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Die aktuelle Information:
Seit 60 Jahren
Living in a City / Zum Start meiner Reports aus Berlin
BERLIN 15.5.2005 (khd).
Aufgewachsen in Berlin hat man einige der entscheidendsten Konflikte der Weltgeschichte des 20.
Jahrhunderts hautnah miterlebt. Sie spielten sich quasi vor der eigenen Haustür ab. Und
begleitet wurden sie am Anfang von reichlich Stalinorgeln, US-Rosinenbombern und Russenpanzern.
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Russen-Panzer am Leipziger Platz. Damit wird am 17. Juni 1953 der Volksaufstand
niedergeschlagen. Im Hintergund die Leipziger Straße, wo die DDR-Ministerien
angesiedelt sind. Rechts der große Eingang zum Wertheim-Warenhaus.
(Repro: 2003 khd) |
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Von diesen Ereignissen gibt es einiges zu erzählen: Vom Kampf um Berlin am Ende des 2.
Weltkriegs, von der Blockade West- Berlins und der Luftbrücke, vom Aufstand am 17. Juni
1953, vom Bau der Mauer am 13. August 1961. Es sind diese großen Events kontroverser
west-östlicher Nachkriegspolitik, die die Erinnerung besonders markierten.
Aber auch viele kleinere Ereignisse aus dem Leben in einer einmaligen Stadt bleiben
unvergessen.
In meiner Report-Serie Living in a City soll davon berichtet werden. Publiziert
sind bislang die folgende Reports:
Die teilweise noch fehlenden Fotos sowie weitere Reports sollen denmächst folgen.
[Aktuelle Liste aller Berlin-Reports]
BBI Schönefeld droht das Aus
Politik steht vor einem Scherbenhaufen / Kommt nun Sperenberg? /
Oder bleibt alles beim alten?
BERLIN 29.4.2005 (khd).
Vor 2 Wochen hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig
alle Arbeiten für den Ausbau des neuen Großflughafens Berlin Brandenburg
International (BBI) für bis zu 30 Millionen
Reisende pro Jahr verboten. Mit der Entscheidung (Az: BVerwG 4 VR 1005/04) gab das Gericht den
Eilanträgen von Anwohnern statt, die sich gegen den sofortigen Vollzug des
Planfeststellungsbeschlusses gewandt hatten. Es
sollen keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden, hieß es. Das Gericht will im
ersten Halbjahr 2006 seine endgültige Entscheidung fällen.
Der ungewöhnliche Baustop war offensichtlich dringend geboten. Denn inzwischen wurden
Fakten bekannt, die es immer unwahrscheinlicher werden lassen, daß der BBI unmittelbar
vor den Toren Berlins in Schönefeld gebaut werden kann. Vor allem der Lärm
dürfte entscheidend werden [Ed: es ist ja ein Neubau!]. Nach aktuellen Berechnungen sind
in Schönefeld und Umgebung bis zu 252.000 Anwohner vom Fluglärm betroffen. Die
Amts-Planer gingen von nur 34.000 Betroffenen
aus. Am Alternativstandort Sperenberg (30 km vor Berlin) wären es aber höchstens
2.000. Und dort würden auch die Baukosten deutlich geringer ausfallen, zumal der
Eisenbahnanschluß an die Anhalter und Dresdner Bahn kostengünstiger realisierbar
wäre.
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Angesichts der Unsicherheit für das Baurecht des Flughafens sollten bis zum
Urteil des Bundesverwaltungs- gerichts 2006 keine weiteren Mittel in das Projekt investiert
werden.
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Das fordert die Berliner Bundestagsabgeordnete
Franziska Eichstädt-Bohlig (Grüne).
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Es räche sich nun bitter, daß man in den 90er-Jahren mit der politischen Vorgabe
Schönefeld soll es sein in die Planung gegangen ist und nicht sehr
sorgfältig alle Vor- und Nachteile aller möglichen Standorte für einen
Großflughafen untersucht habe, sagen BBI-Kritiker. Das Gericht werde das zu
würdigen wissen. Außerdem sei es angesichts der Tatsache, daß Berlin und
Brandenburg arm wie eine Kirchenmaus seien, sowieso angebracht, extrem sparsam zu bauen.
