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Die aktuelle Information:
Vom Geschäftesterben im Stadtrand-Kiez
Einkaufszentrum der Thermometer-Siedlung ohne Supermärkte /
Letzter Lebensmittelladen macht dicht / Politik sprachlos und untätig
BERLIN-LICHTERFELDE 30.6.2004
(khd).
Während ums Steglitzer Rathaus herum ein Immobilien- Fonds das
schönste Einkaufszentrum
Berlins bauen darf, sieht es mit dem Einkauf am Steglitzer Stadtrand immer
düsterer aus. Nun regelt hierzulande der Markt die Versorgung der Bürger
mit Lebensmitteln und alltäglichem Bedarf. Aber das ist nur die Theorie. Denn
immer häufiger wirken sich stadtplanerische Vorgaben und Fehler und wenig
durchdachte Baugenehmigungen sowie ein nicht marktgerechtes Verhalten der Vermieter
extrem negativ auf die wohnortnahe Versorgung der Bürger aus, wie das folgende
Beispiel aus Berlin zeigt.
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Haustürshopping in der Thermometer-Siedlung
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Unter diesem Titel lobte sich die GSW im Mai 2004 in ihrer
Mieterinformation noch
selbst wohlwissend, daß der Supermarkt
demnächst dicht macht.
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Anfang der 70er-Jahren entstand am Steglitzer Standrand in Lichterfelde- Süd auf der
grünen Wiese gebaut vor allem von GSW
und GAGFAH eine Hochhaussiedlung mit rund
2700 Wohnungen und einem Einkaufszentrum an der Ecke Celsius-/Fahrenheitstraße.
Hier gab es über viele Jahre u. a. einen Bäcker, ein Schreibwaren-
Geschäft, einen Blumenladen, einen Eisen- und Haushaltswaren- Laden, eine
Drogerie, eine Apotheke, ein Reisebüro, einen Frisör, eine Reinigung, einen
Zeitungsladen, eine Bank, eine Kneipe, eine Pizzeria, einen Wochenmarkt und 2
Supermärkte (ursprünglich Butter- Beck und Gebr.
Manns). Die Supermärkte wechselten schon mal die Besitzer. Aus
Butter- Beck wurde der Tengelmann- Discounter Plus und in den großen
Laden der Gebr. Manns zog im Frühjahr 1987 Reichelt ein. Die
gleichzeitige Schließung der beiden Supermärkte Ende 1986 hatte damals
für einigen Pressewirbel gesorgt.
Wenn nun Mitte Juli auch der 2. Supermarkt
Plus schließt, ist kein Ersatz in
Sicht, obwohl die GSW gerade das Umfeld des gesamten Einkaufszentrums aufwendig
umgebaut und renoviert hat. Es ist nicht mehr viel übrig von der einstigen
Vielfalt. Denn der Wochenmarkt, der Bäcker, das Schreibwaren- Geschäft,
der Blumenladen, der Eisen- und Haushaltswaren- Laden und die Bank sind längst
verschwunden. Die gut sortierte Drogerie wurde durch Schlecker ersetzt.
Hinzugekommen ist ein
China- Imbiß und eine Eisdiele. Einige Läden wurden zweckentfremdet und
manche stehen leer. So auch der (andere) Supermarkt
Reichelt. Dieser hatte bereits
zu Weihnachten 2001 dicht gemacht, um sich einige 1000 Meter weiter im neu
eröffneten Gewerbegebiet am S-Bahnhof Osdorfer Straße mit einem Neubau
anzusiedeln. Dort gibt es mehr Parkplätze, denn man hofft hier auf Kunden aus
dem Umland. Und Plus macht demnächst einen neugebauten Laden direkt am
Ostpreußendamm auf 6 Bus- Haltestellen entfernt. Aber welche Rentnerin
kann schon bei jedem Einkauf auch noch 4,40 Euro (8,61 DM) an Fahrgeld ausgeben?
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Presse-Stimmen 1987 |
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8. Januar 1987:
Meine Kartoffeln werden knapp, wo soll ich denn bloß einkaufen?
(B.Z.) |
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11. Januar 1987:
Zwei Lebensmittelläden schließen
Thermometersiedler sind verärgert.
(Berliner Morgenpost) |
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29. Januar 1987:
Wo uns der Schuh drückt Bewohner äußern ihre Meinung
(Steglitzer Wochenblatt) |
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1. Februar 1987:
Skandal Thermometer-Siedlung 7 Wochen ohne Supermärkte!
