Living in a City  —  Reports aus Berlin     – Zum Report 6 khd
Stand:  1.11.2009   (22. Ed.)  –  File: Heimat/B/Bln/Ex/BBI_Der_Bau_07.html


Diese Seite ist eine Ergänzung zu einem Berlin-Report, in dem über die Planung (samt Ärgernissen) des neuen Berliner Großflughafens „Berlin Brandenburg International“ (BBI) berichtet wird. Dazu werden hier einige ausgewählte und besonders interessante Artikel und andere Texte gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert. Manches ist auch mit [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.

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BBI — Der Bau des Großflughafens in Berlin-Schönefeld (7)

I n h a l t :


Im Tiefflug Richtung BBI

Die Flughafengesellschaft hat einen Plan entwickelt, wie sie den Neubau von BBI in Schönefeld finanzieren will.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 1. April 2009, Seite xx (Berlin) von STEFAN JACOBS. [Original]

BERLIN (Tsp). Bei der Präsentation der Jahresbilanz 2008 sagte Flughafenchef Rainer Schwarz, dass ein bereits bewilligter Überbrückungskredit über 350 Millionen Euro bis zum nächsten Jahr verdoppelt werden könne. Damit existiert ein Plan B für den Fall, dass die EU-Kommission die 100-prozentige Bürgschaft der Gesellschafter – Berlin, Brandenburg und Bund – für den eigentlichen BBI-Kredit über 2,4 Milliarden Euro nicht genehmigen sollte. Angesichts der Vorprüfungen und mit Blick auf vergleichbare Fälle gehe er aber von der Zustimmung der europäischen Wettbewerbsprüfer aus, sagte Schwarz. Mit der öffentlichen Bürgschaft im Rücken käme die Flughafengesellschaft deutlich leichter an das Geld, das sie für die Finanzierung von BBI benötigt. Über die erste Milliarde sei man sich mit der Europäischen Investitionsbank als Geldgeber bereits weitgehend einig. Schwarz rechnet mit einer Entscheidung der EU-Kommission etwa zur Jahresmitte.

Der Optimismus des Flughafenchefs speist sich auch daraus, dass die Berliner Flughäfen die Krise bisher relativ gut überstanden haben. Der Rückgang der Passagierzahlen gegenüber dem Vorjahreszeitraum habe sich im März "deutlich abgeschwächt" und liege voraussichtlich zwischen 3 und 4 Prozent. Fürs Gesamtjahr erwarten die Flughäfen ein Minus von 2,5 Prozent – während die Branche bundesweit mit 3 Prozent Rückgang rechnet. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Passagierzahl bundesweit fast stagniert, während die Berliner Flughäfen ein Plus von 7 Prozent verzeichneten. 21,4 Millionen Menschen flogen demnach von und nach Berlin und verschafften der Flughafengesellschaft einen Jahresüberschuss von 25 Millionen Euro. Aber: "Bei den Passagieren, die wir noch haben, spüren wir deutliche Kaufzurückhaltung", sagte Schwarz. Vor allem der sogenannte Non-Aviation-Bereich, der sich besonders aus Läden und Werbeflächenmieten speist, leide darunter.

Die Antwort darauf heißt "Herkules 2009" und steht für ein 10 Millionen Euro umfassendes Sparprogramm. Abstriche gebe es bei Schulungen und Dienstreisen ebenso wie bei der Wartung von Anlagen in Tegel und Schönefeld, sofern sie nicht der Sicherheit dienen. Die Ausstattung an den heutigen Flughäfen müsse ohnehin nur noch knapp drei Jahre durchhalten: Als Termin für die BBI-Eröffnung gilt weiter der 30. Oktober 2011. Am Terminal wird neuerdings im Dreischichtbetrieb gearbeitet.

Gebaut wird aber auch in Tegel: Das Terminal C, das vor allem Umsteigern nützen soll, werde aus Kapazitätsgründen wie geplant erweitert – ungeachtet der Schließung von Tegel 2012 und ungeachtet der von Hauptnutzer Air Berlin an diesem Montag verkündeten düsteren Jahresprognose. Denn in Berlin wachse Air Berlin noch immer.



