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| Der skandalträchtige Steglitzer Kreisel (3) |
I n h a l t :
- Ältere Dokumentationen (2. Teil).
Steglitzer Kreisel
In Wikipedia, der
freien Enzyklopädie.- 04.11.2007: Völlig verwirbelt in Steglitz.
- 13.01.2008: Kreisel sucht Käufer.
- 24.07.2008: Keiner will den Kreisel kaufen.
- 02.01.2008: Sanierung des Kreisels soll beginnen.
- 14.02.2009: Sanierung des Steglitzer Kreisels wird teurer als geplant.
Die Skandal-Geschichte
khd-research.net,
die freie Info-Quelle.- 21.11.2009: Hoch hinaus Nußbaum verschafft sich Überblick.
- 08.03.2010: Stillstand am Steglitzer Kreisel.
- 26.03.2010: Hotel-Pläne für Steglitzer Kreisel.
- 19.10.2012: Araber wollen den Kreisel abreißen.
Völlig verwirbelt in Steglitz
Verschlungene Autobahnen. prima Bürgerlichkeit, Star-Wars-Architektur und die irre Erkenntnis: Nach einem Atomkrieg würde die Neubesiedlung der Stadt von hier aus erfolgen.
Auszug aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 4. November 2007, Seite S5 (Berliner Expeditionen Teil 3) von HARALD MARTENSTEIN. Die Zwischentitel standen nicht in der Zeitung, sie wurden hier redaktionell zugefügt. [Original]
In Steglitz, in der Umgebung des Kreisels, gibt es genügend Parkplätze. So etwas ist im Berliner Stadtbild ja schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr. Die exorbitante Vielzahl der Steglitzer Parkplätze hängt mit der Stadtautobahn zusammen, welche, gemeinsam mit dem Kreisel, das Zentrum von Steglitz optisch dominiert wie der Eiffelturm Paris. Unter der Stadtautobahn, die auf gewaltigen Betonpfeilern ruht, ist ein umfangreicher städtischer Freiraum entstanden, der sich, beim besten Willen, nur zum Parken benutzen lässt. Der Kreisel aber, das wissen jüngere Nichtsteglitzer vielleicht gar nicht, ist ein Hochhaus, ein Hochhaus, das schwarz ist und finster guckt wie der schwarze Ritter Darth Vader in "Star Wars" und 27 Stockwerke hat und einen der größten deutschen Bauskandale darstellt. Warum dieses Hochhaus, das nicht die geringste Ähnlichkeit mit einem Kreisel besitzt, "Kreisel" heißt, ist eine Frage, deren Beantwortung viel Platz in Anspruch nehmen würde.
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Das asbestverseuchte Hochhaus am Steglitzer Kreisel mit ungewisser Zukunft. Noch sind darin große Teile der Bezirksverwaltung untergebracht. Vom Asbest wußte man bereits seit 1986/87. Davor das große Parkhaus an der Schloßstraße. Und links unten das alte Steglitzer Rathaus aus Zeiten, wo öffentliche Bescheidenheit noch eine Zier war. (Foto: 2005 mopo)
Jeder Altsteglitzer wird sich darüber ärgern, dass eine Steglitzgeschichte mit dem Kreisel beginnt. Das ist ein Klischee, wird er sagen, unser Ortsteil hat so viel anderes zu bieten. Stimmt auch, nur, der Kreisel ist für Steglitz eben das, was eine Kombination aus Tschernobyl (große Pleite, großer Unfall), aus dem Kreml (Regierungssitz) und aus dem Roten Platz (eindrucksvolle Optik!) für Russland bedeuten würde. Das würde sich auch kein Reporter entgehen lassen.