(Forum Lichterfelde-Süd) |
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Wie sich da die vielen Mütter mit kleinen Kindern und alte, oft gehbehinderte
Menschen mit den notwendigsten Lebensmitteln versorgen sollen, interessiert
offensichtlich weder (Bezirks-) Politik noch Vermieter. Jedenfalls ist bis zum
heutigen Tage keine Initiative der gewählten Volksvertreter bekanntgeworden, die
nun entstandene Situation in der Thermometer- Siedlung zu verbessern. Womöglich
würden die Politiker die Bewohner wie schon 1987 wieder aufs Auto
verweisen (Wirtschafts- Stadtrat Lemmer 1987: Außerdem würden
ohnehin viele Bürger ihre Einkäufe mit dem Auto erledigen).
Auch der Fußweg zu den noch am Rande der Thermometer- Siedlung vorhandenen
Supermärkten Kaiser's und nun Rewe (1987 noch Bolle,
später Edeka) an der Osdorfer Straße wurde damals empfohlen.
Mißlich ist nur, daß es bis dorthin um die 800 Meter weit ist, d. h.
1600 Meter für Hin- und Rückweg zurückzulegen sind viel zu weit
für gehbehinderte Alte mit gefüllter Einkaufstasche.
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Besonders mißlich ist aber auch, daß die in den 90er- Jahren geplante
Erweiterung der Thermometer- Siedlung nach Süden um 2000 bis 3000 Wohnungen
das Projekt
Autofreies Wohnen nicht realisiert wurde, obwohl das Gebiet seit 1998 mit
der S 25 einen direkten S-Bahnanschluß
in die Berliner Innenstadt hat. Immerhin hätten dann rund 10.000 Bewohner eine
stärkere lokale Nachfrage bewirkt. Sollten sich die Einkaufsmöglichkeiten
nicht nachhaltig verbessern, werden sich wohl viele eine neue Wohnung in einer
Berliner Gegend suchen, in der ein Haustür- Shopping von frischen
Schrippen, Brot, Kartoffeln, Gemüse, Obst und Fleisch noch möglich ist.
Soziales Gleichgewicht
erneut
gefährdet
1.7.2004 (khd).
Es sieht ganz so aus, daß die Tage der Thermometer- Siedlung gezählt sein
könnten. Denn offensichtlich reicht die Nachfrage von um die 4000 Bewohnern
nicht mehr aus, um im Zentrum der Siedlung zwei sich ergänzende Supermärkte
wirtschaftlich betreiben zu können. Und wenn das so ist und wenn die
Siedlung nicht sozial durch Wegzug umkippen soll , dann muß schleunigst
etwas passieren. Sonst könnte das 1999 von Studenten der Humboldt-
Universität postulierte (und damals verworfene)
Schreckensszenario sehr schnell Wirklichkeit
werden. Denn wegen der hohen Wohnwertminderung durch fehlendes Haustür-
Shopping und durch demnächst stark
steigende Mieten werden nun einkommensstärkere Bewohner vermehrt die
Thermometer- Siedlung verlassen.
Natürlich können Politik und Vermieter keine neue Läden aus dem Hut
zaubern. Die muß der Markt schaffen. Aber sie können sehr viel
dafür tun, daß die Rahmenbedingungen zum wirtschaftlichen Betreiben von
Lebensmittelläden in einer problembehafteten Stadtrandsiedlung stimmen.
Dazu gehören beispielsweise gezielte Steuererleichterungen für die
Unternehmen und natürlich reduzierte Mieten. Passiert ist in dieser Hinsicht
bislang aber nichts.
Es ist fast unglaublich, daß die großen Laden- und Lagerräume des
früheren Reichelt- Markts in der Fahrenheitstraße seit über 30
Monaten leer stehen und keine Miete erbringen. Dieser Vermieter (es ist nicht die
GSW) hat die Marktwirtschaft nicht verstanden. Denn angeblich sollen sich Lidl und
andere Unternehmen um die leerstehenden Geschäftsräume bemüht haben,
was aber meist an einer zu hohen Miete gescheitert sein soll. Eine der Situation
angepaßte niedrigere Gewerbemiete bot der Vermieter offensichtlich nicht an.
Auch ist es politisch und stadtplanerisch nicht sehr weise und durchdacht gewesen,
durch die Öffnung der Gewerbegebiete zwischen Ostpreußendamm und S-Bahnhof
Osdorfer Straße (früher Aldi- Zentrallager für West- Berlin) für
den Einzelhandel die Geschäfte aus der Thermometer- Siedlung de-facto
abzusaugen. Insofern trägt der
Bezirk Steglitz- Zehlendorf einen
erheblichen Teil der Schuld an der nunmehr entstandenen untragbaren Einkaufssituation
in der Thermometer- Siedlung.