Kanzlerflughafen für 125 Millionen Euro

Bundesregierung baut in BBI eigenes Terminal für Staatsgäste und Minister. Flugbereitschaft verlegt Personal nach Berlin.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 7. April 2009, Seite xx (Berlin) von RALF SCHÖNBALL. [Original]

BERLIN (Tsp). Die Bundesregierung baut am Airport Berlin-Brandenburg International (BBI) einen eigenen Bereich mit Terminal für Staatsgäste und Minister sowie mit Technik- und Verwaltungsgebäuden. Das Budget beträgt 125 Millionen Euro. Genutzt werden diese Flächen vom Auswärtigen Amt sowie von der Flugbereitschaft der Bundeswehr. Auch im Tegeler Airport gibt es einen solchen "Protokollbereich". Dieser ist aber viel kleiner, weil die Flugbereitschaft bisher ihren Hauptsitz in Köln-Bonn hat. Mit der BBI-Eröffnung ziehen aber Teile dieses Bereichs der Bundeswehr nach Berlin um: Ein Viertel der rund 1000 in Köln/Bonn stationierten Mitarbeiter sind betroffen, heißt es in Regierungskreisen.

"Da entsteht ein kleiner Regierungsairport", sagte Robert Erfen, der bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben für das Projekt zuständig ist. Im Zentrum der Anlage stehe ein Empfangsgebäude für Staatsgäste mit einer Bruttogeschossfläche von 7700 Quadratmetern. Dort werden auch die künftigen Kanzler und Minister einchecken, wenn sie Maschinen der Flugbereitschaft für ihre Dienstreisen nutzen. Das Gebäude solle maximal 19, 5 Millionen Euro kosten, was einem Quadratmeterpreis von rund 2500 Euro entspreche. Einen VIP-Zuschlag bei den Baukosten werde es nicht geben.

Auch im militärischen Bereich des Flughafens Tegel gibt es einen "Protokollbereich". Dazu hatte der Bund im Jahr 1998 rund 4 Millionen Euro in den Umbau bestehender Gebäude investiert. In Regierungskreisen heißt es, dieser Bereich sei aufgrund der Berliner Flughafenplanung von vornherein als "Provisorium" angelegt worden.

Für den Terminalneubau läuft bereits ein mit 100.000 Euro dotierter Architektenwettbewerb – bis zum 20. April. Der "Regierungsairport" soll wie der BBI im November 2011 fertiggestellt sein. In der Ausschreibung zum Wettbewerb heißt es, "der für das Auswärtige Amt zu errichtende Neubau des Empfangsgebäudes für Staatsgäste der Bundesrepublik Deutschland muss hohen repräsentativen Ansprüchen genügen". Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, er solle "auch in Umwelt- und Medientechnik auf dem neuesten Stand sein".

Während die Maschinen der Flugbereitschaft bisher vom Flughafen Köln/Bonn aus operieren, werden künftig 3 Hubschrauber, zwei "VIP-Versionen" des Airbusses sowie 6 Maschinen für Mittelstrecken in Schönefeld stationiert. Dazu müssen Hangars, Rollfelder und die gesamte Technik zur Betankung und Wartung dieser Maschinen aufgebaut werden. Mit Piloten, Technikern und Flugbegleitern laufen Verhandlungen über einen Wechsel ihres Dienstsitzes an die Spree, hieß es in Parlamentskreisen.

Nach Angaben des Berliner Flughafensprechers Eberhard Elie wird der kleine Regierungsairport von den Ämtern und Einrichtungen des Bundes in Eigenregie geplant und gebaut. Dies erfolge in enger Abstimmung mit der Berliner Flughafengesellschaft. Der Bau des Großflughafens Berlin-Brandenburg International laufe planmäßig. An der Errichtung des Hauptgebäudes seien zurzeit 800 Arbeiter im "Dreischichtbetrieb" beteiligt.



F A L S C H   P R O G R A M M I E R T 

Kritik am Flughafen-Schnellbus hält an

Zum Schnellbus zwischen dem Flughafen Schönefeld und dem Bahnhof Südkreuz in Berlin gibt es weiter falsche oder gar keine Angaben bei Fahrgastinformationen. Auch deshalb seien die Sitze bisher kaum besetzt, heißt es bei den Betreibern. Nur am Wochenende waren die Busse voller, weil die Fahrten ausnahmsweise zuschlagsfrei waren.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 21. April 2009, Seite xx (Brandenburg). [Original]

SCHÖNEFELD (Tsp). Im Internet gibt die Fahrplanauskunft von Verkehrsverbund (VBB), BVG und S-Bahn weiter einen Fußweg von 15 Minuten zwischen dem Terminal und der Haltestelle an, obwohl der Weg in weniger als 1 Minute zu schaffen ist. Damit sind bei der Auskunft Fahrten mit dem – teureren – Schnellbus oft nicht viel schneller als mit Bahnen und Bussen zum Normaltarif.