Zurzeit verlassen die Kreiselnutzer, worunter man sich vor allem die Steglitzer Bezirksverwaltung vorzustellen hat, den Kreisel, gewissermaßen fluchtartig, weil er asbestverseucht ist. Nicht jeder Mitarbeiter bedauert dies. Die Fenster im Kreisel sind recht groß, aber sie lassen sich nicht öffnen, woran man sich zweifellos gewöhnen könnte, wenn nur die Klimaanlage ein wenig besser funktionieren würde. "Ein stetes gleichmäßiges Zischen begleitet den Arbeitsalltag in den Büros, unabhängig davon, was für Außentemperaturen herrschen", heißt es in einem 1998 erschienenen Buch über den Kreisel. Obwohl die Klimaanlage also außergewöhnlich laut ist und ununterbrochen arbeitet, gelingt es ihr erstaunlicherweise nicht, in den Büros erträgliche Temperaturen herzustellen. Das hängt mit den großen Fenstern zusammen, die bei direkter Sonneneinstrahlung eine Art Treibhauseffekt herstellen, gegen den sich die Mitarbeiter manchmal durch Verhängen oder Bekleben der Fenster zu schützen versuchten, dann wurde es dunkel in den Büros. Noch viel erstaunlicher erscheint die Tatsache, dass die unteren Stockwerke des Kreisels, wegen verschiedener Baumängel, häufig unter einer geradezu sibirischen Kälte in den Büros leiden, dort saß unter anderem das Gesundheitsamt.
Das heißt, ein Besucher des Kreisels konnte, wenn er zwei verschiedene Behörden aufsuchte, an einem einzigen Vormittag die Klimazone der Tropen und der Arktis körperlich erfahren, und dies bei stetem gleichmäßigen Zischen. Die spannende Frage, ob das Gebäude saniert oder abgerissen wird, Letzteres, ohne zu wissen, was dort stattdessen gebaut und wie so ein Bauwerk finanziert werden könnte, steht, naturgemäß noch ungelöst, im städtischen Raume von Steglitz.
Der Kreisel ist zweifellos ein Kulturdenkmal, ein Denkmal für das alte West- Berlin. Bau und Planung dauerten von 1968 bis 1980, länger als anderswo üblich, so ist es in Berlin ja bis heute. In dieser Zeit erhöhten sich die Kosten von 80 auf 323 Millionen Mark, dabei spielte auch Korruption eine Rolle. Das Gebäude wurde errichtet, obwohl es keinen Bedarf dazu gab, keine Nachfrage, lediglich den heftigen Wunsch des Steglitzer Bezirksamtes nach einem neuen Rathaus. Mit den Gesetzen des Kapitalismus hatte das also wenig zu tun, viel dagegen mit dem damaligen Sumpfklima der Stadt. Die Architektin, Sigrid Kressmann-Zschach, verstorben 1990, Spitzname SKZ, Exfrau des Kreuzberger Bürgermeisters, Geliebte des Berliner Oberfinanzpräsidenten, Arbeitgeberin von mindestens zwei Abgeordneten, also tief verwurzelt in der West-Berliner Gesellschaft, hatte dafür gesorgt, dass sie selbst Eigentümerin der Grundstücke war, auf denen heute der Kreisel steht. Gibt es eine günstigere Konstellation für eine Architektin? Kressmann-Zschach bewilligte sich selber 40 Millionen D-Mark Honorar, ihr deutlich berühmterer Kollege Scharoun hatte sich bei der Berliner Staatsbibliothek mit 15 Millionen begnügt.
Geld spielte keine Rolle. Bedarf spielte keine Rolle. Nicht mal Gesetze spielten eine Rolle in diesen Jahren des von Berlinsubventionen gespeisten Baubooms, in denen die politische Elite der Stadt, wie die Zeitschrift "Bauwelt" 1974 schrieb, "wirtschaftliche Dynamik simuliert, indem sie an jede Kreuzung ein Hochhaus stellt", egal, ob es den Bewohnern gefällt, egal, was dafür abgerissen werden muss. Steglitz hat es am härtesten getroffen, Steglitz ist ein Opfer der West-Berliner Verhältnisse, ein politischer Modellfall.
