Diese Spezial-Seite ist eine Ergänzung zu einem Berlin-Report, in dem über interessante Berliner Ereignisse berichtet wird. Dazu werden hier einige ausgewählte und besonders nützliche Artikel und andere Texte gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert. Manches ist auch mit [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.
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I n h a l t d i e s e r G e s c h i c h t e a u s S c h i l d a (2):
- Ältere Dokumentationen (1. Teil).
- 18.12.2005: Eine Weltmarke wird demontiert.
- 21.12.2005: Senat vertagt ICC-Entscheidung.
- 28.12.2005: Senat vertagt Entscheidung über ICC-Abriss.
- 29.12.2005: Privatisierung nicht um jeden Preis.
- 04.01.2006: IFA lässt Messe Berlin wachsen.
- 07.01.2006: Schaffe, schaffe, Eishalle baue. (Kommentar)
- 07.01.2006: Messe will für Eishockey eine Halle bauen.
- 09.01.2006: Vom Palast zum Volks-ICC. (Glosse)
- 10.01.2006: Bauexperten warnen vor dem Abriß des ICC.
- 24.01.2006: Kongresszentrum: Neubau ja, doch der Geldgeber fehlt.
- 25.01.2006: Abriß des ICC: Senat fordert weiteres Gutachten.
- 27.01.2006: Senator Wolf will Deutschlandhalle schnell wieder für Eissport öffnen.
- 30.01.2006: Grüne fordern Denkmalschutz für das ICC.
- 31.01.2006: Chance für Deutschlandhalle.
- 06.02.2006: Abschlussgutachten zum Dach der Deutschlandhalle.
- 10.02.2006: Deutschlandhalle wird in 14 Tagen wieder geöffnet.
- 11.02.2006: Träger sollen das Dach stützen.
- 11.02.2006: Eissportler können zurückkehren.
- 05.03.2006: Raumschiff oder Traumschiff?
- 11.03.2006: ICC wieder als weltweit führendes Konferenzzentrum ausgezeichnet.
- 14.03.2006: Preisgekrönt, aber vom Abriss bedroht.
- 14.03.2006: Keine Überlebensgarantie.
- Weitere Dokumentationen (3. Teil).
| 2005/2006 Das ICC soll verschwinden (2) |
Eine Weltmarke wird demontiert
Das ICC holt die größten Kongresse nach Berlin und bringt Geld in die Stadt. Die Abriss-Debatte schadet enorm, sagen Fachleute.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 18. Dezember 2005, Seite 9 (Berlin) von MATTHIAS OLOEW. [Original]Als Walter Scheel am 2. April 1979 die langen Flure und riesigen Foyers sieht, drei Rolltreppen hochfährt, um im großen Saal anzukommen, und schließlich die endlosen Sitzreihen abschreitet, steht sein Eindruck fest: Was für ein Koloss! Voller Überzeugung sagt der Bundespräsident in seiner Ansprache zur Eröffnung: Dieses Congress Centrum hat gute Chancen, hier noch zu stehen, wenn die Cheopspyramide längst verwittert ist.
Tatsächlich ist der Bau nicht nur wegen seiner Abmessungen ein Superlativ. 320 Meter lang, 88 Meter breit und 40 Meter hoch: In diese Ausmaße passen zwei riesige Säle, die zusammengelegt auch 26 Jahre später noch die größten Europas sind, sowie 80 weitere Kongresssäle. Außerdem: eine Großküche, ein Parkhaus, und eine Bühne, deren Fläche größer ist als ein Tennisplatz. Am Ende des Jahres 2005 aber steht das ICC zur Disposition.
Der Senat hat seine für Dienstag [20.12.2004] angekündigte Entscheidung über die Zukunft des Hauses zwar vertagt. Die Diskussion geht trotzdem weiter. Und gerade die ist es, die nach Ansicht von Berlins oberstem Tourismusförderer Hanns-Peter Nerger dem Ruf Berlins als führende Kongressstadt schade. Die Debatte beschädige die weltweit bekannte Marke ICC und hätte unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden sollen, so der Chef der Berlin Tourismus Marketing (BTM). So wird sie von anderen Messegesellschaften genutzt, die mit dem Hinweis auf eventuelle Planungsunsicherheiten in Berlin ihre eigenen Hallen anpreisen. München gilt als sehr offensiv. Unterstützt wird Nerger von Willy Kausch. Er hat die größten Medizinerkongresse im ICC organisiert, gilt weltweit als Kongress-Experte und er sagt: Die Spekulationen sind enorm schädlich.
Warum gibt es sie dann? Entstanden sind sie, weil der Messegesellschaft die Unterhaltung des ICC zu teuer geworden ist. Sieben bis acht Millionen Euro muss die Messe jährlich zuschießen. Zugleich aber betonte Messe-Vorstand Raimund Hosch im Juni 2005 die positiven Folgen für Berlin: Auch wenn der Unterhalt des ICC sehr kostenintensiv ist, rechnet sich der Betrieb eines großen Kongresszentrums allein schon aus makroökonomischen Gründen für die Stadt. Hosch rechnet vor: Jedes Jahr fließen durch die auswärtigen ICC-Besucher 120 Millionen Euro an Kaufkraft in die Stadt.
Kongresszentren sind nicht wirtschaftlich zu betreiben. Fachleute wissen: Keine Stadthalle in Deutschland kommt ohne Zuschuss aus. Auch die neue von der Messegesellschaft vorgeschlagene Kongresshalle anstelle der Deutschlandhalle werde Folgekosten produzieren. Willy Kausch: In einer solchen Halle werden Kongresse teurer, weil es deutlich mehr Aufwand bedeutet, dort einen Plenarsaal einzubauen. Der ist im ICC schon installiert. Auch deshalb ist es Kausch gelungen, für 2008 3 riesige Medizin-Kongresse mit insgesamt fast 40.000 Teilnehmern ins ICC zu lotsen darunter den Welt-Bluthochdruck-Kongress und den Weltkongress für Genetik.
Für Kausch hat die Kongressstadt Berlin und der Standort ICC unschlagbare Vorteile. Erstens: die Lage mitten in der Stadt. In anderen Städten müsse man in vergleichbar großen Kongresszentren vor den Toren tagen. Und zweitens: die Symbiose zwischen den besten Hotels Europas und den günstigen Preisen. Berlin ist ein Käufer-Markt, sagt Kausch. Nicht Hoteliers bestimmten die Preise, sondern die Kongressveranstalter Folge des Überangebots von Luxus-Hotelbetten. Das ist ein Riesen-Vorteil gegenüber anderen Städten, sagt Kausch. Das könne nur gesteigert werden durch ein 1000-Zimmer Vier-Sterne-Hotel direkt am ICC. Damit wäre Berlin unschlagbar.