Den Fußweg gebe man derzeit falsch an, weil das System immer die schnellsten Wege ermittle, heißt es beim VBB. Würde man den kurzen Weg angeben, entfielen bei der Auskunft alle anderen Verbindungen. Ändern könne man dies nur durch eine komplizierte Systemumstellung, an der noch gearbeite werde.

Obwohl der Bus bereits seit Dezember 2008 fährt, ist es auch noch nicht gelungen, Hinweisschilder im Flughafen anzubringen. Und einen Informationsstand im Terminal gaben die Betreiber auf, weil die Miete dafür zu hoch war.



Grundstein für neuen BBI-Tower

Aus:
RBB, Berlin, 22. April 2009, 16.39 Uhr MESZ (Wirtschaft).

SCHÖNEFELD (rbb). Auf dem Gelände des künftigen Großflughafens BBI in Berlin-Schönefeld ist am Mittwochnachmittag [22.4.2009] der Grundstein für den neuen Kontrollturm gelegt worden.

Von dem Tower aus werden Lotsen den Verkehr am Boden und im Luftraum überwachen. Mit 72 Metern Höhe wird er nach BBI-Angaben doppelt so hoch wie der derzeitige Tower. Das neue Bauwerk soll nach Vorstellung der Deutschen Flugsicherung (DFS) das Wahrzeichen des BBI werden.

Gebaut wird bis September 2010, die Kosten liegen bei rund 35 Millionen Euro. Spätestens zur Eröffnung des BBI im Jahr 2011 soll der neue Tower die Arbeit aufnehmen.



EU-Kommission genehmigt BBI-Finanzierung

Der Bau des Großflughafens kann damit wie geplant weiter gehen. Berlin, Brandenburg und der Bund als Gesellschafter übernehmen eine hundertprozentige Bürgschaft für den BBI-Kredit, der sich auf 2,4 Milliarden Euro beläuft.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 13. Mai 2009, 14.52 Uhr MESZ (Landespolitik). [Original]

BERLIN (Tsp). Die Europäische Kommission hat die Baufinanzierung für den Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) genehmigt. Die Maßnahme laufe dem Gemeinschaftsinteresse nicht zuwider und sei "zum Erreichen gemeinschaftlicher Ziele notwendig", teilte die Berliner Vertretung der Kommission am Mittwoch [13.5.2009] mit. Durch die Konzentration des Luftverkehrs auf einen Flughafen außerhalb der Stadt werde die Lärm- und Emissionsbelastung der Bevölkerung verringert.

"Beihilfe-Intensität" beträgt höchstens 27 %

Die Investitionskosten von 3,6 Milliarden Euro würden nur teilweise durch Kapitalerhöhungen der öffentlichen Gesellschafter im Umfang von 654,5 Millionen Euro, eine hundertprozentige Darlehensbürgschaft der Gesellschafter bis zu 2,4 Milliarden Euro und einen Zuschuss für den Bau der Flughafenstraße von 74 Millionen Euro bestritten, hieß es weiter. Die restliche Finanzierung erfolge aus Eigenmitteln des Flughafens, so dass die "Beihilfe-Intensität" höchstens 27 Prozent betrage. Für Flughafenchef Rainer Schwarz dürfte diese Entscheidung keine große Überraschung sein. Er war von einer Zustimmung der europäischen Wettbewerbsprüfer ausgegangen. Allerdings hatte er eine Entscheidung der Kommission etwas später erwartet.

Das Investitionsprojekt umfasst den Bau eines neuen Flugfelds mit 2 Start- und Landebahnen, die eine Betriebskapazität von 45 Millionen Fluggästen im Jahr haben, und eines neuen Abfertigungsgebäudes für 22 bis 25 Millionen Fluggäste.



1 0 0 0   T A G E   B A U S T E L L E

BBI gewinnt an Konturen

Flughafengesellschaft hält an Zeitplan fest.

Aus:
Ad-hoc-News, 18. Mai 2009, 18.09 Uhr MESZ (Politik). [Original]

BERLIN (bln). Über dem Rohbau des Terminals für den künftigen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld ragen rund 40 Kräne in den Himmel. Der höchste von ihnen steht etwas entfernt an der Position, wo der Tower errichtet wird. Der unterirdische Bahnhof ist bereits mit Betonplatten abgedeckt. Aussparungen markieren die Stellen, wo Treppen und Rolltreppen vom Terminal zu den Bahnsteigen hinunterführen werden.