Vor 1918 war Steglitz ein bevorzugter Wohnsitz der kaiserlichen Beamtenschaft, eine mittelwohlhabende, grundsolide, dem Staat treu ergebene Gegend. In Steglitz wurde allerdings auch der "Wandervogel" gegründet, eine naturnahe, rebellisch angehauchte, sozusagen linksbürgerliche Jugendbewegung, ein Vorläufer der Grünen, wenn man so will. Als Berlin geteilt war, wollte die West-Berliner Stadtregierung dem braven, erzbürgerlichen Steglitz, diesem Eckpfeiler des freiheitlichen Widerstands gegen den Kommunismus, besonders viel Gutes tun. Davon hat Steglitz sich bis heute nicht erholt. Über den historischen Stadtplan, ein Schachbrett, hat sich in den 60er und 70er Jahren, diesen Katastrophenjahrzehnten brutalstmöglicher Stadtplanung, ein zweiter Stadtplan gelegt, aus Autobahnverschlingungen und Star-Wars-Architektur, die scheinbar nach dem Zufallsprinzip in das schöne Steglitz hineingepfeffert wurde, so dass heute historische Straßenachsen plötzlich an einer Hauswand enden und jeder Ortsunkundige sich im Dschungel der Steglitzer Straßenführung sofort verirrt.
Inzwischen stehen entlang der Schloßstraße ein paar festungsähnliche Einkaufszentren, Steglitz ist Einkaufszone, das teuerste, schräg gegenüber vom Kreisel, heißt "Schloss-Center" und wird bestimmt auch nie einen Architekturpreis gewinnen, es sei denn, Heino und die Wildecker Herzbuben sitzen in der Jury. Wenn man aber die Schloßstraße verlässt und in die Seitenstraßen eintaucht, spürt man sofort den Reiz eines alten Bürgerviertels, prächtige Häuser, gepflegte Vorgärten, Ruhe, Steglitz ist eigentlich eine prima Gegend, mit dem größten Antiquariat Berlins, Hennwack, Albrechtstraße, und mit einem sehr speziellen, wunderschönen Italiener, Osteria Maria, Leydenallee, offen nur für angemeldete Gäste, die nach dem letzten Grappa in romantischen Gästezimmern übernachten dürfen.
Wenn das der Wandervogel wüßte Schwarz-Grün in Steglitz
Politisch stellt Steglitz heute, wie in den 70ern, einen Modellfall dar, weil dort wenn das der Wandervogel geahnt hätte! eine schwarz-grüne Koalition amtiert. Offiziell heißt eine Koalition auf Bezirksebene Zählgemeinschaft. Steglitz-Zehlendorf, knapp 290.000 Einwohner, ist zurzeit das größte deutsche Gemeinwesen, welches von dieser möglicherweise vor einer großen Zukunft stehenden Konstellation regiert wird.
Die Spiegelwand Steglitzer CDU wollte keinen Denkanstoß
Noch vor ein paar Jahren haben Schwarze und Grüne sich in Steglitz gehasst wie kaum irgendwo sonst, wegen der Spiegelwand [Ed: auf dem Hermann-Ehlers-Platz, aber es gab noch mindestens 1000 andere strittige Themen...]. Die Spiegelwand soll an die ermordeten Juden erinnern, die Namen der Toten stehen auf einem 9 Meter langen Spiegel, wer die Namen liest, sieht sich selber, das nennt man wohl Denkanstoß. Kein politisches Ziel hat die Steglitzer CDU jemals mit einer solchen Leidenschaft und so viel Erfindungsreichtum verfolgt wie die Verhinderung der Spiegelwand, gemeinsam mit den Republikanern und der FDP [sic!] übrigens [Ed: und erst als der rot-grüne Senat eingriff, wurde endlich die von Bürgern geforderte Spiegelwand Wirklichkeit].Die Steglitzer CDU hat die Ermordung der Steglitzer Juden keineswegs geleugnet oder gar gutgeheißen, nur sollte das Gedenken eben in einer eher unauffälligen, das fabelhafte, vom Architekturwunder Kreisel gekrönte Steglitzer Stadtbild nicht beeinträchtigender Weise geschehen. So wichtig, dass man deswegen von der Betrachtung des Kreisels abgelenkt wird, war die Ermordung diese Personenkreises nach Ansicht der CDU nun auch wieder nicht. Steglitz ist auch [Ed: und nur einen Steinwurf vom heutigen Kreisel entfernt (Unter den Eichen 127)] Sitz des SS-Wirtschaftsverwaltuzngs-Hauptamtes gewesen, das die Ausbeutung der KZ-Insassen organisierte.