Die Deutsche Bahn muß wohl geahnt haben, daß es
mit dem BBI- Großflughafen in Schönefeld nichts wird. Denn bislang hat diese keine
ernsten Anstrengungen unternommen, den Flughafen Schönefeld durch den Wiederaufbau der
Dresdner Bahn auf Berliner Stadtgebiet besser an die City anzubinden. Im Gegenteil:
Sobald 2006 der Nord-Süd- Tunnel in Betrieb geht,
werden die meisten Direktverbindungen zur Innenstadt entfallen. Dann fahren die schnellen
Bahnen am Flughafen vorbei. Mit der
Revitalisierung der Anhalter Bahn schafft
aber die Bahn nicht nur eine bessere Verbindung in den Süden, sondern auch die Option der
Anbindung eines Flughafens in Sperenberg.
Auch Politikern dämmert es inzwischen, daß Schönefeld kaum noch eine
Erfolgsstory werden kann. Denn auch die Lufthansa wird
sich in Berlin kaum noch stark engagieren, hat sie doch nun durch den Kauf der
Swiss (Air) neben Frankfurt am Main und München auch
noch Zürich als dritten Heimatflughafen. Die
Posttochter DHL baut zudem ihr internationales Luftdrehkreuz
definitiv in Leipzig, wo Tag und Nacht Flugbetrieb möglich ist. Und so ist bereits zu
hören, daß Schönefeld nur noch zum wichtigsten Flughafen für
die Hauptstadt ausgebaut werden soll. Der Airport solle dabei nicht die Größe von
Frankfurt oder
München haben. Schönefeld solle
hauptsächlich innereuropäische Verbindungen anbieten. Geplant seien aber auch einige
ausgewählte Interkontinental- Verbindungen mit dem neuen Super-Airbus A380.
Und damit könnte auf absehbare Zeit alles beim alten bleiben. Denn bereits 1991 hatte
Berlins Senat aufgeschrieben, daß das vorhandene Landebahnsystem der 3 bestehenden
Berliner Flughäfen (Tempelhof, Tegel und Schönefeld alt) eine Kapazität von 33
Millionen Passagieren pro Jahr zuläßt. In Tegel ist zudem der Platz für ein
zweites Abfertigungsgebäude freigehalten worden. Die Rechtfertigung des BBI-Baus aufgrund
eines prognostizierten Aufkommens von jährlich
30 Millionen
Passagieren kommt damit ins Wanken. Damit wäre der Neubau nicht erforderlich und
die Schönefeld- Planung nicht gerechtfertigt, stellt dazu der Würzburger Anwalt
Baumann fest.
Die Eröffnung vom BBI Schönefeld wurde jetzt offiziell erst einmal
auf 2011 verschoben. Der Großflughafen sollte eigentlich bereits
2007, nach den bisherigen Planungen 2010 in Betrieb gehen. Erst nach dem Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts wird mit einer völligen Neuplanung gerechnet. Das Gericht
entscheidet als einzige Instanz. Und wenn dann die Passagierzahlen deutlich steigen,
könnte
Sperenberg doch noch erste Wahl werden.
[09.06.2002:
Der Bund verliert das Interesse am Großflughafen] (TAGESSPIEGEL)
[23.10.2004:
Sonnenaufgang überm BBI?] (khd-Page)
[00.03.2005:
Landesentwicklungsplan verstößt gegen Schönefeld] (BVBB-INFO)
[14.04.2005:
Zeitplan für Hauptstadt-Airport steht auf der Kippe] (SPIEGEL)
[15.04.2005:
Gericht stoppt Großflughafen] (BERLINER ZEITUNG)
[22.04.2005:
Anwälte geben Schönefeld keine Chance] (BERLINER ZEITUNG)
[22.04.2005:
Flughafen: Sperenberg im Aufwind] (BERLINER MORGENPOST)
[25.04.2005:
Kritik am Großflughafen-Projekt] (BERLINER MORGENPOST)
Lebensmittel-Skandale
Verbraucher-Information unbefriedigend / Zum Relaunch der Webseite
Lebensmittel-Skandale in
Europa
BERLIN 22.4.2005 (khd).
Die Qualität und die Sicherheit von Lebensmitteln betreffen uns alle. Dennoch gehen noch
immer Produzenten, Politik und Kontroll-Behörden viel zu lax mit dem berechtigten
Interesse der Verbraucher um, möglichst viel über die Hintergründe von
Lebensmittel- Skandalen zu erfahren. Ein Blick in das Internet macht das deutlich.