Die neue südliche Start- und Landebahn sowie die dazugehörigen sogenannten Abrollfelder werden derzeit betoniert. Zahlreiche Bagger schaufeln auf dem 2000 Fußballfelder großen Areal Erdreich auf Radlader. 2200 Arbeiter haben derzeit auf "Europas größter Flughafenbaustelle" zu tun. Bis Ende des Jahres werden es nach Angaben der Berliner Flughäfen 3000 sein.

Die Bauarbeiten am "wichtigsten Infrastrukturprojekt" Ostdeutschlands gehen in die heiße Phase. Davon können sich die Berliner und Brandenburger bald selbst ein Bild machen. Am Pfingstmontag [1.6.2009] beginnt eine Veranstaltungswoche am BBI, mit der die Flughafen-Gesellschaft das 1000-Tage-Baustellen-Jubiläum feiert. Die Angebote reichen von einem Kinderfest über Baustellentouren bis hin zu Podiumsdiskussionen.

"Nicht ohne Stolz" blicke er auf das bevorstehende Jubiläum, sagt Technik-Chef Manfred Körtgen am Montag in Schönefeld. "Wir liegen gut im Zeitplan". Das ehrgeizige Ziel, den BBI im November 2011 zu eröffnen, sei erreichbar. "Wir können es schaffen", betont der Manager. Es dürfe aber bis dahin auch nichts schief gehen. "Wir haben keinen Zeitpuffer mehr", fügt Körtgen hinzu.

Der Rohbau des Terminals soll im Spätsommer abgeschlossen sein. Ende August/Anfang September beginnt der Stahl- und Glasaufbau, wodurch die Passagierabfertigungshalle ihr Aussehen erhalten wird. "Das Terminal greift mit seinen gegliederten Fassaden und klaren, geometrischen Formen architektonische Elemente von Schinkel bis zum Bauhaus auf", heißt es in einer BBI-Broschüre.

"Die wesentlichen Ausschreibungen werden in diesem Jahr abgeschlossen", sagt Körtgen. Bisher sei noch keine Klage gegen die Vergabe eines Auftrags eingereicht worden – was dem Technik-Chef Planungssicherheit gibt. In der zweiten Jahreshälfte werde auch der Bau des Autobahnknotens ausgeschrieben, der die Zufahrt zum BBI über die A 113 ermöglichen soll. "Es besteht überhaupt kein Zweifel, dass die Zufahrt rechtzeitig fertig wird", sagt Körtgen.

Die 150 Flächen im Terminal für Einzelhandel und Gastronomie wurden vor kurzem ausgeschrieben. "Wir haben bereits über 800 Bewerbungen", sagt Körtgen.

BBI ist auf eine Kapazität von zunächst 25 Millionen Passagieren jährlich ausgelegt. 360.000 Flugbewegungen im Jahr sind genehmigt. Der Hauptstadt-Airport kann den Angaben zufolge auf bis zu 45 Millionen Fluggäste im Jahr erweitert werden.

Die Kosten des Flughafenbaus werden derzeit mit 2,2 Milliarden Euro angegeben. Hinzu kommen 636 Millionen Euro für den Bahnhof und 74 Millionen Euro für die Straßenanbindung, außerdem Drittinvestitionen für Parkhäuser und Hotels. Das Gesamtinvestitionsvolumen beträgt rund 3 Milliarden Euro. Insgesamt 40.000 neue Jobs sollen durch BBI entstehen.



Luftfahrtmesse erhält neuen Standort

Die ILA zieht nach Selchow / Ableger sind geplant

Aus:
Märkische Allgemeine Zeitung, 10. August 2009, Seite xx (Brandenburg). [Original]

SCHÖNEFELD (MAZ). Die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) bleibt der Region Berlin-Brandenburg bis auf weiteres erhalten. Die Landesregierungen in Berlin und Potsdam, die Messe Berlin, der Branchenverband BDLI und die Berliner Flughäfen haben vor wenigen Tagen eine Vereinbarung unterschrieben, wonach die traditionsreiche Messe zumindest bis 2020 alle 2 Jahre am Rande des Flughafens Schönefeld (Dahme-Spreewald) stattfinden soll.

