kann. Wer solchen Imitat-Käse mag, kann das ja gerne kaufen. Nur müßten dazu EU-weit alle ‚Käse‘-Waren mit einem eindeutigen Symbole markiert werden. Wie wäre es beispielsweise mit einem durchgekreuzten Käse, wenn „Analog-Käse“ im Spiele ist?


Bundesregierung nennt nicht Roß und Reiter

BERLIN – 30.5.2009 (khd/bz). Wer heute die Zeitung aufschlug, der konnte nur noch staunen. Die Bundesregierung teilte durch das CSU-geführte Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in einer großformatigen (bunten) Anzeige neben einer Pinocchio-Figur mit Langnase mit:

A c h t u n g :   K ä s e s c h w i n d e l !

Käse ist ein geschützter Begriff. Käse muss aus Milch hergestellt sein. Vieles, das sie heute essen, sieht aus wie Käse, riecht wie Käse, schmeckt wie Käse – und ist doch kein Käse. Es sind billige Imitate, die statt Milch Pflanzenfett, Farbstoffe und Aromen enthalten. Oft werden diese Imitate als Käse verkauft. Das ist verboten. Informieren Sie sich: www.bmelv.de


Angst vor dem Pranger?

BERLIN – 30.5.2009 (pep). Roß und Reiter nennt die CSU-Verbraucherministerin nicht, obwohl solches Benennen ganz klar zu den Marktmechanismen gehört. Natürlich ist es immer nützlich, über den Nepp und die Betrügereien der Lebensmittel- Industrie zu informieren. Aber irgendwie klingt das nach dem Offenbarungseid, angesichts des unverblümten Agierens der frechen Lobbyisten, die sich Gesetz und Ordnung selbst schreiben.

Von einer Regierung erwarten moderne Verbraucher aber, daß sie ganz energisch handelt und endlich Remedur in der Lebensmittel- Industrie schafft – auch wenn es dabei Ärger mit der noch immer neo-liberal eingestellten (Markt regelt alles selbst) EU-Kommission geben sollte. Verbraucher wollen diesen ganzen aromatiserten Murks nicht, der ihnen tagtäglich von diesen Profitgierigen untergejubelt wird.


Noch eine Vision, aber...

BERLIN – 31.5.2009 (khd). Und wenn dem Treiben der Lebensmittel-Industrie von den Regierenden nicht wirklich Einhalt geboten wird, dann werden die uns in wenigen Jahren ‚gedruckte‘ Schweinekoteletts und Hühnerkeulen und wer weiß was sonst noch als die ‚Innovation‘ verkaufen, die nie ein Schwein oder ein Huhn gesehen haben. Die 3D-Laserdrucker für solche Produkte sind schon längst (für Zahnprothesen) erfunden.

Koteletts und Keulen werden dann aus günstig (zunächst aus Gammelfleisch?) erzeugten aromatisierten Eiweißpartikelchen in Massenfabrikation formgerecht zusammengesetzt werden – mit Haut und Knochen. Vielleicht bastelt in Japan ja schon Ajinomoto am dafür benötigten Eiweißmus. Auch der Geschmack könnte stimmen, denn die Kunst-Aromen sind auch schon alle erfunden worden.

Sie werden uns dann erzählen, daß das alles viel hygienischer und billiger als echte Schweine- oder Geflügelmast sei. Und nur wenig später wird es dann endlich auch Eier nur in Würfelform geben – auch laser-gedruckt. Ein weiterer Traum der Lebensmittel- und Verpackungs-Industrie wäre wahr geworden. Aber ist das auch der Traum der konsumierenden Menschen?