Nun Kiezbereinigung?
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Nun steht es fest. Am Plus-Laden in der Celsius- straße 66a klebt heute
(2.7.2004) ein Plakat:
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Wir ziehen um!
Letzter Verkaufstag ist der 14.7.
Eröffnung unserer neuen Filiale am 15.7. um 8.00 Uhr auf dem
Ostpreußendamm 137138.
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3.7.2004 (pep).
Aber vielleicht dient das alles auch nur dazu, aus der Thermometer- Siedlung ein
unattraktives Wohnquartier zu machen. Denn der neue GSW- Eigner
Cerberus hat nach einem
Bericht der Jungen
Welt am 27. Mai auf einer Informations- Veranstaltung auf die Frage, wie denn
Cerberus mit den sogenannten schwierigen Mietern umgehen wolle
schließlich gebe es in Berlin viele Arbeitslose und Sozialhilfe- Empfänger
angekündigt: Ach, das ist kein Problem. Es gibt ja
schließlich auch unattraktivere Wohnquartiere. Dann müsse man
solche Mieter einfach dorthin umsetzen. In einigen Quartieren
wird sich viel ändern und in anderen nicht, betonte der Deutschland-
Manager der Cerberus. In Lichterfelde- Süd könnte die
Kiezbereinigung begonnen haben.
[10.07.1999:
Berliner Großwohnsiedlungen kommen in die Jahre]
(Bericht der Humboldt-Universität)
[00.07.2000:
Zwischenbilanz Runder Tisch Thermometer-Siedlung]
(Wir in Lichterfelde-Süd)
[17.11.2002:
Die Thermometer-Siedlung gewinnt soziales Gleichgewicht] (Berliner Morgenpost)
[02.06.2004:
Kiezbereinigung Abgeordnetenhaus entscheidet über GSW-Verkauf]
(Junge Welt)
BVG 2005 plus
24 Metro-Linien sollen nun 18 Millionen neue Kunden bringen / 55 km Buslinien
fallen weg
BERLIN 28.6.2004 (khd/info-radio).
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen erneut das Bus- und Tram- Netz total
umkrempeln. Ihr Konzept BVG 2005 plus sieht dazu
24 Metro-Linien bei Bus und Tram vor. Diese
sollen an allen Tagen fast rund um die Uhr im Einsatz sein und auf wichtigen
Verkehrsachsen fahren, auf denen weder S- noch U-Bahnen verkehren. Die
Verknüpfung zwischen U- und S-Bahnen sowie Bussen soll dabei verbessert
werden. Die Linien verkehren mindestens alle 10 Minuten.
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Für viele Kunden wird das neue BVG-
Angebot attraktiver.
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BVG-Chef Andreas von Arnim.
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Die BVG erhofft sich durch die Umstrukturierung
nach eigenen Berechnungen 18 Millionen neue Fahrgäste pro Jahr und eine
Verbesserung der Auslastung bei Bussen und Bahnen um durchschnittlich 6 % sowie einen
Gewinn von rund 17 Millionen Euro pro Jahr. Deshalb trage das Vorhaben zur Sanierung
der hoch verschuldeten BVG bei, heißt es. An eine Preissenkung zur Gewinnung
neuer Kunden denkt die BVG derzeit nicht.
Um das Metro-Netz zu finanzieren müssen allerdings BVG-Nutzer in den
Außenbezirken auf wenig frequentierte Bus-Linien künftig verzichten.
Dies sei aus Kostengründen unvermeidbar gewesen, sagt die BVG. So sind nach
BVG-Angaben 0,1 % aller Fahrgäste von kürzeren Betriebszeiten und 3,9 % von
längeren Taktzeiten einzelner Linien betroffen. Die Pläne müssen noch
vom Senat genehmigt werden und sollen nach dem Willen der BVG zum Fahrplanwechsel am
12. Dezember 2004 realisiert werden.
Gut und sicher wohnen?
Berlins größte Wohnungsbaugesellschaft GSW an US-Investmentfonds verkauft /
Mieter müssen mit erheblichen Mieterhöhungen rechnen
BERLIN 18.6.2004 (khd/info-radio).