Der Zuschlag für Schönefeld galt im Vorfeld keinesfalls als sicher. Wegen des Ausbaus zum Airport Berlin Brandenburg International (BBI) gab es Zweifel daran, ob parallel zum normalen Flugverkehr auf einem Großflughafen eine Luftfahrtmesse mit Flugschau überhaupt noch machbar sei. Konkurrenten wie Oberpfaffenhofen bei München lauern schon seit Jahren darauf, Berlin die attraktive Messe abzuwerben.

Nun sind die Eckpfeiler eingeschlagen. "Wir fragen regelmäßig ab, ob das Konzept einer Messe mit begleitenden Fachkongressen und einer Flugschau noch zeitgemäß ist", sagt Stefan Grave, ILA-Beauftragter bei der Messe Berlin, die die Ausstellung organisiert. "Und der BDLI als zentrales Sprachrohr der Branche hat uns signalisiert, dass die Unternehmen die ILA genau so wollen." Zudem gebe es seitens der Politik und der Bundeswehr eine Präferenz, die Schau auf einem großen Flughafen nahe bei der Hauptstadt stattfinden zu lassen.

Im kommenden Jahr wird die ILA noch einmal auf dem traditionellen Areal auf dem Südgelände des heutigen Flughafens Schönefeld ausgetragen. Weil dieses danach wegen des BBI-Baus nicht mehr zur Verfügung steht, zieht die Messe 2012 um. Mehrere Gutachten haben ein Gelände bei Selchow (Dahme-Spreewald), am westlichen Rand des BBI, als geeigneten Standort vorgeschlagen.

Derzeit sucht die brandenburgische Landesregierung nach einem Investor, der das Gelände entwickelt. "Es gibt bereits Interessenten. Die Gespräche laufen und es ist Vertraulichkeit vereinbart", heißt es im Wirtschaftsministerium. Nach einem Nutzer müsste der Investor nicht lange suchen. Die Messe Berlin hat Interesse. "Wir trauen uns zu, dass wir im Zeitraum von 5 Jahren einen nennenswerten Beitrag zur Refinanzierung leisten können", sagt Grave. In Selchow könnten zum Beispiel im jährlichen Rhythmus Messen zu Teilbereichen der Luft- und Raumfahrt stattfinden, an denen es ein besonderes Interesse der Branche gebe, zum Beispiel die Jobbörse "Career Center". Trotz der weltweiten Wirtschaftskrise können derzeit allein in der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie 2000 Ingenieurstellen nicht besetzt werden.

Neben diesen ILA-Ablegern könnten Produktpräsentationen, etwa der Automobil- oder Mobilfunkbranche, künftig in Selchow stattfinden, sagt Grave. Es sei Trend im Messegeschäft, solche Veranstaltungen in Flughafennähe zu organisieren: "Wir sprechen vom Morgens-rein-abends-raus-Geschäft", sagt Grave. Eine Konkurrenz für das Messegelände am Berliner Funkturm sei Selchow aber nicht, eher eine Ergänzung: "Am Funkturm gibt es zu besonders attraktiven Zeiten gar keine freien Kapazitäten mehr". Laut Grave wird auf lange Sicht auch daran gedacht, anderen Messestandorten in Deutschland attraktive Messen abspenstig zu machen. Das, sagt Grave, sei überall in der Branche so.



8000 Lärmschutz-Anträge zum Flughafen BBI

Bisher ist nur der Bereich für den Tagesbetrieb festgelegt, eine Nachtflugregelung steht noch aus.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 24. August 2009, Seite 10 (Brandenburg) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]

SCHÖNEFELD (Tsp). Rings um den künftigen Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld haben bereits mehrere tausend Anwohner Lärmschutz beantragt. Nach Angaben der Senatskanzlei in Berlin sind bisher 6000 Anträge gestellt worden, das Wirtschaftsministerium in Brandenburg hat bereits 8000 Anträge gezählt. Das Programm war Ende Mai für öffentliche Gebäude und Anfang Juni für privat genutzte Häuser gestartet worden. Für den Lärmschutz sind derzeit 140 Millionen Euro vorgesehen.