Wenn das die AL wüßte Kopp wurde Bürgermeister
Einer der profiliertesten Spiegelwandgegner [Ed: und für reichlich Bausünden verantwortliche ], Norbert Kopp, ist heute Bezirksbürgermeister [Ed: dank der Hilfe der Grünen]. Die Steglitzer CDU, sagt eine grüne Kommunalpolitikerin, hat sich verändert. Ausgerechnet die sogenannte Erinnerungskultur, das CDU-Hasswort von einst, sei jetzt ein Schwerpunkt in dem schwarz-grünen Koalitionspapier. Die jungen CDUler würden sich, ganz im Geiste Angelika Merkels, relativ klar gegen rechts abgrenzen und würden beim Thema Nationalsozialismus nicht mehr jene Eiertänze aufführen, für die diese Partei früher berühmt war [Ed: hm, wo bleibt dann aber das Lob der heutigen CDU für die so hervorragend gelungene und so dringend notwendig gewesene Spiegelwand zum Erinnern an die von Deutschen ermordeten Steglitzer Juden].(...).
Kreisel sucht Käufer
Warten geht weiter: Wann die Asbestsanierung beginnt, ist ungewiss.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 13. Januar 2008, Seite ?? (Berlin) . [Original=art270,2455099]BERLIN (Tsp/C.v.L.). Noch liegen im Steglitzer Kreisel diverse Akten, noch funktionieren die Aufzüge, und abends brennt sogar hinter etlichen Fenstern des Hochhauses Licht. Nichts deutet darauf hin, dass im einstigen Rathaus, am 23. November wegen Asbestgefahr geschlossen, irgendwelche Sanierungsarbeiten beginnen. Die landeseigene Berliner Immobilien-Management-Gesellschaft (BIM) ist kurz vor dem Wochenende formell der Eigentümer des 29-stöckigen Hauses geworden.
Nun soll die "Leerstandsbewirtschaftung" ausgeschrieben werden, die Pflege des verlassenen Baus. Bislang habe es nur eine Zwischenlösung gegeben, teilte die BIM-Sprecherin Katja Potzies mit. Ursprünglich hatte das Land Berlin in diesem Jahr mit der rund 17 Millionen teuren Asbestsanierung beginnen wollen, doch jetzt werden Termine nicht genannt. "Der Liegenschaftsfonds führt mit Interessenten Gespräche", heißt es. Die Art der künftigen Nutzung sei ungewiss. Die Sanierung könnte eventuell ein Käufer übernehmen. "Noch ist nichts klar." So muss zumindest geklärt werden, wie das Haus in den nächsten Monaten in Schuss gehalten werden kann.
Auch die Firma Becker & Kries, Eigentümerin des asbestsanierten Flachtraktes mit Hotel und Geschäften, weiß nicht, was passieren wird. Das Unternehmen ist der Ansicht, dass sich das Land Berlin als Miteigentümer des Grundstücks um den pfleglichen Umgang mit dem Hochhaus kümmern muss.
"Es ist klares Ziel, das Gebäude zu erhalten", hatte BIM-Geschäftsführer Sven Lemiss bei der Schlüsselübergabe im November versichert. Damals war von der "Aussicht" auf ernst zu nehmende Verhandlungen mit Interessenten die Rede. Die Grünen hatten die hohen Bewirtschaftungs- und Sicherungskosten für das leer stehende Bauwerk kritisiert.