Gestern abend besiegelte das
Abgeordnetenhaus von Berlin einen weiteren
Verkauf vom Berliner Tafelsilber. Für nur 405 Mio. Euro wird die
bislang landeseigene Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft
mbH (GSW) mit rund 70.000 Wohnungen an die
US-Fondsgruppe Cerberus
Partners (New York + Frankfurt/Main) verkauft. Diese war zum
Schnäppchenpreis bereit, die GSW- Schulden in Höhe von 1,55 Mrd. Euro zu
übernehmen. Von dem Verkauf sind fast 150.000 Mieter betroffen. Die GSW
(Gut und sicher wohnen) wurde am 2. April 1924 als
Wohnungsfürsorge- Gesellschaft mbH (WFG) von der Preußischen
Staatsverwaltung und der Stadt Berlin gegründet. Sie feierte gerade ihren 80.
Geburtstag.
Dem Deal von rund 30.000 Euro pro Wohnung zugestimmt haben im Parlament die
regierende SPD + PDS, aber auch die oppositionelle CDU und FDP votierten dafür.
Nur die Grünen stimmten gegen
den Verkauf an den von der deutschen Wohnungswirtschaft völlig unbeleckten
US-Investor. Den Volksvertretern wurden lediglich 2 Wochen zur Prüfung des
umfangreichen Kaufvertrags gewährt. Die betroffenen Mieter wurden bislang
überhaupt nicht über das Vertragswerk und dessen Folgen informiert. Auch
der Senator für Finanzen hat sich mit Verweis auf die mit Cerberus vereinbarte
Vertraulichkeit nicht zu wichtigen Details des Geschäfts geäußert.
Nicht nur in Finanzkreisen gilt Cerberus als wenig seriös. So heißt es in
Hoover's Firmenprofil im Mai
2004: Cerberus Partners investment strategy owes a lot to the company's
namesake the three- headed dog of Greek mythology that guarded the gates of
Hades [Ort der Toten] the firm keeps companies on the brink of
disaster from flaming out. Big- name holdings include a 49 % stake in Japanese bank
Aozora, US tech firms ICG Communications and SSA Global Technologies, and cable
operator Galaxy Cable. The firm often injects capital into struggling retail
ventures with varying degrees of success (...).
Der dreiköpfige
Höllenhund ist nun in Deutschland angekommen und
entdeckte Berlin.
Und das Land Berlin ist wg. seiner katastrophalen
Finanzlage gezwungen (die PDS spricht sogar von einem
Notlagen-
Verkauf), Geld in die Kassen zu kriegen wo und wie es nur
geht. Ob das aber auch im Sinne der vielen Mieter geschieht, bezweifeln
einige Abgeordnete. Zwar
sollen sich der GSW-
Erwerber verpflichtet haben, auf jegliche Luxus- Modernisierung der Wohnungen zu
verzichten, die Miete nur im Rahmen des
Berliner Mietspiegels zu
erhöhen, von Eigenbedarfs- Kündigungen nach einer eventuellen Umwandlung in
eine Eigentumswohnung abzusehen und Mietereinbauten Bestandsschutz zu geben. Aber in
den einzelnen Dauer- Mietverträgen ist das bislang nicht verankert worden.
Vermutlich seien die Zusagen des Investors nicht verbindlich genug geregelt,
heißt es in Abgeordnetenkreisen. Insbesondere seien finanzielle Sanktionen bei
Verstößen gegen diese Regelungen nicht scharf genug,
da dafür ein Fonds von nur 10 Mio. Euro vorgesehen sei Peanuts für
aggressive Investoren mit Profitgier.
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Nach eigenen Angaben investiert Cerberus nur auf eine Sicht von 10
Jahren (Morgenpost). Was danach passiert, ist derzeit
völlig unklar. Die Berliner sind daher sehr mißtrauisch. Denn sie
erinnern sich an die Erfahrungen mit früheren Privatisierungen. So sind die
Verkäufe des Strom- und Fernwärme- Lieferanten
Bewag (ging an Vattenfall) sowie der
Berliner Wasserwerke (gingen an Vivendi) wg.
miserabler Verträge nicht zum Nutzen der Berliner und des Landes ausgegangen.
