Living in a City  —  Reports aus Berlin     – Zum Report 4 khd
Stand:  15.2.2012   (4. Ed.)  –  File: Bln/Ex/ICC_soll_weg_6.html


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I n h a l t   d i e s e r   G e s c h i c h t e   a u s   S c h i l d a   (6):

2012/2014 — Das ICC soll verschwinden (6)

Und 2012 soll es nun langsam vor sich hin vergammeln . . .

Internationales Congress Centrum Berlin
^   Berlins einzigartiges und mehrfach preisgekröntes „Internationales Congress Centrum“ (ICC) am Funkturm. Seit 2011 wird Berlin nun überraschend von einer Großen Koalition regiert. Und damit ist wohl die von den LINKEN favorisierte Abrißlösung vom Tisch. Aber man stellte nun fest: Die ab 2014 geplante Sanierung des ICC sei mit 328 Mio. Euro viel zu teuer. Ein neues Kapitel des Schildbürgerstreichs der besonderen Art bahnt sich an. Denn ganz offensichtlich wollen SPD + CDU nun das ICC ‚geordnet‘ vergammeln lassen. Mit dem Vergammelnlassen hat man in Berlin bereits Erfahrung — mit dem „Steglitzer Kreisel“. [Zur Entstehung des ICC]   (Foto: 2004 – mopo)



P L A N L O S E   P O L I T I K

Das ICC wird zu Berlins Alptraumschiff

Soll man das ICC sanieren? Umbauen? Abreißen? Oder gar verrotten lassen? Es gibt viele Ideen und keinen Plan. Jetzt nimmt die Politik mal wieder einen neuen Anlauf.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 12. Februar 2012, 00.00 Uhr MEZ (Berlin). [Original]

BERLIN (Tsp). Auch die Idee, das ICC als Kongresszentrum zu entwidmen und zu einer gigantischen Messehalle umzubauen, wurde wieder verworfen. Dies setzte voraus, dass der Bau entkernt und mit variablen Innenwänden versehen wird. Angesichts der vielen tragenden Bauteile aus Stahl und Beton sei dies "statisch kaum machbar", sagt die ICC-Architektin Ursula Schüler-Witte, die sich für die Sanierung einsetzt. Die Baubehörde des Senats widerspricht dem nicht. Und auch mit dieser aufwendigen und risikoreichen Variante ließe sich kein öffentliches Geld einsparen.

Einen Kaufinteressenten für das 1979 eröffnete und noch immer sehr gut ausgelastete ICC gibt es nicht, das ist seit Jahren ausgelotet. Der Senat könnte das 320 Meter lange "Raumschiff" verrotten lassen, das wäre wohl eine preiswerte Sache. Niemand hat sich bislang getraut, dies ernsthaft zu erwägen.

Also bleibt nur die Sanierung. Stellvertretend für die Berliner Steuerzahler findet es Architektin Schüler-Witte "unverständlich, dass sich die Ermittlung der Sanierungskosten für das ICC über Jahre erstrecken und im Halbjahresabstand immer wieder neue und höhere Kosten genannt werden, die offenbar alle keine nachvollziehbaren Grundlagen haben".

Bis heute sind 1,3 Millionen Euro nur für Gutachten ausgegeben worden. Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (parteilos, für CDU) arbeitet zur Zeit an einer zusammenfassenden Expertise und schließt nicht aus, dass weitere Gutachten folgen werden.

Aber mit welchem Ziel? Wie man hört, erwartet Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) von der Kollegin von Obernitz und der Messegesellschaft ein neues Konzept für das ICC, das seine Verwaltung dann in verbindliche Kostenrechnungen und Baupläne umwandeln kann. Eine Sprecherin der Wirtschaftsverwaltung sagte dazu nur, dass sich die Gespräche noch "in einem Stadium der Meinungsbildung" befänden. Die Messe wiederum fühlt sich von Müllers Erwartungen nicht angesprochen. "Wir haben unsere Hausaufgaben längst gemacht", sagte Messesprecher Michael Hofer. Schon in der vergangenen Wahlperiode habe das Unternehmen einen detaillierten Bedarfsplan für die künftige Nutzung des Kongressgebäudes vorgelegt. Alles weitere sei Angelegenheit des Eigentümers – und nicht des Pächters.

Die Regierungsfraktionen von SPD und CDU zucken vorerst nur ratlos mit den Schultern und sichern sich gegenseitig zu, dass der Koalitionvertrag in Sachen ICC gilt. In einer Woche treffen sich dem Vernehmen nach die Vorsitzenden des Wirtschafts- und des Hauptausschusses im Abgeordnetenhaus mit den fachlich zuständigen Senatoren Müller und von Obernitz. Ende Februar beginnen im Parlament die Haushaltsberatungen für 2012/13, die bis zur Sommerpause abgeschlossen sein sollen. Spätestens dann muss ein bezahlbares Sanierungskonzept vorliegen, wenn die Bauarbeiten wie geplant 2014 beginnen sollen.

Mehr zu diesem Thema:
[24.12.2011: Die ICC-Luxusvariante kostet 328 Millionen Euro]  (DER TAGESSPIEGEL)
[00.00.2011: Deutschlandhalle: Kleckern statt klotzen am Messegelände]  (DER TAGESSPIEGEL)
[00.00.2011: SPD-Politiker: ICC notfalls teilsanieren]  (DER TAGESSPIEGEL)




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