Trotzdem steht ein Abriss im Raum. 30 Millionen würde das kosten, sagen die Gutachter. Viel zu wenig, entgegnet Heinz Oeter. Der Ingenieur war viele Jahre Geschäftsführer der Berliner Niederlassung von Krupp-Stahlbau und überwachte den Bau der Stahlkonstruktion beim ICC. Er schätzt die Abrisskosten wegen der massiven Betonkonstruktion auf 90 Millionen Euro. Allein der Abriss der 11 000 Tonnen schweren Stahlkonstruktion, die von 50.000 Schrauben gehalten werde, kostet nach Oeters Berechnung 13 Millionen Euro. Mit einem oberflächlichen Abriss sei es schließlich nicht getan, so Oeter. Das ICC hat 2 Kellergeschosse unterhalb des Niveaus der Autobahn. Das bedeute: Die Baugrube müsse massiv abgesichert werden, damit die Autobahn und der Messedamm nicht absackten. Der Messedamm müsse für die Dauer eines Abrisses komplett gesperrt werden.
ICC-Architekt Ralf Schüler hat in einem Brief an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) außerdem auf die asbesthaltigen Zement-Platten hingewiesen, die im Gebäudekern verbaut sind. Diese seien so lange ungefährlich, wie man sie in Ruhe lasse. Ein Abbruch aber würde ebenso gefährliche Fasern freisetzen wie der lose Spritzasbest, der im Palast der Republik gefunden wurde. Eine aufwändige Asbest- Sanierung des ICC sei die Folge, die laut Schüler noch einmal 80 Millionen Euro verschlingen könnte.
Auch Heinz Oeter hat seine Bedenken per Brief an den Senat geschickt. Die Antwort: Klaus Wowereit ließ ausrichten, die Abrisskosten seien von einem neutralen Gutachter geprüft, sagt Oeter und schüttelt den Kopf. Es sind dieselben, die auch die ICC-Ersatzhalle bauen wollen. Das ist niemals neutral!
Aber nun droht der Abriß . . .
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Berlins Internationales Congress Centrum (ICC) am Funkturm. Aber geht es nach einfältigen Stadtpolitikern, dann soll es demnächst abgerissen werden. Den Messe-Managern ist das ICC im Betrieb zu teuer. Ein Schildbürgerstreich der besonderen Art bahnt sich an. (Foto: 2004 mopo) [Zur Entstehung des ICC]
]Senat vertagt ICC-Entscheidung
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 21. Dezember 2005, Seite 9 (Berlin). [Original
BERLIN (oew). Der Senat wird voraussichtlich am 10. Januar über die Zukunft des ICC entscheiden. Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) hatte bei der Sitzung am gestrigen Dienstag keine Vorlage eingebracht, die geplante Diskussion entfiel somit.
Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) erklärte am Rande der Sitzung, Berlin brauche ein konkurrenzfähiges Kongresszentrum. Das könne das ICC sein. Das Problem seien jedoch die Sanierungskosten: Die technische Infrastruktur ist außerordentlich überholungsbedürftig, sagte sie dem Tagesspiegel [Ed: hm, eine ordentlich wirtschaftende ‚Firma‘ hätte für diesen Fall Jahr für Jahr entsprechende Rücklagen gebildet nicht so Berlins Senat, was aber auch an dem anachronistischen kameralistischen System der öffentlichen Haushalte liegen mag]. [weiter]
Senat vertagt Entscheidung über ICC-Abriss
Private Investoren interessieren sich für das Kongresszentrum am Funkturm und wollen einen Freizeit-Tempel daraus machen.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 28. Dezember 2005, Seite 9 (Berlin). [Original]
BERLIN (Tsp). Der Senat wird anders als bislang angekündigt auch in seiner ersten Sitzung im neuen Jahr nicht über die Zukunft des ICC entscheiden. Der Bericht von Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) über die Ergebnisse zweier Gutachten, auf dessen Grundlage die Senatoren entscheiden wollen, ist noch nicht terminiert, bestätigte eine Sprecherin am Dienstag [27.12.2005].
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Noch strahlt es das ICC am Funkturm. (Foto: 12.2005 Tsp)
Unterdessen haben offenbar private Investoren am ICC Interesse angemeldet. Die Verwaltung erklärte dazu auf Nachfrage, dieses Angebot sei ihr nicht bekannt. Von der Messegesellschaft war keine Stellungnahme zu erhalten.
Geplant war, dass Wolf bereits in der letzten Senatssitzung dieses Jahres in der vergangenen Woche seinen ICC-Bericht vorlegt. Dann wurde der Termin in den Januar verschoben. Jetzt ist wieder offen, wann der Senat entscheidet.
Der Wirtschaftssenator ließ durchblicken, er glaube nicht, dass die Zukunft der Kongressstadt Berlin an der Existenz des ICC hänge. "Internationale Kongresse finden wegen Berlin statt und nicht wegen des ICC", sagte er dem Tagesspiegel. Zu den Angeboten der Investoren oder den Betriebskosten des Kongresszentrums, die als Grund für einen möglichen Abriss genannt werden, wollte Wolf sich nicht äußern. Stattdessen sagte er: "Ich gehe davon aus, dass es immer ein Kongresszentrum in Berlin geben wird, das den modernsten Ansprüchen genügt."
Das Investoren-Angebot sieht nach Tagesspiegel-Informationen so aus: Sie übernehmen das ICC und stellen es der Messegesellschaft so lange zur Verfügung, bis das neue, von der Messe geplante Kongresszentrum anstelle der Deutschlandhalle fertig ist. Erst dann soll das ICC umgebaut werden, zu einem Veranstaltungszentrum mit Konzerthalle und Fitnessbereichen inklusive Hotel.
CDU und Grüne im Abgeordnetenhaus haben sich erneut gegen einen Abriss des Gebäudes ausgesprochen. "Das ist undenkbar, solange kein Raumprogramm für die neue Kongresshalle auf dem Tisch liegt", erklärt Uwe Goetze, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU. Er kritisierte die Messegesellschaft, die beim ICC jahrelang von der Substanz gelebt habe, ohne in die Instandsetzung zu investieren: "Jetzt ist das Haus heruntergewirtschaftet." Goetze vermutet, dass Senat und Messe mit "gezinkten Karten spielen" [Ed: das hieße ja, der Senat und die Messe lügen...]: "Alle Zahlen für Neubau oder Sanierung müssen veröffentlicht und diskutiert werden." [Ed: nicht nur die Zahlen die kompletten Gutachten müssen schleunigst ins Internet gestellt werden, was ja wohl im Zeitalter von PDF-Dateien und der bevorstehenden AH-Wahl kein Problem darstellen sollte].
Nach Meinung der Grünen drohe auf dem von der Autobahn und dem Messedamm umgebenen Gelände eine Stadtbrache. Sie fordern stattdessen, das ICC bei laufendem Betrieb umzubauen, danach würden sich die Betriebskosten nur wenig von einem Neubau unterscheiden. Eine andere Nutzung des ICC sei aufgrund der Lage und der baulichen Gestaltung des Hauses nicht vorstellbar.
Auch die FDP bezweifelt, ob die Kosten für einen Kongress-Neubau seriös gerechnet sind, hält aber die hohen Betriebskosten für das ICC weder für die Messe noch für das Land tragbar. Ihr wirtschaftspolitischer Sprecher Volker Thiel fordert, alle Zahlen und Angebote zum ICC offen zu legen und zu prüfen. Zuschüsse des Landes zum Betrieb des ICC lehnt er ab: "Damit darf der Haushalt nicht belastet werden."
