Woldenberg (Neumark) kulinarisch  —  Rezepte von Bayers Hof khd
Stand:  26.8.2007   (7. Ed.)  –  File: Food/Rezepte/R_188.html


Woldenberg Diese Seite ist Teil eines Woldenberg-Reports. Woldenberg (heute das polnische Dobiegniew) war vor 1945 eine kleine Stadt in der Neumark, dem damals östlichsten Teil der Mark Brandenburg. Die meisten Bürger Woldenbergs lebten von der Landwirtschaft. Das schlug sich auch im Speisezettel nieder. Von dieser bodenständigen Küche sind einige Rezepte von „Bayers Hof“ bei Woldenberg zum Nachkochen dokumentiert worden.

Die meisten Rezepte sind für jeweils 4 Portionen berechnet, falls nicht anderes notiert. Die Rezepte können durchaus noch Ungenauigkeiten – insbesondere bei der Würzung – enthalten. Daher sind Korrekturen per E-Mail willkommen.

Präsentiert werden hier:  Wrucken (Kohlrüben-Eintopf) [R 188]. So nannte man in Woldenberg Kohlrüben. Anderenorts heißen sie auch Steckrüben. Für viele ist ein Kohlrüben-Eintopf noch immer das Kriegsessen schlechthin. Das sind noch immer die Nachwehen des „Steckrübenwinters“ von 1916/17, als es im 1. Weltkrieg nicht mal mehr ausreichend Kartoffeln gab und das Kriegsernährungsamt am 4. Dezember 1916 alle Kohlrüben beschlagnahmte, um wenigsten eine minimale Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Kocht man jedoch heute diesen Eintopf mit reichlich Fleisch, guten Kartoffeln und den ‚richtigen‘ Gewürzen, dann wird daraus ein sehr wohlschmeckendes Eintopf-Gericht. Und am nächsten Tag aufgewärmt schmecken diese Wrucken noch viel besser.


Kulinarisches aus Woldenberg und Umgebung


Kohlrüben-Eintopf  [Wrucken]

Rubrik: Eintopfgerichte R 188 K
Zutaten:
500–750 g
300 ml
1
1 kg
500 g
2–3 TL
1–2 ml
3 TL

    Schweinebauch  1)
Wasser
Lorbeerblatt, mittleres
Kohlrübe, gewürfelt  2)
Kartoffeln, mehligkochend, gewürfelt
Salz
Weißer Pfeffer, gemahlen
Majoran, gerebelt
   






 
Zube-
reitung:
  1. In einem großen Kochtopf den abgewaschenen Schweinebauch in dem Wasser aufsetzen und zum Kochen bringen.
  2. Das Lorbeerblatt, 2 TL Salz und 1 ml Pfeffer zufügen. Zugedeckt auf Stufe 1 1/2 (von 3) kochen lasen, bis das Fleisch weich ist, was etwa eine gute Stunde dauern wird.
  3. Inzwischen die Kohlrübe in Viertel zerteilen  2), dann die Viertel waschen und schälen und in etwa 2 cm große Würfel zerschneiden.
  4. Die Kartoffel schälen und ebenfalls würfeln. Die Kartoffelwürfel in Wasser legen und beiseitestellen.
  5. Sobald das Fleisch gar ist, dieses aus dem Topf nehmen und auf einem Teller etwas abkühlen lassen.
  6. Die Brühe aufkochen und die Kohlrüben- und Kartoffelwürfel in die Brühe geben und erneut aufkochen lassen. Dann auf Stufe 1 1/2 weitere 30–40 Minuten kochen – es sollte mehr ein Köcheln sein.
  1. Den Schweinebauch von den Knochen und der Schwarte befreien und in mundgerechte Würfel schneiden. Diese wieder zu den Kohlrüben geben.
  2. Den Eintopf mit dem restlichen Salz und Pfeffer abschmecken. Dann den Majoran zufügen und die Kohlrüben zugedeckt noch etwa 5–10 Minuten ziehen lassen (Stufe 0).

    Der Kohlrüben-Eintopf ist eines dieser Kriegsgerichte, die auch noch heute – nun mit reichlich Fleisch aufgepeppt – sehr gut schmecken. Allerdings wissen ja viele garnicht, wie diese „Wrucken“ schmackhaft zubereitet werden – mit Schweinebauch + Majoran!

    Dieser Eintopf schmeckte sogar unseren in den 1990er-Jahren geborenen Enkelkindern – und das will schon sehr viel heißen.

 
Anm.: 1)  Man kann auch den etwas mageren Schweinekamm nehmen. Aber das schmeckt nicht so gut! Denn der Schweinebauch hat gekocht so einen süßlichen Geschmack, der dem Schweinekamm fehlt. Manche nehmen ja auch Gänsefleisch statt des Schweinebauchs, was aber kein so gutes Geschmacksergebnis liefert.
2)  Zum groben Zerteilen (Vierteln) der harten Kohlrübe empfiehlt sich ein längeres scharfes Messer, daß nicht so wabbelig sein darf.
Quelle: Selbst erprobt. Das Ergebnis meiner Bemühungen, Rezepte aus meiner Kindheit nach dem Geschmack zu rekonstruieren, denn Oma hatte es leider nicht aufgeschrieben.
Notiert: 5.11.1988.

©  1988–2006   khd-rezepte — R 188 – 6i. Ed.





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