Interessierte Unternehmen hatten schon vorgeschlagen, Büros, Wohnungen und ein Hotel in dem Hochhaus einzurichten. Die Bezirksverwaltung wird hier, das ist Beschluss des Senats, nicht mehr einziehen. Eine Asbestsanierung soll 2 Jahre dauern. [mehr]
Keiner will den Kreisel kaufen
Finanzsenator Thilo Sarrazin findet keinen Interessenten für das asbestbelastete Steglitzer Hochhaus. Nun muss das Land den Bau selbst sanieren.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 24. Juli 2008, Seite 9 (Berlin) von CHRISTIAN VAN LESSEN. [Original=art125,2578348]BERLIN (Tsp). Weil sich für den Kreisel kein Käufer gefunden hat, wird das Land Berlin nun selbst die Asbest-Beseitigung übernehmen. Mit den Arbeiten können wegen der Planungs- und Ausschreibungsfristen frühestens in einem Jahr begonnen werden, teilte die Finanzverwaltung auf Anfrage mit. Die landeseigene Berliner Immobilien-Management-Gesellschaft (BIM) werde die Arbeiten in die Wege leiten. Die Sanierung in eigener Regie sei jetzt die wirtschaftlichste Lösung. Und die Konsequenz aus dem misslungenen Versuch, das Hochhaus "im jetzigen Zustand" an einen Investor zu verkaufen.
Vergeblich hatten Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) und der Liegenschaftsfonds in den vergangenen Monaten das leerstehende Hochhaus auf dem Immobilienmarkt angeboten. Der Versuch, so Matthias Kolbeck aus der Verwaltung, sei nun endgültig aufgegeben. Wie berichtet, sind für die Sanierung vor zwei Jahren 17 Millionen Euro veranschlagt worden. Ob sich die Summe inzwischen erhöht hat, muss noch geprüft werden.
Die Firma Becker & Kries, der als Miteigentümer der schon seit Jahren asbestsanierte Flachtrakt des Kreisels gehört, reagierte gestern zurückhaltend. Es gebe kein Konzept für den Wiederaufbau, sagte Geschäftsführer Christian Kube. Die Landesmittel reichten nur aus, Asbest zu beseitigen, nicht aber, das Haus komplett herzurichten. So bleibe nach der Asbestsanierung nur ein Gerippe übrig [Ed: und so ein Gerippe dürfte schon gar nicht verkäuflich sein].
Auch müsse die Firma über Termine für die geplante "Riesenbaustelle" informiert werden. Wie berichtet, klagen die Miteigentümer gegen das Land Berlin: Es müsse seinen Gebäudeteil in einen "vertragsgerechten Zustand" bringen, instandhalten und sich dauerhaft um die Unterhaltung kümmern. Mieter des Flachtraktes seien verunsichert, wie es langfristig mit dem Hochhaus, das zunehmend verwahrlost wirke, weitergehen solle, es fehlten Perspektiven.
Der Liegenschaftsfonds hatte noch vergangene Woche mitgeteilt, er habe mit dem Kreisel nichts mehr zu tun. Die BIM verwies darauf, sie sei bislang nur mit der "Leerstandsbewirtschaftung" beauftragt. Sie alle warteten auf eine klare Entscheidung des Finanzsenators, die nun offenbar gefallen ist. Die weitere Zukunft des Hauses nach der Asbestsanierung ist allerdings offen.
Das Hochhaus war im November 2007 vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf geräumt worden. Der Bezirk, der mit seinen meisten Mitarbeitern ins alte Rathaus Zehlendorf umzog, hatte ursprünglich gehofft, nach der Sanierung wieder in das verkehrsgünstig gelegene Hochhaus an der Schloßstraße einziehen zu können. Der Senat aber beschloss, dass der Kreisel als Rathaus ausgedient hat. Es war auch von Interessenten die Rede, die im sanierten Hochhaus Wohnungen, Büros und ein Hotel einrichten könnten. Ein Investor fand sich aber nicht.