Privatisierung nicht um jeden Preis
Senat will Konkurrenz von ICC und geplanter neuer Kongresshalle vermeiden.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 29. Dezember 2005, Seite ?? (Berlin) von MATTHIAS OLOEW. [Original]BERLIN (Tsp). Die Wirtschaftsverwaltung steht einer Privatisierung des ICC aufgeschlossen gegenüber wenn es langfristig nicht mehr als Kongresszentrum genutzt wird. Es ist vieles vorstellbar, das in diesem massiven Baukörper untergebracht werden könnte, sagte Staatssekretär Volkmar Strauch (SPD) dem Tagesspiegel.
Eine Nutzung als Kongresszentrum komme nur so lange infrage, bis eine geplante neue Kongresshalle fertig gestellt ist. Danach soll das ICC anders genutzt werden, um der neuen Halle keine Konkurrenz zu machen. Nach Tagesspiegel-Informationen haben private Investoren Interesse am ICC angemeldet, um daraus einen Freizeit- und Vergnügungsbau mit Showbühne zu machen. Von diesen Plänen weiß Strauch nichts: Aktuell gibt es keine Gespräche. Das solle erst nach der Beratung im Senat geschehen. Das gelte auch für die Modalitäten, zu denen das ICC an eventuelle Investoren abgegeben werde. Die Messegesellschaft favorisiert eine Privatisierungs- Lösung, zum Beispiel als Einkaufszentrum. Zu diesen Plänen wollte sich Strauch nicht äußern.
Strauch kündigte an, dass der Senat sich definitiv noch im Januar mit dem ICC beschäftigen werde. Wie berichtet, wird der Senat das allerdings nicht wie angekündigt in der ersten Sitzung im neuen Jahr tun. Damit ist der Termin ein zweites Mal verschoben worden. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Senat und Messegesellschaft Gedanken um die Zukunft des ICC machen. Vor fünf Jahren sollten rund um das ICC Hotels und ein Entertainment- Center entstehen, um den Kongress-Standort zu sichern und auszubauen. Die Stadtentwicklungsverwaltung hat daraufhin Bebauungspläne aufgestellt und einen städtebaulichen Ideenwettbewerb durchgeführt. Das Ergebnis: Nördlich des ICC sollte ein Hotel mit 600 Zimmern entstehen und am Hammarskjöldplatz, vis-à-vis dem Haus des Rundfunks, ein Hotelturm mit 300 Zimmern. Die Hotelpläne sind inzwischen allesamt vom Tisch, die städtebaulichen Entwürfe damit obsolet. Nach Angaben von Staatssekretär Strauch habe damals ein spanischer Investor Bedingungen gefordert, die Senat und Messegesellschaft nicht akzeptieren wollten. Kern sei eine Zusicherung gewesen, dass die Messe nie geschlossen werde. Das habe Berlin nicht unterschreiben wollen.
Die Messegesellschaft favorisiert den Neubau einer Kongresshalle, die bei Bedarf mit bestehenden Messehallen verbunden werden könnte. Das wäre ähnlich wie in Frankfurt am Main. Die dortige Kongresshalle ist viel kleiner als das ICC, kann aber mit einer Messehalle verbunden werden. In Berlin sind das ICC und die Messehallen nur durch eine Brücke verbunden.
In den Frankfurter Gebäudekomplex ist außerdem ein Hotel der Kette Maritim integriert mit 543 Zimmern. Das Hotel ist Kooperationspartner der Frankfurter Messegesellschaft und kann das Kongresszentrum bei großen Veranstaltungen nutzen.
IFA lässt Messe Berlin wachsen
Umsatz steigt auf 130 Millionen Euro
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 4. Januar 2006, Seite ?? (Wirtschaft). [Original]BERLIN (alf). Wegen zusätzlicher Veranstaltungen und der Internationalen Funkausstellung (IFA), die es im Jahr zuvor nicht gab, hat die Messe Berlin 2005 ihren Umsatz steigern können. Die landeseigene Gesellschaft teilte am Dienstag [3.1.2006] mit, die Erlöse seien um 9 Millionen auf 130 Millionen Euro gestiegen. Zum Ergebnis machte die Messe keine Angaben, es wird aber schätzungsweise ein Fehlbetrag von 6 Millionen Euro angefallen sein. Aber spätestens 2008 muss die Messegesellschaft ein positives Ergebnis erreichen. Das sieht eine Grundlagenvereinbarung mit dem Senat vor. Ferner sagt darin das Land eine Unterstützung von 65 Millionen Euro für den Zeitraum 2004 bis 2008 zu, mit der ein Teil der Immobilienkosten der Messe ausgeglichen wird. Nach früheren Angaben macht die Messe im Veranstaltungsgeschäft einen Gewinn von rund 10 Millionen Euro, der jedoch von den Aufwendungen für die Liegenschaften, darunter das ICC, überkompensiert wird.
Wegen Unwirtschaftlichkeit und Instandhaltungskosten möchte die Geschäftsführung der Messe ein neues Kongresszentrum an der Stelle der Deutschlandhalle bauen. Das ICC würde dann abgerissen oder von einem anderen Betreiber genutzt. Der Senat wird womöglich auf seiner nächsten Sitzung am 10. Januar über das ICC entscheiden. Falls ein neues Kongresszentrum und eine neue Eishalle als Ersatz für die Deutschlandhalle gebaut werden sollten, wird das ICC dennoch bis voraussichtlich 2009 in Betrieb bleiben. Zu 654 Tagungen kamen 2005 rund 170.000 Teilnehmer ins ICC. Den Kaufkraftzufluss [für Berlin] beziffert die Messe mit 120 Millionen Euro [Ed: was rund 15,6 Mio. Euro an Umsatzsteuereinnahmen bewirkt haben dürfte (Annahme: 1/3 x MwSt 7 % + 2/3 x MwSt 16 %), womit stadtökonomisch problemlos die ICC- Mehrkosten bezahlbar sind q.e.d.].
Rund 1,8 Millionen Personen besuchten die 84 Messen in den Hallen unterm Funkturm. Erstmals gab es die Herrenmodemesse B-in-Berlin, die Informationstechniktagung IT Profits sowie eine Fachmesse für Druckereitechnik. Für dieses Jahr kündigt die Messegesellschaft die Damenmodemesse 5th Floor als Neuheit an.
Schaffe, schaffe, Eishalle baue
[Ed: Nicht nur] Jan Thomsen wundert sich über die Lust der Messe zum Bau neuer Eislaufflächen.
Aus: Berliner Zeitung, 7. Januar 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]Holiday on Ice ist bestimmt eine schöne Show aber sie ist keine Messe. Die Eisbären sind bestimmt bald Deutscher Meister aber keine Messe. Eislaufen ist bestimmt ein toller Sport aber leider auch keine Messe.
Man muss das wohl ein paar Mal wiederholen. Denn die Messe Berlin ein komplett landeseigener Betrieb, zuständig (wie der Name schon andeutet) für die Ausrichtung von Messen in Berlin will nun großzügig Eisflächen bauen. Erst eine Freiluftfläche vor der Deutschlandhalle, später eine kleine Halle unweit der Waldbühne, alles zusammen voraussichtlich für eine Millionensumme. Das ist nett von der Messe, könnte man denken. Aber was steckt dahinter?