Konkret geplant werden kann der Einbau zum Beispiel von Schallschutzfenstern derzeit aber nur für das ausgewiesene Schutzgebiet für die Zeit von 6 Uhr bis 22 Uhr. Der größere Schutzbereich für die Nacht ist bisher nicht festgelegt, weil noch offen ist, mit welchem Lärm hier zu rechnen ist. Derzeit läuft das Verfahren, in dem die zulässige Zahl der Starts und Landungen vorgegeben wird. Es war notwendig geworden, weil das Bundesverwaltungsgericht 2006 die beantragte Nachtflugregelung im Genehmigungsverfahren gekippt hatte.

Vorgesehen war ein 24-Stunden-Betrieb, wie er derzeit in Schönefeld noch möglich ist. Die Richter haben aber für die Zeit von 0 Uhr bis 5 Uhr ein Nachtflugverbot vorgeschrieben. Für die "Randzeiten" von 22 Uhr bis 0 Uhr und von 5 Uhr bis 6 Uhr sollen nur Flüge zugelassen werden, die sich "aus nachvollziehbaren Gründen nicht innerhalb des Tagzeitraumes abwickeln lassen".

Die Planer haben hier einen Bedarf von bis zu 113 Flügen ermittelt; zum größten Teil für die Zeit zwischen 22 Uhr und 23 Uhr. Wie viele Starts und Landungen zugelassen werden, entscheidet demnächst das Brandenburger Infrastrukturministerium. Dagegen können Anwohner wiederum klagen.

Am Flughafen Frankfurt/Main hat der Hessische Verwaltungsgerichtshof in der vergangenen Woche den Antrag auf 150 Flüge in den "Randzeiten" gekippt, weil die Zahl auf den Jahresdurchschnitt bezogen war. Durch Verlagerungen hätte es deshalb zu besonders nachteiligen Bündelungen von Flügen in einzelnen Nächten kommen können. Um in Frankfurt die 4. Landebahn bauen zu können, müssen die Nachtflüge neu geregelt werden.

Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) erwartet, dass allein in Blankenfelde-Mahlow, das in der Flugschneise liegt, rund 6700 Anträge auf Lärmschutz gestellt werden. In Schönefeld selbst sei mit 760 zu rechnen.



Warum "BBI" nur "Flughafen Berlin" heißen kann

Aus:
Die Welt, Berlin, 25. August 2009, 22.47 Uhr MESZ (Blog, nur elektronisch publiziert). [Original]

BERLIN. Der Bau des neuen Hauptstadt-Flughafens ist im vollen Gange. So langsam macht man sich auch Gedanken um den schlagkräftigen Namen. Es kann nur einen geben. In 27 Monaten, im November 2011, soll der neue Berliner Flughafen, der gar nicht mehr im eigentlichen Stadtgebiet, sondern auf Brandenburger Grund und Boden vor den Toren der Hauptstadt entsteht, öffnen. Berlin Brandenburg International (BBI) lautet der Arbeitstitel. Also der Titel während der Errichtungsbauarbeiten.

Wie der neue Flughafen danach wirklich heißen wird, weiß heute kein Mensch. Weder der offizielle Name, noch ein möglicher Beiname stehen fest. Nur eines ist klar, der Neue, die Nummer 3 in Deutschland und das Entree zur Hauptstadt, kann unmöglich aus Regionalpatriotismus "Schönefeld Airport" heißen, das kann außerhalb des deutschen Sprachraums kein Mensch aussprechen, und auf ausländischen Tastaturen sucht man Umlaute bekanntlich vergebens.

Doch braucht "Flughafen Berlin" oder "Berlin Airport" (meine beiden einzigen Favoriten) überhaupt einen Beinamen? Wer weiß denn heute außerhalb Berlins, das der Flughafen der kurzen Wege, Berlin Tegel-Airport (TXL) "Otto Lilienthal" im Zusatz trägt? Eben.

Bevor also ein Streit vom Bauzaun gebrochen wird, keep it simple: "Flughafen Berlin" oder eben international kompatibel "Berlin Airport" reicht doch vollkommen. Es sei denn, die Brandenburger schießen quer und wollen partout ein Wörtchen mitreden. "Albert Einstein" ist so eine Zusatznamenskandidat, weil Einstein in aller Welt bekannt, und – noch viel wichtiger – in Caputh am Schwielowsee in Brandenburg zeitweise lebte.