Abgeschmackt

Der mit dem „Blubb“
Vom Nivellieren des Geschmacks 2
Tiefgefrorener Spinat pur kaum noch erhältlich / Dafür gibt’s reichlich TK-Fertig-Spinat

BERLIN – 22.4.2009 (khd). Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist zu beobachten, daß Lebensmittel- Industrie und -Handel immer stärker eine Geschmacks-Diktatur aufbauen. Viele schmackhafte Produkte gibt es nicht mehr, andere schmecken widerlich. Der Trend geht zum Einheitsgeschmack. Aber wollen wir das wirklich? In der Kolumne „Abgeschmeckt | Abgeschmackt“ sollen in lockerer Folge besonders auffällige Beispiele aus dem täglichen (Koch-) Leben aufgespießt werden. [Zum Archiv der Kolumne]

  IGLO Rahm-Spinat
Zutatenliste (Apr. 2009)
  • Spinat
  •    
  • Sahne
  • 8 %  
  • Pflanzliches Öl
  •   2) 
  • Weizenmehl
  •    
  • Magermilchpulver
  •   2) 
  • Salz
  •    
  • Molkenerzeugnis
  •   2) 
  • Stärke
  •    
  • Zucker
  •    
  • Gewürze
  •   1) 
    1) Eine sehr ungenaue Angabe.
    2) Hm, ist hier Kunst-Käse versteckt?
     
    Es gibt gute Gründe bei manchem Gemüse auf Tiefgefrorenes zurückzugreifen, beispielsweise beim Spinat oder beim Grünkohl. Das erspart das aufwendige Putzen, Verlesen, Blanchieren und Durchdrehen. Jahrzehnte wurden diese Gemüse pur angeboten. Aber Feinfroster wie IGLO wollten mehr daran verdienen und produzieren nun ‚Mehrwert‘, indem sie etwas Sahne und ‚3 Gewürze‘ zufügten. Das kann man dann teurer verkaufen – vor allem wenn man dazu reichlich Werbespots im Fernsehen schaltet.

    Soweit so gut, und wenn’s das auch gibt, ist gegen ein solches zusätzliches Angebot auch nichts einzuwenden. Manche Hausfrauen sind eben sehr gehetzt, vielleicht auch unsicher beim Zubereiten. Sie greifen daher gern auf solche Convenience- Produkte zurück. Inzwischen trifft man aber in den Tiefkühltruhen immer häufiger im Handel fast nur noch zubereiteten TK-Spinat in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen an. Damit aber lassen sich wg. der Vorwürzung kaum noch die eigenen Geschmacksvorstellungen beim Kochen realisieren. Die eigenen altbewährten Kochrezepte versagen.

    Und wer sagt, ob die bereits zugefügte Sahne nicht von minderer Qualität ist? Ein Blick auf die Zutatenliste vom „IGLO Rahm- Spinat“ läßt noch einen ganz anderen Verdacht aufkommen. Da sind Zutaten drin (siehe Fußnote 2), die geeignet sind, Käse zu simulieren. Denn wer macht schon an Spinat Magermilchpulver, Molkenerzeugnis (was das auch immer sein mag) und Pflanzenöl, wo doch ein Stich gute Butter oder etwas angebratener Speck angesagt wäre. Industrie-Köche haben eben keine Ahnung, wie man ein wohlschmeckendes Spinatgemüse kocht, das auch Kinder mögen.

    Es ist also total unbefriedigend, daß es nur noch selten TK-Spinat pur zu kaufen gibt. Unklar ist derzeit, ob das mehr ein Problem des Einkaufs der Supermarkt- Ketten oder eine bewußte Steuerung der Hersteller ist. Im Internet war das jetzt nicht recherchierbar. Und von den Supermarkt- Leuten hört man die unterschiedlichsten Ausreden. Nun verspricht z. B. IGLO auf dem Spinat- Paket, daß es alle per E-Mail an vbinfo@iglo.com eingereichten Fragen gern beantworten wird. Mal sehen, was die sagen.

    Nachgetragen:

    Was IGLO sagt

    BERLIN – 1.6.2009 (khd/iglo). Aus der IGLO-Antwort folgt, daß es die Supermarkt-Ketten sind, die bestimmte IGLO-Produkte nicht (mehr) bestellen. Für die Verbraucher gilt also das Diktat der Liste des jeweiligen Supermarkt- Managements. Wollen wir Kunden uns das tatsächlich gefallen lassen?