Wohl nur eines: Das Ende der Deutschlandhalle. Die hatte ihr Existenzrecht zuletzt nur noch durch das Eis, das seit 2001 in ihr liegt. Nun hat die Kälte das Dach beschädigt und die Messe möchte an derselben Stelle gern ein Kongresscenter bauen, das zugleich das ICC ersetzen würde. So. Dies traut sich niemand so klar zu sagen, weil in Berlin alles funktional Überflüssige stets tränenreiche Traditionsbeschwörungen auslöst. Also behauptet die Messe, nichts mehr als den Eissport zu lieben [Ed: und deshalb hier auch schon mal die ansonsten beim ICC-Betrieb ‚so wichtige‘ Betriebswirtschaftlichkeit außen vor lassen zu können]. Und verkauft damit nicht nur die eislaufenden Berliner für blöd. [mehr]
Messe will für Eishockey eine Halle bauen
Aus für Deutschlandhalle scheint besiegelt.
Aus: Berliner Zeitung, 7. Januar 2006, Seite 20 (Berlin). [Original]BERLIN. In den nächsten Tagen soll auf dem Parkplatz vor der Deutschlandhalle eine Eis-Freiluftanlage für den Eishockey-Sport entstehen. Nach der Fußball- Weltmeisterschaft im Sommer könnte dann in weniger als einem Jahr eine neue Eissport-Halle in der Nähe der Waldbühne auf dem Parkplatz P 9 entstehen. Finanziert, gebaut und betrieben werden die Anlagen von der landeseigenen Messe GmbH. So sieht eine Einigung zwischen dem Landessportbund, der Messe und der Senatssportverwaltung aus, die gestern veröffentlicht wurde.
Das könnte die Lösung für den seit vergangenen August hallenlosen Eishockey-Sport im Westteil der Stadt sein, sagte der Sprecher des Landessportbundes Dietmar Bothe am Freitag [6.1.2006]. Seit die Deutschlandhalle wegen der möglichen Einsturzgefahr der Decke gesperrt ist, kann die Eisfläche nicht mehr genutzt werden. Die Eissportler mussten vor Jahren in die Deutschlandhalle umziehen, weil ihre Halle an der Jafféstraße abgerissen wurde, um an gleicher Stelle den Messeeingang Süd bauen zu können.
"Nach dem Unglück in Bad Reichenhall hat die Messe angekündigt, besonders genau das Dach untersuchen zu wollen", sagte Bothe. Das kostet aber Zeit, die die Eissportler nicht haben, die mitten in der Saison stecken. Die Eisfläche vor der Deutschlandhalle sei daher ein schnelles Provisorium, um die Saison einigermaßen geregelt zu Ende bringen zu können, sagte Bothe. Sobald die Temperaturen über 20 Grad stiegen, könne die Anlage nicht mehr genutzt werden. Daher sei es wichtig, dass eine neue Halle gebaut wird. Wo die Sportler in der nächsten Saison trainieren und spielen können, wenn die Deutschlandhalle nicht wieder geöffnet wird die Messe möchte sie gerne abreißen, um ein neues Kongresscenter zu errichten und die neue Halle noch nicht fertig ist, ist noch unklar.
Der Messe gehe es darum, für den Eissport eine dauerhafte Lösung zu finden, sagte Messe- Sprecher Wolfgang Wagner. Das sei nun ein Angebot. Ob es so umgesetzt werde, hänge von Land und Bezirk ab. Denn die betroffenen Flächen gehörten nicht der Messe.
Vom Palast zum Volks-ICC
Brenda Strohmaier über neue, futuristische Nutzungsmöglichkeiten des Congress Centrums.
Aus: Berliner Zeitung, 9. Januar 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]In Stuttgart flippen die Leute aus, wenn sie das Raumschiff sehen", so war es kürzlich hier in dieser Zeitung zu lesen. Gemeint ist das ICC, die Lobeshymne stammt von zwei schwäbischen Architektinnen, die das Gebäude zu einem der schönsten Berlins erklärten. Und was tun wir trotteligen Berliner, vertreten durch die landeseigene Messegesellschaft? Wir überlegen, das Ding zu verscherbeln, an irgendeine Firma, die ein "Lifestylezentrum", daraus machen will. Was bitte soll das sein, ein Lifestylezentrum? Eine Konzerthalle mit Kegelbahn? Eine Beautyfarm mit Wellnessbereich? Nein, das klingt nicht gut, eher nach Tropical-Island-Investition.
Dann sollte der Senat doch lieber rechtzeitig den Abriss beschließen. Wirklich. Dann könnte man endlich die Heizung abstellen und auf die Zwischennutzer warten. Das ist, wie der Palast der Republik ja bestens beweist, schließlich eine äußerst bewährte Strategie in Berlin, um ein tolles Nutzungskonzept für ein denkwürdiges Gebäude zu finden. Die Leute vom "Volkspalast", die das alte DDR-Gebäude so kreativ bespielt haben, dürften doch jetzt etwas Zeit haben für eine neue Aufgabe.
Keine Ideen mehr? Zu Beginn könnte man mit Altbewährtem auffahren. Bestimmt lässt sich auch im ICC hervorragend Schlauchboot fahren oder Bergsteigen. Ein Schild "Zweifel" wäre wie damals am Palast auch im Westen gut angebracht. Vielleicht kann man noch ein paar Clubs anlocken, diese Meister der Zwischennutzung. Für sie wird der Platz im Osten ohnehin knapp. Ein paar Bars dazu und fertig wäre ein echtes Lifestylezentrum. Wer muss da noch um den ollen DDR-Kasten trauern, wenn er in das schöne ICC-darf? Und das Beste: Der Abriss wird nicht eilen. Noch ein Schloss braucht man im ICC-Bezirk Charlottenburg garantiert nicht.
Bauexperten warnen vor dem Abriß des ICC
Aus: Berliner Morgenpost, 10. Januar 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN. In der Debatte um die Zukunft des defizitären Internationalen Congress Centrums (ICC) in Berlin haben Bauexperten vor einem Abriß gewarnt. Eine Sanierung des Gebäudekomplexes sei wirtschaftlich und bautechnisch sinnvoller, teilten Baukammer Berlin, Verband der Beratenden Ingenieure und Architekten- und Ingenieur- Verein am Montag [9.1.2006] mit. Ein Abriß würde geschätzt bis zu 130 Millionen Euro kosten. Der Senat sucht Investoren, die das ICC wirtschaftlich betreiben könnten. Andernfalls wird ein Abriß nicht ausgeschlossen.
Kongresszentrum: Neubau ja, doch der Geldgeber fehlt
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 24. Januar 2006, Seite ?? (Berlin) von ULRICH ZAWATKA-GERLACH. [Original]BERLIN (Tsp). Der Senat berät heute, ob das ICC durch ein neues Kongresszentrum auf dem Grundstück der Deutschlandhalle ersetzt werden soll. Beschlossen wird aber nichts. Grundlage der Diskussion ist ein Konzept von Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei), in dem ein Neubau als die wirtschaftlichste Lösung favorisiert wird. Das ICC soll zur Nachnutzung durch private Investoren ausgeschrieben werden. Den Einzelhandel will Wolf allerdings ausschließen, mit Rücksicht auf die Einkaufsquartiere in der West-City. Wer den Bau des neuen Kongresszentrums bezahlen soll, wird in der zum Verdruss der SPD-Fraktion bislang geheim gehaltenen “Besprechungsunterlage³ des Wirtschaftssenators nicht verraten.