Auf den Homepages von Produzenten ist höchstens unmittelbar nach dem Bekanntwerden eines
Skandals eine Pressemitteilung zu finden, wie das aktuelle Beispiel
Gen-Mais von Syngenta
zeigt. In den meisten Fällen verschwinden aber solche Information wieder recht schnell
aus dem Netz. Auch über die Suchmaschinen sind nur sehr bedingt Informationen über
weiter zurückliegende Skandale zu erfahren. Das meist dürfte hinter
Mauthäuschen der Zeitungsverlage schlummern...
Zwar hatte das Institut für angwandte Verbraucherforschung
(IFAV) zusammen mit der AgV (heute
VZBV) um 1999 eine systematische Untersuchung und Bewertung von
Lebensmittel- Skandalen vorgenommen, aber im Internet nur
eine Zusammenfassung publiziert.
Auch beim Bundesverbraucherministerium ist
keine Dokumentation aller Lebensmittel- Skandale mit Angaben der Details zu finden es
sei denn, sie haben eine solche in ihrem
Web-Irrgarten
gut versteckt.
Aber bereits seit Anfang der 70er-Jahre hatte ich selbst Meldungen zu Lebensmittel- Skandalen
vor allem aus Zeitungen gesammelt. Das meiste dieses Materials ist von mir
inzwischen auf der Webseite
Lebensmittel- Skandale
in Europa veröffentlicht worden. Auch wenn diese 2-teilige Dokumentation nicht
vollständig ist, gibt sie dennoch einen guten Überblick über die
vielfältigen Praktiken der Panscher und Geschäftemacher der letzten 35 Jahre.
Angesichts der zahlreichen Lebensmittel-Skandale nimmt das Mißtrauen der Verbraucher
gegenüber Produktion und Angebot von Lebensmitteln seit Jahren zu. Auch fühlen sich
Konsumenten arglistig getäuscht wenn Anbieter versuchen,
überlagerte
Waren neu zu deklarieren. Natürlich erwarten heute mündige Verbraucher,
daß die Behörden Roß und Reiter nennen. Skandalträchtiges darf nicht
unter der Decke gehalten werden. Die Information der Öffentlichkeit muß schnell und
umfassend erfolgen. Denn in einer Marktwirtschaft entscheidet der Verbraucher, was er kauft.
Und dazu ist er auch auf solide Informationen der Wissenden angewiesen.
[Übersicht nach Lebensmitteln]
[00.09.1989:
Experten fordern: Schützt uns besser!] (NATUR)
[06.09.2001:
Geheimakte Lebensmittel-Skandale] (GREENPEACE)
[21.04.2005:
Thilo Bode (Foodwatch) zu den Hintergründen der Skandale] (DIE ZEIT)
Politik blockiert die Republik
Wichtige Staatsreform an Politikern gescheitert /
Eine neue Verfassung muß her
BERLIN 18.12.2004
(khd).
Politiker aller Couleur geißelten in den letzten Jahren immer wieder die Reform-
Unwilligkeit der Bürger. Und nun das: Sie selbst sind nicht in der Lage, die
einfache Übung der Verbesserung der Handlungsfähigkeit unseres Staats zu
bewältigen. Seit gut einem Jahr verhandelte die Politik in der Föderalismus-
Kommission eine Reform unseres Staates. Denn der seit 1949 etablierte Wildwuchs der
Beziehungen zwischen Bund und Ländern bedarf dringend der Neuordnung. Die damit
verbundene Straffung von Entscheidungsabläufen galt als der Haupt- Schlüssel
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Dieses Grundgesetz verliert seine Gültigkeit an dem Tag, an dem eine
Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen
worden ist.
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So heißt es im Artikel 146 des
Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Es wird Zeit, daß das realisiert
wird.
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für die Reformfähigkeit Deutschlands. Seit gestern abend wissen wir, daß
diese Bemühungen am Unvermögen und Egoismus unserer Parteipolitiker- Kaste
gescheitert
sind.
Und heute geht es gleich weiter mit dem Unvermögen: Die nichthandelnden Politiker wie
Stoiber (CSU), Müntefering (SPD), Teufel (CDU) und Koch (CDU) bezichtigen sich
gegenseitig, schuld am Nichtergebnis zu haben wg. der Bildungskompetenz. Das
interessiere das Publikum aber überhaupt nicht, wissen nicht nur Kritiker. Sie
hätten alle zusammen jämmerlich versagt, heißt es. Das
Publikum wolle nun nur wissen, wie es weitergehen soll. Denn es hat sehr wohl bemerkt,
daß es die Länder waren, die Deutschlands (Schul-)Bildung in den Sand setzten
(PISA!) und eine unsinnige Rechtschreibreform
installierten, auch daß hierzulande zwischen dem Verfassungsanspruch und der
Wirklichkeit eine riesige Kluft besteht.