[00.01.2001:
GSW-Verkauf] (MIETER-MAGAZIN)
[15.12.2003:
Die GSW soll nun doch verkauft werden] (IMMOBILIEN-BRIEF)
[19.01.2004:
Die "Aasgeier" der Immobilienbranche sind im Anflug] (DIE WELT)
[22.01.2004:
Immobilien Das Tafelsilber wird verkauft] (FUCHSBRIEFE)
[13.02.2004:
Cerberus entdeckt Berlin] (MORGENPOST)
[31.03.2004:
Endspurt im Berliner Immobilien-Poker] (DIE WELT)
[25.05.2004:
Senat will Verkauf der GSW beschließen] (DIE WELT)
[26.05.2004:
Amerikanische Investoren kaufen Wohnungsbaugesellschaft GSW] (DIE WELT)
[26.05.2004:
Berlins größte Wohnungsgesellschaft geht an Cerberus] (DIE WELT)
Nun gilt: Eigennutz geht vor Gemeinnutz
22.6.2004 (khd).
Im Firmennamen führt die GSW nun seit 80
Jahren die Begriffe Fürsorge und ab 1937 den der
Gemeinnützigkeit. Damit wird es nun vorbei sein. Denn wenn auch
die EU-Kommission grünes Licht zum GSW- Verkauf gibt, gehört das
traditionsreiche Berliner Wohnungsunternehmen einem amerikanischen Immobilien- Fonds
mit eigennützigem Gewinnstreben. Der Dank der Mieter geht an die
Berliner CDU+FDP+PDS+SPD. Und der Verkauf soll sogar rückwirkend zum 1. Januar
2004 wirksam werden.
Zwar ist gegen eine Privatisierung der GSW nicht grundsätzlich etwas
einzuwenden. Aber ein Blick auf die Struktur dieses
Käufer- Konsortiums sagt bereits alles. Denn wer für die
Übernahme der GSW eine solch trickreich vernetzte GmbH- Struktur einsetzt, der
hat etwas zu verbergen. Oder er will massiv die deutschen Steuerbehörden
austricksen und die Gewinne ins Ausland verschieben
(Vodafone läßt grüßen).
Zudem unterliegen GmbHs nicht der Publikationspflicht. Das sieht also gar nicht
seriös aus. Saftige Mieterhöhungen sind da vorprogrammiert.
Daß der Senat von Berlin sich auf einen solchen Käufer überhaupt
eingelassen hat, ist eine Folge der total falschen und größenwahnsinnigen
Stadtpolitik in den Jahren der Großen Koalition (ab 1991) unter dem Regierenden
Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU), die Phantastereien en masse wie Olympia
2000, eine Super- BankGesellschaft,
Europas größten Bahnhof
und Großflughafen BBI produzierte,
aber keine solide Industrie- Ansiedlung mit entsprechenden Arbeitsplätzen und
Steuerzahlungen als Ausgleich für die von Bonn (Kanzler Kohl)
gestrichene Berlin- Hilfe zustande brachte.
Immerhin hätte man ja nach der Einheit wieder all die vielen Berlin- Abwanderer
wie die Börse, Siemens, diverse Verlage usw. in die Metropole zurückholen
können.
Stattdessen plünderte man die
landeseigenen Unternehmen, um Geld in die
Haushaltskassen zu bekommen. Dabei wäre es ein Kinderspiel gewesen, ein
Unternehmen wie die GSW so zu sanieren, daß es auf Dauer mit Plus/Minus Null
rauskommt vielleicht sogar regelmäßig einen kleinen Gewinn an den
Berliner Haushalt hätte abliefern können. Aber auch das kriegten Berlins
Sekundär- Politiker nicht gebacken.
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Aktuelles dazu suchen
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Wenn es nun zur Beunruhigung mit entsprechendem Wahlverhalten bei den Berlinern
und demnächst bei den GSW- Mietern kommen sollte (die
Europa-Wahl am 13. Juni gab bereits einen
Vorgeschmack), darf man sich nicht wundern. Schließlich ist die sensible Ware
Wohnung keine Ware wie Kartoffeln oder Tomaten, wo schnell und
problemlos ein zu teurer Lieferant gewechselt werden kann. Das haben diese
CDU+FDP+PDS+SPD am 17. Juni 2004 bei ihrer Entscheidung gegen den Gemeinnutz
übersehen. Sie werden dafür bezahlen müssen.
[03.04.2004:
Es tut sich was in Berlin] (Chronik einer Entwicklung)
[18.05.2004:
Die GSW, das Land Berlin und der dreiköpfige Höllenhund Cerberus]
[07.06.2004:
Darf man die GSW verkaufen?] (Analyse von H.-G. Lorenz, SPD)
Neue Suchmaschinen braucht das Internet
OpenSource contra Kommerz / Nach Grub soll nun Nutch den Durchbruch bringen
BERLIN 16.6.2004 (khd/sp/c't).