Eine Finanzierung aus dem Landeshaushalt schließt Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) kategorisch aus, bestätigte dessen Sprecher Matthias Kolbeck. Als weitere Möglichkeiten wird in Wolfs Konzept eine öffentlich-private Mischfinanzierung genannt. Alternative: Die Messe GmbH müsste den Neubau aus ihrer Kasse bezahlen. Doch die hat kein Geld. Offen bleibt auch die Frage, ob sich für das ICC tatsächlich ein Investor finden lässt, der den 1973 gebauten Koloss nutzen will. Die Fachleute in den Koalitionsfraktionen SPD und Linkspartei glauben nicht so recht daran. Am Ende bleibe wohl nur der Abriss. Doch niemand will sich damit zitieren lassen. Zumal im Wahljahr 2006 noch ein zweites West-Berliner Baudenkmal zur Disposition steht: die Deutschlandhalle. Sie wird, wenn sich Wolf durchsetzt, 2008/09 abgerissen, bevor das neue Kongresszentrum frühestens 2009 in Betrieb genommen und das ICC vom Netz genommen wird. Als Ersatz ist der Bau einer neuen Eissporthalle an der Glockenturmstraße für 11 Millionen Euro geplant. Wer das bezahlen soll, steht auch in den Sternen. Die Haushälter der Koalition sehen das Projekt äußerst skeptisch, der Hauptausschuss des Parlaments wird am Mittwoch über die Zukunft des überdachten Eissports debattieren.
Wolf bleibt dabei: Ein neues Kongresszentrum sei für etwa 60 Millionen Euro zu haben, während die Sanierung und der Umbau des ICC ein Mehrfaches kosten würden. Er stützt sich auf ein Gutachten des Beratungsunternehmens Convis, das die Zahlen einer Machbarkeitsstudie des Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner aus dem Jahr 2005 weitgehend bestätigt. Der Senat wird frühestens Mitte Februar einen Beschluss fassen.
Abriß des ICC: Senat fordert weiteres Gutachten
Aus: Berliner Morgenpost, 25. Januar 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN (sz). Der Senat hat die Entscheidung zur Zukunft des Internationalen Congress Centrums (ICC) vertagt. In vertraulicher Sitzung wurde die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen mit einem weiteren Prüfauftrag bedacht. Mit dem Gutachten soll geklärt werden, wieviel ein Abriß des ICC kosten würde. Wie berichtet, ist bisher angedacht, auf dem Gelände der dann abgerissenen Deutschlandhalle ein neues Kongreßzentrum zu bauen. Bis es fertig ist, soll der Betrieb im ICC weiterlaufen. Danach ist geplant, einen Investor für das sanierungsbedürftige Haus zu finden.
Senator Wolf will Deutschlandhalle schnell wieder für Eissport öffnen
[Ed: wenn da mal nicht die Messe-Gesellschaft dagegen ist und sich was Neues einfallen läßt]
Aus: Berliner Morgenpost, 27. Januar 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN. Die Deutschlandhalle soll nach den Worten von Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei.PDS) so schnell wie möglich für den Eissport wieder eröffnet werden. Wolf wies gestern im Abgeordnetenhaus den Vorwurf zurück, die gegenwärtige Schließung stehe in Zusammenhang mit Plänen zum Bau eines neuen Messe- und Kongreßzentrums am Platz der Deutschlandhalle, die dafür abgerissen werden solle. Die Wiedereröffnung der maroden Halle hänge vom Gutachten der Bundesanstalt für Materialprüfung ab, das Anfang nächster Woche vorliege, so der Senator. [mehr]
Grüne fordern Denkmalschutz für das ICC
Aus: Berliner Zeitung, 30. Januar 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]CHARLOTTENBURG (el). Die Grünen im Bezirksparlament fordern, das Internationale Congress Centrum (ICC) unter Denkmalschutz zu stellen. Das Bezirksamt soll die Unterschutzstellung beim Landesdenkmalamt beantragen, um einen geplanten Abriss zu verhindern. Sybille Centgraf, baupolitische Sprecherin der Fraktion: "Es handelt sich um ein Wahrzeichen des Berliner Westens, das als Denkmal erhalten werden sollte." Das ICC war 1979 als größtes Kongresszentrum Europas eingeweiht werden. Über den Antrag wird die BVV im Februar abstimmen.
Chance für Deutschlandhalle
Sport-Staatssekretär Härtel rechnet nur mit kleinem Sanierungsaufwand.
Aus: Berliner Morgenpost, 31. Januar 2006, Seite ?? (Bezirke). [Original]CHARLOTTENBURG (bsm/schoe). Die Öffnung der Deutschlandhalle für den Eissport hängt davon ab, wie die abschließende Prüfung der Dachplatten ausfällt. Die Ergebnisse lagen der Messe gestern noch nicht vor. Sie rechne aber in Kürze damit, sagte Messe-Sprecher Michael T. Hofer. Entschieden werden müsse dann noch, wer für die Sanierung aufkomme.
"Das ist doch zum Irrewerden. Es kommt immer wieder etwas Neues, das die Öffnung verzögert. Diese Hinhaltetaktik aller Verantwortlichen ist kinder- und sportfeindlich", kritisierte der Vorstand des ECC Preußen, Rainer Prinz.
Vorgeschichte: Die Messe Berlin ließ die Halle im August aus Sicherheitsgründen sperren. Seitdem fehlen den Eissportlern ihre Trainings- und Spielmöglichkeiten.
Das Dach der Deutschlandhalle hatte im November einen groß angelegten Belastungstest bestanden. Bei einigen wenigen der 5500 Platten ergab die anschließende Begutachtung, daß sie eventuell ausgebaut oder abgesichert werden müßten. Das prüft jetzt die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung. Staatssekretär Thomas Härtel rechnet nur mit kleineren Sicherungsmaßnahmen, die die Messe vermutlich aus baulichen Unterhaltungsmitteln bestreiten könne. "Wenn alle sicherheitsrelevanten Bedingungen erfüllt sind und die Versicherung den Schutz wieder übernommen hat, kann die Halle sofort geöffnet werden", sagte Christoph Lang, Sprecher der Senatswirtschaftsverwaltung. Er dementierte damit Berichte, nach denen die Halle in den nächsten 2 Monaten nicht geöffnet werde.