So heißt es beispielsweise im
Artikel 21 des Grundgesetzes: Die Parteien wirken bei der politischen
Willensbildung des Volkes mit. Sie wirken mit! Da steht nichts von einem
Ausschließlichkeitsanspruch der Parteien geschweige denn etwas davon,
daß sich politisches Handeln nur nach dem Partei- Willen richten muß, wie es
immer wieder zu beobachten ist (u. a. Fraktionszwang, Pairing usw.). Auch hierzu ist eine
Klarstellung in einer wegweisenden Verfassung dringend geboten um der Demokratie
willen. Und so ist der
Vorschlag sinnvoll, jetzt einen Verfassungskonvent unter Beteiligung aller
gesellschaftlich relevanten Gruppen einzuberufen, um endlich die rein parteitaktisch
produzierten Blockaden aufzubrechen. Schließlich gehe es um die Lösung von
reinen Sachfragen, nicht um das Erzielen irgendwelcher Vorteile für irgendwelche
Parteien oder die Bedienung von Lobbyisten oder Abzockern, stellen aufgeklärte
Bürger fest.
[17.12.2004:
Föderalismus-Fiasko Politiker patzen bei der "Mutter aller Reformen"]
(SPIEGEL-ONLINE)
[18.12.2004:
Föderalismus-Flop Köhler fordert Politik zu neuem Reformanlauf auf]
(SPIEGEL-ONLINE)
Die Energie-Abzocke beginnt
Gasag und Bewag werden deutlich teurer / Versorger schöpfen Kaufkraft ab
BERLIN 24.11.2004
(pep).
Um die in ihren Geschäftsplänen ausgedachten Gewinne stabil zu halten, haben
jetzt die Energieversorger damit begonnen, ihre Tarife zu erhöhen. So erhöhen
die privatisierten Berliner Gaswerke (Gasag) bereits
zum 1. Dezember die Preise. Die Preise für Privatkunden steigen um 6 bis 8 %
das hängt vom jeweiligen Tarif ab, sagte heute ein Gasag-Sprecher. Als
Begründung müssen die hohen Preise an den internationalen Rohölmärkten
[khd-Page berichtete] herhalten, was jetzt sogar das
Bundesfinanzministerium kritisierte. In Berlin sind von der Erhöhung etwa 700.000
Haushalte betroffen.
Im Berliner Umland verlangt die brandenburgische Gasag-Tochter EMB künftig 5,5 % mehr
pro Kilowattstunde (kWh) Erdgas. Die EWE AG, die in Brandenburg und Niedersachen rund
730.000 Haushalte versorgt, hatte bereits die Tarife zum 1. September um satte 13 %
verteuert. Nach Angaben des Lobbyisten Bundesverband der deutschen Gas- und
Wasserwirtschaft (BGW) sind in Deutschland von den Preiserhöhungen 19,5 Millionen
Bürger betroffen.
Auch der Berliner Stromversorger Bewag (Vattenfall)
dreht jetzt kräftig an der Preisschraube. Er kündigte an, die Tarife zum 1.
Januar 2005 zu erhöhen. Als Begründung teilte die Bewag den Kunden nur mit:
Stetig steigende Kosten der Stromerzeugung sowie hohe staatliche Abgaben und
Steuern zwingen nun jedoch auch uns, die Preise zum Jahreswechsel den wirtschaftlichen
Erfordernissen anzupassen. Noch zum Jahreswechsel 2003/04 hatte die Bewag in
großen Zeitungsinseraten mit Ins neue Jahr mit alten Preisen
geworben, die sie alle aufzählte. Solche
soliden Infos gab es jetzt nicht. So steigt ab 2005 z. B. beim Tarif MultiConnect der
Verbrauchspreis von bislang 13,52 Cent/kWh um 17 % auf 15,82 Cent/kWh, wobei aber der
monatliche Grundpreis abgesenkt wird. Das Strompreis- Chaos sei mit solchen
Maßnahmen und miserabler Kundeninformation perfekt, sagen nicht nur
Verbraucherschützer.