Niemand kann heute mehr sagen, wie viele Webseiten es gut 10 Jahre nach dem
Start des World-Wide-Web überhaupt gibt.
Auch die Suchmaschinen wissen das nicht. Denn selbst der Marktführer Google
deckt bestenfalls um die 5 bis 10 % des Internets ab. Viele via Internet erreichbare
Informationen werden von den meisten
Suchmaschinen gar nicht berücksichtigt. Dazu gehören beispielsweise
die meisten Inhalte aus (kostenpflichtigen) Datenbanken, komprimierte (Zip-/ tar-) Archive,
Dokumente im PDF-Format, (wissenschaftliche) Dokumente auf
FTP- Servern, aber auch ganz aktuelle
Nachrichten aus allen Wissensgebieten.
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Das Suchen ist ein essentieller Teil der
Internet-Navigation, aber die Algorithmen werden geheim gehalten.
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Doug Cutting, Chefarchitekt des
Nutch-Projekts auf der WOS in
Berlin zu Google &
Co.
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Aus Sicht der Internet-Nutzer ist das völlig unbefriedigend. Und es ist auch
nicht zu erwarten, daß sich die Situation nach dem anstehenden Börsengang
von Google grundlegend bessern wird. Denn die 3 Großen des Suchmaschinen-
Geschäfts Google,
Yahoo und
Microsoft (MSN) bilden quasi ein Oligopol, das zu sehr am Geldmachen interessiert
ist. Die Bedürfnisse der Internet- Nutzer sind da sekundär, wie ein aktueller
Erfahrungsbericht zeigt. Hinzu
kommt, daß von ihnen Suchergebnisse allzuoft manipuliert werden, um bezahlte
weniger bedeutsame Links nach oben zu pushen. Denn eine gute
Plazierung in den Ergebnis- Listen soll heutzutage Gold wert sein.
Mit seiner Suchanfrage hofft der Nutzer aber, aus dem gesamten bislang gespeicherten
menschlichen Wissen schöpfen zu können. Und dazu gehören auch alle
kostenpflichtigen Dokumente, deren Aufspüren selbstverständlich kostenlos
möglich sein sollte. Das OpenSource- Projekt
Grub wollte das bereits 2001
ändern, wobei es auf Techniken von
Folding@home setzen wollte, wie der Spiegel im November 2001
berichtete.
Mit dem neuen OpenSource- Projekt Nutch wird
jetzt ein weiterer Anlauf gemacht, das Suchen im Internet entscheidend zu verbessern
und vom manipulierenden Kommerz abzukoppeln. Nutch ist derzeit das ehrgeizigste
Vorhaben im Bereich der Internet- Suche, wobei es dabei nicht um die Programmierung
eines neuen Browsers geht. Vielmehr geht es um eine breite Anwendung eines neu
entwickelten Such- Algorithmus, der zudem völlig offengelegt wird. Die Nutch-
Macher hoffen, daß dieser offene Nutch- Algorithmus die treibende Kraft
für eine wachsende Zahl freier Suchmaschinen werden wird.
Der Algorithmus soll bereits respektable Ergebnisse liefern. Auch er stützt
sich bei der Analyse von Webseiten vor allem auf Hyper- Links und die
dazugehörigen Textstellen. Gegenwärtig stehen im Internet einige Test-
Maschinen zum Ausprobieren bereit:
mozDex,
Objects Search oder
Yahoo Labs.
Wie es aber den Nutch- Leuten gelingen wird, das bislang von den kommerziellen
Suchmaschinen nicht erfaßte Internet zu indizieren, bleibt noch unklar.
So gibt es beispielsweise noch immer eine Vielzahl von (Zeitungs-) Verlagen, die
Suchrobotern das Scannen ihrer archivierten Artikel mit einer entsprechend
konfigurierten File robots.txt verbieten.
Auf der Wizards of OpenSource
(WOS) in Berlin, auf der jetzt das Nutch-
Projekt diskutiert wurde, erklärte Wolfgang Sander- Beuermann von der Meta-
Suchmaschine MetaGer (Hannover): Die Idee,
dezentralisierte und auf einer unabhängigen Infrastruktur aufbauenden Navigier-
Hilfen fürs Web einzurichten und untereinander über Meta- Suchmaschinen zu
vernetzen, entspricht genau dem [ursprünglichen] Geist des
Internets. Es sei auch ein Vorteil, daß sich dabei viele
Einrichtungen die Kosten für den Betrieb teilen würden.