Der nach einem früheren [nur geplanten] Kreisverkehr benannte Bau war nach Pleiten und Zwangsversteigerungen zum Sinnbild Berliner Bauskandale geworden. Ins Hochhaus zog dann vor 28 Jahren die Bezirksverwaltung ein. Im Juni 2006 hatte das Abgeordnetenhaus beschlossen, den gesundheitsgefährdenden Bau zu räumen und 700 Bedienstete auf andere Orte zu verteilen. Der Umzug kostete einschließlich nötiger Umbauten rund 15 Millionen Euro. Für das Hochhaus war auch ein Abriss im Gespräch, letztlich entschied sich der Senat, das Gebäude zu erhalten.
Sanierung des Kreisels soll beginnen
Der Steglitzer Kreisel soll in diesem Jahr von Asbest befreit werden. Das sagt zumindest die Stadtverwaltung. Der private Eigentümer des unverseuchten Gebäudeteils hat dagegen seine Zweifel, ob das seit 2007 leerstehende Hochhaus zügig saniert wird.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 2. Januar 2009, Seite 8 (Berlin) von C. v. L. [Original]STEGLITZ (Tsp). Mit dem "Projekt Asbestsanierung" des Steglitzer Kreisel-Hochhauses an der Schloßstraße soll nach Auskunft der Finanzverwaltung in diesem Jahr begonnen werden. Genaue Termine und der Ablauf der Asbestbeseitigung seien aber noch unklar, sagte Behördensprecher Clemens Teschendorf. Nach der Sanierung werde sich das Land bemühen, den Rohbau des Hochhauses zu vermarkten. Derzeit habe es "eher keinen Wert".
Christian Kube vom Unternehmen Becker & Kries, dem als Miteigentümer des Grundstücks der asbestbefreite Flachtrakt des Kreisels gehört, zeigte sich von der Ankündigung überrascht. "Wir wissen davon nichts." Wie berichtet, verlangt das Unternehmen vom Land Berlin, den städtischen Gebäudeteil das Hochhaus in einen "vertragsgerechten Zustand" zu bringen. Die Firma will nicht, dass auf Jahre hinaus ein Gerippe stehen bleibt und die Gegend verschandelt. Der Fall ist vor Gericht und noch unentschieden.
Beim Auszug des Bezirksamts von Steglitz-Zehlendorf aus dem Hochhaus im November 2007 hatte die Berliner Immobilien-Managementgesellschaft (BIM) sie ist die "Leerstandsverwalterin" des Hochhauses noch eine Sanierung 2008 in Aussicht gestellt. Es gebe Interessenten für das Gebäude, hieß es. Der Optimismus war verfrüht. Im Sommer 2008 teilte die Finanzverwaltung mit, der Versuch, das Haus in seinem derzeitigen Zustand auf dem Immobilienmarkt anzubieten, sei gescheitert, die Sanierung in eigener Regie am wirtschaftlichsten. Mit den Planungs- und Ausschreibungfristen könne "frühestens" 2009 begonnen werden. Auch müsse geprüft werden, ob die kalkulierten 17 Millionen Euro für die Asbestsanierung noch ausreichten. Nun spricht die Behörde von einer "realistischen Größenordnung". Bei Becker & Kries aber glaubt man, dass sich in den vergangenen Monaten überhaupt nichts bewegt hat und dass sich auch in einem Jahr noch nichts getan haben wird.
Zumindest eines der Geschäfte im Flachtrakt hat in eigener Regie die Scheiben der alten Eingangshalle zu Schaufenstern gestaltet, die Drehtür des Rathauses ausgebaut. Verwelkte Pflanzen und vergilbte Anschlagszettel sind aus der Halle verschwunden. Der Kreisel, mit dessen Bau 1968 begonnen wurde, war lange Zeit eine Investitionsruine und Sinnbild für Bauskandale.
Sanierung des Steglitzer Kreisels wird teurer als geplant
Das Steglitzer Kreisel-Hochhaus wird erneut seinem Ruf als Investitionsruine gerecht. Für die Asbestsanierung fehlt immer noch ein verlässlicher Zeitplan und nach neuen Erkenntnissen wird die Beseitigung doppelt so viel Geld verschlingen wie erwartet..