Wie berichtet, überlegt das Land unabhängig von der aktuellen Lage auf dem Gelände der Deutschlandhalle ein neues Kongreßzentrum zu bauen. Ein ICC-Abriß wird nicht ausgeschlossen. In der Debatte um Abriß, Nachnutzung oder Erhalt des Internationalen Kongreßzentrums hat sich die SPD grundsätzlich für den Erhalt ausgesprochen. "Es ist eine Ikone der Stadt", sagte der SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz vor kurzem im Abgeordnetenhaus. Allerdings dürfe es keine voreilige Entscheidung geben. Erst einmal müsse genau geguckt werden, welche Kosten für eine Sanierung oder den Abriß anfallen würden. Auch die Bezirksverordneten haben sich gegen einen ICC-Abriß ausgesprochen. Die Grünen fordern, "das Wahrzeichen des Berliner Westens als Denkmal zu erhalten". [mehr]
Abschlussgutachten zum Dach der Deutschlandhalle
Messe erwartet am Mittwoch Expertenurteil / Sprecher: Kein Aus für den Eissport
Aus: Berliner Zeitung, 6. Februar 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN (el). Es ist absehbar, dass die Deutschlandhalle geöffnet wird und dem Eissport wieder zur Verfügung steht", sagt Michael Hofer, Sprecher der Messe Berlin. Er begründet das mit Forderungen der Senatssportverwaltung. Auf einen Zeitpunkt will sich Hofer aber nicht festlegen. Am Mittwoch [8.2.2006] erwartet die Messe von der Bundesanstalt für Materialforschung das Abschlussgutachten zum Zustand der Dachplatten. Wie berichtet, war die Halle im August von der Messe gesperrt worden, weil Gutachter die Gefahr gesehen hatten, dass Dachplatten herunterfallen könnten. Seitdem müssen etwa 600 Eissportler auf andere Sportstätten ausweichen.
Trotz eines gelungenen Belastungstests Ende November hatte die Messe weitere Untersuchungen in Auftrag gegeben. Es sei eine aufwändige Sichtkontrolle aller 5.400 Dachplatten erfolgt, sagt Hofer. "Ob noch Austausche oder Reparaturarbeiten vorgenommen werden müssen, wird das Gutachten zeigen." Das gehe an die bezirkliche Bauaufsicht und wenn die ihr Okay erteile, dann an die Versicherung der Messe: "Wenn diese die Halle freigibt, können wir Eis machen." Spekulationen, dass die Messe die Halle wegen eines von ihr am Standort geplanten Kongresszentrums nicht mehr öffnen wolle, erteilt Hofer eine Absage. Noch gebe es keine Zustimmung des Senats für das Projekt. Auch wenn diese erteilt werde, bedeute dies nicht sofort das Aus für den Eissport. Frühestens Ende 2007/2008 könne, die Zustimmung vom Land vorausgesetzt, gebaut werden. "Sicherlich kann die Deutschlandhalle dann zumindest in der Planungsphase weiter genutzt werden." [mehr]
Deutschlandhalle wird in 14 Tagen wieder geöffnet
[Ed: und damit sollte die Messe-Taktik, die Halle kaputtzureden, endgültig gescheitert sein]
Aus: Berliner Morgenpost, 10. Februar 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN (bsm). Nach Informationen dieser Zeitung soll die Deutschlandhalle in 14 Tagen für den Eissport wieder geöffnet werden. Die Messe Berlin will heute Einzelheiten zum Abschlußgutachten der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung vorstellen. Bremer Ingenieure hatten das Dach der Halle im August einem Belastungstest unterzogen, nachdem Gutachter der Bundesanstalt Mängel festgestellt hatten, die zur Schließung führten.
Der mehrtägige Belastungstest ergab jedoch keine Sicherheitsmängel, die zum Einsturz des Daches führen könnten. Daraufhin hatte die Messe als Betreiber der Halle noch Industriekletterer beauftragt, jede der 5.500 Platten zu begutachten, weil einige Schäden aufweisen. Wie viele dieser Platten nun ausgetauscht oder gesichert werden müssen, soll heute mitgeteilt werden. Eissportvereine kritisierten das Verfahren als Hinhaltetaktik. Es sei kinder- und sportfeindlich. [mehr]
Träger sollen das Dach stützen
57 beschädigte Deckenplatten in der Deutschlandhalle
Aus: Berliner Zeitung, 11. Februar 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN-CHARLOTTENBURG (el). 57 der rund 5.400 Dachplatten der Deutschlandhalle sind schadhaft [Ed: rund 1 % der Platten]. Dies ergab das Abschlussgutachten der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM). Die betroffenen Betonplatten weisen offensichtliche Bewehrungsmängel auf, sagte am Freitag [10.2.2006] der Sprecher der Messe Berlin, Michael Hofer. Drei Platten seien besonders schwer beschädigt, fünf weitere hätten ebenfalls erhebliche Schäden [Ed: und warum hat die Messe diese nicht schon längst reparieren lassen...]. Als Sicherungsmaßnahmen müssen jetzt spezielle Träger eingebaut werden.
In den vergangenen Wochen waren alle Dachplatten der Deutschlandhalle einer aufwändigen Sichtkontrolle unterzogen worden. Die BAM fordert in ihrem Gutachten eine halbjährliche Überprüfung des Gesamtzustandes der Halle sowie alle 6 bis 8 Wochen eine gründliche Kontrolle des Daches mit den im Jahr 2005 installierten Schutznetzen.
Die Sicherungsarbeiten am Dach sollen laut Hofer umgehend beginnen. Noch während der Arbeiten werde die Messe mit der Bereitung der Eisfläche in der Halle beginnen. "Noch im Februar kann die Deutschlandhalle wieder komplett für den Eissport genutzt werden", sagt der Messe-Sprecher. Ein genaues Datum will er allerdings noch nicht nennen. Die Deutschlandhalle war im August vergangenen Jahres wegen Sicherheitsbedenken gesperrt worden. Seitdem müssen 800 Eissportler, darunter 600 Kinder und Jugendliche, auf teilweise weit entfernte Trainingsorte ausweichen. [mehr]
Eissportler können zurückkehren
Deutschlandhalle wird noch im Februar wieder geöffnet / Gutachter entdecken Schäden an 57 Beton-Deckenplatten
Aus: Berliner Morgenpost, 11. Februar 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN (BM). Die Messe Berlin hatte die Deutschlandhalle im August vergangenen Jahres geschlossen. Begründung: Bei Kontrollen seien Sicherheitsmängel festgestellt worden.
Heute werden die Eissportler nicht wie stets an den vergangenen Sonnabenden demonstrieren. Heute freuen sie sich, ihr angestammtes Domizil bald wieder nutzen zu können: Von Montag [13.2.2006] an wird in der Deutschlandhalle das Eis aufbereitet, zwei Wochen dauert es etwa, bis alles fertig ist. Parallel laufen die Sicherungsarbeiten an den Dachplatten. Noch in diesem Monat soll die Halle wieder geöffnet werden, bestätigte Michael T. Hofer, Sprecher der Messe Berlin.
57 der 5.500 Betonplatten der Hallendecke haben nach Auskunft des Messesprechers Mängel. Größtenteils handele es sich um Abplatzungen. Drei Platten seien besonders schwer beschädigt, fünf weitere erheblich. Um sie zu sichern, würden Träger eingebaut. Das Gutachten der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) werde in der nächsten Woche vorgelegt. Die BAM habe betont, daß ihre Bewertung des Gesamtzustandes der Deutschlandhalle nur für 2 Jahre gelte. Sie verlange außerdem, daß neben der halbjährlichen Überprüfung des Hallenzustands eine gründliche Kontrolle des Daches mit den Schutznetzen alle 6 bis 8 Wochen durch Fachkräfte zu erfolgen hat.