[07.08.2004:
Verbrauch soll steigen Gas mit Luft verdünnt] (SPIEGEL-ONLINE)
[08.09.2004:
Harsche Kritik an Stromkonzernen] (BERLINER ZEITUNG)
[13.09.2004:
Stromkonzerne verdienen prächtig] (BERLINER ZEITUNG)
[17.09.2004:
Energiepreis-Moratorium läuft ins Leere] (BERLINER ZEITUNG)
[17.09.2004:
Verbraucherschützer werfen Berlin Kumpanei mit Energieriesen vor] (SPIEGEL-ONLINE)
[04.12.2004:
Eon treibt den Strompreis] (BERLINER ZEITUNG)
Millionen zahlen zu viel fürs Erdgas
28.11.2004 (khd/ag).
Wie die BILD-Zeitung meldet, zahlen Millionen Gaskunden zu viel beim Erdgas. Die
Information stammt von den Eichämtern der Bundesländer. Die Gasversorger halten
nicht immer den vorgeschriebenen Gasdruck ein, was zu einer falschen Menge bei den
Abrechnungen führe, heißt es. Bereits im August hatte SPIEGEL-Online
darauf hingewiesen,
daß viele Gasversorger das Erdgas mit Fremdgasen (Luft) strecken. Auch damit wird
die abgenommene Menge künstlich gesteigert.
Der Bund der Energieverbraucher e.V.
schätzt, daß rund 3,6 Millionen Haushalte zu hohe Gasrechnungen erhalten. Der
Verbandsvorsitzende Aribert Peters sagte BILD: Ein Durchschnittshaushalt
muß dadurch möglicherweise bis zu 80 Euro im Jahr zuviel bezahlen. Peters riet
den Gaskunden, auf mehr Transparenz in den Rechnungen zu dringen. Er regte zudem
schriftliche Proteste bei den Versorgern wg. der Preiserhöhungen an. Wer die
Preisanhebungen als unbillig hoch zurückweise, brauche die Erhöhung
zunächst nicht zu zahlen, erklärte Peters. Bereits rund 50.000 Verbraucher
sollen mittlerweile wegen Unbilligkeit (§ 315 Abs. 3
BGB) die Zahlung der jüngsten Gaspreiserhöhung
verweigern.
[07.12.2004:
Mißbrauchsverdacht Kartellamt startet Verfahren gegen Gas-Lieferanten]
(SPIEGEL-ONLINE)
[08.12.2004:
Bundeskartellamt prüft Gaspreise Drastische regionale Unterschiede]
(BERLINER ZEITUNG)
Stromriesen klauen 11 Milliarden Euro Kaufkraft
6.12.2004 (khd/info-radio).
Die Verbraucherzentralen haben jetzt massive Kritik am Geschäftsgebaren der deutschen
Energiewirtschaft geübt. Die gesamte Branche sei für die schwache Konjunktur in
Deutschland mitverantwortlich. Nur weil sich die großen Stromkonzerne
durch völlig überhöhte
Durchleitungs- Entgelte [Ed: Anteil rund 33 %!]
Konkurrenten vom Halse halten wollen, gehörten die deutschen Energiepreise zu den
höchsten in Europa, sagte Edda Müller der Berliner Zeitung.
Würde der Wettbewerb ähnlich laufen wie bei den britischen Nachbarn,
könnte die deutsche Wirtschaft eine Konjunkturspritze in Höhe von jährlich
bis zu 11 Milliarden Euro Kaufkraft bekommen, stellte die Chefin des Bundesverbandes
der Verbraucherzentralen (VZBV) fest. Aber die
Energiewirtschaft habe ganz gezielt jene Gärtner [Ed: wie
Werner Müller
(SPD-nah) oder
Laurenz Meyer (CDU)] geschult, die sie später zur Hege und
Pflege der politischen Landschaft in ihrem Sinne einzusetzen pflegt, wissen
aufmerksame Stromkunden. Die Belange der Volkswirtschaft sowie der Verbraucher bleiben
da auf der Strecke.
[09.12.2003:
Verbraucher werden abgezockt Verbraucherverbände fordern Einschreiten...]
(khd-Page)
[13.12.2004:
Monopolkommission: Regierung betreibt Energiepolitik zu Gunsten der Konzerne]
(BERLINER ZEITUNG)
10 Jahre Intel Pentium-Bug
Erinnerung an das Intel-Desaster von 1994 / Pentium- Prozessor
konnte nicht richtig dividieren / Der FDIV-Bug
BERLIN 17.10.2004
(khd).