Über das Kürzel, den Three-Letter-Code, muss man sich keine Gedanken machen. BER stand als City Code zwar bislang für alle drei Berliner Flughäfen (TXL, THF, SXF) und wäre nur konsequent in der weiteren Nutzung (sieht doch als Kofferanhänger auch ganz chic aus). Und BBI, das jetzige Kürzel ist eh vergeben – an Bhubaneshwar, den Flughafen der gleichnamigen indischen Provinzhauptstadt. Wer etwas Muße hat kann ja unter der Web-Adresse world-airport-codes.com etwas rumspielen, fast 10.000 sind dort gelistet.

Was wirklich spannend ist, wäre die Frage, warum sich Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit, bei aller Wertschätzung für seine Person und Amtsausübung, sich so vehement und radikal für die Schließung des innerstädtischen Flughafens Tempelhof ausgesprochen hatte. Ich wünschte mir sehnlichst, dass dieses Kapitel noch enthüllt wird.



„Kaum ein Flughafen ist besser erreichbar“

Brandenburgs Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD) sieht die Region durch BBI im Aufwind.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 13. September 2009, Seite B7 (Sonderbeilage). Die Fragen stellte THORSTEN METZNER. [Original]

 
  Dieses ist ein Interview aus einer umfangreichen (8-seitigen) Sonderbeilage „Hauptstadt- Airport BBI“. Leider gibt es auf der Tagesspiegel-Homepage keine anklickbare Liste aller in dieser Beilage erschienenen Artikel. Man findet diese aber via Google- News mit den Stichwörtern „Sonderthemen“ und „BBI“.  
Tagesspiegel: Herr Dellmann, manche lästern schon, dass der BBI-Flughafen in Schönefeld nur aus der Luft gut zu erreichen sein wird. Sind die Befürchtungen berechtigt?

Reinhold Dellmann: Das ist ein beliebter Spruch in Luftfahrerkreisen, der sich aber eigentlich immer auf München bezog. Für den BBI trifft er wirklich nicht zu. Über Straße und Schiene ist kaum ein Flughafen besser erreichbar als der BBI.

Tagesspiegel: Wie sehen Sie die Anbindung des BBI etwa im Vergleich zu Frankfurt am Main oder München?

Dellmann: Schönefeld ist in dieser Hinsicht sogar im internationalen Vergleich sehr gut. Vom Münchener Hauptbahnhof zum Flughafen brauchen Sie über 45 Minuten, in Berlin werden sie im Endausbau vom Hauptbahnhof 20 Minuten brauchen. Schon mit Eröffnung des BBI benötigen sie nur 30 Minuten und damit deutlich weniger als in München. Auch im Vergleich zum Frankfurter Airport ist Schönefeld besser angebunden. Sogar im Vergleich zu London, Paris oder Amsterdam kann der BBI sich bei der Verkehrsanbindung sehen lassen. Sowohl über die Schiene, als auch über die Straße. Schon heute sind die Autobahnen zum BBI komplett fertig.

Tagesspiegel: Regelmäßig ist die Schienenanbindung in der Kritik. Reicht ein 30-Minuten-Takt des Flughafen-Expresses zum BBI Schönefeld für eine Metropole wie Berlin aus?

Dellmann: Man sollte die Anbindung nicht ohne Not schlechtreden. Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis. Bereits zum Start des BBI gibt es den Flughafenexpress im Halbstundentakt über die Anhalter Bahn, vorrangig auch über die sogenannte Ostanbindung einen weiteren Halbstundentakt über die Stadtbahn. Ergänzt wird dieses Angebot durch die S-Bahnanbindung aus Richtung Berlin im 10-Minuten-Takt, die Regionalzüge nach Potsdam und Königs Wusterhausen sowie Busverbindungen. Das sind stündlich mindestens 5 Regionalverkehrs-, 6 S-Bahn- und über 20 Busverbindungen. Damit haben wir auch in Spitzenstunden ausreichend Platz für Fluggäste, Beschäftigte und Besucher.

Tagesspiegel: Sollte man den Flughafenexpress nicht häufiger fahren lassen?

Dellmann: Sollten Trassenkapazitäten auf der Anhalter Bahn frei werden, könnte ein 20-Minuten-Takt realisiert werden. Das ist aber nicht wahrscheinlich. Mit der Inbetriebnahme der Ostanbindung wird es aber eine zweite direkte Anbindung des neuen BBI über die Stadtbahn an das Zentrum Berlins geben. Nach Fertigstellung der Dresdner Bahn wird die Taktfrequenz des Flughafenexpresses auf einen Viertelstundentakt erhöht und die Fahrt zum Hauptbahnhof beschleunigt.