Der Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (AIV) begrüßt diese Auflagen, kritisiert aber, daß sich das Prüfungsverfahren zu lange hingezogen habe. "Die bereits im November durchgeführten Belastungsproben auf dem Dach haben schon damals die falschen Behauptungen zur mangelnden Tragfähigkeit widerlegt", moniert AIV-Vorstandschef Manfred Semmer.
Nicht nur die Sportler, auch das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf hatte die Schließung der Deutschlandhalle nicht akzeptiert.
"Wenn wir nicht ein externes Gutachterbüro eingeschaltet hätten, hätte die Messe die Deutschlandhalle geschlossen gehalten", sagte Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU). Die Messe hatte die Deutschlandhalle nach der Sommerpause im August geschlossen, weil die mit der regelmäßigen Kontrolle beauftragte BAM Sicherheitsmängel festgestellt hatte.
Der Landessportbund Berlin (LSB) dankte gestern der Senatssportverwaltung und dem Bezirk für ihre "klare Linie". Der Sportbund sei froh, daß die Deutschlandhalle für die rund 800 Amateur-Eishockeyspieler davon 600 Kinder und Jugendliche bald wieder zur Verfügung steht. "Es war aber ein zäher Kampf mit Überschneidung vieler Sonderinteressen angefangen mit dem Interesse der Messe, ein neues Kongreßzentrum bauen zu wollen, bis hin zum Land Berlin, das öffentliche Zuschüsse einsparen will", sagte LSB-Sprecher Dietmar Bothe.
Erleichtert zeigte sich auch Rainer Prinz, Vorstand des Eishockeyclubs Charlottenburg Preußen Juniors e.V. (ECC), Hauptnutzer der Deutschlandhalle: "Die Entscheidung ist in unserem Sinne. Es sind aber nicht unerhebliche Belastungen für die Sportler und ihre Familien entstanden. Wir hoffen jetzt auf die Unterstützung der Messe." So habe es nicht nur einen Mehraufwand durch Fahrten gegeben sondern auch Einnahmeverluste, weil die Eishockey-Spiele woanders ausgetragen werden mußten. "Hochgerechnet kommen wir auf 35.000 Euro. Das ist nur ein Bruchteil der Energiekosten, die die Messe eingespart hat. Die Eismeister mußten ja kein Eis bereiten."
Jetzt gilt es, für die Eissportler auch nach 2008 so lange ist die Messe verpflichtet, die Deutschlandhalle für den Eissport zu betreiben eine Lösung zu finden. Die Deutschlandhalle kostet 3 Millionen Euro pro Jahr. 1,2 Millionen Euro kommen vom Land Berlin, der Rest ist Messe-Zuschuß. Der Bezirk möchte an der Glockenturmstraße, auf dem Parkplatz 9 unweit der Waldbühne, eine neue Eissporthalle errichten, die effizienter als die Deutschlandhalle betrieben werden könnte.
Raumschiff oder Traumschiff?
Am Aussehen des Internationalen Congress Centrums (ICC) entzünden sich die Gemüter doch in puncto Funktionalität ist es kaum zu überbieten.
Aus: Berliner Morgenpost, 5. März 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN (BM). Es dürfte wohl eines der umstrittensten Gebäude Berlins sein: das ICC. Die einen finden es häßlich und möchten es angesichts des Sanierungsbedarfes gleich ganz loswerden. Die anderen sehen es als imposant und erhaltenswert.
Ist es ein Schlachtschiff? Nein. Ein Raumschiff? Nein. Es ist ein Congress Centrum. Viel wurde über das am 2. April 1979 eröffnete ICC Berlin geschrieben. Nicht immer positiv. Monströs und teuer finden es die einen, funktional und unersetzbar die anderen.
924.269.083,84 DM kostete damals der Bau. Nun ist angeblich Sanierungsbedarf in dreistelliger Millionenhöhe nötig, um das in die Jahre gekommene Gebäude zu modernisieren. Sollte die Deutschlandhalle abgerissen und an dieser Stelle ein neues Kongreßzentrum gebaut werden, wäre das ICC in seiner jetzigen Funktion überflüssig. Kürzlich präsentierte die Messe Berlin, die das Haus betreibt, Interessenten, die ein Entertainment-Center daraus machen wollen. Doch der Senat hat noch längst nicht entschieden.
Wer das Haus kennt, kann sich nur wundern. Zum zweiten Mal in Folge ist das ICC mit dem World Travel Award als "Worlds Leading Conference und Convention Centre 2005" ausgezeichnet worden. Auf einem blauen Banner prangt die Aufschrift nun über dem Haupteingang, auf daß Berlin, ach was, die ganze Welt davon erfahre: Immerhin beginnt in wenigen Tagen, am 8. März, die 40. Internationale Tourismusbörse ITB.
Noch vor kurzem herrschte scheinbar Stille im Haus. Betriebsamkeit ist in dem 320 Meter langen, 80 Meter breiten und überirdisch 40 Meter hohen Koloß mit drei Untergeschossen bis 15 Meter Tiefe erst bei näherem Hinsehen und -hören spürbar: Im Eingangsfoyer empfängt eine Projektleiterin Organisatorinnen für den Krebskongreß, der am 22. März beginnt, an der Bühne im Saal 1 trifft sich eine größere Gruppe für Feinabstimmungen zur Eröffnungsfeier der ITB, im Hauptfoyer gibt es eine Beleuchtungsprobe für die Hauptversammlung der DaimlerChrysler AG mit 10.000 Teilnehmern, die seit dem Jahr 2000 regelmäßig im ICC tagt.
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Ist es ein Schlachtschiff? Nein. Ein Raumschiff? Nein. Es ist ein Congress Centrum! (Foto: 2005 mopo)
Für den größten medizinischen Kongreß, der bislang in Europa stattfand, war das Berliner ICC 2002 Gastgeber: 26.000 Menschen kamen zum Kardiologenkongreß. 704 Veranstaltungen mit 371.254 Teilnehmern beherbergte das ICC im vergangenen Jahr. "Das bedeutet einen Kaufkraftzufluß für die Stadt von 103,8 Millionen Euro", sagt Marketingleiter Wolfram Svoboda. 21 Jahre ist Svoboda mittlerweile im Haus, und Zahlen sind seine Spezialität: "800 Tonnen wiegt die Tribüne im Saal 2, der Funkturm nur 600", erzählt er eines der vielen faszinierenden technischen Details. Innerhalb von 25 Minuten reiner Fahrzeit kann man aus dem mit dunklem Parkett versehenen 2500 Quadratmeter großen Ballsaal einen Vortragssaal mit gestuften Sitzreihen machen, wenn man die Tribüne hinabläßt.
Viele Bälle sind in den vergangenen Jahren in andere Locations umgezogen: Die kühle Atmosphäre des als Kongreß-Zentrum geplanten Hauses lag etwa dem Presse- Ball nicht länger. "Das ist für uns kein wirtschaftlicher Verlust", sagt Svoboda. "In dieser Zeit hatten wir jetzt andere Veranstaltungen mit kürzeren Aufbauzeiten und bis zu 5.000 Teilnehmern."