[01.11.2001:
OpenSource-Suchmaschine Gemeinsam sind wir schlau] (SPIEGEL)
[11.06.2004:
Freie Suchmaschinen sollen der Monopolbildung entgegenwirken] (c't)
[11.06.2004:
Nutch Die freie Suchalternative zu Google] (TELEPOLIS )
Nix Qualität nur die Kasse zählt
20.6.2004
(khd).
Es ist schon erstaunlich wie ignorant der Marktbeherrscher Google ist. In
vernünftig angefertigten Webseiten stehen im Kopf unsichtbare META- Tags. Diese
sollen u. a. Suchmaschinen (SM) über bestimmte Fakten der Seite informieren.
Beispielsweise kann mit <META NAME="DESCRIPTION" CONTENT="...">
eine Kurzbeschreibung des Inhalts der Webseite mitgeliefert werden. Aber
Google erkennt nicht eine sorgfältige
Formulierung der Beschreibung. Stattdessen produziert Google meistens Mist aus
Zeichenketten, die am Anfang der Webseite stehen.
AltaVista beherrschte früher (um 1997/98) perfekt die Nutzung von
zugelieferten Description- META-Tags. Inzwischen reagieren sie aber nicht mal mehr
auf einen Indizier- Auftrag.
Ein weiteres Beispiel: Mit <META NAME="REVISIT-AFTER" CONTENT="30 days">
kann Suchmaschinen gesagt werden, nach wieviel Tagen sie die Seite erneut scannen
sollten. Der Autor einer Seite weiß sicher am besten, wann vermutlich
aktualisierte Seiten- Inhalte im Web präsent sein werden. Offensichtlich
interessiert das Google (aber auch andere) überhaupt nicht. Denn als
Nebenergebnis meines Erfahrungsberichts
stellte sich heraus, daß im Januar 2004 von Google noch immer obsolete Seiten
in den Suchergebnissen enthalten waren. Diese Seiten waren aber bereits ein gutes
halbes Jahr vorher (rund 200 Tage) vom Netz genommen worden. Mit der Pflege seiner
Datenbestände steht Google auf Kriegsfuß und immerhin ist das ein
wesentliches SM- Qualitätskriterium.
Es ist völlig klar: Eigentlich ist das Betreiben von Suchmaschinen zum Nachweis
des digital gespeicherten Weltwissens eine öffentlich- rechtliche Aufgabe
wie bei den klassischen Print- Medien (Zeitung, Zeitschrift, Buch, ...) in
Deutschland seit 1913 praktiziert von der
Deutschen Bücherei in Leipzig.
Leider stehen dafür derzeit kaum Steuergelder zur Verfügung. Es sei denn
die Politik setzt andere Prioritäten. Es ist aber dennoch höchste Zeit,
daß (zumindest auf der EU-Ebene) regulierend in den Suchmaschinen- Markt
eingegriffen wird. 10 Jahre völlig freien SM-Markts haben gezeigt, daß
der Markt es nicht selbst in den Griff kriegt, Internet- Nutzer mit den benötigten
Informationen schnell (hierzulande tickt ja bei den meisten Internet- Verbindungen noch
immer die Uhr), vollständig und zuverlässig zu bedienen.
Der Informationsversorgung durch das Internet kommt eine erhebliche gesellschaftliche
Bedeutung zu. Das hat jetzt auch ein Teil des Bundestags erkannt. Am 17. Juni
beschäftigte sich erstmals der
Unterausschuß
Neue Medien mit dem Thema Suchmaschinen. Die Fach- Politiker wollen
sich nun um die Förderung freier Suchmaschinen kümmern. Ob sie
allerdings Gehör bei den Finanz- Politikern finden, muß abgewartet werden.
[mehr]
[18.10.2002:
Internet-Veröffentlichungen fordern Deutsche Bücherei heraus] (c't)
[12.12.2003:
Vom Niedergang renommierter Suchmaschinen] (Ein Erfahrungsbericht)
[18.06.2004:
Bundestag sorgt sich um Vielfalt im Suchmaschinenmarkt] (c't)
Vodafone erneut auf Beutezug
Mobilfunk-Konzern nutzt nicht geschlossenes Steuerschlupfloch / Führen
Aktien-Phantasiekurse zu gigantischen Steuerausfällen?
BERLIN 6.6.2004 (khd/tsp).