    Zum Lieferbarkeit des TK-Spinats pur teilte IGLO (Hamburg) am 24. April 2009 mit: „Laut unserer Listungsdatenbank erhalten Sie Junger Spinat MINIS, 450 g oder 750 g bei: Famila, Coop Plaza, Edeka, Globus, Jibi, Karstadt, Kaufhof, Metro (Großhandel), real und toom. Sollte das Produkt dort nicht vorrätig sein, fragen Sie bitte den Abteilungsleiter bzw. Geschäftsführer. Dann kann es beim nächsten Mal mit bestellt werden.“

    Damit ist klar, daß man puren TK-Spinat von IGLO beispielsweise nicht bei Aldi, Kaiser’s, Lidl, Netto, Plus, Rewe oder Tengelmann erhält. Interessant ist aber auch, was IGLO zu den merkwürdigen Zutaten schreibt: „Bei den Zutaten für Rahm-Spinat verwenden wir als pflanzl. Öl Sonnenblumen- oder Palmöl. Milchpulver ist eine Milchtrockenmasse, die hergestellt wird, indem Milch das gesamte freie Wasser entzogen wird.

    Sie fragen sich: Was verbirgt sich hinter dem Begriff Molkenerzeugnis? Das erklären wir Ihnen gerne: Die Milch wird mit Hilfe von Labenzymen in Käse und Molke getrennt. Die Molke enthält nur die in Wasser löslichen Bestandteile der Milch, nämlich Molkeneiweiß, Milchsalze und Milchzucker. Aus der Molke filtert man das Molkenerzeugnis heraus. Beim Filtern bleiben Milchsalze und Milchzucker (Lactose) zurück. Das Molkenerzeugnis ist also ein Konzentrat aus Molkenproteinen.“

    Und damit ist auch klar, daß IGLO der Spinat-Zubereitung einen auf der Basis dieser Molkenproteinen erzeugten
    Kunst-Käse zufügt. Warum sie das bei einem „Rahm-Spinat“ ohne Not tun, kann nur vermutet werden: Es muß dann weniger Sahne zugefügt werden, oder geraspelter Schweizer Emmentaler ist viel zu teurer.




    Abgeschmackt

    Mehr Schein als Sein
    Vom Nivellieren des Geschmacks 3
    Lebensmittel-Imitate im Supermarkt / Liste der Verbraucherzentrale Hamburg

          Kunst-Garnele
    ^   Kunst-Garnele (Surimi) aus mit Eiweiß verklebten aromatisierten Fischabfällen.   (Foto: 2009 – vzhh)
    BERLIN/HAMBURG – 10.7.2009 (khd). Der Kampf gegen überhandnehmenden Lebensmittel-Imitate hat begonnen. Da die Bundesregierung bislang nicht in der Lage war, die Erkenntnisse der Lebensmittel-Kontrolleure zu veröffentlichen, hat heute die Verbraucherzentrale Hamburg damit begonnen, eine Liste der besonders negativ aufgefallenen Produkte ins Internet zu stellen. In der folgenden Tabelle werden daraus die wichtigsten Informationen übernommen. Wenn alle Verbraucher auf den Einkauf dieser Imitat-Produkte verzichten, wird diese Gaga-Industrie recht schnell zu Vernunft kommen.

    Angebotene Lebensmittel-Imitate
    Hier werden Roß und Reiter genannt.
    Stand: 10. Juli 2009 — 10. Januar 2010
    Quellen: VZ Hamburg + Eigene Recherchen 6).
    Nr. Produkt Hersteller Verwendete Ersatzstoffe Anm.