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 14. Februar 2009, Seite xx (Berlin). [Original]BERLIN (Tsp). Die Asbestsanierung des Steglitzer Kreisel-Hochhauses wird mit 34 Millionen Euro vermutlich doppelt so teuer wie bislang erwartet. Die Finanzverwaltung bestätigte am Freitag [13.2.2009] Angaben des Baustadtrats von Steglitz-Zehlendorf, Uwe Stäglin (SPD), dass neue Erkenntnisse eine wesentlich höhere Summe ergeben hätten. Genaue Auskünfte wollten weder Stäglin noch die Senatsverwaltung geben, intern wird aber "knapp" mit einer Verdoppelung der Kosten gerechnet. Ein Bezirksgutachten, so hieß es aus der Finanzbehörde, habe sich als "unzureichend" erwiesen.
Mit dem "Projekt Asbestsanierung" des Kreisels soll in diesem Jahr begonnen werden. Genaue Termine und der Ablauf der Asbestbeseitigung sind nach wie vor unklar. Nach der Sanierung will sich das Land bemühen, den Rohbau des bislang als relativ wertlos eingestuften Hochhauses zu vermarkten. Beim Auszug des Bezirksamtes von Steglitz-Zehlendorf aus dem Hochhaus im November 2007 war noch eine Sanierung für 2008 in Aussicht gestellt worden. Der Kreisel, mit dessen Bau 1968 begonnen wurde, war lange Zeit eine Investitionsruine und Sinnbild für Bauskandale.
S E N A T V E R S C H L Ä F T A S B E S T S A N I E R U N GHoch hinaus Nußbaum verschafft sich Überblick
Für Berlins neuen Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) ging es gestern hoch hinaus.
Aus: Berliner Morgenpost, 21. November 2009, Seite xx (Berlin). [Original]STEGLITZ (BM). Bei einer "Entdeckungstour" durch den Südwesten der Hauptstadt stieg Nußbaum auf das Dach des 110 Meter hohen, ehemaligen Rathauses Steglitz an der Schloßstraße. Den Blick nannte er "fantastisch".
Die Zahlen, die ihm aber zum sogenannten Steglitzer Kreisel präsentiert wurden, gefielen ihm gar nicht: Wegen Asbestverseuchung steht das Gebäude seit 2 Jahren leer. Die monatlichen Kosten belaufen sich auf 87.000 Euro, die Sanierung des mit Asbest und anderen Schadstoffen verseuchten Büroturms wird rund 31 Millionen Euro kosten.
Stillstand am Steglitzer Kreisel
Aus: Berliner Morgenpost, 8. März 2010, Seite xx (Berlin). [Original]BERLIN (BM). Der Steglitzer Kreisel bleibt noch mindestens 3 Jahre eine Bauruine, sollte sich nicht ein Interessent auf der Immobilienmesse in Cannes Mitte März für das asbestverseuchte Hochhaus an der Schloßstraße finden. (...)
S T A D T E N T W I C K L U N G I N S T E G L I T ZHotel-Pläne für Steglitzer Kreisel
In die Affäre um den sanierungsbedürftigen Steglitzer Kreisel scheint jetzt Bewegung zu kommen.
Aus: B.Z., Berlin, 26. März 2010, Seite xx (Bezirke). [Original]
BERLIN-STEGLITZ (bz). Drei Investoren haben auf der Immobilienmesse in Cannes ihr Interesse an dem 119 Meter hohen Gebäude angemeldet. Holger Lippmann, Chef des Liegenschaftsfonds: Vergangenen Donnerstag gab es erste Fortsetzungsgespräche mit eventuellen Investoren.
Über Nutzungsabsichten wurde diskutiert: der Kreisel als Hotel, Wohnhaus oder als Bürokomplex. Für das Gebäude, das als schwer verkäuflich gilt, fallen jährlich 900.000 Euro Unterhaltskosten an. Sollte der Kreisel keinen Investor finden, könnte er auch zurückgebaut werden, sagt Lippmann.