Nach einem Bericht des Berliner
Tagesspiegel von gestern könnte die Übernahme im Jahr 2000 von
Mannesmann durch den britischen Mobilfunk- Konzern Vodafone Group den deutschen
Steuerzahlern noch sehr teuer zu stehen kommen. Denn
Vodafone will (Buch-) Verluste in Höhe von um die 50 Mrd.
Euro mit seither angefallenen Gewinnen verrechnen (Teilwert- Abschreibung).
Entsprechende Anträge habe Vodafone bei den Finanzbehörden in
Düsseldorf gestellt, schreibt die Zeitung. Die Wirkung wäre fatal: Das
Unternehmen würde in Deutschland auf viele Jahrzehnte keine Steuern mehr zahlen
müssen.
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Die Rache fürs
UMTS?
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Gelesen in einem Internet-Forum. Denn Vodafone will nunmehr in den nächsten 200
Jahren hierzulande keine Steuern mehr zahlen.
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Eine Abschreibung mindert den Gewinn und damit die zu zahlenden Steuern. Das
deutsche Steuerrecht erlaubt eine Teilwert- Abschreibung, wenn der Wert eines
Bilanzpostens dauerhaft unter den Betrag gefallen ist, mit dem er in der Buchhaltung
steht. Beim Kauf von Mannesmann war das der Fall: Das Unternehmen wurde auf dem
Höhepunkt des Aktienbooms Anfang Februar 2000 für völlig
überteuerte runde 200 Mrd. Euro erworben [t-off
berichtete und
kommentierte]. Danach verloren die Aktien an Wert, was bei
Vodafone zu einem Buchverlust von rund 50 Mrd. Euro
führte.
Politiker kritisieren inzwischen empört das Vorgehen Vodafones. Für
Martin Schulz, SPD- Spitzenkandidat zur Europawahl, ist das laut
Tagesspiegel ein Beispiel dafür, wie sich ein Kasino-
Kapitalismus entwickeln kann. Er ist entsetzt darüber, daß der
deutsche Steuerzahler möglicherweise einen nicht unerheblichen Teil der teuren
Übernahmeschlacht bezahlen muß. Und CDU- Experte Hans Michelbach sagte:
Teilwert- Abschreibungen auf eine Luftblase sind eine völlige
Perversion. Notfalls müsse der Gesetzgeber jetzt Konsequenzen ziehen.
12.6.2004 (khd). Der Fall Vodafone zeigt aber auch, wie falsch es gewesen ist,
daß Union und FDP sich jahrelang gegen eine Mindeststeuer bei Gewinnen
gewehrt haben. Aber auch das erst im vorigen Jahr beschlossene [khd-Page
berichtete] Gesetz zum Abbau von
Steuer- Vergünstigungen (StVergAbG) konnte offensichtlich Vodafones
unsoziales Ansinnen nicht verhindern. Insofern haben angesichts der hohen
Staatsverschuldung und permanenten
Finanznot öffentlicher Kassen Bundesregierung und Opposition
kläglich versagt, urteilen kritische Steuerzahler, die brav ihre
Steuern bezahlen. Und Vodafone versteht die ganze Kritik an ihrem
Steuer- Sparmodell nicht. Das sei
doch nur ein ganz normaler und
üblicher
Vorgang, heißt es.
[Kommentar]
[05.06.2004:
Vodafone-Deal kostet Steuerzahler Milliarden] (TAGESSPIEGEL, Seite 1)
[07.06.2004:
Vodafone will sich auf Jahre von Steuern befreien lassen] (DIE WELT)
[07.06.2004:
Steuerrechtler: Milliardenabschreibungen von Vodafone rechtens] (HEISE-TICKER)
Alle älteren Infos findet man im
Archiv:
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Wo sind die Infos?
Viele interessante Themen, die hier einmal behandelt wurden, haben
inzwischen eigene Web-Seiten erhalten. Hier finden Sie den Weg dorthin:
Chronik des Berliner Banken-Skandals. (Bereits in 144. Edition)
Infos zum Elektro-Smog. (neu zusammengestellt)
Zur Gefahr von Acrylamid im Essen.
Zum Nitrofen-Skandal. (den [mehr] folgen)
Die Lebensmittel- Skandale in Europa.
Politik skandalös.
Die Geschichte des EURO.
Nützliches und Infos zum EURO.
Zum Rinderwahnsinn. (BSE + CJD)
Abkürzungen der IT- und TK-Technik.
Es gab mal Proteste gegen die Telekom-Tarife 96.
Es gab mal einen Internet-Boykott 1998.
Und anderes ist im
Archiv abgelegt.
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