    1. Wasabi Erdnüsse Lorenz Bahlsen Snack-World GmbH Minderwertige Zutaten für den Geschmack: Spirulina-Konzentrat (Algen-Konzentrat), Aroma, Geschmacksverstärker und Farbstoff.    
    2. Mini Keks Bolde „Schoko“ Delacre, United Biscuits Kakaocremefüllung mit billigem Schoko- ladenimitat, das u. a. aus fettarmem Kakaopulver (3,7 %), Zucker und gehärtetem Pflanzenfett hergestellt wird.   1
    7
    3. Combi Weiß in Salzlake
    50 % Fett
    EfeFirat Feinkost GmbH Analogkäse, der wie Schafskäse aussieht: Billiges Pflanzenfett ersetzt Milchfett, Magermilch aus Kuhmilch statt Schafs- milch wird als weitere Zutat verwendet.   2
    4. Surimi-Garnele,
    Gefangen,
    Indischer Ozean
    Loser Verkauf Gepresstes Fischeiweiß in Garnelenform: Es gibt täuschend echte Garnelenimitate, die neben Fischeiweiß aus nicht anders verwertbaren Fischen, Geschmacks- verstärkern, Aromen, Farbstoffen, aber auch aus Hühnereiweiß hergestellt werden.    
    5. Meeresfrüchte Cocktail
    mit Krebsfleisch-Imitat
    Einkauf bei Kaufhof Produkt mit billigem Surimi (Krebsfleisch- Imitat aus Fischmuskeleiweiß) gestreckt.    
    6. Du darfst Putensalat
    mit Joghurtdressing
    Unilever Deutschland GmbH Zusammengefügte Fleischreste: Das Fleisch im Produkt besteht nur zum Teil aus gewachsenem Putenfleisch, dazu kommt Form-Putenfleisch und das noch billigere Form-Hähnchenfleisch.   12
    7. Fol Epi Nuss Fromageries Rambol, Bongrain Das ist Schmelzkäse! Die sogenannte Schmelzkäse- Zubereitung besteht nur zu 65 % aus Käse, ist zusätzlich mit Zusatzstoffen wie Schmelzsalzen (E452, E339: Phosphate) und Aromen versetzt – bei Käse nicht erlaubt.   4
    8. Mucci Vanille-Eis ALDI Nord Überwiegend synthetisches Vanillin und Kokosfett. Das hat die Stiftung Warentest im aktuellen Vanilleeistest im Heft Juni 2009 ermittelt.   3
    9. Pesto Basilico Buitoni, Nestlé Billiges Sonnenblumenöl statt Olivenöl: Olivenölanteil lt. Zutatenliste unter 2 %. Minderwertiges Cashewkern- Pulver statt Pinienkernen: Pinienkerne lt. Zutatenliste nur in marginalen Mengen vorhanden (unter 2 %). Kostengünstiger Hartkäse ersetzt zu 3/4 den Wert gebenden Pecorino (2 %). Aromen machen aus diesem traditionellen Produkt endgültig ein Imitat.   1
    10. Hähnchenschnitten
    Wiener Art
    Vossko-
    Tiefkühlkost GmbH
    Verschnitt von kleinen Stücken aus Hähnchen- und Putenfleisch.    
    11. Bio-Vollkorn-
    Toastbrötchen
    Proback GmbH,
    ALDI Nord
    Statt 90 % Vollkornmehl im Mehlanteil wie in den Leitsätzen für Brot und Kleingebäck sind im Produkt nur 60 % enthalten, gestreckt wird mit Weizenmehl, gefärbt mit Gerstenmalzsirup.    
    12. Pizza Pizzerien und
    TK-Pizza in
    Supermärkten
    Vor allem wird wohlschmeckender Käse wie Mozzarella durch Kunst-Käse ersetzt, Aber auch billiges Formfleisch soll bereits gefunden worden sein.   5
    13. TK Rahm-Spinat Iglo, Unilever Die Zutatenliste belegt, daß dieser Spinat- Zubereitung Kunst-Käse zugefügt wird.   1
    14. Bio-Erfrischungsgetränk (Citrus-Ananas) REWE Zucker statt Fruchtzucker, färbender Gerstenmalzextrakt zur Vortäuschung des Fruchtgehaltes, Milchsäure, Säureregulator (Tricalciumcitrat) statt Fruchtsäure, Aroma statt Frucht.    
    15. Eduscho Röstkaffee
    Gala „Vollmundig & Edel“
    Tschibo Kein 100-%iger Bohnenkaffee, sondern 11 % Karamell und Maltodextrin, nur 89 % Röstkaffee.    
    16. Truthahn-Brustfilet von „Gebirgsjäger“ Sickendiek Fleischwarenfabrik, Einkauf bei LIDL Zerkleinertes und wieder zusammengefügtes Truthahnfleisch mit diversen Zusatzstoffe: Diphosphate, Natriumcitrate, Natriumacetat, Natriumisoascorbat, Natriumnitrit.    