Araber wollen den Kreisel abreißen
Investoren aus Katar planen ein neues 30-stöckiges Hochhaus an der Stelle des asbestbelasteten Turms. Entwürfe soll es schon geben.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 19. Oktober 2012, Seite xx (Berlin). [Original]
BERLIN (Tsp). Bereits beim Charlottenburger Zoofenster-Hochhaus hatten finanzstarke arabische Investoren einen jahrelangen Stillstand beendet und den Bau gestartet. Nun könnte sich diese Entwicklung beim Steglitzer Kreisel wiederholen: Eine Investorengruppe aus Katar will das 27-stöckige Hochhaus am südwestlichen Ende der Schlossstraße, das wegen Asbestbelastung seit Ende 2007 leer steht, durch einen Neubau mit 30 Etagen ersetzen. Dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf liege eine Bauvoranfrage vor, bestätigte Baustadtrat Norbert Schmidt (CDU) am Donnerstag [18.10.2012].
Geplant ist eine Mischung aus Läden, Büros und Wohnungen. Am 6. November sollen die Pläne im BVV-Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt werden.
Von den Berliner Architekten Peter Ruge und Bernd Orlob soll es erste Entwürfe geben. Noch legten die Investoren aber keinen Wert auf PR, sagte Orlob, der deshalb keine Einzelheiten zum Konzept nennen wollte. Er hat sich schon die Internet-Adresse www.skyliving-kreisel.org gesichert, allerdings ist die Webseite noch leer.
Laut Stadtrat Schmidt würde ein Neubau mit 30 Etagen der ursprünglich geplanten und genehmigten Höhe des Kreisels entsprechen, dessen Errichtung 1968 nach Plänen der Architektin Sigrid Kressmann-Zschach begonnen und später zu einem Bauskandal geführt hatte. Unberührt von den Plänen der Investoren bliebe das Sockelgeschoss mit Läden, dem BVG-Busbahnhof und dem Best Western Hotel Steglitz International. Dieser Gebäudeteil gehört dem Unternehmen Becker & Kries.
In dem landeseigenen Hochhaus hatte zuletzt das Bezirksamt residiert. Für die Asbestsanierung gibt es inzwischen einen Zeitplan: Die Senatsfinanzverwaltung will Anfang 2013 mit den Arbeiten beginnen, die bis Mitte 2015 dauern sollen. Von dem 119 Meter hohen Turm blieben anschließend nur noch der Kern des Treppenhauses, Geschossdecken, ein Aufzug, die Notbeleuchtung und eine provisorische Fassade übrig. Die Sanierungskosten werden auf 31,3 Millionen Euro geschätzt, wie aus einem vertraulichen Schreiben der Finanzbehörde an das Abgeordnetenhaus hervorgeht.
Der Leerstand kostet das Land Berlin in diesem Jahr voraussichtlich rund 715.000 Euro, zuvor mussten bereits insgesamt mehr als 2,4 Millionen Euro für die Instandhaltung ausgegeben werden.
Baustadtrat Schmidt will das Vorhaben der Katarer noch nicht bewerten, sieht in der Bauvoranfrage aber ein Indiz dafür, dass es sich um ein ernst zu nehmendes Projekt handelt. Das Land Berlin sei aus eigenen Kräften nicht in der Lage, den Leerstand zu beenden, also komme nur eine privatwirtschaftliche Lösung in Betracht.
Beim Berliner Liegenschaftsfonds haben sich die neuen Interessenten noch nicht gemeldet. Es gebe aktuell auch keine konkreten Verhandlungen mit anderen möglichen Käufern, sagte eine Sprecherin. Zurückgezogen hat sich die Meridian-Stiftung, die ein illuminiertes und multifunktionales Kunstkraftwerk mit Sonnenenergiegewinnung plante. Die Stiftung wollte den Kreisel aber unsaniert erwerben.
Dokus zum Steglitzer Kreisel:
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