So viele Gäste wollen versorgt werden. Im Bauch des Centers, in 15 Meter Tiefe, befinden sich riesige Gastronomielager mit Tiefkühlräumen, Lebensmittel- und Materiallagern. "Wir sind in der Lage, 5.000 Menüs auf einmal zu produzieren und innerhalb von 10 Minuten 15.000 Tassen Kaffe vorzubereiten", berichtet Svoboda. 60.000 Flaschen Getränke sind in den Lagern auf der blauen Seite vorrätig.
Blau bedeutet Westen, rot Osten. Mit Leucht-Neon-Lichtkunst zieht sich dieses Ortungskonzept durch das gesamte Haus: Jede Tür ist nach diesem Prinzip gekennzeichnet wer sich verirrt, weiß wenigstens, auf welcher Seite er ist: im Westen oder im Osten.
Eine weitere Branche hat das nach Plänen der Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte erbaute Center längst entdeckt. "Pro Jahr erhalten wir 180 bis 200 Anfragen von Film- und Fernsehproduktionen", sagt Wolfram Svoboda. So produzierte etwa "Der Fahnder" mehrere Monate im ICC, Szenen aus "Rosa Roth" alias Iris Berben, die Streifen "Küß mich Kanzler" und "Die Straßen von Berlin" wurden im ICC gedreht. Eindrucksvolle Belüftungskanäle mit den Maßen einer mehrspurigen Straße im Untergrund, die Vorfahrt des Hauses und die Eingangshalle boten die Kulissen.
Und so ist das ICC eben auch ein bißchen Abflugterminal. Mit seiner 25.000 Quadratmeter großen Aluminiumfassade mutet es von außen betrachtet wie ein außerirdischer Flugkörper an.
Ob man das ICC nun schön findet oder überhaupt nicht: Es ist ein unverwechselbarer und wirtschaftlich wertvoller Bestandteil der Hauptstadt.
ICC wieder als weltweit führendes Konferenzzentrum ausgezeichnet
[Ed: und Berlin will das ICC aufgeben und abreißen wenn das nicht Politik à la Schilda ist...]
Aus: Berliner Morgenpost, 11. März 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]LONDON/BERLIN (bsm). Das Internationale Congress Centrum Berlin (ICC) ist zum zweiten Mal in Folge mit dem "World Travel Award" ausgezeichnet worden. In der Kategorie "World's Leading Conference & Convention Centre 2005" wurde Europas größte Tagungsstätte zum weltweit führenden Konferenzzentrum gewählt, teilt die Messe Berlin mit.
An der Abstimmung hätten sich etwa 200.000 Fachleute der Tourismuswirtschaft aus allen Kontinenten, die in Agenturen, Hotels, bei Fluggesellschaften, Tourismuszentralen und anderen Institutionen tätig sind, beteiligt. Der "World Travel Award" wurde vom Londoner Medienhaus "World Travel Awards Ltd." zum zwölften Mal verliehen.
Preisgekrönt, aber vom Abriss bedroht
ICC bei Experten beliebt.
Aus: Berliner Zeitung, 14. März 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN (xmf). Zum zweiten Mal in Folge ist das ICC mit dem World Travel Award als weltweit führendes Konferenzzentrum ausgezeichnet worden. An der Diskussion um den Abriss des 70er-Jahre-Baus ändert das freilich nichts. "Dieser Preis und die Diskussion um den Abriss sind voneinander völlig unabhängig", sagt Michael Hofer, Sprecher der Messe Berlin.
Bei dem Preis stimmten rund 250.000 Fachleute aus dem Bereich Tourismus im Internet ab. Für die Abstimmung gab es keine festgelegten Kriterien. Die registrierten Mitglieder antworteten einfach auf die Frage, welches ihr beliebtestes Kongresszentrum sei. "Es kann daher sein, dass bei der Bewertung für viele Leute auch das Drumherum wie Hotels eine Rolle spielte", sagt Wolfgang Rogall, Sprecher des ICC. Trotzdem freue er sich sehr über den Preis: "Wir sehen in dem Preis schon eine Bestätigung für unsere Arbeit. Aber leider ist das ICC in einer Weise gebaut, die hohe Kosten verursacht", sagt er.
Allein 2005 fanden unabhängig von Messen 654 Tagungen mit mehr als 170.000 Teilnehmern im ICC statt. Dazu kommen 48 Konzerte und Shows mit etwa 132.000 Besuchern. Die meisten Tagungen wurden wie schon in früheren Jahren von Medizinern durchgeführt. "Allein bei diesen Tagungen kommt eine Kaufkraft von 120 Millionen Euro in die Stadt", sagt Rogall. Grund für die Beliebtheit sei vor allem die enge Anbindung an das Messegelände [Ed: und sicher auch die großzügigen Foyer-Flächen]. Und das steht für Michael Hofer trotz der Debatte um Neubau oder Abriss fest: "Wir werden immer ein Kongresszentrum am Messegelände haben."
Keine Überlebensgarantie
Die Zukunft des preisgekrönten ICC bleibt vorerst offen.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 14. März 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN (za). Die Ehrung des ICC als weltweit führendes Konferenzentrum ist für das prominente Gebäude im Westen Berlins keine Überlebensgarantie. Wirtschaftssenator Harald Wolf freut sich über die Auszeichnung, die das Londoner Medienhaus World Travel Award dem ICC jetzt zum zweiten Mal verlieh. Aber das ändert nichts daran, dass die Messe einen effizienten, attraktiven Neubau braucht, um auch noch in 15 Jahren international konkurrenzfähig zu sein, sagte ein Sprecher der Wirtschaftsverwaltung.
Kurzum: Das ICC steht weiterhin zur Disposition, da es mehr Geld kostet als die landeseigene Messe GmbH auf Dauer zahlen will oder kann. Auch der SPD-Landes- und Fraktionschef Michael Müller stellt die Anziehungskraft und den Erfolg des Kongressgebäudes nicht in Frage. Aber die Frage bleibt: Wie sieht das in einigen Jahren aus? Der Sanierungs- und Modernisierungsbedarf sei unabweisbar. Daran ändere auch der schöne Preis aus den Reihen der Touristenbranche nichts.
Der Senat und die rot-rote Koalition haben weiterhin keine Eile, über das Schicksal des ICC zu entscheiden. Die Stadtentwicklungs- und Finanzverwaltung prüfen immer noch, ob die 2 Gutachten über die Kosten der Sanierung oder des Abrisses des ICC und des Baus eines neuen Kongresszentrums auf dem Gelände der Deutschlandhalle tatsächlich stimmen. Das kann dauern.
Der CDU-Wirtschaftsexperte Michael Dietmann kritisiert diese Hängepartie, die sich Berlin eigentlich nicht leisten könne. Das ICC ziehe enorm viele Menschen und sehr viel Geld nach Berlin. Im Zweifelsfall müsse der Senat dieser Tatsache Rechnung tragen und die Kosten, die das ICC zulasten der Messegesellschaft verursache, aus dem Landeshaushalt ausgleichen.
ICC-Dokus:
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