    17. Smöre Frischkäse Schoko-Creme Petri-Feinkost Frischkäse mit Schokoladen- Imitat, das u. a. aus magerem Kakao (5 %), Zucker und pflanzlichem Öl hergestellt wird.   7
    18. Rote Beeren Mix
    (Getränk)
    Soda-Glub Nur Aroma statt Frucht. Zucker und Süßstoffe statt Fruchtzucker, Farbstoffe zur Vortäuschung des Fruchtgehaltes, Säuerungsmittel (Citronensäure), Säureregulator (Natriumcitrat) statt Fruchtsäure.   8
    19. deit Citro
    (Getränk)
    Vilsa Brunnen Aroma statt Frucht. Süßstoffe statt Fruchtzucker, Säuerungsmittel (Zitronensäure), Säureregulator (Trinatriumzitrat) statt Fruchtsäure.   8
    20. Guacamole Dip El Tequito,
    Einkauf bei LIDL
    Enthält weder Avocados, noch Zitrus- Früchte, Tomate oder Ei. Aber: Wasser, Rüböl statt natürliches Avocadofett, Schmelzkäse- Zubereitung, modifizierte Stärke (als Bindemittel), Zucker, Säuerungsmittel: Citronensäure, Aromen, Verdickungsmittel: Xanthan und Guarkernmehl, Farbstoffe zur Grünfärbung: Beta-Carotin, Brillantblau FCF.   8
    21. Corny Schoko
    (Riegel)
    Schwartau Das ist ein Müsli-Imitat-Riegel, wie Foodwatch feststellte: Er besteht aus kleinen in Form gepreßten Mehlbällchen, verklebt mit pflanzlichem Fett, dazu aus 7 verschiedenen Zuckerarten, Aromen, ein paar Nußspalten und nur 10 % Getreide- Flocken. [mehr]   9
    22. Eis Moskauer Art:
    Eiskrem Sahnegeschmack zwischen 2 Waffeln
    R&R Ice Cream Deutschland GmbH,
    Einkauf bei REWE
    Nix Sahne, aber: Molkenerzeugnis, Glukose-Fruktose-Sirup, entrahmte Milch, Butterreinfett, Weizenmehl, Zucker, Glukosesirup, Emulgatoren, Stabilisatoren, Weizenstärke, Roggenmehl, Aroma, Salz, pflanzliches Fett.    
    23. Bertolli Pesto Verde Unilever Deutschland GmbH Das soll ein Pesto-Klassiker nach „original italienischer Rezeptur“ mit „besten Zutaten“ sein. Aber: „Ein Fingerhut voll Olivenöl mit einigen Pinienkernen, viel undefiniertes ‚Pflanzenöl‘, Cashew-Nüsse, Aroma und Säuerungsmittel“, schreibt der SPIEGEL (Seite 75).    
    24. Kerrygold extra Kerrygold – IDB Deutschland GmbH Zwar kein Imitat, aber ein Butter-Derivat: Ein „Milchstreichfett“, bestehend aus: Butter (63 %), Raps–l (13 %), Wasser und Emulgatoren. Es ist quasi eine Mischung von einfacher Butter, Margarine und Wasser mit einem Fettgehalt von 65 %. [mehr]   13
    25. Christian’s Bäck
    4 Mega-Muffins mit
    Schokoladensplittern
    Radner-Brot GmbH,
    Düsseldorf
    Die enthaltenen Schokostückchen sind ein Imitat. Außerdem enthalten diese Küchlein überreichlich Chemie. [mehr]    
    Es gibt einige Reaktionen der Hersteller, die
    bei der Verbraucherzentrale Hamburg nachzulesen sind.
      1) Es erstaunt schon sehr, daß dieser Markenfabrikant derartigen Murks produziert.
      2) Dieses Käse-Imitat wird oft (nicht gekennzeichnet) in der Gastronomie eingesetzt.
      3) Bei solchem Eis wäre aber Milch oder Sahne zu erwarten.
      4) Schmelzkäse ist schon immer ein ‚Chemie-Produkt‘ gewesen.
      5) Sobald konkrete Produzenten bekannt sind, wird das hier mitgeteilt.
      6) Betrifft Nr.: 12, 13, 21, 22, 23, 24, 25.
      7) Solche Schokoladen-Imitate erinnern sehr an die „Errungenschaften“ in der DDR.
      8) Ist aus Verbrauchersicht ein komplettes „Chemie-Produkt“, was immer im Regal bleiben sollte.
      9) Foodwatch hat dazu eine Beschwerde-Mitmachaktion gestartet.
    10) Emulgatoren: Mono-und Diglyceride von Speisefettsäuren und/oder Sojalecithine.