Tagesspiegel: Eine Einschränkung des Regionalexpressverkehrs zu Gunsten des Airportzubringers lehnen Sie ab. Warum?

Dellmann: Wegen der Pendler, die zwischen Berlin und Brandenburg unterwegs sind. Sie dürfen nicht tagtäglich bestraft werden zugunsten des Flughafens. Im Übrigen ergeben sich mit den beiden Stadtbahnverbindungen von Hauptbahnhof prinzipiell alle 15 Minuten eine Fahrmöglichkeit zum BBI. Erst mit der Dresdner Bahn sind weitere Taktverdichtungen wirkungsvoll und kundenfreundlich.

Tagesspiegel: Grund für den Missstand sind langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren für den Ausbau der Dresdner Bahn. Wer hat das verschlafen?

Dellmann: Es gab Probleme im Verfahren auf Berliner Gebiet. Brandenburg hat in allen Genehmigungsverfahren immer seine Hausaufgaben gemacht.

Tagesspiegel: Sehen Sie eine Chance, diese Verfahren zu beschleunigen?

Dellmann: Ich bin sicher, alle Beteiligten ackern, damit es voran geht. Brandenburg hat hier aber wenig Einfluss. Es geht um Berliner Gebiet.

Tagesspiegel: Wann werden Züge auf der Dresdner Bahn rollen können?

Dellmann: Dies wird nach jetzigem Planungsstand der DB AG leider nicht vor 2014 sein. Klagen könnten das Verfahren noch zusätzlich in die Länge ziehen.

Tagesspiegel: Auch die Anbindung des BBI aus dem Süden und Osten Brandenburgs wird des Öfteren bemängelt. Ist es wirklich kundenfreundlich, wenn man umsteigen muss, um den BBI zu erreichen – etwa von Ostbrandenburg oder aus der Lausitz?

Dellmann: Aus Cottbus sind Sie nach dem Streckenausbau 2010 auf Tempo 160 in einer Stunde mit dem Regionalexpress in Berlin. Eine Untersuchung hat uns gezeigt, dass 90 Prozent der Fahrgäste aus der Lausitz nach Berlin wollen und nur 10 Prozent zum BBI. Daher ist es in Ordnung, in Königs Wusterhausen einmal zum Flughafen umzusteigen. Auch aus Ostbrandenburg ist die Anbindung mit einmal Umsteigen in Ordnung.

Tagesspiegel: Was versprechen Sie sich als Infrastrukturminister von diesem Airport für die Waren- und Güterströme nach Polen und Osteuropa?

Dellmann: Die Luftfracht spielt beim BBI nicht die herausragende Rolle. Generell arbeiten wir daran, Verkehr von der Straße auf die Schiene und das Wasser zu verlagern. Unsere Güterverkehrszentren um Berlin herum leisten das. Die sind im Übrigen bald ausgelastet und es wird schon über Erweiterungen nachgedacht. Da brummt es richtig. Aber durch den BBI werden Firmen angezogen, die für Umsätze in der Region sorgen. Der wirtschaftliche Effekt des BBI ist entscheidend.

Tagesspiegel: Rechnen Sie mit einer Entlastung des Transitverkehrs auf den Autobahnen?

Dellmann: Nein, hier wird es sogar deutliche Zuwächse geben.

Tagesspiegel: Für die Brandenburger Wirtschaft spielt der Außenhandel mit Polen und anderen osteuropäischen Ländern eine untergeordnete Rolle. Kann sich das ändern?

Dellmann: Das kann ich so nicht teilen. Fakt ist, der Ost-West-Verkehr nimmt zu, ob nach Polen, Russland oder die Ukraine. Brandenburg ist verkehrsseitig gut aufgestellt. Das zählt.

Tagesspiegel: Hand aufs Herz: Werden Sie ein bisschen dem Flughafen Tegel wegen seiner exzellenten Erreichbarkeit und der kurzen Wege nachtrauern wie viele Brandenburger und Berliner?

Dellmann: Nein, wirklich nicht. Und von wegen exzellent erreichbar: Nach Tegel fährt bis heute keine einzige Bahn. Da kommen Sie nur mit dem Bus hin, wenn Sie nicht das Auto nutzen. In Brandenburg trauern zudem – wenn überhaupt – auch nur einige aus dem Nordwesten. Aus dem gesamten Süden und Osten wir es ja viel komfortabler zum Flughafen zu kommen.



Dokus zum BBI-Bau:
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