Im Mai 1993 brachte der weltgrößte Chip- Hersteller die
Intel Corporation den neu
entwickelten Mikroprozessor Pentium (586er) als Nachfolger des 486er-Chips auf
den Markt. Am 30. Oktober 1994 schrieb der Mathematik- Professor Thomas R. Nicely aus
Virginia u. a. an den Fachbuchautor Andrew Schulman (Unauthorized Windows 95)
in einer E-Mail
(to whom it may concern): It appears that there is a bug in the floating point
unit (numeric coprocessor) of many, and perhaps all, Pentium processors. Und
damit begann eines der aufregendsten Kapitel der modernen Wirtschaftsgeschichte. Eine
Großunternehmen mit weltweit 80 % Marktanteil hatte mit einem grundsätzlichen
Konstruktionsfehler massiv gepatzt und war dann zunächst auch noch uneinsichtig. Es
dauerte aber noch gut drei Wochen bis sich das via Internet
verbreitete und dann auch die breitere Öffentlichkeit durch
CNN
am 22. November 1994 von Intels Desaster mit dem
hochgelobten
Pentium- Prozessor erfuhr.
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Once in every 27,000 years of use.
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Mit dieser Aussage
zur Häufigkeit des Auftretens des Dividier-Fehler aller Pentium-Mikroprozessoren
blamierte sich 1994 Chip-Gigant Intel bis auf die Knochen.
[mehr]
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In den nächsten Wochen jährt sich dieses Ereignis zum 10. Mal. Und es ist zu
erwarten, daß sich auch die Medien daran erinnern, daß Intel den Pentium-
Fehler ein halbes Jahr verschwiegen hatte und dann versuchte, alles schönzureden.
Viele werden sich fragen, wie das damals genau war. Wer hat zuerst den im Pentium
eingebauten Dividier- Fehler (FDIV bug) erkannt? Was geschah darauf? Wie
reagierte
das große Computer- Unternehmen Intel auf die schreckliche Nachricht? Welche Rolle
spielte das Internet? Und welche Lehren galt es zu ziehen? All diese Fragen lassen sich
am besten mit Original- Dokumenten beantworten, die damals der Herausgeber dieser Seiten
sorgfältig ‚for a future use‘ archivierte.
[mehr]
In einem sehr
eindrucksvollen Poster publizierte Prof. Vaughan R. Pratt
von der Stanford University am 30. Dezember 1994 in comp.sys.intel, sci.math.num-analysis
und comp.arch ein Programm (reactor.c), mit dem bewiesen wurde, daß der
Pentium- Defekt entgegen der
Prognose von Intel
die Daten einer einfachen Datenbank bereits nach nur 32 Minuten bis zur
völligen Unbrauchbarkeit zerstört. Intel hatte gelogen, als sie
behaupteten, der Dividier- Fehler trete nur
alle 27.000 Jahre auf.
[Pratt-Paper]
[Kommentar vom 3.12.1994]
[30.10.1994:
Prof. Nicely entdeckt den FDIV-Bug und informiert per E-Mail]
[22.11.1994:
CNN berichtet erstmals über den Pentium-Defekt]
[25.11.1994:
Intel Pentium The chip that redefines mathematics]
[27.11.1994:
Intel-Chef Andy Grove wendet sich an die Internet-Gemeinde...]
[01.12.1994:
Will wonders never cease]
[03.12.1994:
Intel Pentium Der eingebaute Divisionsfehler]
Alle älteren Infos findet man im
Archiv:
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Wo sind die Infos?
Viele interessante Themen, die hier einmal behandelt wurden, haben
inzwischen eigene Web-Seiten erhalten. Hier finden Sie den Weg dorthin:
Chronik des Berliner Banken-Skandals. (Bereits in 144. Edition)
Infos zum Elektro-Smog. (neu zusammengestellt)
Zur Gefahr von Acrylamid im Essen.
Zum Nitrofen-Skandal. (den [mehr] folgen)
Die Lebensmittel- Skandale in Europa.
Politik skandalös.
Die Geschichte des EURO.
Nützliches und Infos zum EURO.
Zum Rinderwahnsinn. (BSE + CJD)
Archiv zu Problemen mit der Telekommunikation
(Telefon, Internet, Breitband, TV-Kabel, Tarife etc.). Das Archiv
"t-off"
wird noch immer laufend aktualisiert.
Es gab mal Proteste gegen die Telekom-Tarife 96.
Es gab mal einen Internet-Boykott 1998.
Abkürzungen der IT- und TK-Technik.
Und anderes ist im
Archiv abgelegt.
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