    11) Stabilisatoren: Johannisbrotkernmehl, Guakernmehl.
    12) Unilever hat im Okt. 2009 auf gewachsenes Putenfleisch (30 %) umgestellt, also kein Imitat mehr.
    13) Propagiert wird die gute Streichfähigkeit, aber ‚gute‘ (reine) Butter schmeckt wesentlich besser.

    Nachgetragen:

    Keiner Schuld bewußt . . .

    BERLIN – 19.7.2009 (khd/sp). Das Schuldbewußtsein der ins Gaga abgedrifteten Lebensmittel- Industrie „hält sich in Grenzen“, berichten die Leute von SPIEGEL-Online, die bei den „Plagiatoren“ nachgefragt haben. Denn die angebotenen Produkte genügen in den meisten Fällen den derzeit geltenden gesetzlichen Ansprüchen. Der SPIEGEL schreibt:

    »Mit den Vorwürfen der Verbraucherschützer konfrontiert, heißt es etwa von der Firma Lorenz Bahlsen, die beanstandeten Inhaltsstoffe seien „eindeutig auf der Packung angeführt“ und damit erkennbar. „Wie es das deutsche Lebensmittelgesetz vorschreibt, steht auf der Vorderseite gut erkennbar Wasabi-Geschmack. Darüber hinaus steht auf der Rückseite klar und deutlich ‚... die nach asiatischem Meerrettich schmeckt‘.“ Man versuche „eindeutig nicht zu vermitteln, daß in dem Produkt echtes Wasabi enthalten ist“.

    Auf Nachfrage werden die von den Verbraucherschützern kritisierten Inhaltsstoffe von kaum einem Unternehmen bestritten. „Die Zusammensetzung unseres Produkts ist ausführlich und deutlich auf dem Etikett aufgedruckt, so daß die Verbraucher sich direkt am Regal darüber informieren können“, lautet der Tenor auch bei Buitoni, Delacre und dem Hersteller von Fol-Epi-Käse, Bongrain.«

    Es zeigt sich also, daß auch die EU-Richtlinien sowie die deutschen Gesetze Murks sind, auch weil diese Zutatenlisten in nur 6- bis 8-Punkt-Schrift für viele Menschen völlig unlesbar und undeutbar sind. Es bestehe nun die Gefahr, daß die Märkte von den Herstellern ‚falscher‘ Billig- Lebensmittel total kaputtgemacht werden, befürchten nicht nur Verbraucherschützer. Deshalb muß schnellstens eine wesentlich schärfere Gesetzgebung von Seiten der Regierung her, die sich dann ausschließlich an den Interessen der Verbraucher orientiert. Die Imitate müssen klar und deutlich als solche gekennzeichnet werden. Schließlich heißt künstlicher Honig auch „Kunst-Honig“ – in Klartext!




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